Wie die Heldenrolle im politischen Kontext gestrickt ist. Und wie lange der Auftritt dauern kann.

Peer Steinbrück ist eine Top-Besetzung für die Heldenrolle im politischen Theater. Und das ist ganz ernst gemeint. Was für ein Mann! Was für eine Kraft! Was für eine Risikofreude! Wir erinnern uns, wie er die Steuerhinterziehungsstaaten gedemütigt hat. Wie er die Spitzenverdiener auf die Streckbank gewünscht hat. Phantastisch. In der Zeit nach Gerhard Schröder und den Argonauten des rotgrünen Kabinetts haben wir uns solche Menschen zurück gewünscht. Menschen, wie Helmut Schmidt. Nicht der Bundeskanzler a.D., sondern der politische Feuilletonist und Bundeskanzler a. G. (aus dem Gedächtnis). Markant, blitzgescheit, immer zum Widerspruch und zum Risiko bereit. Brillant in der Analyse, scharf im Zupacken.

Ich erinnere mich an eine Veranstaltung vor Berliner Unternehmern. Vor mehr als 300 Unternehmern, von der IHK versammelt, hat Steinbrück den wirtschaftlichen Eliten den Marsch geblasen. Weil sie immer für ein einfaches Steuerkonzept sind. Solange nicht ihre Subventionierung betroffen ist. Weil sie für Leistung plädieren, so lange auch das Scheitern in ihrem Arbeitsvertrag gut dotiert ist. Weil sie Wasser predigen. Und Wein trinken. Als dann schließlich noch so ein armer Unternehmerwicht auftrat, der meinte, er könnte den stets hervorragend vorbereiteten Finanzminister durch Fragen aus dem Gleichgewicht bringen, da war es geschehen. In Grund und Boden wurde der Frager vernichtet, weil Steinbrück nicht nur über eine geschliffene Rhetorik, sondern auch über das Faktengedächtnis eines Elefanten verfügt.

Die Heldenrolle scheint dabei ganz unabhängig von inhaltlichen Fragen. Wir vergleichen: Der Manager der Finanzkrise, Herr über das größte Haushaltsdefizit, das es jemals in einem Bundeshaushalt gegeben hat, ein halbes Jahr zuvor. Noch bei der Präsentation des Haushalts 2009 hat Peer Steinbrück vom Null-Neuverschuldungs-Haushalt gesprochen. Fast wäre er der erste Finanzminister geworden, der einen Haushalt ohne Neuverschuldung vorlegen kann. Fast, wenn ….. . Ja, wenn die Krise nur ein paar Monate später gekommen wäre. Aber das hat schon mal nicht geklappt. Da hat sich der Finanzminister erst in einer anderen Inszenierung eine Heldenrolle schneidern lassen.

Der Held auf der politischen Bühne? Wir wünschen ihn uns. Ob als Obama, Peer Steinbrück oder in einer anderen Besetzung, wir lieben oder fürchten diese Menschen, die sich um nichts scheren und ganz in ihrer Rolle aufgehen.

Aber: Heldeninszenierungen sind das eine. Die Ausdauer des Langstreckenläufers eine andere Tugend eines erfolgreichen Politikers. Und: die politische Bühne ist bereit für immer neue Helden. Die oftmals tragische Heldentode sterben müssen. Und die, Gruß Gott Freiherr von  und zu Guttenberg, die stehen schon bereit.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.