What’s right, what’s wrong. Nachdenken zwischen Putin, Snwoden und Sarrazin.

Wir taumeln durch die Zeiten. Gerade lag der öffentliche Fokus auf der Absurdistan-Inszenierung Olympia, bei der unter Ausschluss der Öffentlichkeit einige Athleten und Athletinnen angeblich um Leistungen und „Dabeisein ist alles“ wetteifern durften. Tatsächlich wird der Medaillenspiegel aber längst als eine Art nationales Aufrüsten ohne Waffeneinsatz betrachtet. Olympia ist die Fortsetzung von Politik mit anderen Mitteln dürfte sich Putin gedacht haben, als er seine Zuckerbäckerinszenierung hat schaffen lassen.

Das jedenfalls hat Putin schon mal nichts gebracht. Die Fassade der friedlichen Spiele hat angesichts der Ereignisse von Kiew immer größere Risse bekommen.

Wirkung zeigt aber „Asyl für Snowden“. Wirkung deshalb, weil, solange kein Land aus dem ach so freien Westen Snowden, dem mutigen Überbringer der schlechten Naycchrichten, im Namen der gemeinsamen Grundwerte Asyl anbietet, bleibt Putin dann doch ein zumindest taktischer Retter der Freiheitswerte. Manchmal muss man auch kalt taktierenden Zynikern Respekt zollen.

Jetzt rasselt er also mit den Säbeln. Was ist, frage ich mich dabei manchmal, dabei die richtige Haltung für einen westeuropäischen Bürger?

Natürlich Unterstützung für alle Bestrebungen der ukrainischen Bürger, ihre Meinung zu sagen, ihre Rechte auch wahrnehmen zu können, eine gesellschaftliche Mitte auzubilden. Aber in der Realität steht doch ein korrupter, von Putin gestützter Kleptograph, gegen eine fast ebenso korrupte Kleptokratin, die mit bildgewaltigem Haarkranz und flammenden Reden ihr Konto gefüllt hat. Wenn die Zahlen stimmen, die das Handelsblatt kürzlich zitiert hat, dass die USA 5 Mrd. Dollar in die ukrainische Opposition investiert haben, dann wundert man sich nicht mehr: Es geht nicht um die Werte des Westens, Freiheit, Demokratie, das steht nur auf den Wimpeln, die die Demonstranten vor sich her tragen (und die viele, die ihr Leben riskieren, auch so meinen). Im Hintergrund geht es aber um das große Geschäft, vielleicht, beim intellektuellen Zustand der USA kann man das nicht mehr sagen, geht es auch um eine Art Kreuzfahrermentalität, das Böse zu vernichten, ganz im Sinne des kalten Kriegs. Und die Klerialen, diese Tallibans des Westens, haben sich die finanzielle Unterstützung derer gesichert, die Big Business repräsentieren.

Internationale Politik ist tatsächlich ein dreckiges Geschäft. Und die im Weltmaßstab harmlosen Europäer, allen voran die Deutschen, so eine Art globaler Friedensengel, stehen vor so viel Gewalt ratlos da.

Krieg? 100 Jahre nach der ersten großen Materialschlacht rückt eine Option, die man gerade noch in den Geschichtsbüchern bestaunen konnte, wieder näher. Krieg am Rande Europas. Aber mal im Ernst: Niemand hat den Eindruck, der Westen wäre überhaupt kriegsfähig. Das Bild, das sich die herrschenden Klassen, Politik wie Wirtschaft geschaffen haben, ist friedlich, konsensorientiert, verhandlungsbasiert. Krieg führen im Westen immer nur die Amerikaner. Und die haben keine Lust, die Interessen Europas jetzt wieder mal als großer Bruder zu retten.

So, wenn man den ganzen globalen Irrsinn jetzt Revue passieren lässt, was ist jetzt die richtige Haltung?

Eine Haltung, die sich nicht in billige Feindbilder zwingen lassen, will, der freie Westen gegen den Zwangsosten, sondern die durchaus oben besagte Widersprüche wahrnimmt? Eine Haltung, die weiß, dass Demokratie, Freiheit, Meinungsfreiheit und darauf basierend, Zusammenhalt einer Gesellschaft aus einer Gesellschaft heraus wachsen müssen? Und die in Rechnung stellt, dass Demokraten in der Ukraine, was schließlich nicht hinter dem Mond ist, als mindeste Reaktion die Unterstützung der Demokratisierungsbewegung (aber welcher?) und eine Solidarisierung der Bürger erwarten. Die aber, zumindest in Teilen, auch erwarten, dass der Westen, und hier sind die westlichen Regierungen gemeint, nicht wie in Syrien debattierend zusehen, während Waffen längst Tatsachen schaffen.

Wer, darauf will ich hinaus, wer aus diesem wilden und widersprüchlichen Durcheinander Ordnung, sprich, ein Weltbild schaffen will, muss, so meine ich, scheitern. Die Vorgänge sind zu komplex, um in ein Bild zu passen.

Dabei bin ich gar noch nicht bei den provinziell deutschen Bildstörungen und Bilderstürmern gelandet. Der Dauererreger Sarrazin, der mit der Frage, dass auch in einer freien Gesellschaft Dinge tabuisiert werden, seinen neuen Bestseller landen wollte und sich selbst, den reflexhaft reagierenden Berliner Linken sei Dank, jetzt als Märtyrer dieser linken Scheingutmenschen darstellen kann. Die Frage: Wie viel Auflösung und Widerspruch hält eine Gesellschaft aus? Wie ist das Verhältnis von Zusammenhalt und Heterogenität zu betrachten? Wer gehört dazu? Und wer nicht? Die Welt definiert sich, scheint es, oftmals in Polarisierungen. Bekenntnisse sind dann gefragt, Bekenntnisse, die differenziert denkenden Menschen so schwer fallen. Einfache Bilder, die vielschichtigere und komplexere Abwägungen, verdrängen, überlagern.

Wir wursteln weiter. Noch geht es ja gut. Uns jedenfalls. Denen aus der Komfortzone.

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