Wer zu spät kommt! An meine lieben grünen Freunde.

Zum Abschluß war es ein bißchen, als ob die Grünen trockenschwimmen geübt hätten und dann, vor dem Sprung ins Wasser, abgebrochen hätten mit dem Spruch, das war jetzt aber schon ganz schön aufregend, sich das vorzustellen. Nur machen, das wäre zu viel gewesen. Deeswegen musste man die Gespräche mit der CDU einstellen.

Ganz nüchtern: So, jetzt ist es vorbei. Ein unwürdiger Wahlkampf hat einen gewürgten Abschluss bekommen. Man hat so tun können, als sei man auf Augenhöhe. Man hat signalisieren können, man könnte auch mit der CDU verhandeln. Man hat sich nicht geschlagen. Man war nett miteinander. Aber dann hat man sich doch entschieden, diesmal nicht mit der CDU zu verhandeln. Vielleicht nächstes Mal. Aber jetzt wäre das zu schwierig gewesen, innerparteilich. Und auch: Diejenigen, die die Partei auf Linkskurs gezwängt haben, also die gesamte, in ihrem linken Teil in besser bezahlte Ämter zurückgetretene und aufgestiegene, in ihrem Realoteil sich schlau ins unschuldig Trockene gerettete Parteispitze hätte, zwar mit Begleitschutz aus Baden-Württemberg und NRW, zeigen müssen, dass entgegen dem Wahlkampfeindruck das Gespräch mit der CDU sehr wohl möglich ist. Es war der eigene Schatten, über den man nicht springen wollte. Es war der Mangel an Courage, der ein letztlich erfolgreiches Ergebnis, Regierungsbeteiligung, verhindert hat.

Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben, hat Gorbatschow mal gesagt. Das könnte jetzt auch den Grünen so gehen, wenn sie, des lieben innerparteilichen Friedens willen, jetzt als NR. 4 auf der Reservebank sitzen, ihre Wunden pflegen, ihre besondere Bedeutung im Inneren ihrer Herzens bewahren, während draußen die Welt sich weiter dreht.

Es könnte sein, dass die Grünen nach den jetzt vor uns stehenden vier innerparteilichen Kuscheljahren plötzlich feststellen müssen, dass niemand sie mehr braucht. Gesinnungsethiker sind gefragt, wenn es um Richtungswechsel geht. Verantwortungsethiker werden das Thema Energiewende und eine auf Nachhaltigkeit ausgerichtete Modernisierung schon weiter aufgreifen und umsetzen. Wenn sich dann weiter die Grünen gesinnungsethisch radikal gebärden, während die große Koalition einfach Politikhandwerk betreibt, könnte es sein, dass die Wählerinnen und Wähler außerhalb der Stammmilieus, der staatsnahen Angestellten, beschließen, dass es auch ohne grüne Aufreger gut voran geht. Auch mit der Energiewende.

Es war eine historische Situation. Die Grünen hätten die Energiewende, die sie selbst vor dreißig Jahren in die Wege geleitet haben, zu einem erfolgreichen Abschluss bringen können. Jetzt oder nie. In vier Jahren ist der Zug abgefahren. Wenn man eine pragmatische Haltung eingenommen hätte, diese historische Situation begriffen hätte, die Chance wahrgenommen hätte, wenn die handelnden Personen das Risiko auf sich genommen hätten, eine „ja-Entscheidung“ zu erzwingen, dann hätten die Grünen diese historische Chance nutzen können.

Hätte, hätte, Fahrradkette.

Das ist der sachliche Teil. Wenn wir einen Blick auf die Haltung der Spitzengrünen werfen, können wir feststellen: Niemand ist bereit, Führung zu übernehmen. Jürgen ist noch in seiner Sicht der Dinge verklemmmt, die Deutschen wären noch nicht so weit, ihn zu verstehen. Katrin hat sich entschieden, das eigene Fortkommen zu optimieren, was auch immer sie dafür aufsagen muss. Steffi Lemke ist an gar nix schuld, dafür ist sie ja jetzt mit einem stellvertretenden Fraktionsvorsitz belohnt worden. claudia spricht jetzt für alle Deutschen (Bundestagsabgeordneten). Und Cem harrt wieder mal aus und hofft, keins abzukriegen. Na ja gut. Und Winfried als Hoffnungsträger hat gezündelt, mehr aber auch nicht.

Ich habe mich nie nach Joschka Fischer zurück gesehnt. Aber in so einer Situation ahnt man, was es heißt, dass einer Führung übernimmt. So einer fehlt jetzt. Weil sie lieber alle nett zueinander sind.

Würden Sie so einer Führungsmannschaft vertrauen? Und kann man so geräuschlos einfach weiter machen?

Ich glaube, nicht!

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