Weltbilder und Paradigmenwechsel. Zum Westen, der Politik und den Grünen.

Der Westen hat ein Problem. Oder vielmehr, nicht DER WESTEN, sondern die rationalistischen Eliten des Westens. Sie glauben an Rationalität, rationale Entscheidungen, Vernunft, eine heile Welt, also eine Welt, in der die Gleichungen aufgehen, was heißt, in der es eine gute Lösung gibt. 

Was aber, wenn das nicht stimmt?

Keine andere Partei trifft diese Tatsache so sehr wie die Grünen. Die Welt, könnte man sagen, grätscht den Grünen in ihre Selbstbeschreibung. Die lautet so: Wir sind die Unbestechlichen, wir kommen von außen, wir lassen uns nicht korrumpieren. Wir sind radikal und klug, wir haben die besten Lösungen. 

Tatsächlich haben die Grünen bisher mit ihrer anderen Sichtweise, der Bekenntnis zur Endlichkeit des Planeten, der Überzeugung, dass wir, der Westen, seinen alten Wirtschaftsimperialismus nicht einfach weiter fahren kann, der nachholenden Modernisierung der Deutschen Gesellschaft, Deutschland tiefgreifend verändert. Aber die Agenda ist abgearbeitet, bei den anderen Parteien implementiert. Und was jetzt?

Deutschland, wiewohl noch in ner guten Stellung in Relation zu Frankreich, Italien, Spanien, Polen, muss umdenken. Das neue Trumpsche Steuerkonzept, weniger Export, Besteuerung dort, wo der Absatzmarkt ist, würde zu einer Entschleunigung der Globalisierung führen. (Siehe auch Handelsblatt von heute). Aus grüner Sicht müssten sie das sogar begrüßen, auch wenn das zu einem höheren Konfliktrisiko führt (mehr Nationalismus, weniger Kooperation). 

Also, die fetten Beuten werden kleiner. Wie darauf reagieren, zumal wachsende Teile der Gesellschaft verunsichert sind, sich fremder im eigenen Land fühlen, keine Idee davon haben, wie der Clash of Cultures, den man zumindestens auf einigen Straßen (und U-Bahnen) Berlins erleben kann, befriedet werden kann. 

Ein Land, ein Kontinent muss sich entscheiden. Welchen Stellenwert haben Meinungsfreiheit, welchen soziale Sicherheit, welchen kulturelle Vertrautheit? 

Und die Lösung, die Formel, auf die man das bringen wird, ist keine rationale. Weil Politik eben kein rationales Geschäft ist, sondern letztlich Vertrauen. 

Das hat man letztlich nur zu Personen. 

Wir kommen in eine Konsolidierungsphase. Nur die politischen Blütenträume von LinksRotGrün, die treiben nochmal besonders aus. Die glauben, politische Versprechen nach Umverteilung und Gerechtigkeit gewinnen Wähler. 

Vielleicht, aber zu wenige. Zumindestens in Relation zum Potential, das die Grünen heben könnten, wenn sie sich trauen würden. Wenn sie sich der Auseinandersetzung mit einem beleidigten Trittin und einer seltsam geschichtslosen jungen Linken unter den Funktionären (Wohlfühllinke) stellen würde. 

Schade eigentlich, denn noch immer halte ich die PolitikerInnen der Grünen für überdurchschnittlich dialogfähig, klug und aufgeweckt. Sie bewegen sich halt im (noch) im falschen Film. 

Ende September werden wir dann wissen. 

 

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