Was geht. Und was nicht geht. Ein Lehrstück in Sachen Erfahrung

Ich bin ja ein durchaus begeisterter Zeitungsleser. Neben der wöchentlichen Zeit gehören Süddeutsche, FAZ und die Berliner Zeitung zu meinem täglichen Pogramm (ich weiss, die taz fehlt, und die Financial Times hat mir immer gut gefallen, aber zu viel ist zu viel). Und weil die Berliner Zeitung eine außergewöhnliche Zeitung mit einer außergewöhnlichen Geschichte ist, sei sie hier erzählt. Als Beispiel dafür, dass auch unwahrscheinliche Dinge funktionieren können.

Wenn man Prognosen gewagt hätte, welche Zeitungen auf dem Berliner Markt überleben, wer wäre da auf die Berliner Zeitung gekommen. Ein altes Ossi-Blatt, das gegen sich gegen einen Tagesspiegel behaupten musste, der mit Giovanni und „Süddeutschen“-Ambitionen mit Berlin Vorteil gestartet ist. Ein Blatt, das von einer Heuschrecke übernommen wurde, die wirklich (zumindest von außen) keine Idee hatte, wie so ein Blatt besser aufgestellt werden konnte. Mit dem sich die Belegschaft unter der sehr respektablen Führung von Uwe Vorkötter gegen die Übernahme gestemmt hat, Und unterlegen ist. Die ihren Chefredakteur dann gehen lassen musste und unter der Knute eines über Anteile bestochenen geldgierigen Sackes leiden musste. Die trotzdem immer weiter gemacht hat, bis, manchmal hat der Himmel Gnade, die Heuschrecke die Segel streichen musste. Die dann seinen alten Chefredakteur zurück geholt hat und nun unter seiner Führung und mit seiner alten Stellvertreterin weiter macht. Es ist eine Geschichte, wie sie in neudeutsch: krasser nicht sein könnte.

Und die trotzdem und trotz Medienkrise jeden Tag eine sehr interessante und meinungsstarke Zeitung macht, die trotz Internet usw. auch einem gut belesenen Leser immer etwas Neues bietet.

Jetzt werden die politischen Redaktionen von Frankfurter Rundschau und Berliner Zeitung unter der Berliner Führung zusammen gelegt. Lohn der Angst. Bitter, aber unvermeidbar. Die Idee, mit einem Redaktionspool journalistische Kompetenz zu erhalten und trotzdem Kosten zu sparen, liegt auf der Hand. Man muss dem Verlag und den Redakteuren dazu alles Gute wünschen. Weiter so. Weiter streitbar darauf sehen, was los ist.

Dann ist mir über die Zukunft der Zeitung nicht bange.

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