Warum wir Werte brauchen. Und warum politische Programme kein Ersatz dafür sind.

Gestern habe ich mich zum Spaß mal über den Wahlomaten der Bundeszentrale hergemacht. Das Ergebnis ist eindeutig, ich bin Grünwähler, danach SPD, Linke, erst dann FDP und CDU. Das gab es noch nie. Und das hat mich zum Nachdenken gebracht. Weil ich, im Gegensatz zu sonst, da war ich auch schon Wahlomat FDP Wähler, habe aber grün gewählt, diesmal alles ganz anders ist.

Der Grund ist ganz einfach: Ich finde, dass alle Parteien uns ein Wünsch Dir Was vormachen. Der Wahlomat auch. Ich muss mich nur entscheiden, was für mich wichtig ist. Wie bei einem Warenhauskatalog. Bestellt, geliefert, die Rechnung geht auf Kredit.

So ging das schon mal in den USA schief. Da konnte man sich, ohne Geld Häuser kaufen. Die Rechnung haben dann die europäischen Steuerzahler bezahlt, weil auch öffentliche Banken so blöd waren, die Katze im Sack zu kaufen.

Damit nichts missverstanden wird: Der Wahlomat ist super. Aber nicht für mich. Weil mich die Wünsch-Dir-Was Mentalität auf den Nerv geht. Ich weiss aber auch, dass Politik so was machen muss. Wo ist der Ausweg?

Ich nehme mal ein Beispiel. Bürgerversicherung. Klingt super. Gerechtigkeit für alle. Das Nebeneinander von PKV und GKV ist ja auch kaum zu verstehen. Die Bürgerversicherung ist also erst einmal ein säkulares Heilsversprechen. Das Ende der Zweiklassenmedizin.

Als solches ist es aber völlig ungeignet. Wollte man tatsächlich Einheitlichkeit für alle, müsste man das staatlich administrieren. Das will niemand, das ist zu schwerfällig. Also kommen solche Versprechen zustande.

Tatsächlich ist es aber so, dass die Akteure a) weder wissen, wie sie es umsetzen sollen und b) auch wissen, dass das die Zweiklassenmedizin nicht abschaffen wird.

Meine These ist, dass sich die Parteien zu sehr darum mühen, Einzelkonzepte zu entwickeln. Und zu wenig damit befassen, welches Bild der Gesellschaft und welche Werte ihre Unterstützer eint.

Bei den Grünen könnte das eine art ökologisch kalvinistischer Ethos sein. Der ist aber diesmal nirgends zu spüren. Stattdessen grünsozialdemokratisches Macherbewußtsein. Bei mir klingelt da die Alarmglocke. Gut gemeint ist nicht gut gemacht.

Dann lieber Protest. Oder Stillstand mit Augenmaß in der Eurokrise.

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