Warum Märkte besser arbeiten

Die landläufigen Vorstellungen, warum Märkte besser arbeiten, ist, dass sie Preise vergleichbar machen und deshalb, in einem Käufermarkt, die Tendenz zur Preissenkung herrscht. So arbeiten Märkte in einem entwickelten Markt. Die Leistung von Märkten in disruptiven, innovativen Umfeldern wird dagegen oftmals übersehen.

Märkte ermöglichen Risikosharing
Märkte in Innovationsumfeldern haben aber einen zusätzlichen Effekt. Und dieser wird in politischen Debatten um „politisch strukturierte Märkte“ übersehen. Sie sind stellen eine Form des Risikosharings dar. Indem Unternehmen neue Leistungen entwickeln und damit auf den Markt gehen, können sie sich, selbst, wenn es kleine Unternehmen sind, ihr Risiko begrenzen, indem sie Teilleistungen von Dritten erbringen lassen, die ihrerseits, weil näher an ihrem eigenen Teilmarkt dran, besser übersehen können und deshalb die Umsetzungsschwelle absenken.
Ausschreibungen sind nur Ersatzmärkte
Diese Offenheit naturwüchsiger Märkte fehlt in Ausschreibungsverfahren, wie sie von der öffentlichen Hand oftmals bevorzugt werden. Sie müssen rechtssicher sein, dh. die Risiken werden oft einseitig auf die Anbieter überwälzt. In einem der Spiegel der vergangenen Wochen wurde das Thema „Vergabe bei Rüstungsunternehmen“ erörtert. Hier verhält sich die öffentliche Hand manchmal dilletantisch, manchmal erpresserisch, wie ich aus Berichten über Vergaben im Umfeld des Verteidigungsministeriums weiß. Null-Prozent Risken gibt es nicht, gerade bei Großprojekten, Offshore-Windparks oder komplexen Rüstungsprojekten geht es also darum, Risiken eindeutig zu benennen und ihre Verantwortlichkeit sichtbar zu machen. Wir erinnern uns an Toll-Collect? Das war Zocken bis zum letzten, getrieben von der Idee, über wachsenden Vertragsumfang Risiken in Text einzulagern. Um notfalls klagen zu können. Zermürbungstaktik oder Inkompetenz, gepaart mit Größenwahn. Oder, oder, oder. Jedenfalls nicht das Geschäftsgebaren seriöser Geschäftspartner.
Politik und Kassen wollen Sicherheit. Forschende Unternehmen agieren in einem Raum maximaler Unsicherheit.
Sprung in den Medikamentenbereich: Auch dort verhandeln Hersteller, ich spreche jetzt von forschenden Arzneimittelunternehmen, und G-BA über Medikamentenpreise, aber eben mit unterschiedlichem Blickwinkel. Krankenkassen und Politik betrachten den Gesundheitsbereich aus dem Blickwinkel maximaler Sicherheit: Perspektive ein Jahr, maximal vier Jahre (wenn wieder Wahlen anstehen), in dieser Zeit sollen die Preise möglichst nicht aus dem Runder laufen. Pharma-Unternehmen hingegen betrachten die erzielten Preise als Grundlage künftiger Geschäftstätigkeit, formal ist es tatsächlich ein Verhandeln über Preise, aber weil die wesentlichen Kosten in der Vergangenheit liegen, sind da nur noch geringe Steuerungsmöglichkeiten vorhanden. Werden geringere Preise erzielt, fehlen Investitionsmittel. Das Problem überbordender Vorstandsgehälter und noch überdurchschnittlicher Renditen von Pharmaunternehmen lassen wir jetzt mal außen vor. Die Folge ist jedenfalls schon jetzt: Forschende Arzneimittelhersteller konzentieren sich bereits jetzt schon darauf, Hoffnungsträger, also kleine Unternehmen mit vielversprechenden Produkten zu übernehmen und die Produkte zur Marktreife zu führen. Folge: Riskante Investitionen unterbleiben, Therapiebereiche, in denen keine attraktiven Preise zu erzielen sind, werden nicht „ausgeforscht“.

Und die Perspektive von Politik und Kassen auf der einen Seite und forschenden Herstellern auf der anderen Seite fällt immer weiter auseinander.

Gefühlt ist der jetzt eingeleitete Dialog von Pharmaindustrie und Politik deshalb erst einmal der richtige Weg: Bilder abgleichen, Vertrauen bilden, neue Spielregeln festlegen. Muss nicht klappen, weil etwa seitens der Pharma-Industrie die Strategien weltweit definiert werden, der deutsche Pharmadialog, ja, da weiß man halt nicht, wen der seitens der Industrie interessiert. Und umgekehrt, weiß man nicht, inwieweit Politik, die sich ja immer ökonomiefeindlicher geriert, tatsächlich fähig ist, offen über die unterschiedliche politische Perspektive auf der einen Seite und der unternehmerischen Perspektive auf der anderen Seite zu sprechen.

Ob was dabei herauskommt?

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