Wahl. Tag. danach

Wowi bleibt. Und fühlt sich als Gewinner. Die GRÜNEN sind stärker als je. Und dennoch die Verlierer. Auch alle andere haben verloren, die Piraten ausgenommen. Sie haben das Schiff geentert. Outside in. Was als kulturelle Note in einem allerorts als öde empfundenen, künstlichen Wahlkampf Sinn und Spaß macht, wird, so meine Prognose, keinen Bestand haben. Die Idee der enternden Piraten sind der Protest der Erlebnisgesellschaft. Aber welcher Pirat macht in Parlamentsdebatten schon einen guten Eindruck? Denn von der Protest- und Sympathiewelle getragen, schweißt eine Kampagne zusammen. Jetzt folgen die Mühen der Ebene. Kompromissbildung unter denen, die bisher ihr Ego und ihre Meinung nur so herausgebloggt haben. Ob die nächste Phase fruchtbar wird? Wir werden sehen.

Mittelfristig betrachtet, wird den GRÜNEN der Wahldämpfer gut tun. Zwischenkonsolidierung auf hohem Niveau. Und die Berliner Zeitung und Sibyll Klotz haben Recht, wenn sie das unausgereifte Hin und Her kritisisieren. 100.000 Arbeitsplätze kann die SPD versprechen, für GRÜNE ist eine so vollmundige Selbstermächtigung der Politik nicht angemessen. Das kann Politik nicht. Viele der Wähler sind klüger. Und Politik ist Dialog, hinhören. Aber Partei, Kandidatin und Kampagne wussten alles besser. Von Anfang an. Wer mag das schon.

Dass hinter den Berlingrünen Kulissen die Konsolidierung zwischen einer altbackenen Traditionslinken in Kreuzberg und dem Rest des Landesverbandes noch nicht stattgefunden hat, wissen zwar die wenigsten. Aber gespürt haben sie das schon in dem über zweihundert Seiten starken Rezeptbuch, dem Wahlprogramm, wie sich die GRÜNEN unser Berlin zurechtgedacht haben.

Es sollte zu denken geben, wenn die Piraten, die offen bekennen, in vielen Bereichen nichts zu wissen, so viel Unterstützung kriegen. Kultur des Hinhörens, heißt das anderswo.

Überraschend, die CDU. Ja, Unaufdringlichkeit kann funktionieren. So richtig hat eigentlich nichts verfangen, wie viele Exemplare der Hundert Ideen für Berlin hat eigentlich Henkel verkauft? Und die Autozündler, die eigentliche Zeitbombe im Wahlkampf, sind vor der Wahl dann doch auf Stand By gegangen. Dennoch gab es irgendeinen Zeitpunkt, ab dem man, wahrscheinlich, als die unaffällige CDU dann die GRÜNEN überholt haben, den Konservativen Respekt zollen musste. Zumindest keine Auffälligkeiten, keine Ausfälle, wenn die CDU jetzt in der Spur bleibt und sich jetzt auf sich selbst konzentriert, die innere Konsolidierung, kann sie auch wieder eine Partei werden.

Wie die FDP das schaffen will, bleibt rätselhaft. Liberaler Bedarf besteht, gestern abend bei der GRÜNEN Party, meinte eine Grünenaktivistin, sie wäre eigentlich eine Liberale (Mir geht es auch so). Aber Liberale gäbe es in der FDP ja nicht mehr. Gut gebrüllt, …… Aber, das Dilemma geht noch weiter. Denn eigentlich gibt es ja schon gar keine Aktivisten mehr in dieser FDP. Während der gefühlte Politologiestudent Meyer, hauptberuflich der Partei- und Fraktionschef, auf die Bundesebene verweist, sei er daran errinnert, dass nicht mal die CDU von der FDP reden mochte. Auf Landesebene, Herr Meyer. Der letzte macht das Licht aus. Guter Rat ist teuer, wenn keine Menschen mehr da sind, die die Liberale Sache vorantreiben, diskutieren wollen.

Und wie geht es weiter? Wowereit muss sich einen Koalitionspartner, und mal ein paar neue Senatoren holen. Die derzeitige Truppe, wiewohl einige sehr solide Politikhandwerker dabei sind, atmet den Geist der vergangenen zehn Jahre. Ob Wowi mit dem Krokodil (by the way, wer hat ihm denn diese Frisur angeklebt, bitte!!!!) sich schon auf die Suche nach attraktivem Personal gemacht hat? Gut wärs, weil gestern war Wahlkampf. Ab heute ist Regierungszeit!

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