Von Gaunern und anderen Wohltätern: Berggruen, die nächste

Dass es dem Gutmenschen mit dem Besserwissergestus in Sachen Staatslenkung um die Lenkung von Karstadt geht, kann definitiv ausgeschlossen werden. By the Way: Was sagt eigentlich die smarte MInisterin von der Leyen zu dem Ganzen. Der Retter ist doch direkt über sie angelandet. Wobei ja nicht nur sie dem offensichtlich unwiderstehlichen Charme des unsteten Hotelbewohners erlegen ist. Auch ein bekannter Ex-Außenminister gehört zu den Akklamateuren.

Stellt sich die Frage, ob die Stiftungsaktivitäten und die Gutmenscheninszenierungen nur Akquiseinstrumente sind. Übers Schönreden kommt man mit Influencern überall auf der Welt ins Gespräch. Eitelkeit lautet die Währung. Und wenn man dann ein Geschäft schlecht abschließt, stößt man es wieder ab, packt die Koffer und lässt Gras drüber wachsen.

Tja, es käme da nur drauf an, dass einer mal Klartext redet.

FAZ FREITAG, 22. NOVEMBER 2013
WIRTSCHAFT
Berggruen bereitet Ausstieg aus Karstadt vor
Nach den Nobelfilialen ist nun auch ein Verkauf der restlichen Warenhäuser an den österreichischen Investor Benko im Gespräch.
B.K. DÜSSELDORF, 21. November. Es ist gerade zwei Monate her, da hat Karstadt-Eigentümer Nicolas Berggruen überraschend den Rückzug aus den Premium- und den Sporthäusern verkündet und mit der Abgabe der Mehrheit an diesen Gesellschaften den Einstieg in die Zerschlagung des Essener Warenhausunternehmens vollzogen. Nun mehren sich Meldungen, wonach er sich auch weitgehend aus dem Geschäft der verbliebenen 83 Karstadt-Häuser zurückziehen könnte. So soll der deutsch-amerikanische Milliardär dem österreichischen Immobilieninvestor René Benko und dessen Geschäftspartner, dem israelischen Diamantenhändler Beny Steinmetz, eine Option eingeräumt haben, auch 75,1 Prozent des Stammgeschäfts der angeschlagenen Warenhauskette zu übernehmen, und zwar zum Preis von einem Euro. Berggruen wäre bei Ausübung der Option dann nur noch zu jeweils 24,9 Prozent an den drei juristisch getrennten Karstadt-Unternehmenssäulen beteiligt. Eine Stellungnahme zu einem entsprechenden Bericht des „Manager-Magazins“ war von den beteiligten Seiten zunächst nicht zu erhalten.

Die von dem 36-jährigen österreichischen Selfmademan Benko gegründete Signa-Gruppe hatte im September jeweils 75,1 Prozent am operativen Geschäft der Premiumgruppe mit den Nobelkaufhäusern Kadewe, Alsterhaus und Oberpollinger sowie an dem Geschäftsbetrieb der 28-Sportfilialen übernommen. Der damals genannte Kaufpreis von rund 300 Millionen Euro sollte in die Renovierung der Standorte und die dringend erforderliche Modernisierung des Geschäftsbetriebs gesteckt werden. Das Bundeskartellamt hat dem Verkauf der Filetstücke der Karstadt-Gruppe inzwischen zugestimmt.

Signa ist mit Abstand der größte Vermieter von Karstadt. Insgesamt sollen der Gruppe inzwischen 21 Immobilien gehören, darunter die drei Top-Häuser wie das Berliner Kadewe, das Münchener Oberpollinger und seit Ende vergangener Woche auch das Alsterhaus in Hamburg. Dieser jüngste Deal gilt als eines der größten Immobiliengeschäfte in der Hansestadt seit vielen Jahren. Als Benko vor einem Jahr für mehr als eine Milliarde Euro sein Immobilieninvestment bei Karstadt ausweitete, holte er bei diesem Großengagement seinerzeit auch Steinmetz als Co-Investor ins Boot. In der Branche wird inzwischen kolportiert, der Großteil des im September genannten Kaufpreises von 300 Millionen Euro fließe in die Karstadt-Immobilien aus dem Signa-Umfeld. Auch hole sich der neue Vermieter das Geld über höhere Mieten zurück.

Wie das „Manager-Magazin“ unter Berufung auf eine Aufsichtsratsvorlage von Signa weiter berichtet, soll Steinmetz nun mit 37,33 Prozent auch gleichberechtigter Partner von Benko im operativen Geschäft der Luxus- und Sporthäuser werden. Sollten beide künftig auch noch die Mehrheit am Geschäftsbetrieb des normalen Warenhausgeschäftes übernehmen, kämen das operative und das Immobiliengeschäft in weiten Teilen wieder in eine Hand. Angeblich wird Berggruen von Signa und Steinmetz üppig entschädigt. Er werde gegen eine geringe Stammeinlage an einer Untergesellschaft beteiligt, der 18 Warenhaus-Immobilien gehören. Auch habe er eine Option, sich an den drei Nobelkaufhaus-Immobilien zu beteiligen, heißt es in dem Bericht. Der zunächst als Retter gefeierte Investor, der bei seinem Einstieg bei Karstadt im Jahr 2010 nicht mehr als einen symbolischen Preis bezahlt hat, könne so an Wertsteigerungen partizipieren.

Die Frage, wie Wertsteigerungen bei einem eher wackeligen Mieter generiert werden können, bleibt allerdings vorerst offen. Die abermals ins Brodeln gekommene Gerüchteküche nährt eher alte Spekulationen, wonach es den Investoren am Ende nicht um das schnöde Tagesgeschäft im Warenhaus geht, sondern Immobiliengeschäfte mit der Hereinnahme von internationalen Handelspartnern oder anderen Investoren verknüpft werden. Schon der frühere Chef der ehemaligen Karstadt-Muttergesellschaft Arcandor, Thomas Middelhoff, wollte zum Beispiel eine Verbindung mit den Luxuskaufhäusern Printemps und La Rinascente schmieden.

Benkos Firmengruppe Signa sollen Immobilien im Wert von rund 5,5 Milliarden Euro gehören. Unter anderem ist sie Eigentümerin verschiedener innerstädtischer Einkaufszentren wie etwa dem Sevens an der Düsseldorfer Königsallee. Die Signa-Holding, in deren Beirat unter anderen der frühere Porsche-Chef Wendelin Wiedeking und der Unternehmensberater Roland Berger sitzen, hatte gemeinsam mit einem griechischen Reeder und Investor Ende 2011 auch für die damals von der Metro AG auf die Verkaufsliste gesetzte Kölner Galeria-Kaufhof-Gruppe geboten. In dem Bieterstreit traf Benko damals im Übrigen auf Karstadt-Inhaber Berggruen, der die beiden Kaufhaus-Gruppen zusammenführen wollte. Der Metro-Vorstandsvorsitzende Olaf Koch legte die Verkaufspläne Anfang 2012 allerdings wieder auf Eis, weil die finanziellen Details der Offerten ihn letztlich nicht überzeugen konnten. Neue Gespräche zwischen Benko und Metro soll es bisher nicht geben.

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