Versuch, unsere Gesellschaft mit Helmut Schelsky als kulturell vermittelte Klassenherrschaft zu beschreiben

Dieser Beitrag ist ein Update zu einem früheren Beitrag vom 16.6.2013: http://www.fruehstuecksfernsehen.nikolaus-huss.de/versuch-unsere-gesellschaft-als-kulturell-vermittelte-klassenherrschaft-zu-beschreiben/

Seit einigen Monaten beschäftigt mich Helmut Schelsky, Die Arbeit tun die anderen, Klassenkampf und die Priesterherrschaft der Intellektuellen (1975). Der folgende Beitrag versucht, das Konzept der Priesterherrschaft der Intellektuellen als Klassenherrschaft der postmaterialistischen (grünnahen) Milieus zu beschreiben.

Um Missverständnissen vorzubeugen: Ich bin Teil dieser Klasse. Sie hat durchaus ihre Verdienste und hat bisher zur Zukunftsfähigkeit unserer Gesellschaft beigetragen. Aber nur, wenn sie frühzeitig die Begrenztheit der eigenen Wahrnehmung erkennt, kann sie diese Grenzen etwas aufbrechen.

Deshalb, na ja, und auch mit etwas spöttischer Eitelkeit, dieser Beitrag. Und trotz aller Ironie: Er ist vorläufig, ein Debattenbeitrag, aber ernst gemeint.

Vorbemerkung

1) Der Begriff der Klassenherrschaft will nicht denunzieren, sondern untersuchen, wie sich in einer Gesellschaft, die formal Gleichberechtigung, Teilhabe, neudeutsch Partizipation und den herrschaftsfreien Diskurs als konstituierend

Klassenspezifisches Verhalten diskriminiert durch bestimmte kulturelle Muster, Sprache, Denkweisen, Verhaltensweisen, Typen von Alltagsverhalten (Verhalten im öffenltichen Raum, Freizeitverhalten) andere kulturelle Muster, Sprachen, Denkweisen und Verhaltensweisen und schließen diese damit entgegen dem postulierten Anspruch von einer Teilnahme am öffentlichen Leben aus. Und sie unterdrückt die Repräsention dieser Verhaltensweisen in Medien.

2) Klassenherrschaft beschreibt eine Struktur, sie bedeutet nicht, dass diese Struktur nur negative, unangemessene Ergebnisse zeitigt. Die bürokratische Klasse hat in der chinesischen Gesellschaft beispielsweise über Jahrhunderte und Jahrtausende dazu geführt, dass die Herrschaft über ein so großes Land erst möglich wurde und Formen rationaler Herrschaft und der Informationsgewinnung und -vermittlung erst entwickelt wurden.

3) Klassenstrukturen müssen den Akteuren nicht bewusst sein. Damit die Klassenstrukturen akzeptiert werden, müssen sie auch durch “die anderen” anerkannt und akzeptiert sein. Klassenstrukturen haben also auch funktionalen Charakter. Für die Akzeptanz der Klassenherrschaft kann es unterschiedliche Gründe geben: Desinteresse oder Unvermögen, sich entsprechender Ausdrucksformen zu bemächtigen, die Akzeptanz des Gesamtsystems, die Akzeptanz der Ergebnisse dieser Herrschaft (Wohlstand, Freiheit, Ungestörtheit, Privatheit), aber auch die Plausibilität des Begründungsmusters. Letztlich heißt das nur, dass die Empörung nicht groß genug ist, um gegen diese Klassenherrschaft vozugehen, sie infrage zu stellen.

Aufwand und Ertrag scheinen für die potentiell Betroffenen nicht in einem richtigen Verhältnis zu stellen. Da das auch eine Frage der Schwellenwerte ist, kann sich die Situation auch schnell ändern.

4) Klassenstrukturen bilden sich heraus und bilden sich um. Wer in feststehenden Begriffen und Kategorien denkt und unsere Gesellschaft mit diesen festen Kategorien verstehen will, dem sollte bewusst sein, dass wir eine Gesellschaft im Umbruch sind. Umbruchsituationen sind klassischerweise Situationen, in denen sich Klassenherschaften neu etablieren oder verabschieden.

5) Generationen können wesentlichen Anteil an der Definition von Klassen haben. Schon die Begriffe 68er Generation, Generation Golf, Generation Praktikum zeigen, wie differenziert Soziologie bestimmte Generationspopulationen charakterisieren kann. Und jede dieser Populationen kann die Kernzelle einer Klassenstruktur bilden und sich mit anderen Populationen, Schichten, Klassen, Generationen verbinden. Klassenstrukturen können lange Zeit nur ein kulturelles Muster sein, bevor sie, nach dem Gang durch die Institutionen oder über eine historische Situation vermittelt, sich plötzlich nicht nur mehr als kulturelles Muster verstehen, sondern dieses kulturelle Muster als Instrument der Klassenherrschaft konstituieren und etablieren. Auch dieser Prozess muss nicht bewusst sein.

Die Klassenherrschaft der Postmaterialisten.
In Nachfolge der Überlegungen von Helmut Schelsky betrachte ich die Klassenherrschaft der Intellektuellen als Klassenherrschaft der Postmaterialisten. Sie ist definiert durch

* das politisch formulierte Paradigma von Demokratie als herrschaftsfreier Diskurs. Im herrschaftsfreien Diskurs treten die Bürger miteinander ins Gespräch, um die besten Lösungen zu finden. Dieses Gespräch, der Dialog, ist interessenlos definiert und unabhängig von ökonomischen, persönlichen und materiellen Interessen konzipiert

* der Glaube an die Vorhersehbarkeit gesellschaftlicher Entwicklung und die Nutzung wissenschaftlicher Verfahren zur interessensunabhängiger Erkenntnisgewinnung und Verfahren zur Entwicklung von Strategien der Zukunftsbewältigung. Die Bewältigung von Zukunft erfolgt nach dieser Deutung durch vorab erkennbare Handlungsmuster. Sie setzt auf die Prinzipien intersubjektiver Nachvollziehbarkeit und empirischer Evidenz. Sie geht davon aus, dass rationale Muster der Realitätsbewältigung vorab erkennbar sind. Sie verzichtet auf die Möglichkeit, Zukunft durch die Optimierung der Deutungsmuster und ihrer Empirie (dem Blick hinter den Vorhang der behaupteten Interessen). In dieser Denktradition kann Wissenschaft, und hier vor allem die entwickelten Sozial- und Gesellschaftswissenschaften, Gesellschaft begreifen und Entwicklungslinien vorzeichnen.

* die Identifikation über kulturelle Institutionen europäisch-deutscher Hochkultur und ihrer Institutionen, der klassischen Theater, Oper, Operette, klassischer Musik (im Gegensatz beispielsweise zum Musical als “Kultur der Anderen, zugespitzt, des Plebiszitären”).

In Klammer füge ich hinzu: Das Muster der Reflexivität als erkenntnispraktische Kulturleistung. Da bin ich mir nicht sicher, ob das mehr Wunsch oder mehr Wirklichkeit ist. Reflexivität wurde über Ulrich Beck in die politische und sozialwissenschaftliche Diskussion eingeführt. Chantal Mouffe, Über das Politische, Wider die kosmopolitische Illusion, es2483, 2007, kritisiert das mit dem Argument, man müsse den Konflikt in der Politik zulassen. Inwieweit ihre Einwände gegen Ulrich Beck zutreffend sind, kann hier nicht abschließend geklärt werden. In meiner Wahrnehmung basiert „Reflexive Modernisierung“ auf dem Gedanken, etwas zu tun und bereits bei der Entscheidung zu ahnen, worin die Fehler/Schwächen dieser Interaktion bestehen, worin das Scheitern begründet sein könnte. „Reflexivität“ ist damit ein sehr wichtiges Element einer positiven Beschreibung intellektueller Klassenherrschaft. So könnte man die Zurückhaltung mancher Grüner erklären, gegenüber der noch ungebrochenen Siegermentalität der FDP-Vertreter, die sich immer als die Größten verstehen.

Die Selbstbeschreibung der Gesellschaft durch die herrschende Klasse

So beschreiben die intellektuellen Priesterherrscher die Gesellschaft:

Wir leben in einer demokratischen Gesellschaft. Über die Herrschaftsform der Demokratie müssen wir Macht über unser Wirtschaftssystem, den Kapitalismus ausüben, ihn zähmen, domestizieren. Gerechtigkeit entsteht in unserer Gesellschaft über ein System gesellschaftlicher Institutionen. Diese sind Schulen und Hochschulen, sowie die Institutionen der sozialen Sicherheit: Krankenversicherung, Rentenversicherung, Arbeitslosenversicherung. Die öffentliche Hand hat auch eine öffentliche Infrastruktur für Mobilität, Energie und Grundleistungen der Versorgung, (Wasser, Abwasser, Abfall) bereit zu stellen und aufrecht zu erhalten.

Für die Bereitstellung dieser Leistungen und institutioneller Gewährleistung ist der Staat berechtigt, Steuern und Abgaben zu erheben und einzuziehen.

Für mehr Gerechtigkeit brauchen wir mehr Staat.

Wenn wir wissen wollen, wie wir uns in die Zukunft entwickeln, befragen wir die Wissenschaft. Sie zeigt uns die Wege, die wir dann gehen müssen und die Mittel, die wir dafür politisch generieren müssen.
Warum auch ein partizipatorischer Anspruch zu Klassenherrschaft führen kann

Ansätze, an denen sich die Verfestigung soziokultureller Identität zu einer Kultur der Klassenherrschaft zeigen:

• Das unbedingte Postulat von Wissenschaftlichkeit, intersubjektiver Nachprüfbarkeit und der Notwendigkeit wissenschaftlicher Begründung politischer Handlungsstrategien. Sie führt zu einem formalisiert arbeitenden Wissenschaftssystem, das fast ritualisiert die Beweise für die vorab formulierten Behauptungen und Konstrukte liefert. Sie schöpft ihre Modelle zur Bewältigung von Zukunft aus dem Wissen der Vergangenheit. Inhärent ist diesem politisch instrumentalisierten Wissenschaftssystem, dass sie zu einer Legitimation der Herrschaft, nicht zum streitbaren Diskurs und dem konzeptionellen Ringen um die beste Lösung führen (Insofern hat sich Paradigma des kritischen Rationalismus von Popper längst gegen seinen Begründer entwickelt). Sie suggeriert die Sicherheit des Wissens anstatt Pfade der Zukunftsbewältigung optional zu beschreiben; – und damit ihr Unwissen/ihre Unsicherheit über Zukunftsaussagen zum Thema zu machen. Wir nennen es hier ein affirmativ-legitimatorisches Wissenschaftssystem, das seine systemische Eigenstruktur nicht erneuert und (nach der Phase der “Wissenschaft als Elfenbeinturms”) neu begründet hat, sondern im Zuge der 68er Bewegung im Schlepptau der neuen politisch kulturellen Elite der Postmaterialisten als wesentliches Mittel der Zukunftsbewältigung anerkannt ist. In der Folge ist Wissenschaft sakrosankt, ökonomische Interessen dagegen sind verpönt. Der Politik ist es gelungen, sich die öffentlichen sozialwissenschaftlichen Wissenschaftsinstitutionen zu unterwerfen. Innerhalb dieser Institutionen ist es gelungen, Erbhöfe und Abhängigkeiten zu schaffen, die feudalistischen Systemen gleichkommen (siehe dazu die Ausführungen von Richard Münch, insbesondere 2007: Die akademische Elite. Zur sozialen Konstruktion wissenschaftlicher Exzellenz. Suhrkamp, Frankfurt ISBN 978-3-518-12510-6. Die Unvereinbarkeit wissenschaftlicher Karrieren mit einem “normalen” bürgerlichen Leben, gesicherten Einkommen, Aufstiegs- und Karrieremöglichkeiten ist einer der irrwitzigen vormodernen Ideen, die sich in einem scheinbar rationalen System erhalten haben. Wissenschaft ist zu einem System weniger Herrscher (C3/C4-Professuren) und einem Heer wissenschaftlicher Knechte und Mägde geworden, von denen einige wenige ebenfalls zu Herrschern aufsteigen dürfen. Es besteht Affirmationszwang.

• Die unbedingte Priorisierung wissenschaftlicher Ausbildung (und ihrer Vorform, dem Zwang zum Abitur in einem ersten Ausbildungsgang) als “Einstiegsvoraussetzung” für ökonomische und kulturelle Teilhabe. Ohne den Nutzen von Bildung, die die Möglichkeit von Abstraktion, Verallgemeinerung, des Erlernen von Formens des Austauschs und der gegenseitigen Vermittlung und des Diskurses zu negieren, ist die Ablösung des dreigliedrigen Schulsystems durch ein einheitliches Schulsystem, in dem der Abgang als Abiturient die Hochform, der als Realschüler (Mittlerer Schulabschluss) als Kompromiss und der Abgang als Hauptschüler als potentieller Drop Out begriffen wird, eine Verengung, die ein kulturelles Muster zwangsweise zum Selektionsmuster macht und somit Optionen verbaut und nicht ermöglicht. Die Alternative zu diesem monistischen Schulsystem wäre eine Vielfalt schulischer Bildungswege mit einer großen Offenheit für späteres lebenslanges Lernen und die Anerkennung von Erfahrungswissen als andersartigem, aber gleichwertigem Erfahrungsschatz, der einen wesentlichen Beitrag zu gesellschaftlicher Lösungsfindung leisten kann und deshalb als Qualifikation zu gelten hat. In diesen Institutionen dürften dann allerdings nicht bildungsbürgerliche Lehrkräfte jungen Menschen ihnen fremder Kulturen (der deutsche Proll ebenso wie der in zweiter Generation in nur geduldeter, aber ignorierter Subkultur lebende Türke) “Werte” vermitteln, sondern müssten Menschen aus den unterschiedlichen Kulturen oder mit höher Empathiefähigkeit ausgestattete Menschen Selbstbewusstsein und Werkzeuge zum Bewältigen der Alltagswelt an die Hand geben, um sie zu aktiven Säulen/Trägern unserer Gesellschaft zu machen.

Das sind meine Schlußfolgerungen:

Deshalb ist heute, noch mehr als vor 30 Jahren der Titel “Priesterherrschaft der Intellektuellen” durchaus gerechtfertigt. “Die Arbeit tun die anderen”, dieser zweite Teil des damaligen Buchtitels beschreibt, worum es geht: Die Eroberung der öffentlichen Bühne, gesellschaftliche Repräsentation, die Spielregeln, um an diesem Repräsentationsspiel teilzunehmen, die Überbewertung aller Professionen, die damit in Verbindung stehen. Die Sozial- und Humanwissenschaften gegenüber den Naturwissenschaften, die der Wissens- und kulturellen Sinnvermittlung (Journalisten, Theater, Kulturwissenschaften gegenüber Ingenieuren, Betriebswirten und bald auch Medizinern). In allen Fällen ist gesellschaftliche Anerkennung, Macht und Karriere damit verbunden, dass es wichtig ist, “die anderen” machen zu lassen und selbst, quasi als reflektierter Herrscher, in einem Modus von Sicherheit, finanzieller Absicherung und Risikominimierung die gesamten Prozesse zu steuern. Wir können an dieser Stelle wahrnehmen, dass der bürokratisch-administrative Modus der Steuerung, gepaart mit der eigenen ökonomischen Absicherung, zu einem Herrschaftsmodell geworden ist, das vom öffentlichen Bereich längst auf die Führungsebene globaler Konzerne übergegriffen hat; weshalb die gesellschaftlichen Auseinandersetzungen längst nicht mehr die zwischen Kapital und Arbeit sind, die über die Politik domestiziert werden müssen, sondern eine Herrschaft öffentlicher Institutionen und globaler Konzerne auf Kosten mittelständischer, dem Wettbewerb auf Gedeih und Verderben ausgesetzter mittelständischer Unternehmen.

Der kulturelle Duktus dieser Herrschaftsform lässt sich in der Denkform erkennen. Es geht um Herrschaft über …… Herrschaft über DIE Wirtschaft, über DIE ökonomischen Interessen anstatt um die Debatte, wie das Aushandeln dieser Interessen zwischen Unternehmen und Mitarbeitern möglich ist. Das Paradigma des Dreiecks vom Staat, Wirtschaft und Zivilgesellschaft, in dem die unterschiedlichen Akteure unterschiedliche Aufgaben wahrnehmen und in dem es nicht mehr sein kann, dass Interessen, nur weil es Unternehmensinteressen sind, als lobbyistische Interessen stigmatisiert werden und im Gegenzug jegliche Artikulation der “Zivilgesellschaft”, die zumeist die Artikulation der bildungsbürgerlichen Mittelschichten ist, als “sakrosankt” betrachtet wird. Die Verklärung des “Wutbürgers” zu einem Bürger mit Partizipationsinteresse (was Interesse am Aushandeln von Lösungen beinhaltet) ist eine dieser Verzerrungen, die infolge dieser Wahrnehmung auftreten. Sie verkennen das Bedürfnis nach Meinungsäußerung, Repräsentation im öffentlichen Meinungsbild und verwechseln es mit einem Partizipationsinteresse. Die meisten Menschen meinen, Wichtigeres zu tun zu haben. Und das ist ok so!

Worin die Erklärungskraft dieser Argumentationsfigur für den verlorenen Bundestagswahlkampf des „linken Lagers“ liegt
In der Reproduktion dieses falschen Gesellschaftsbildes liegt, das ist meine These, auch das Desinteresse an dem aktuellen wahlkämpfenden Geschehen begründet. (Der Beitrag war im Juni 2013 geschrieben). Niemand außerhalb der Politik glaubt mehr die Inszenierung des Lagerwahlkampfes. Die rotgrünen Repräsentanten des “Unten” mit ihrem umverteilenden Gesellschaftsbild verkennen, dass sie bei denen, zu deren Gunsten sie die Umverteilung vornehmen (90 Prozent), längst ihre Glaubwürdigkeit verspielt haben. Weil sie ihnen, im Falle Grüne, längst fremd geworden sind (es ist halt eine Partei der Bürgerlichkeit plus einiger Aufsteiger) wie auch die Sozialdemokratie, die sich durch die unglaubwürdige Repräsentationsleistung (Der Wahlkampfsteinbrück ist nicht der Steinbrück, den die bürgerliche Mitte zuvor gut fand. Und der Wahlkampfsteinbrück ist als kulturelles Muster dem Modernisierungsverlierersozialdemokraten sehr viel fremder als eine scheinbar biedere, aber kulturell anschlussfähige Merkel) tagtäglich ins Aus schießt. Noch zurück zu den Grünen: Die Links-Strategie ist deshalb verheerend, weil sie Menschen, die in den Grünen die Partei sahen, die besser zuhören kann, aufmerksam und wach gegenüber der Vielfalt unserer Gesellschaft ist und deshalb die besseren Lösungen zustande bringen könnte, in dieses alte, längst unbrauchbar gewordene Rechts-Links Schema und den Glauben an einen heilsbringenden Staat zurück fällt.

Die Chance zu hegemonialer Wirkung ist, zumindest für diese Wahl, vertan. Ob sie für eine weitere Wahl wieder zu aktivieren ist, bleibt abzuwarten.

Die Ironie der Geschichte ist, dass die CDU, die in ihrem jungen treibenden Teil der Bundestagskandidatinnen und -kandidaten der Postmaterialistenklasse viel näher ist als sie selber glaubt, sich spätestens mit diesem Wahlkampf auf das historisch überkommende Muster des umverteilenden Staates einlässt und somit zum Teil dieses Problems anstatt zum Teil der Lösung wird. Die Chance auf eine neue Kontroversen- und mögliche Lagerbildung, Voraussetzung für gesellschaftliche Debattenfähigkeit, wird damit ebenfalls vertan.

P.S. Argumente sind dazu da, um widerlegt oder relativiert zu werden. Darin liegt der Erkenntnisfortschritt.

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