Times. they are a changing. Wer macht, wer bremst in welcher Situation. Am Beispiel Fracking.

Vor fünfundzwanzig Jahren war die Welt noch in Ordnung. Wer gut war, die Umwelt- und Alternativbewegung, wer böse, die Industrie, war klar. Und wenn man weiß, gegen wen man verliert, kann man das ehrenhaft tun. Man bleibt sich und seinen Werten treu.

Gar mancher glaubt das auch heute noch. Lobbycontrol, Transparency, die Umweltaktivisten, sie alle bemühen noch immer das David gegen Goliath Bild. Und das, obwohl sich Politik und öffentliche Meinung schon längst auf ihre Seite geschagen haben. Ob es immer Überzeugung ist, sei dahin gestellt.

Es gibt inzwischen Menschen, die nicht mehr sagen, bei welchem Unternehmen sie arbeiten. Beispielsweise, wenn sie bei einem großen Energieversorger arbeiten, der ollen RWE, dem sich aus Deutschland verflüchtigenden Eon, der staatseigenen EnBW oder gar Vattenfall, der Ausnahme vom skandinavischen Heilsversprechen.

Ich finde das schlecht. Für die Veränderung der Welt brauchen wir weniger Politiker, NGO Aktivisten, Journalisten und Sozialwissenschaftler, sondern mehr Ingenieure, Naturwissenschaftler, Ökonomen, Macher. Denn nur die verändern die Welt. Politik stattdessen oder NGOs oder Journalisten verändern nur den Blick auf die Welt, aber den haben wir jetzt alle schon so verändert, was wir von selbst wissen, dass Abfall nicht weg ist, wenn man ihn in die Grube wirft, sondern Sickerwasser rauskommen kann, dass Atommüll strahlt usw usw.

Statt heißer Kampagnen brauchen wir wieder einen kühlen Kopf. Raph Fücks hat recht, wenn er schreibt, dass ihm die kreuzfahrerähnlichen Züge fremd vorkommen, die er in manchen Kampagnen gegen Fracking erlebt. Engagement ja, aber Hysterie war noch nie ein gutes Argument. Und wer sich einmal die Mühe macht, sich anzuhören, mit welcher Sorgfalt das Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe argumentiert, wer sich mit dem BGR-Präsidenten Prof. Dr. Hans-Joachim Kümpel unterhält oder sich mit der Dokumentation des einschlägigen Kongresses auseinandersetzt, der gewinnt einen Eindruck davon, dass hier sachlich agiert wird. Auch wenn niemand hinhört.

Weil Fracking gleich Fracking ist, weil die Bewegungen in der ohnmächtigen Wahnvorstellung gefangen sind, dass „die Wirtschaft“ bei uns alles bestimmt, weil, weil, weil. Weil es wieder einfach sein soll, auch wenn es tatsächlich schwieriger ist.

Dabei geht es nicht darum, ob in Deutschland heute gefrackt wird, sondern nur, ob es möglich wäre, wo es möglich wäre und zu welchen Beeinträchtigungen und Schäden es dabei käme.

Es zeigt sich, bei den Verfahren, um die es in Deutschland geht, muss sehr tief gebohrt werden. Oben bleibt nur ein Bohrloch, das kennen die Niedersachsen beispielsweise schon aus der Gasförderung und der Ölförderung. Man kann das regeln, das Grundwasser ist nicht gefährdet, weil die Bohrungen weit unterhalb der grundwassertragenden Schichten fündig werden. Jetzt kann man sagen, Restrisiko, aber das Restrisiko ist sehr klein. Wenn es danach ginge, dürften wir keine Brücke und schon gar keine Schnellfahrbahnen bauen.

Angst ist ein schlechter Ratgeber. Und ja, Deutschland benötigt derzeit kein Fracking. Aber das billig gefrackte Gas in den USA verändert den Weltmarkt so und so, beeinträchtigt die Energiewende massiv, weil die Energiepreise gefallen sind. Man kann sich darüber aufregen, aber man muss es zur Kenntnis nehmen. Sonst wird man ideologisch. Und wissen wir tatsächlich, ob wir nicht einmal irgendwann, wenn die Lieferungen aus Russland ausbleiben, beispielsweise, auf einheimische Quellen umstellen müssen. Weil die Energiewende noch nicht so weit ist? Weil die Versorgungslücken gefüllt werden müssen? Weil die Kosten aus dem Ruder laufen? Zukunft ist nicht planbar, also sollten wir auch wissen, welche Optionen wir haben. Und uns nicht selbst bei dem Umbau der Energiewende im Wege stehen.

Es sei auch einmal erwähnt, dass das UBA in der gesamten Auseinandersetzung eine meines Erachtens fragwürdige Rolle spielt. Es ist richtig und ok, dass auch die Umweltbewegung Gutachten erstellen kann, dass es eine kritische Wissenschaft gibt, die dem etablierten Wissenschaftsbetrieb entgegenhält. Aber Gutachten des UBA sind von so soziologischer Grundsätzlichkeit, dass man die Ergebnisse kennt, bevor man die erste Seite aufgeschlagen hat. Macht das wirklich Sinn, wenn ein Bundesamt hier als Thinktank der Gegenöffentichkeit agiert? Müsste nicht auch das UBA Interesse an einer Differenzierung, nicht an einer Ideologisierung der Diskussion haben, mehr tasten, fragen, statt allseits erwartbare und bestellte Anworten zu stanzen?

Um gleich einem beliebten Argument vorzubeugen. Auch wenn ich politisch beratend tätig bin, verstehe, warum man Lobbyisten auch Mietmäuler nennen kann, das ist eine ungemietete Meinung. Wer mich kennt, weiß, dass ich sage, was ich denke. Also bitte mit den Argumenten umgehen, nicht mit dem Pauschalverweis darauf, ich wäre ein Lobbyist.

Wer sich über Fracking und was die Experten dazu sagen, eine Meinung bilden will:
http://www.bgr.bund.de/DE/Gemeinsames/Nachrichten/Veranstaltungen/2013/GZH-Veranst/Fracking/fracking_dokumente.html?nn=3784230

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