Think twice. Thesen für eine andere Innovationspolitik.

Deutsche Innovationspolitik produziert hohe Sitzungsgelder, Spesenrechungen und wenig Ergebnisse. Einige Thesen, wie es anders gehen könnte.

1) Der Verzicht auf Fördertöpfe. Das Schielen auf Fördertöpfe lenkt Gründer und Entwickler vom eigentlichen Marktgeschehen ab. Und die Summen sind oft lächerlich gering.

2) Die Verbesserung der Anreizstruktur. Es geht im Kern darum, die Rahmenbedingungen künftiger Märkte attraktiver zu machen. Also z.B. Kaufanreize zu geben, indem man CO2-Emissionen verteuert etc und damit die relative Marktpositionierung verbessert. Die Märkte von Morgen von den Rahmenbedingungen her restrukturieren.

3) Eine Strategie zu entwickeln. Die Erarbeitung eines Strategiepapiers mit Maßnahmen, Zeitpunkten und Akteuren sowie die Diskussion derselben kann zu einer Priorisierung des entsprechenden Bereichs in den Köpfen der Innovatoren und Investoren führen. In dieselbe Richtung zu denken, entwickeln und investieren heißt, eine gemiensame Denkrichtung zu etablieren. Die Entkoppelung von Papier und Geldvergabe führt zu einer unabhängigen Beschreibung der Szenarien.

4) Venture Capital fördern. Der einzige Bereich, in dem Venture Capital Sinn macht, ist der Innovationsbereich. Verbrennen von Geld gehört hier zum Geschäft. Und neben dem „Output“ erfolgreiche Unternehmengründung ist der Output Manpower nicht zu unterschätzen. Auch die sogenannte Internetblase 2001 hat zu einer enormen „Reifung“ von Menschen mit Forschungs, Entwicklungs und Gründungsbiographien geführt, von der wir noch heute leben.

5) Das Meinungsoligopol zerschlagen. Oder konkurrierende Oligopole schaffen. Deutsche Politik heute ist konsenszermürbt. Wer am besten Strippen zieht, hat gewonnen. Weil das ja schwer zu kontrollieren ist, wäre ein Ansatz, Unterschiedliche Gravitationszentren zu schaffen, zwei Innovationsstrategien, die am Markt antreten. Und sich bewähren müssen. Und nicht vergessen: Es geht nicht darum, welches Papier das richtige ist. Sondern darum, welches Papier, welche Innovationen lostritt. Auch gescheiterte Strategien können wertvolle Impulse für Innovation auslösen.

6) Reviews unabhängig anlegen. Die Strategiepapiere werden regelmäßig reviewed. Ziel: Sichtbar zu machen, was klappt. Und was nicht klappt. Voraussetzung: Die Fähigkeit, unabhängig zu denken und zu schreiben. Die Hoffnung: Alle sind bewußt, dass Innovation immer ein Teil Erfolg und ein Teil Scheitern ist. Wahrnehmungssteuerung betreiben. Und, hallo Politik, darauf verzichten ,die Dinge schön zu färben. Eine politische Heldentat wäre nötig!

7) Strukturelle Weichenstellungen vornehmen. Publikations-Infrastrukturen, gut ausgestattete Forschungsreinrichtungen, unbürokratische Hochschulstrukturen. Vernetzungen.

8) Jetzt noch eine ketzerische Idee. Wie wäre es, wenn die beurteilenden oder steuernden Fachabteilungen in den Verwaltungen in ihrer beamteten Form augelöst und durch Projektgruppen ersetzt würden. Denn gerade in innovativen Märkten ändern sich Konstellationen und Zeiten schnell und ein langfristig „gesichertes“ Wissen exisiert nicht. Alternative: Steering Comittee mit bürokratischem Support.

9) Forschen. Und Forschen lassen. Wer die deutsche Internetszene beobachtet, sieht, dass sich dort, abseits staatlicher Alimentierungen, eine stabile Innovationskultur gebildet hat, die Lust am besten Ergebnis hat. Die Know-How-Sharing betreibt. Die vernetzt. Daraus können wir lernen. Politik kann nicht nur befördern, es kann auch blockieren. Es kann ein Nadelöhr sein, durch das alle hindurch müssen. Politische Demut ist damit eine der Haupttugenden.

Just do it!

Ein Gedanke zu „Think twice. Thesen für eine andere Innovationspolitik.

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