Think twice! A different view towards the World. Zehn Thesen.

1) Wir sehen nur, was wir wissen. Ereignisse, die nicht in unsere Erklärungsmuster passen, beachten wir nicht. 

2) Wir Menschen brauchen Erklärungen zur Sinnstiftung. Nur, indem wir unseren Handlungen Sinn geben, funktionieren wir als Menschen. 

3) Unsere Welt verändert sich in vielfältiger Hinsicht. Politisch wird nationales durch europäisches Handeln überlagert. Gleichzeitig zerfällt das Sinnmuster des Westens in unterschiedliche Deutungsmuster: Das der USA, das des alten protestantisch geprägten Westens, das des katholisch geprägten Westens und das der neuen östlichen Länder. Das mediale Zusammenwachsen der Welt konfrontiert jeden von uns mit weltweiten Ereignissen, den unterschiedlichen Welten und Deutungsmustern. Die technologische Revolution tut ein übriges: Sie zersprengt alte Relevanzbereiche, Geschäftsmodelle, persönliche Beziehungen (und ermöglicht neue). 

4) Das Verhältnis des Individuums zur Welt und seiner persönlichen und sozialen Umwelt verändert sich radikal. Verschiedenes ist möglich. Es entstehen hybride Weltbilder. 

5) Wissenschaftlichkeit ist keine rationale Sicht auf die Welt, sondern zum Glauben geworden. Die Rolle wissenschaftlicher Aussagen, die Rolle der Wissenschaften ähnelt immer mehr dem Orakel von Delphi. Mit Rationalität hat das, vor allem im wirtschafts-, sozial- und politikwissenschaftlichen Bereich immer weniger zu tun. Die dominierenden Deutungsmuster: Reduktion von Komplexität durch einfache Ursache-Wirkungsmodelle, Evidenzbasierte Aussagen, ohne zu erkennen, dass in komplexen Umfeldern komplexitätsreduzierende Erklärungsmuster oftmals zu falschen, weil zu unspezifischen, zu allgemeinen oder zu spät kommenden Aussagen führen. Wissenschaftliche Beratung ähnelt oft dem Fahren mit Blick in den Rückspiegel. 

6) Die Bedeutung von Politik wurde in den vergangenen 50 Jahren mit übermenschlichen Heilserwartungen versehen. Tatsächlich basierte ihr Erfolg auf ganz einfachen Voraussetzungen: Dass die westlichen Gesellschaften die Welt dominieren und alle Verwerfungen innerhalb ihrer Gesellschaften durch moderate Umverteilung von Modernisierungsgewinnen zu organisieren sind. 

7) Politik und Wissenschaft haben gemeinsam innerhalb der medial präsenten Öffentlichkeit zu einem Glauben an eine friedliche Gestaltbarkeit der Welt durch (herrschaftsfreien) Dialog und Interessensausgleich geführt. Alles ist quasi konfliktfrei machbar. Aus Demokratie ist die einseitige Herrschaft bestimmter kultureller Klassen geworden. Das beschleunigt den inneren Zerfall der westlichen Gesellschaften. 

8) Die Welt ist vielfältiger als wir erkennen können. Vorschnelle Gewissheiten sind durch eine neue Offenheit für Vielfalt zu ersetzen. Alte Gewissheiten und Konsense sind durch die Offenheit für neue Konsense zu ersetzen. Alte Weltbilder sind durch neue konkurrierende Deutungen zu überlagern. Es gibt keine Gewissheiten mehr. Statt German Angst und westlicher Gewissheit ist Reflexiver Mut erforderlich: Neuer Zusammenhalt aus der Mitte der Gesellschaft, Rückbesinnung darauf, dass jeder gesellschaftliche Zusammmenhalt eines ökonomischen Unterbaus bedarf und dass eine demokratische Gesellschaft des Engagements und der Leistungsbereitschaft seiner Bürger und eines leistungsfähigen Wirtschaftssystems bedarf. 

9) Wir denken in Strategien zentralisierten Handelns. Aber sie haben längst zu einer Zentralisierung der Deutunghoheit geführt, die die Relevanz zentralisierter Handlungen überschätzen und die Kraft spontaner Innovation, unreflektierten, aber konkretem lösungsbezogenem Handeln unterschätzen. Nicht „Anything goes“, wie Paul Feyerabend meinte, sondern „Anything could go!“. Und nur, wenn wir es ausprobieren, manchmal erfolgreich, manchmal scheiternd, erhalten wir eine Idee davon, was wirklich geht.

10) Vor der Deutung kommt die Wirkung. Lasst uns also aufhören, die Wirkung zentralisierter Handlung dauernd zu antizipieren und stattdessen besser hinsehen, was wie läuft. Wenn wir es verändern. 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.