Stichworte zur geistigen und politischen Situation der Zeit

  1. Wir erleben im Moment die Grenzen der Kognitionsfähigkeit des Menschlichen Geistes. Die einfachen Bilder, die wir benötigen, um denken und um Modelle bilden zu können, halten der Komplexität, Vielschichtigkeit und der multipolaren Dynamik unserer Zeit nicht stand.
  2. Auf „systemischer Ebene“ stoßen damit auch die Sozial-, Gesellschafts- und Wirtschaftswissenschaften an ihre Grenzen. Sie schaffen Modelle aus der Distanz und aus der Vergangenheit. Die Forderung nach Evidenz, die allerorts erhoben wird, führt dazu, dass die Evidenz überkommender Wahrnehmungen und Modelle der Gesellschaft abgetestet werden, nicht, ob entsprechende Modelle funktionieren würden.
    Das Problem weitet sich im Zusammenspiel mit der Politik aus. In dem Masse, in dem sich Wissenschaft mit der Politik verbündet, um damit die Deutungshoheit über Gesellschaft und gesellschaftliche Verhältnisse zu erlangen, hindern sie die Gesellschaft, selbst Lösungen zu entwickeln. Stattdessen schaffen sie sich ein Problemlösungsmonopol, das sie aufgrund der Rahmenbedingungen (Globale Dynamik, Schwächen demokratischer „Problemlösungen“ in Sachen Effizienz, Effektivität und Nachsteuerungsbereitschaft nicht erfüllen können. Im Klartext: Sie lähmen die Gesellschaft. (Natur- und Ingenieurswissenschaften arbeiten anders. Sie schaffen Bereichsmodelle, die sie aus sich heraus zu beweisen suchen. Sie behaupten immer nur Gültigkeit in eien begrenzten Geltungsrahmen).
  3. Politik hätte stattdessen die Rolle, die wichtigsten und vordringlichsten Aufgaben und Themen zu definieren und über Problemlösungsansätze zu streiten. Um Unsicherheiten aus dem Weg zu gehen, versuchen sie es mit maximaler Konformität im Alltag, den sie mit rhetorischer Lagerbildung in Wahlkampfzeiten kontrastrieren. Und somit ihre Glaubwürdigkeit dauerhaft unterminieren.
  4. Was wir jetzt, im 21., dem postideologischen Zeitalter brauchen, ist eine Rückbesinnung dessen, was Politik, Partizipation und demokratische Meinungsbildung kann (Richtungsentscheidung, Entscheidungskorrekturen), was sie nicht kann (Detailentscheidungen) und zu welchen gesellschaftlichen Kosten die Art von immer mehr dauerhafter partizipativer (und wissenschaftlich gestützter) Entscheidungsfindung führt: Zu Entschleunigung und Ressourcenbindung.

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