Side Effects. Unerwünschte Nebenwirkungen von Arzneimittelausschreibungen

Man kann das Mittel der Ausschreibungen für Arzneimittel durch Krankenkassen für gut halten, weil sie Arzneimittelunternehmen an den Verhandlungstisch zwischen. Man sollte aber, auch wenn man diesen Effekt begrüßt, darüber nachdenken, welche Strukturveränderungen aus dieser Weichenstellung folgen.

Ausschreibungen beinhalten folgende Logik. Sie sind mit erheblichem Aufwand verbunden, also lohnen sie sich nur bei großen und einheitlichen Trancen. Um diese Trancen zu erreichen, beispielsweise bei Impfstoffen, ist es notwendig, auch die Verordnungsphilosophie des Hauses zu verändern: One fits all. Also möglichst wenig Varianten desselben Präparats, weil dann die Mengen zunehmen. Und die Preise sinken.

Die Folge:
Wenn Arzneimittel für Teilmengen von Patienten besser geeignet werden, aber eben nicht in der verhandelten Darreichungsform aufgenommen sind, kann der Arzt das Arzneimittel zwar verordnen, er muss aber zumindest eine zusätzliche Begründung anführen, um das auch durchsetzen zu können.

Tendenziell führt das dazu, dass Standardisierungen erfolgen. Manchmal kein Problem, mittelfristig könnte sich daraus aber schon eines daraus entwickeln.

Die Folge zunehmender Ausschreibungen: Konzentration der Hersteller, Bündelung der Produktionsstandorte, Absenkung der Qualität, „Marktbereinigung“. In der Folge entstehen Oligopole. Mit denen lässt sich aber dann nur noch schwerer verhandeln.

Die Frage: Wie kriegt man da die richtige Balance hin, dass Märkte eben nicht vorschnell „vermachtet“ werden und dann eben keine Märkte mehr sind. Hier frisst mal nicht die Revolution ihre Kinder, hier frißt ein Marktmodell seine Marktteilnehmer.

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