Richard Münch und der Rahmen politischer Rationalität

Richard Münch kommt das Verdienst zu, anhand der bildungs- und forschungspolitischen Diskussion den umfassenden Nachweis geführt zu haben, dass nationale Traditionen und Autoritäten gegenüber der internationalen Elite der Wissensgesellschaft an Boden verloren hat.

Diese Feststellung hat weitreichendere Konsequenzen als es in einer ersten Annährung erscheint. Einige Schlaglichter:

· Die unternehmerisch begründeten Strategien behaupten einen Rationalitätsvorteil, ohne ihn tatsächlich empirisch zu belegen.

· Der zunehmende Konvergenz der Rationalitätsmodelle führt zu einer weitgehenden Verarmung der politisch-ökonomischen Landschaft

· Da die Modelle der transnationalen Elite zugleich die Bewertungsmaßstäbe und Begründungsmodelle liefern, wird die Welt gleichzeitig blind gegenüber alternativen Modellen, die nationale Besonderheiten und Kulturen berücksichtigen und dabei möglicherweise zu in diesem Kontext weitreichenden Rationalitätsvorteilen führen.

· Möglicherweise ist auch die Alternativlosigkeit der Politik vor diesem Hintergrund zu betrachten. Da die Weltinterpretation mit einem weitgehend monistischen Erklärungsraster stattfindet, auf das sich auch die Politiken der verschiedenen, ihrer ideologischen Grundfesten beraubten Politiktraditionen beziehen, erscheinen Differenzen entweder ideologisch überhöht und überkommen oder kaum mehr einem breiteren Publikum zugängig.

Wie lässt sich die Überzeugungskraft solcher scheinbar rationalen Welterklärungsmodelle brechen?

· Eine der Ursachen des Rationalitätsdefizits entsprechender globaler Handlungsmodelle liegt in ihrer Verallgemeinerungsbehauptung. Indem das Ergebnis durchschnittlich überlegen ist, ist es nicht automatisch gleichzeitig unterschiedlichen, aus ihrer jeweiligen Tradition heraus begründeten Praxis überlegen. Nur sind diese traditionellen Praktiken eben in einem pauschalen Rationalitätsmodell nicht evaluierbar.

· Eines der größten Defizite eines übergreifenden Rationalitäts- und Evaluationsmodells (das zudem einhergeht mit dem Modell der objektiven, von den Handelnden distanzierten Beurteilung), dass es diesen Modellen nicht gelingt, die Akteure auf unterer Ebene zu aktivieren und zu motivieren. Vielmehr fühlen sie sich von Subjekten zu Objekten gemacht, als Gegenstand der Forschung der Verfügbarkeit anheimgestellt und entfernen sich in ihrem Handlen und ihren Handungsmotiven den im Ausgangsstadium konstatierten Situationsaufnahme.

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