Recht haben und Recht bekommen ist zweierlei. Warum die Regierung in diesem Zustand scheitern muss

An Westerwelle arbeiten sich jetzt ja alle ab. Ganz persönlich finden sie ihn eine Zumutung. Das, finde ich, ist doch ein bißchen geschmäcklerisch. Es geht nämlich um Politik. Und damit, falls diese Regierung jemals entscheidungsfähig ist, um Weichenstellung.

Eine andere Sache ist es, darüber nachzudenken, warum diese Regierung in diesem Zustand scheitern wird. Eine Panorama-Aufnahme.

Die Bürgerinnen und Bürger haben ein gesundes Verhältnis zur Politik. Weil sie nicht jedes Wort auf die Goldwaage legen. Für sie zählen ja nicht die Details, um die sich die Strategen so streiten. Vielmehr hören sie sich die Parolen aller Parteien an, gleichen sie mit ihren Erfahrungen ab und ziehen daraus ihre Schlüsse. Und da hat diese Regierung ganz schlechte Karten. Weil man, wenn man über das Schlachtfeld Politik schaut, zweierlei feststellt: Einmal sind praktisch nur die Truppen der Regierung auf dem Feld. Und zum Anderen laufen die in verschiedenen Richtung, nicht unkoordiniert, sondern, das macht es besonders schwierig, genau entgegegengesetzt.

Das fängt schon bei der Grundaufstellung an: Während die CDU/CSU ihren Truppenteilen erzählt, es ginge darum, das Bestehende zu bewahren und dass trotz Unsicherheit der Sold auf jeden Fall gesichert ist, hören die Liberalen ganz andere Parolen.

Sie haben eine Prämie ausgesetzt. Sie haben jedem ihrer Soldaten erklärt, dass derjenige, der die größte Bresche in die Reihen der Gegner schlagen kann, die höchste Prämie kriegt. Der Zweite kriegt nur noch die Hälfte, und so weiter. Deshalb sind alle so motiviert, schlagen sich auf die Schulter, finden sich tolle Kerls und einfach dufte. Und weil sich von den Gegnern, der Opposition, niemand auf dem Schlachtfeld befindet, nehmen sie sich halt die von der CDU/CSU vor. Die diese Kämpfe dankbar annehmen. Man will ja in Übung bleiben.

Die Zivilbevölkerung am Rande lauscht verwehten Gesprächsfetzen. Da reden die Liberalen von „Leistung, die sich wieder lohnen muss“, , dass die, die arbeiten, auch wieder mehr Netto vom Brutto haben sollen und so weiter.

Das letztere hat ja dazu geführt, dass vor der großen Entscheidungsschlacht, der Bundestagswahl, viele Menschen in Scharen übergelaufen sind. Aus der Zeit der Bonner Epoche hat sich die Geschichte erhalten, dass Liberale vernünftige Menschen sind, die fünfe gerade sein lassen und ausgewogen und vernünftig regieren. Das war letztlich der Deal. Der zuverlässige liberale Ruf und das Versprechen, dass mehr übrig bleiben soll und die Staatsbürokratie weniger werden soll, gab den Ausschlag.

Und jetzt: Die Parolen sind geblieben, die Aufstellung ist aber eine andere. Die Kriege haben Geld gekostet, vor allem an der Wallstreetfront haben die obersten Kriegsherren bluten müssen. Denn es hieß, wenn ihr nicht zahlt, machen wir euch kaputt und dann gibts keine Waffen und kein Geld mehr. Weil wir, die Geldgeber im Hintergrund, wollen auch leben.

Und so haben die Soldaten gehört, dass es nichts wird mit mehr Sold, aber dass man auch keine Soldaten heim schickt. Die CDU/CSU Story. Bei der FDP hat man dann die Parole ausgegeben, jetzt erst recht, denn wenn man sich jetzt nichts mehr holt, ist nichts mehr da. Inwieweit da die Erfahrungen aus den USA direkt eingeflossen sind, bleibt dahin gestellt.

Wir kommen zurück: Die Regierungstruppen üben also weiter den Kampf gegeneinander. Die Opposition übrigens agiert durchaus geschickt: Sie hat sich am Schlachtfeld unter die Zuschauer gemischt und arbeitet kräftig daran mit, die Lage zu interpretieren. Im Umkehrschluß von Marx sozusagen: Die anderen üben schon mal, die Welt zu verändern. Da nehmen wir uns die Zeit, sie zu interpretieren. Man sieht nur, was man weiß. Aber wenn man das sieht, kann man es auch verändern.

Mittlerweile ist es so: Die liberale Truppe schhließt sich immer mehr zusammen und wird immer kampfstärker. Die Parolen kommen zack zack, die Truppe ist gut in Form.

Doch wenn wir den Zuschauern am Rand zuhören, bemerken wir, dass das nicht fruchtet. Stimmung kommt nicht auf, auch wenn der Kampfgaul der Liberalen, Westerwelle jetzt wieder ganz vorne steht, die alten Parolen schreit. Der Hinweis der Opposition am Rande, die würden ja nur von Leistung, die sich lohnen solle, reden, um sich den Säckel voll zu machen, wirkt Wunder. Denn es gibt Anhaltspunkte. Das Dankeschön an Ärzte, Apotheker, Steuerberater und Hotelliers. Die Zahl schön geschmückter Ordernanzen, die aufgeregt herumrennen und sich wichtig tun. Echte Offizierspositionen hingegen sind eher unterbesetzt. Das Versprechen, Abteilungen aufzulösen, um schlagkräftiger zu sein, wurde schnell wieder kassiert. Und was der Bobachter, die Beobachterin auch nicht versteht: Wenn sich also Leistung wieder lohnen soll, wäre es doch ein einfaches, Mindestlöhne einzuführen, damit es sich wieder lohnt, mal richtig ran zu klotzen. Aber da passiert nicht. Das lässt die Beobachter ratlos zurück.

Und so läuft die liberale Truppe immer hektischer, aber zielloser herum. Pöpelt an, wen sie trifft. Sehr unsouverän, weil die CDU/CSU Truppe, weitaus größer, sich in Defensivtaktik übt. Schläge abwehrt, sich aber zurück hält. Vertagen, etwas herumplänkeln und die Laune oben halten. Daneben noch die Streitigkeiten zwischen den beiden großen Truppenteilen, den südlichen und den anderen niedrig halten. Das klappt schon ganz gut, weil die Wut auf die wilden Liberalen wächst.

Nach der letzten Besprechung der Feldherrin mit ihren zwei Stellvertretern hat diese ihren südlichen Stellvertreter beiseite genommen und mit ihm vereinbart, erst mal das Scharmützel im NRW-Tal abzuwarten. Es besteht die Hoffnung, dass die Liberalen, endlich sichtbar geschlagen, dann zur Vernunft kämen.

Es könnte klappen. Denn wenn der versprochene Hauptgewinn beim nächsten Scharmützel beim ersten zwar doppelt so hoch ist wie beim zweiten, aber alle zu wenig kriegen, folgt die Nacht der langen Messer. Die Oppositionstruppen haben bis dahin ihre Kräfte gesammelt und sind bei guter Laune. Die CDU/CSU hat versucht, die Verluste gering zu halten. Denn irgendwann muss auch dem großen Kämpfer Westerwelle die Puste ausgehen. Und weil kein anderer in Sicht ist (manche der Altvorderen sind ja noch vom letzten Feldzug „aus Verdienstgründen“ und mangels Alternativen in Verantwortung gekommen), wird das zu einem schaurig schönen Ende des Eltitekampftrupps führen.

Shakespeare, der große Dramendichter, meinte: „Wer vor der Zeit beginnt, endet früh“. Zumal, wenn der Grunderzählung immer mehr die Glaubwürdigkeit abhanden kommt. Bleiben Sie dran! Das nächste Mal sehen wir uns die Interpreten am Spielfeldrand genauer an.

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