Politische Fingerübungen. AKWs, AKK und andere Problemfälle.

Sprechen wir mal Klartext:

Was sich derzeit vor unserer Augen abspielt, ist die Implosion der politischen Welt, wie wir sie kennen

Das Ende des Alten:

Das Ende der Volksparteien (unwiderruflich, auch in Deutschland)
Das Ende des Links – Rechts – Konfliktes

Die Entstehung des Neuen:

Die Steigerung der Wahlbeteiligung
Die Repolitisierung der Gesellschaft
Die Rückkehr der Emotion in der Politik (neben der drastischen Sprache der YouTuber höre man sich mal Steingarts Podcast an; er hat als erster begriffen, dass die Leute auch Emotion, Subjektivität und Einseitigkeit wollen).

Die SPD ist blank, die CDU ist auf diese Situation überhaupt nicht vorbereitet, die FDP ist den meisten Menschen zu “kalt”.

Die Grünen verfügen derzeit für viele Menschen über die beste Mischung, um anschlußfähig zu sein.
Sie befinden sich inmitten eines sich neu bildenden Sozialmileus der, nennen wir es, metropolitanen Mitte. Sie definiert sich aus kulturellen Codes (Aussehen, Auftreten, Verhalten), diffusen politischen Inhalten (das Versprechen von Fairness und Absicherung, der Wahrnehmung des Restes der Welt, der Erwartung eines “global fair Deals” und Zukunftserwartungen, insbesondere der Berücksichtigung der Klima- und Umweltfragen (“Für die Zukunft unseer Kinder”).

Die Gesellschaft sortiert sich neu: Metropolitanes gegen Provinzielles

Schon die Vielzahl dieser Aspekte zeigt, wie diffus die Verortung ist. Aber die Umgruppierung/Polarisierung der Welt in “Weltoffene” und “Provinzielle” zeigt sich auch in Alltagsfragen, beispielsweise dem Verhältnis zum Auto: Während Großstadtbewohnern täglich erlebbar ist, dass das Auto keine Lösung mehr ist, stellt eben dieses für die Provinz eine zentrale Existenzfrage und ein Partizipationsversprechen dar. Die Pendler müssen diese Ambivalenz übrigens jeden Tag austragen.

Konzeptionell war die CDU ja nie stark. Sie lebte davon, “an der Macht zu sein” und Überspitzungen zu vermeiden. Das klappte, solange das Paradigma der “nivellierten Mittelstandsgesellschaft”, die in den Siebzigern für den Westen diagnostiziert wurde, als bröckelnder Schein aufrecht erhalten werden konnte. Aber jetzt wird die Realität brutal sichbar: Die langjährige Einwanderung und mangelnde Integrationsfähigkeit der deutschen Gesellschaft, der “unfriendly take over” der neuen Bundesländer, der dem Osten den Stolz und das Selbstwertgefühl nahm. Die CDU hat bisher, über den Merkel-Effekt, über diese Polarisierung hinwegtäuschen können. Aber mit der Flüchlingsfrage hat sich die CDU an ihrer Spitze auf einmal als der Kern des Problems (in alter Sichtweise) präsentiert.

Nie war das Gestrige der CDU so sichtbar wie heute.

Merkel war nie eine große Rednerin. Aber sie war und redete aufgeklärt (Und dass ihre aufgeklärten Reden in Kontrast zu ihren Taten stand, das hat REZO genüsslich, also witzig, emotional und faktenreich, vorgeführt: Die Kaiserin ist nackt!).

AKK dagegen ist Provinz pur. Friedrich Merz ist in der öffentlichen Wahrnehmung von Gestern (übrigens eine interessante Mischung aus provinzieller und globalisierter Lebensform). Bleibt noch der Globalist Jens Spahn. Und blenden wir mal dieses Andienende aus, wenn er von den englisch, italienisch oder spanisch sprechenden Latte Macchiato-Kellnern und Kellnerinnen sprach, redet er Klartext und macht sichtbare Politik.

Die CDU muss jetzt die Frage lösen, die FJS immer vermeiden wollte: Wie kriege ich die Konkurrenz rechts, AfD, und die wachsende metropole Mitte gleichzeitig in Griff? Wie sieht mein Leitbild aus? Und wie gelingt es mir, für die Mitglieder, die Aktiven, die den Nukleus einer Partei darstellen, so viel Bindekraft zu entwickeln, dass sie begeistert davon sind und die Botschaften der Partei (ja, welche wären das denn?) nach außen tragen.

Das kann nur über Kommunikation gelingen. Und deswegen ist AKK, die sprachlose, für die CDU das, was man bei AKWs einen GAU nennt.

Was Kurz in Österreich kann, müsste Spahn hier auch auf die Reihe kriegen, oder?

Immer dran denken: Rechts und links war gestern!

P.S. Und Europa? Ist doch interessant, die zwei Volksparteien beschließen ein Verfahren (Spitzenkandidat), aber sie haben die Macht dazu verloren. Warum also lässt man nicht einfach das Parlament in einer offenen Abstimmung, ohne Fraktionszwang. Demokratie in Ursprungsform.

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