Politik und Militär. Eine Umkehrgeschichte.

In der Süddeutschen vom 30.4.2010, Wochenendbeilage kommentiert Petra Steinberger einen interessanten Vorgang. Die amerikanischen Militäs hätten den Einsatz von Powerpoints verboten. Der kurze Beitrag wird hier wiedergegeben, weil ich über etwas anderes reden will: Die Fehler, die entstehen, wenn man sich von den Schlachtfeldern Bilder macht.

Dabei ist die Powerpoint, auf die hier Bezug genommen wird, ganz anders als einfach:

Die Powerpoints, die das US-Militär künftig nicht mehr zeigt.

Sie schreibt dazu:

„Es ist alles so schön bunt hier!

Mit Powerpoint wollen die Amerikaner den Krieg in Afghanistan gewinnen. Experten glauben allerdings, dass die Präsentationen eher dumm als stark machen. Sie wiegen die Strategen nämlich in falscher Sicherheit.

Es begann mit einer der üblichen Präsentationen, wie sie die Oberbefehlshaber des US-Militärs täglich mehrmals über sich ergehen lassen müssen. Mithilfe von Powerpoint sollte General Stanley McChrystal, dem Chef der Nato-Truppen in Afghanistan, die sogenannte COINStrategie erläutert werden. COIN steht für Counter-Insurgency, Aufstandsbekämpfung, jene neue Art der Kriegsführung, die in vielen Krisengebieten den herkömmlichen Kampf zwischen zwei Armeen längst abgelöst hat. COIN ist kompliziert. Das Militär muss vieles bedenken. Es will den Konflikt ja beenden. Eigentlich muss man alles bedenken: die Sicherheitslage, die Wirtschaft, die soziale, politische, geographische Situation. Und so wie oben sieht das dann für Afghanistan aus. Die afghanischen Sicherheitskräfte sind dunkelblau. Die Aufständischen, die Taliban und ihre Verbündeten: rot. Drogen und Kriminalität: rosa. Terrain: braun. Bevölkerung: grün. Und so fort.

Immer weniger Offiziere sind glücklich über die Macht, die das Programm innerhalb des Militärs erlangt hat. ‚Powerpoint macht uns dumm‘, erklärte James N. Mattis, Kommandeur des US Joint Forces Command, auf einer Konferenz. In Fachmagazinen beklagen Offiziere, Powerpoint führe dazu, Entscheidungen zu einfach, zu schnell zu treffen. ‚Es ist gefährlich‘, sagte General H. R. McMaster der New York Times, ‚denn es schafft eine Illusion von Verständnis und Kontrolle.‘ Er hatte das Programm verboten bei seinem erfolgreichen Einsatz im Nordirak. McChrystal soll beim Betrachten des Diagramms bemerkt haben: ‚Wenn wir dieses Bild verstehen, haben wir den Krieg schon gewonnen.‘ Es wurde gelacht. „

Und was fällt uns auf den ersten Blick ein: Es sieht geordnet aus. Aber wer meint eigentlich, dieses Bild noch verstehen zu können. Die Kraft der Imagination lässt sich an diesem Bild ablesen. Man glaubt, die Dinge sind übersichtlich. Man versteht nicht, wie sie sind. Und man geht davon aus, dass sich schon irgendjemand darüber Gedanken gemacht hat. Unter dem Strich ist das Delegation von Verantwortlichkeit ins Nirwana, den Algorthmus oder was sonst.

Militärs haben den traurigen Vorteil, dass falsche Entscheidungen zu direkten Reaktionen führen. Leider sind das dann Tote und Verwunderte. Politiker hingegen können sich jahrzehntelang in autosuggestiven Bilderwelten nationalstaatlichen Handelns bewegen. Das fällt niemandem auf. Bis das Kartenhaus zusammen fällt.

„Mehr sag‘ mer net!“

Ein Gedanke zu „Politik und Militär. Eine Umkehrgeschichte.

  1. Hallo Nikolaus,
    ich würde Dir in Bezug auf die Graphik nicht zustimmen, sondern eher sagen, dass sie schlecht eingesetzt wurde.
    Die „Powerpoint“ ist eigentlich eine Graphik nach einer bestimmten Methode (hab den Namen vergessen), mit der man zeigen will, wie etwas zusammenhängt und dazu muss man die Zusammenhänge auch verstehen. Dann kann man so eine Graphik dazu nutzen zu überlegen, wie man an das Problem rangeht ohne dabei Elemente zu vergessen. Es ist also ein strategisches und nicht unbedingt taktisches Instrument.
    Bei dieser Graphik muss ich sagen „Hut ab!“ für die Militärs, die sie erstellt haben. Allerdings sollte man die Ergebnisse dieser Graphik (also das Verständnis über die Zusammenhänge) dann anders in die Tat umsetzen. Wenn man sie sich jeden Tag angucken und damit Schlachten planen muss, wundert mich nicht, wenn sie verbannt wird …

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