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Die Grünen waren lange Jahre vor allem, das ist jetzt deskriptiv gemeint, ein binnendeutsches Wohlfühlprojekt. Sie sind ein deutscher Sonderweg. Eine Generation hat sich in Abgrenzung zur Väter- (ob Mütter-, müssten wir länger debattieren) Generation neu erfunden. Als Antwort eines gewaltsam kalten National(sozial)ismus hat sie den Blick aufs Ganze gewagt und so über Deutschland hinaus in die Welt gewirkt. 

 

Die Formulierung einer Politik aus dem Wohl des Ganzen heraus. Bürgerlich selbstbewusst, idealistisch, unter Ausblendung eigener Interessen. Mit freundlichen Grüßen an den herrschaftsfreien Diskurs von Jürgen Habermas. 

 

So war das am Anfang. Und auch jetzt ist die Idee mit dem Weltfrieden und Pazifismus nicht falsch. Aber wer grüne Auftritte in den Talkshows der vergangenen Wochen beobachtet, stellt fest: Richtig fühlt sich das nicht mehr an. 

 

Eine richtige Idee, aber zur falschen Zeit. Es fehlt nämlich an einer Haltung zur Welt im Hier und jetzt. Und zwar unabhängig davon, ob die linksgrüne Simone Peter wieder mal die ganze Welt umarmt, die Ängste der eigene Bevölkerung aber nicht versteht oder ob Katrin Göring-Eckardt ihr sanftes Licht über der Welt leuchten lässt. Wenn der Glanz der schönen Rede endet, liegt wieder alles ganz dunkel da. 

 

Beruhigen kann beides nicht. Statt Perspektive hinterlässt es Ratlosigkeit. 

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Und ist das das richtige Rezept gegen die AfD? Die Frage wird dauernd verkehrt gestellt. Was richtig ist, um die AfD zurück zu drängen, entscheidet sich erst einmal in der Wahrnehmung der eigenen Wahloption durch den Wähler. Und zwar nicht im Einzelnen, was die Parteien denn so detailliert in ihre Programme schreiben, sondern ob der potentielle Wähler das Gefühl hat, sie teilen seine Weltwahrnehmung. 

Die deutsche Linke, und da subsumiere ich jetzt mal auch die Grünen drüber, obwohl meine Hoffnung noch nciht verloren ist, dass es eben keine klasssiche linke Partei ist, die deutsche Linke also meint immer, wenn sie noch mehr Instrumente für Umverteiung entwickelt und fordert, dann wird alles gut. 

Komplett falsch. 

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auch wenn man es nicht teilt, man sollte es lesen. Er ist immer noch der klügste unter den Linken.

taz vom Dienstag, 24.1. (Seite 3)

„Wir brauchen Disziplin“

GRÜNE ZUKUNFT Weniger Koalitionstaktik, mehr Einsatz für Klimaschutz, Mobilitätswende, soziale Gerechtigkeit und für Europa fordert Jürgen Trittin

https://www.taz.de/!5373387

Warum er aber falsch liegt, demnächst hier!

Das ist nochmal gut gegangen. Mit Cem Özdemir und Katrin Göring-Eckardt ziehen die Grünen mit zwei Realos in den Wahlkampf. Wer Erleichterung spürt, sei gewarnt. Viele meiner Bekannten, wirtschaftsnah, realistisch, nach vorne denkend, grün geneigt, sind verstört über das aktuelle Bild, das diese Partei abgibt. Die Kritik: Der Sichtbarkeit nach ist Jürgen Trittin der Spitzenkandidat, Katrin-Göring-Eckardt spreche lang, am Ende wüsste man aber nicht, was sie gesagt habe. Und mit ihren Münsteraner Beschlüssen hätten die Grünen einmal mehr gezeigt, dass sie eine Partei der Besserwisser und Umverteiler sein wollen, dass sie lieber als linke Protestpartei mit einstelligen Ergebnissen die wahre Lehre verkörpern möchten als mit Kretschmanns Wahlergebnissen mitregieren zu wollen. 
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Ich sehe mir inzwischen keine Talkshows mehr an. Wenn ich es aber, wie am Wochenende, als Edmund Stoiber, Olaf Scholz und Simone Peter miteinander stritten, doch tue, dann mit den Augen von Menschen, die sich einfach mal informieren wollen. 

Sie erlebten einen tobenden Stoiber, einen unendlich gelassenen Olaf Scholz und eine Simone Peter, die auch was sagte. Das war von außerordentlicher Wolkigkeit, dass auch ich nicht wusste, was sie eigentiich will. 

Grüner Sidestep

In einem anderen Zusammenhang schrieb, die Zeit, Mariam Lau, vergangene Woche, wer die Grünen derzeit erlebe, wüsste, was diese an den anderen Parteien kritisieren. Sie wüssten aber nicht, wofür sie stehen.

Man kann nur hoffen, dass das besser wird, wenn Cem Özdemir am Mittwoch als Spitzenkandidat nominiert wird. Vergangenes Jahr hat er bewiesen, dass er Gespür hat. 

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Vom Bohren dicker Bretter.

Max Weber hat einmal gesagt, Politik sei das Bohren dicker Bretter. Reflexive Modernisierung bedeutet, dass sich das Aufgabenfeld der Politik erweitert hat: Das Bohren dicker Bretter. Und die Bürgerinnen und Bürger davon überzeugen, dass 1) es die wichtigen Bretter sind, durch die gebohrt werden soll und 2) die Politiker auch wirklich davon überzeugt sind, dass sie das durchbohren können.

Seitdem der Breitscheidplatz zum Ort eines terroristischen Anschlags wurde, sind sich jetzt alle einig: Wir brauchen mehr Sicherheit. Und wir beobachten: Thomas de Maiziere veröffentlicht in der FAZ einen ganzseitigen Beitrag, in der alles mögliche, vor allem mehr Zentralisierung, natürlich auch mehr Videoüberwachung, gefordert wurde. Der Beitrag enthielt jede Menge Vorschläge, die selbst politikaffine Menschen, wozu ich mich zähle, nicht beurteilen konnten, was sinnvoll, was nicht sinnvoll ist. 

Die SPD und Gabriel widersprechen, aber nicht wirklich. Die Grünen müssen erst einmal eine irrlichternd reflexhafte Bundesvorsitzende einfangen, bevor sie doch feststellen, dass sie doch diejenigen sind, die immer für Sicherheit waren. Und da ist dann noch die Bundeskanzlerin. 

Die mahnt, man müsse das mit den Abschiebungen schneller hinkriegen. …. 

Wer sagt eigentlich, Populismus käme von den populistischen Parteien? Nüchtern betrachtet, reden alle Politiker offensichtlich so, als wären sie nicht an der Regierung. Was ja nachweißlich, für De Maizière, Merkel und Gabriel, wir können auch Maas dazu nehmen, nicht gilt. Und auch die Grünen sind sich nicht einmal in ihrer Haltung einig.

Politik heute lebt in einem Irrtum. Sie glaubt, die Menschen wollten überall mitentscheiden. Nein, sie wollen lediglich mitreden. Und sie wollen das Gefühl haben, dass Politiker dafür stehen, was sie tun. Sie wollen Vertrauen haben können. 

Die Politiker machen einem das aber schwer. Es gibt zu viele von ihnen, das Gremiendurcheinander ist zu verschachtelt, jeder redet bei jedem Thema mit. Und jeder rennt irgendeinem imaginären Zeitgeist nach. 

Auch, muss man leider feststellen, unsere Bundeskanzlerin. Die sagt nun wiederum, man müsse einfach schneller abschieben. Auch wenn sie weiß, was die Hemmnisse sind.

Politik gestaltet Gesellschaft nicht mehr. Politik gibt höchstens einer imaginären Volksmeinung, oder einer Teilvolksmeinung Ausdruck. Klar muss Politik nach einem solchen Anschlag überprüfen, ob sie alles richtig gemacht hat. Klar muss sie dazu debattieren. Aber hat wirklich jemand den Eindruck, die handelnden Politiker würden das mit einer Haltung machen. Oder nicht eher mit der Haltung, wie sie möglichst unbeschädigt da durchkommen? Oder Punkte gegenüber anderen Politikern sammeln?

Mit dieser Art von Volksparteienpopulismus werden wir den Populismus von außen nicht in Griff kriegen…. 

Dave Collander, den Namen wird man sich merken müssen… Johannes Pennekamp hat in der FAS vom 9.1.2017 seinen Ansatz skizziert. Collander geht es um das Paradigma der Volkswirtschaften. Was er beschreibt, geht aber darüber hinaus, es beschreibt das Scheitern aller gesellschaftlichen Handlungswissenschaften. Und das Scheitern gesellschaftlichen Handelns. Lesen Sie selbst: 

https://www.evernote.com/shard/s39/sh/9fd32fde-8b5e-456a-8372-777b3feeb918/a92ab08ff603a8bd4d9eda943acef494https://www.evernote.com/shard/s39/sh/9fd32fde-8b5e-456a-8372-777b3feeb918/a92ab08ff603a8bd4d9eda943acef494

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Es hilft manchmal, sich alte Zeiten anzusehen und vor allem, sie unvoreingenommen anzusehen. Es können verblüffende Erkenntnisse dabei herauskommen.

War Luther eigentlich ein Opportunist? Obwohl ich die Frage gut verstehe, muss man sich der Antwort verweigern. Luther hat viel riskiert, können die Historiker darüber forschen, ob wissentlich oder unwissentlich, bis zu dem Punkt, als ihm sein Fürst ein Ultimatum gestellt hat. Im Kampf gegen Rom hat sich Luther eindeutig auf die Seite der aufgeklärten Fürsten gestellt, die die protestantische Sache unterstützt haben, freilich nicht einfach, weil sie die bessere war, sondern weil sie ihren Interessen oder/und ihren Überzeugungen besser entsprach.
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Die Marke LutherAndrew Pettegree hat ein Buch mit einem etwas ungewöhnlichen Namen geschrieben. Und da ich, obwohl als Kind einer evangelisch-katholischen Familie, im evangelischen Nürnberg katholisch aufgewachsen, mich nie mit dem Protestantismus beschäftigt habe, hat mich die Rezension in der Zeit 1/2017 angesprochen.

Zu Recht.

Die Geschichte Luthers, das weiß man im Anschluss, ist die Geschichte eines Mannes mit ungewöhnlicher Willensstärke, der frühzeitig neue technologische Trends genutzt hat, mit seinem Fürsten unglaubliches Glück hatte, und deswegen erfolgreich war, weil er disruptiv war, (kurz, verständlich und deutsch geschrieben hat und seine Schriften deswegen schlagartig reißenden Absatz fanden). Der in der Disruption aus einer gänzlich unabsehbaren Rolle und Situation heraus (Ein bis dato unbedeutender Autor, Wittenberg ein unbedeutender abseits liegender Ort ohne Anschluss an die großen Handelswege) , sich sein eigenes Netzwerk aufgebaut hat (intellektuell, aber auch illustratorisch-drucktechnisch), dabei ein glückliches Händchen hatte und einen unglaublichen Kontrollzwang entwickelte und so zum meistgelesenen Autor Deutschlands jemals wurde. Weiterlesen »

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