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Vom Bohren dicker Bretter.

Max Weber hat einmal gesagt, Politik sei das Bohren dicker Bretter. Reflexive Modernisierung bedeutet, dass sich das Aufgabenfeld der Politik erweitert hat: Das Bohren dicker Bretter. Und die Bürgerinnen und Bürger davon überzeugen, dass 1) es die wichtigen Bretter sind, durch die gebohrt werden soll und 2) die Politiker auch wirklich davon überzeugt sind, dass sie das durchbohren können.

Seitdem der Breitscheidplatz zum Ort eines terroristischen Anschlags wurde, sind sich jetzt alle einig: Wir brauchen mehr Sicherheit. Und wir beobachten: Thomas de Maiziere veröffentlicht in der FAZ einen ganzseitigen Beitrag, in der alles mögliche, vor allem mehr Zentralisierung, natürlich auch mehr Videoüberwachung, gefordert wurde. Der Beitrag enthielt jede Menge Vorschläge, die selbst politikaffine Menschen, wozu ich mich zähle, nicht beurteilen konnten, was sinnvoll, was nicht sinnvoll ist. 

Die SPD und Gabriel widersprechen, aber nicht wirklich. Die Grünen müssen erst einmal eine irrlichternd reflexhafte Bundesvorsitzende einfangen, bevor sie doch feststellen, dass sie doch diejenigen sind, die immer für Sicherheit waren. Und da ist dann noch die Bundeskanzlerin. 

Die mahnt, man müsse das mit den Abschiebungen schneller hinkriegen. …. 

Wer sagt eigentlich, Populismus käme von den populistischen Parteien? Nüchtern betrachtet, reden alle Politiker offensichtlich so, als wären sie nicht an der Regierung. Was ja nachweißlich, für De Maizière, Merkel und Gabriel, wir können auch Maas dazu nehmen, nicht gilt. Und auch die Grünen sind sich nicht einmal in ihrer Haltung einig.

Politik heute lebt in einem Irrtum. Sie glaubt, die Menschen wollten überall mitentscheiden. Nein, sie wollen lediglich mitreden. Und sie wollen das Gefühl haben, dass Politiker dafür stehen, was sie tun. Sie wollen Vertrauen haben können. 

Die Politiker machen einem das aber schwer. Es gibt zu viele von ihnen, das Gremiendurcheinander ist zu verschachtelt, jeder redet bei jedem Thema mit. Und jeder rennt irgendeinem imaginären Zeitgeist nach. 

Auch, muss man leider feststellen, unsere Bundeskanzlerin. Die sagt nun wiederum, man müsse einfach schneller abschieben. Auch wenn sie weiß, was die Hemmnisse sind.

Politik gestaltet Gesellschaft nicht mehr. Politik gibt höchstens einer imaginären Volksmeinung, oder einer Teilvolksmeinung Ausdruck. Klar muss Politik nach einem solchen Anschlag überprüfen, ob sie alles richtig gemacht hat. Klar muss sie dazu debattieren. Aber hat wirklich jemand den Eindruck, die handelnden Politiker würden das mit einer Haltung machen. Oder nicht eher mit der Haltung, wie sie möglichst unbeschädigt da durchkommen? Oder Punkte gegenüber anderen Politikern sammeln?

Mit dieser Art von Volksparteienpopulismus werden wir den Populismus von außen nicht in Griff kriegen…. 

Dave Collander, den Namen wird man sich merken müssen… Johannes Pennekamp hat in der FAS vom 9.1.2017 seinen Ansatz skizziert. Collander geht es um das Paradigma der Volkswirtschaften. Was er beschreibt, geht aber darüber hinaus, es beschreibt das Scheitern aller gesellschaftlichen Handlungswissenschaften. Und das Scheitern gesellschaftlichen Handelns. Lesen Sie selbst: 

https://www.evernote.com/shard/s39/sh/9fd32fde-8b5e-456a-8372-777b3feeb918/a92ab08ff603a8bd4d9eda943acef494https://www.evernote.com/shard/s39/sh/9fd32fde-8b5e-456a-8372-777b3feeb918/a92ab08ff603a8bd4d9eda943acef494

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Es hilft manchmal, sich alte Zeiten anzusehen und vor allem, sie unvoreingenommen anzusehen. Es können verblüffende Erkenntnisse dabei herauskommen.

War Luther eigentlich ein Opportunist? Obwohl ich die Frage gut verstehe, muss man sich der Antwort verweigern. Luther hat viel riskiert, können die Historiker darüber forschen, ob wissentlich oder unwissentlich, bis zu dem Punkt, als ihm sein Fürst ein Ultimatum gestellt hat. Im Kampf gegen Rom hat sich Luther eindeutig auf die Seite der aufgeklärten Fürsten gestellt, die die protestantische Sache unterstützt haben, freilich nicht einfach, weil sie die bessere war, sondern weil sie ihren Interessen oder/und ihren Überzeugungen besser entsprach.
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Die Marke LutherAndrew Pettegree hat ein Buch mit einem etwas ungewöhnlichen Namen geschrieben. Und da ich, obwohl als Kind einer evangelisch-katholischen Familie, im evangelischen Nürnberg katholisch aufgewachsen, mich nie mit dem Protestantismus beschäftigt habe, hat mich die Rezension in der Zeit 1/2017 angesprochen.

Zu Recht.

Die Geschichte Luthers, das weiß man im Anschluss, ist die Geschichte eines Mannes mit ungewöhnlicher Willensstärke, der frühzeitig neue technologische Trends genutzt hat, mit seinem Fürsten unglaubliches Glück hatte, und deswegen erfolgreich war, weil er disruptiv war, (kurz, verständlich und deutsch geschrieben hat und seine Schriften deswegen schlagartig reißenden Absatz fanden). Der in der Disruption aus einer gänzlich unabsehbaren Rolle und Situation heraus (Ein bis dato unbedeutender Autor, Wittenberg ein unbedeutender abseits liegender Ort ohne Anschluss an die großen Handelswege) , sich sein eigenes Netzwerk aufgebaut hat (intellektuell, aber auch illustratorisch-drucktechnisch), dabei ein glückliches Händchen hatte und einen unglaublichen Kontrollzwang entwickelte und so zum meistgelesenen Autor Deutschlands jemals wurde. Weiterlesen »

Der Populismus ist los. Oberflächlich betrachtet ist es die Lust am Scheitern der Anderen. Tatsächlich wird aber übersehen, wie man sich damit selber die Stolperfallen aufstellt. 

Die CSU macht es vor. Während die Merkel-CDU geräuschlos Grenzziehung und Abschiebung nachvollzogen hat, macht Macho Seehofer Hardcore: Die Kanzlerin soll zu Kreuze kriechen. 200.000, so wahr mir Gott helfe. 

Was für ein Irrsinn, was für eine Selbstüberhöhung der eigenen Rolle. Rache ist kein guter Ratgeber in der Politik. 

Meint Seehofer wirklich, einer der legendären Nachfolgekandidaten, gar Schwiegersohn Strobl, der zu junge Spahn, wer eigentlich noch, hätte es im Kreuz, Merkel nachzufolgen? Nein, eher wird die CDU nochmal richtig einbrechen. 

Den Bayernrambo Söder will er ja selbst verhindern. 

Freuen kann sich dabei niemand, weil keiner weiss, was dann kommmt. Rotrotgrün? Nun, ganz ausgeschlossen ist das nicht, obwohl meiner bescheidenen Meinung nach sich in dieser Konstellation die schlechten Eigenschaften potenzieren: Scheinbare Wohltaten, weiße Salbe auf die Wunden des Volkes, damit man nicht auf die globale Lage sehen muss. Eine Antwort auf wachsende globale Disruption kann ich auch in dieser Koalition nicht erkennen. 

Dass wir, dass Deutschland und Europa mit anderen Kontinenten konkurrieren muss, das ist dort offensichtlich noch nicht angekommen. 

2017 wird ein Jahr der Entscheidungen. Und niemand hat es im Griff. Wahl in Frankreich, Wahl in Italien, Wahl in Deutschland. Und dann das Gerangel um den Brexit. 

Mir kommen da Begriffe wie Resilienz, Stabilität, Vorsicht, in den Sinn. 

Sich vortasten. Oder anders: Merkeln. Auf eine vernünftige Vorwärtsperspektive, auf ein abwägendes Ja zur Veränderung, müssen wir wohl noch etwas warten. 

Nach dem Sieg ist vor dem Sieg. Wer geglaubt hat, dass Obama der Klimafrage endlich auch in den USA zum Durchbruch verholfen hat, sieht sich jetzt ernüchtert. 

 

Ein Schritt nach vorne, zwei oder drei Schritte zurück. 

 

Und wer bisher dachte, Trump wäre ne Dumpfbacke, muss erkennen: Er hat einen Plan. Der zahlt für ihn auf einer dreifachen Ebene ein. Axel Postinett hat das im Handelsblatt aufs Nüchternste beschrieben. 

 

Mein Fazit: 

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Der Zauber der Angela Merkel

Weil auch ich manchmal was arbeiten muss, habe ich die Rede von Angela Merkel auf dem Bundesparteitag nicht gehört. Erst beim Applaus habe ich eingeschaltet. Abe auch da kann einem was auffallen. Nämlich das, was Angela Merkel ausmacht. Was besonders ist an ihr. 

Zum Einen, diese Langsamkeit, dieses Nicht Kommunizieren. Oder erst nicht. Im Grunde führt das ja dazu, dass sich die Sturmwellen immer ganz groß aufbäumen. Und alle gebannt hinsehen, was jetzt wohl wird. Um dann von ihr in einem gezielten Akt zerschlagen zu werden. 

Diesen Druck so lange auszuhalten, nicht den Gabriel zu machen (Zwei Wochen links, zwei Wochen Wirtschaft), sondern das langsam auszutarieren, das ist die große Kunst der Angela Merkel. 

Aber wahrscheinlich ist es nur ihre Natur. 

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heute, am NIKOLAUSTAG (soviel Zeit muss sein), Jörg Bremer in der FAZ. Und niemand hat das als Gesamtpanorama besser beschrieben als heute, am NIKOLAUSTAG (soviel Zeit muss sein), Jörg Bremer in der FAZ. 

Schön ausgeleuchtet, wie im politischen Rollenspiel weiterreichende Initiativen im Dickicht existierender Rollenbider und Interessen untergehen. 

Und unendlich traurig!

Es ist Italien, Europas Nr. 3!. Auf einen Punkt gebracht: Der Konsens zerbricht ganz schnell, weil der „Windfall-Profit“ leichter zu kassieren ist als beim Bohren dicker Bretter mit zu machen. 

Um eine Niederlage wie bei Renzi zu vermeiden, braucht es eines: Menschen in verantwortlichen Positionen, die die eingespielten Rollenmuster verlassen und das gemeinsame Interesse höher gewichten als den Kurzfristnutzen. 

Es müssen Menschen aus der Spitze und der Mitte der Gesellschaft sein. Denn Veränderung kommt von oben (oder sie kommt als Revolution, auch als populistische Revolution, aber auch unsere postfaktischen Revolutionsträumer sollten sich mal Gedanken machen, was das heißt). 

Trumps erste Schritte

1100 Arbeitsplätze gerettet. Dank Trump. Wir können gespannt sein, was da noch alles kommt. Denn nichts passt zueinander. Die Zwischenbilanz: Die Rettung von 1100 Arbeitsplätzen bei einem Unternehmen mit hohem Anteil an Staatsaufträgen, einem erpressbaren Unternehmen also. Dann einen Banker als Finanzchef, nen Hardcore Militär als Verteidigungschef, Steuersenkungen als Mittel der Qual. Und die ersten Schritte von Gesundheitsversicherung wieder abräumen.  
Da kommt einem gleich in den Sinn: Nur die allerdümmsten Kälber… Die geretteten Arbeitsplätze könnten so eine Art Henkersmahlzeit sein. Glückliche Schlachtung also.

Mit ein bißchen Distanz bin ich aber total gespannt. Es ist eine echte Case Study, wie weit man eine scheibar alternativlose Agenda verändern kann und was die Kosten sind. Also nciht nur (ab)schäumen, sondern beobachten.

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