Occupy politics! Die neue Wander-Bewegung.

Die Fahrt durch vernebelte Wälder geht weiter. Die Europäischen Länderchefs versuchen sich weiter im Währungsretten, die Bürger schauen atmenlos, ratlos zu. Und die Welt dreht sich weiter.

Noch!

Aber die Zeichen stehen auf Unruhe. Als erstes hat Grünrot in Baden-Württemberg die CDU weggefegt. Dann haben in Berlin die Piraten die GRÜNEN auf Platz drei geblasen. Betriebsunfall.

Jetzt hat sich der Stuttgarter Wutbürger in den Frankfurter Occupy Aktivisten verwandelt. Bunt, kreativ, verärgert.

Politikverdrossenheit sieht anders aus.

Und während sich die Menschen weiter von der politischen Bühne in Berlin-Brüssel-Washington verabschieden und ihre Wut, ihren Ärger, ihren Zorn und ihre Furcht in Aktivitäten verwandeln, analysieren Sozialwissenschaftler und Journalisten, was sie sehen.

Nichts.

Weil die gelernten soziologischen Erklärungen nicht mehr greifen. Die Stuttgarter Wutbürger mögen noch über Fünfzig und Halbhöhenbewohner sein. Die Frankfurter sind es nicht, die Piratenwähler auch nicht. Die Beck’sche Kategorie der Risikogesellschaft hat sich vergesellschaftet. Es sind nicht mehr die Technologierisiken, die alle treffen können, es sind die politischen, die Finanzmarktrisiken. Der Protest artikuliert sich unter all denen, die sich als Teil der Gesellschaft fühlen. Quer durch alle Bevölkerungsschichten und Atersgruppen.

Ihrer Ansicht nach ist das Maß voll. Auch, wenn sie nicht wissen, was zu tun ist. Sie beginnen, die Politik, die leicht erschütterbare, vor sich her zu treiben.

Die Lage wird unübersichtlich. Und die Fahrt durch vernebelte Wälder geht weiter. Nur, dass sich der Nebel verdichtet. Und die Männer am Steuer die Richtung nicht mehr erkennen können.

Ist es dann wirklich verwunderlich, wenn die Menschen aussteigen und sich selber auf den Weg machen?

Selber laufen. Da braucht es kein Demokratisierungsprogramm, keine Partizipationsbewegung. Das geht von ganz alleine.

Vielleicht ist das der Unterschied zu den Zusammenbrüchen der Endzwanziger und Dreissiger Jahre: Während damals marodierende Bürgerwehren mit Waffengewalt aufeinander schlugen, hat sich die Zivilgesellschaft auf den Weg gemacht. Weltweit. Es ist nicht mehr der Clash of Cultures, der auf der Tagesordnung steht, sondern der Aufstand des Unten gegen das Oben. Das Oben der Politik, der Finanzwirtschaft, der Zügellosigkeit, Verantwortungslosigkeit und Ratlosigkeit ihres (Nicht)Handelns. Protest, der erste Schritt des Handelns.

Jetzt kommt es auf politische Führung an. Standfestigkeit und Verantwortungsübernahme. Faktisch, keine kommunikative Verantwortungssimulation. Den Unterschied haben die Menschen schon verstanden.

Ja, die Politiker werden getrieben. Aber vielleicht bringt das ja den einen oder die andere dazu, mal aus der Routine auszubrechen und Haltung zu zeigen.

Gut wär’s. Und Zeit dafür auch.

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