Neue Lösungen. Was Politiker, insbesondere Gesundheitspolitiker lernen müssen.

Als gelernter Marxist hat man es einfach. Da war es der Umschlag von Quantität in Qualität. Aber auch Nichtmarxisten, also die meisten Politiker, können den Prozess erkennen, wenn sie denn wollen. Es geht darum, wie Märkte neue Lösungen entwickeln.

Der anhängende Beitrag umreisst das Problem. Wir alle, die mit Versandhandel nutzenden Frauen liiert sind (Neudeutsch: Zalando Junkies) haben uns über zwei Dinge gewundert: Wie die Briefträger das alles schaffen und warum, trotz Knechtschaftslöhnen und vormodernen Verhältnissen (Neudeutsch: Praktikantenökonomie), diese irre Retourquote betriebswirtschaftlich darstellbar ist.

Jetzt wissen wir: Offensichtlich ist es das nicht.

Was die Branche dazu treibt, ganz neue Lösungen zu entwickeln, z.B. elektronisches Maßnehmen….. Für Nichtmarxisten: Die massenhafte Rücksendung von Ware führt dazu, dass die Online-Branche überlegt, wie sie einen wesentlichen Faktor, nämlich, das „Sitzt nicht“ eleminieren kann.

Und schon ist die kreative Zerstörung am Werk.

Das ist übrigens ein Effekt, der in dem politisch übersteuerten Gesundheitssystem nie eintreten wird. Unternehmen können Effektivitätsreserven nicht für sich nutzen, der Fortschritt bleibt also, wie der Sozialdemokrat Grass ja richtig beobachtet hat, eine Schnecke.

Aber auch für den Grünen Staatssekretär Baake, der die schwarzrote Energiewende vorantreibt, haben wir einen Hinweis. Ja, er ist sicher der einzige in Deutschland, der diese Energiewende kompetent und abgezockt weiter führen kann.

Aber auch Baake ist nicht gefeit davor, mit politisch definierten Rahmenbedingungen, ich werfe mal den Begriff „Kapazitätsmärkte“ und „Ausschreibungsverfahren“, Ideen, die Kapitalismus 1.0 Gläubige ausstreuen, echte Märkte verhindern. Ein definierter Markt, so meine These, ist durch die politischen Rahmenbedingungen ein verriegelter Markt, in dem Sprunginnovationen und der Umschlag von Quantität in Qualität eventuell nicht mehr stattfinden.

Ist erst mal eine Hypothese zum Weiterdenken. Auch die Quotenmodelle, die ja von der jungdynamischen Ökonomengarde so verfochten wird, könnte darunter leiden. Aber das ist erst mal eine Spekulation, die empirischer Belege bedürfte. Schau’n wir mal!

Und hier der wunderbare Artikel der wunderbaren FAZ.

DIENSTAG, 17. JUNI 2014
WIRTSCHAFT
Den Retourenwahnsinn in den Griff bekommen
Im Online-Handel wird bisher kaum Geld verdient – auch weil zu viel Ware zurückgesandt wird
B.K. DÜSSELDORF, 16. Juni. Wenn sich die Mädels für ihren Abi-Ball drei Kleider zur Auswahl bestellen, schicken sie anschließend vier zurück, scherzte unlängst Lovro Mandac, der Chef der inzwischen ebenfalls in den Online-Handel eingestiegenen Warenhaus-Kette Galeria Kaufhof. Tatsächlich sind es die beträchtlichen Retouren sowie Logistikfragen, die das Geschäft für die meisten Online-Händler wegen der damit verbundenen Kosten noch weitgehend unprofitabel machen. Das belegt auch eine Studie der Unternehmensberatung Bearing Point, die dieser Zeitung exklusiv vorliegt. Nach einer Umfrage unter 30 führenden deutschen Handelsunternehmen sehen 62 Prozent der Befragten erheblichen Bedarf in der Reduzierung ihrer Lagerbestände, 42 Prozent der Teilnehmer halten den Abbau der Retourenquote für eines der wichtigsten Unternehmensziele.

„Um dem Wettbewerbsdruck in diesem wachsenden Marktsegment standzuhalten, werden die Wahl der richtigen Logistikstrategie und das Management der Abwicklungskosten zunehmend zu kritischen Erfolgsfaktoren“, sagt Matthias Loebich, als Partner der Beratungsgruppe für die Studie verantwortlich: „Die zentrale Frage für Händler ist, wie sie ihre Bestände und den Retourenwahnsinn in den Griff bekommen.“ Trotz der damit verbundenen Herausforderungen sieht ein Großteil der Online-Händler logistische Leistungen wie Wareneingang einschließlich Qualitätsprüfung, Lagerhaltung, Kommissionierung, Versandvorbereitung oder Retourenbearbeitung als Kernkompetenz an, auch weil es dabei um sensible Kundendaten geht.

Laut Bearing Point besteht entsprechend hoher Handlungsbedarf. Vor allem Unternehmen aus der Bekleidungsbranche sollten sich dringend damit auseinandersetzen, wie sie mit der Integration von intelligenten IT-Lösungen beispielsweise mit lernenden Algorithmen genauere Bedarfsprognosen erstellen können. Im Retourenmanagement böten prozessuale, technische und abrechnungsspezifische Ansätze eine Fülle von Optimierungsmöglichkeiten. Sie reichten von kundenindividuellen Produktbeschreibungen über verbesserte Verpackungen gegen mögliche Transportbeschädigungen bis hin zu Anreizmodellen in der Abrechnung. Gerade für Online-Händler, die keinen zusätzlichen Absatzkanal über ein Ladengeschäft haben, geht es nach Angaben der Beratungsgesellschaft vermehrt darum, den Geschmack des Kunden oder die Passgenauigkeit des Produkts möglichst genau zu antizipieren, um entsprechende Rücksendungen zu vermeiden. Als ein Beispiel wird die 3D-Vermessung des Innenraums von Schuhen genannt, mit der eindeutigere Kennzahlen zur Passform ermittelt werden können als durch reine Größenangaben.

Für die Studie wurden sowohl Mehrkanal-Händler als auch reine Online-Händler aus den Branchen Bekleidung und Schuhe, Elektronik und Haushaltsartikel, Accessoires, Bücher oder Lebensmittel mit Umsätzen zwischen 10 und 500 Millionen Euro befragt. Der gesamte Online-Handel ist im vergangenen Jahr um mehr als 40 Prozent auf rund 39 Millionen Euro gewachsen. Zwar können die Online-Händler dank einer neuen EU-Verbraucherrichtlinie das Porto für Rücksendungen inzwischen auf die Verbraucher abwälzen. Bisher sieht es aber so aus, dass zumindest die großen Anbieter darauf verzichten und die Kosten auch weiterhin selbst tragen werden.

Ein Gedanke zu „Neue Lösungen. Was Politiker, insbesondere Gesundheitspolitiker lernen müssen.

  1. Für das Retouren-Problem (gerade bei der Bekleidung) gibt es schon längst eine Lösung: kürzere Wege.

    Erreicht wird das dadurch, dass man sich in ein Bekleidungsgeschäft begibt. Dort beträgte der Abstand zwischen der Anprobe und dem Kleiderständer oft nur wenige Meter. Die Abwicklung erfolgt recht unkompliziert und wird dabei vom Kunden oft selbst übernommen, indem er das probierte, aber nicht für passend befundene Kleidungsstück selbst wieder auf den Bügel und dann auf den Kleiderständer befördert.

    Auch sind hier die Begutachtungsmöglichkeiten deutlich besser: neben dem Aussehen können hier auch der Geruch und das taktile Eigenschaften usw. in die Bewertung sofort mit einfließen. Auch die durch eine Größenzahl nur sehr unzureichend erfasste Beschaffenheit des menschlichen Körpers kann hier perfekt mit der Form des Kleidungsstücks abgeglichen werden.

    Wettbewerbsfähig ist der Onlinehandel nur deswegen, weil er über die Retouren einem das auch daheim bietet, d.h. wenn der Weg zum Postamt kürzer ist, als zum Bekleidungsgeschäft, weil der Preis besser ist, und weil das Angebot größer ist, und weil er dem Kunden kürzere Wege und bessere Öffnungszeiten bietet. Das wiegt evtl. den Nachteil auf, den gekauften Gegenstand nicht sofort nutzen zu können.

    Wenn der Online-Handel hingeht und die Lagerbestände verringert, die Retouren eher unmöglich macht, dann bleibt nur der Nachteil des Wartens auf den bestellten Artikel. Selbst der Preisvorteil dürfte sich ins Gegenteil kehren, wenn der Kunde die Retouren bezahlen oder Fehlkäufe selbst finanzieren muss.

    Deswegen sollte der Online-Handel damit warten, bis er alternativlos geworden ist, also bis zu dem Zeitpunkt, zu dem er die klassischen Händler verdrängt hat.

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