Mein Hautarzt. Und die Gesundheitspolitik

Ich verzichte ja weitgehend darauf, hier persönliche Erfahrungen wiederzugeben. Heute muss es mal sein. Denn ich war beim Arzt.
Die positiven Seiten: Mir gegenüber saß ein Arzt, der ganz anders hieß als die Ärztin, der die Praxis gehört (nicht so positiv, weil es eine Einzelpraxis ist). Aber mal ganz abgesehen davon, dass man das ankündigen sollte, war er das Modell eines modernen Arztes: Sprachfähig (auch in Laiensprache), sichtlich interessiert, mir zu erklären, was er sieht. Und in allem, was er gesagt hat und wie er es gesagt hat, kompetent.

Was mir in Arztpraxen nämlich zunehmend auf den Zeiger geht, ist diese kommunikative und organisatorische Inkompetenz.

Erstens: Ich komme in die Praxis zum ersten Mal, Hautscreening, dann wird mir ohne weitere Erklärung ein Zettel hingelegt, den ich unterschreiben muss. Auf dem Zettel steht dann, dass ich mit dem 2,3 fachen Satz abgerechnet werde.

Ok, schön, dass die Sprechstundenhilfe weiß, was das bedeutet, ich aber nicht. Ich muss erst nachfragen, damit sie mir erklärt, dass das dann 37,50 macht.

Frage: Warum kann man Patienten, die ja auch Kunden sind, erklären, dass das so ist und zwar unaufgefordert. Warum werden Patienten in Arztpraxen kaum jemals als Kunden wahrgenommen, sondern als Versorgungsfall? Müsste also der G-BA erst eine Abrechnungsziffer einführen, „freundlicher Service“, damit Ärzte auf die Idee kommen, Patienten könnten auch wissen wollen, was das für sie bedeutet (und nicht nur „Rechtssicherheit, wenn die 37,50 eingeklagt werden).

Kann man nachvollziehen, warum ich für mehr Marktwirtschaft und Wettbewerb bin und für weniger Bewirtschaftung. Man kann ethisch entscheiden und ökonomisch handeln. Nur Ärzte bilden sich ein, das ist ein Widerspruch. Tatsächlich sind es die Pole, zwischen denen eine verantwortliche Entscheidung stattfinden sollte.

Nach der Behandlung ging es weiter. Es gab gleich die Rechnung, ok, und man musste sofort bezahlen. Bar oder EC-Karte. Ich wollte bar bezahlen, hatte aber nur nen 50 € Schein. Meinte die Sprechstundenhilfe, sie könne nicht rausgeben.

Da bin ich patzig geworden. Die neben mir stehende Patientin hat begonnen zu kramen, die eine Arzthelferin meinte, nee wüsste ja, sie hätte nie Geld, die praxisinhabende Ärztin habe ich dann auch kennen gelernt, sie hatte auch kein Geld, die diensthabende Empfangsdame hat die ganze Zeit es nur darauf angelegt, dass ich meine Karte ziehe. Ich wollte aber nicht. Ich bin nicht der Lückenbüßer für eine mangelhafte Praxisorganisation.

Wenn es das erste Mal wäre, dass ich mich über die mangelhafte Organisation in Arztpraxen aufregen würde, wäre es ok. Es ist aber die Dauererfahrung. Das Geld der Patienten wird wild abgezwackt, es geht gar nicht um die Größenordnungen, sondern um den Umgang damit, dass Dinge bezahlt werden müssen. MUSS DAS SO PATZIG SEIN? Ist das nicht ein weiteres Mosaiksteinchen, dass die niedergelassene Arztpraxis ein Auslaufmodell ist, weil sie sich weigert, auf die neuen Verhältnisse einzustellen und Kunden auch als Kunden zu betrachten? Können nicht Arzthelferinnen ihre Rolle nicht auch als Praxismanagerinnen begreifen. Man kann nett sein und kompetent. Und: Das tut gar nicht weh!

Ein Gedanke zu „Mein Hautarzt. Und die Gesundheitspolitik

  1. Der GBA legt keine Abrechnungsziffern fest. Das macht der Bewertungsausschuss von GKV und Kassenärztlicher Bundesvereinigung (Monetik). Patienten sind auch Kunden, aber nicht nur. IGeL sind nicht immer auch nur halbwegs sinnvoll für Patienten. Für Ärzte schon.

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