Landschaftsvermessung oder Marschbefehl? Eindrücke anlässlich des 3. grünen netzpolitischen Kongresses. #nk16

90% aller Deutschen würden, da bin ich mir sicher, den Titel geil finden: „Für eine Ethik der digitalen Gesellschaft.“ 
Und weil die Grünen die Partei der Grundsätze und der Grundhaltung ist, wird die Liste dessen, was zu bedenken ist, sehr lang. 
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Toni’s Reden werden immer besser. Er hat das Wunschprofil der grünen Prinzipienpolitiker: Wir sind die Aufrichtigen. Wir sind die Guten. Wir wissen Bescheid. 
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Jillian York hat das mit vielen Worten fortgesetzt. Neu ist anders. 
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Sascha Lobo hatte, neben Vielem, was man auch schon wusste, das richtige Schlagwort: Statt Datensicherheit Datensouveränität.
Bleibt nur die Frage: Was ist der Impact dieses Begriffrecyclings. 
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Wirklich gut waren die beiden Impulse in der Big-Date for Health-Session. 
Prof. Krawczak, Medizininformatiker der Uni Kile hat sichtbar gemacht, wo in dieser Frage die deutschen Unis stehen. Gleichzeitig war es ein Spiegelbild der globalen Situation: Die Deutschen basteln an einer deutschen Datenaustauschlösung. Für Universitäten. Das ist verdienstvoll. Aber man erahnt, wie zäh das geht. 
Nils Hoppe, Uni Hannover, hat bei 23andMe seine Daten entschlüsseln lassen. Ein Akt teilnehmender Forschung, der viele Fragen, aber unterhaltsam, neu aufgeworfen hat. 
Aber wie können wir diese Daten nutzen, ohne uns komplett an wen auch immer zu verkaufen?
Datenethiker, das hat Pro. Hilgendorf, Uni Würzburg, gezeigt, helfen nicht weiter. Zwar war die Tour’d’horizont sehr launig und unterhaltsam. Am Beispiel des selbstfahrenden Autos, das algorithmisch entscheiden muss, ob es drei, zwei oder ein Kind tot fährt, damit aufzulösen, dass das zwar juristisch unzulässig, aber, und da zeigt sich, dass Jura eben auch nur ne linguistische Konstruktion mit Sanktionierungsfolgen ist, tolerierbar ist, weil es sich, und jetzt wörtlich, um eine Gefahrengemeinschaft handle. 
Und was können wir uns mit dieser Konstruktion kaufen? Und welche Folgen hat es? Kommt jetzt also der Programmierer in den Knast? Sein Unternehmen, der Auftraggeber, der Autohersteller? 
Brauchen wir dazu wirklich Akademiker? Bin eher am zweifeln. 
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Was mir in der Kongressaufstellung fehlt, ist eine praktische Haltung. Habe heute morgen begonnen, Keeses „Silicon Germany“ zu lesen. Ohne jetzt weiter auf das Buch einzugehen (z.B. Warum heißt es nicht Silicon Europe?), ein Begriff hat mir gut gefallen, eine Maker Haltung zu haben. 
Zwar ist das grüne Bemühen erkennbar, nicht immer dagegen zu sein. Aber die Versuchs-, sprich Kongressanordnung führt zwangsläufig dazu, dass der Kongress in die übliche Problematisierungsfalle läuft. 
Dabei geht es längst darum, die Dinge zu tun. Gut zu tun. 
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Wie eine Grüne Maker-Haltung aussehen könnte? 
Ganz einfach: Weniger Distanz! Handlungsszenarien entwickeln, die Vor- und Nachteile, Chancen und Risiken der jeweiligen Interventions-Szenarien abwägen. Und dann entscheiden. 
Die Rahmenbedingungen einer solchen Entscheidung: 
Globalisierung: Nichthandeln führt nicht zur Verhinderung, sondern zur Verlagerung der Maker: Innerhalb Europas. Oder gar „overseas“. 
Interventionsfähigkeit: Mit der Datenschutzgrundverordnung hat sich Europa einen Rahmen gegeben. Darauf gilt es jetzt, eine zukunftsfähige und dem Gedanken des Fair-Data-Use (hab ich jetzt erfunden, müsste man füllen) verpflichteten Ökonomie zu etablieren. 
Mit Blockaden kann man als Europa Zeit gewinnen. Aber erst, wenn auf einer „vernünftigen Plattform“, mental wie technisch, neue, datensensible Lösungen entstehen, wird das umittelbar realitätsrelevant.
Alles andere zählt nicht. 
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So, jetzt geht es weiter. Mal sehen, ob in den Schlußpanels Kontantin von Notz noch Perspektiven aufreißt. 

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