Können Unternehmer einen Politiker kaufen? Yes, they can. But they there is no reason, why!

Es zeigt, wie albern heute die politische Öffentlichkeit bespielt wird. Kampagnenjournalisus ist ja schön, aber unter einen gewissem Level sollten sich Journalisten, auch wenn sie das kostenlos machen, nicht hergeben. Das Ministerpräsidenten-Payment ist so ein Fall: Peanuts. Oder glauben Sie, ein Ministerpräsident liese sich für 6000 € für seine Richtung bezahlen. Das Problem liegt anderswo. Und darüber sollten wir dringend diskutieren.

Die Überschrift ist geklaut aus einem FAS Artikel von Georg Meck. Er beschreibt dort sehr schön, wie ich es auch aus eigener Anschauung kenne, wie sich die Parteien die Auftritte von Unternehmen bezahlen lassen. Manche haben dabei Kriterien, manche nicht. Die Parteitage zeichnen sich dabei durch eine Prädominanz von Energieunternehmen aus, denn bei denen hat Geld schon immer den Verstand geschlagen. Wenig Strategie, viele Fußballkarten.

Regelmäßig werden solche Aktivitäten gebasht. Die Lawine wird mit Hilfe willfähriger Journalisten losgetreten. Ein Beispiel aus der Vergangenheit: Medienkooperationen bei Ministerirumsveranstaltungen. Wir erinnern uns, Glos war am Ruder, der Werbeabteilung des Kölner Stadtanzeigers hatte von der Agentur Flaskamp eine schriftliche Bestätigung einer Kooperationsvereinbarung erhalten. Blöd gelaufen, kann man sagen. Man soll die Werbebteilung halt nicht die Federführung geben. Die Realität war, und wahrscheinlich ist sie auch wieder so, dass solche Vereinbarungen gang und gäbe waren, aber die Frage der Berichterstattung war niemals Thema einer entsprechenden Zusage. Das war ohnehin klar. Erkauft wurde also das Wohlwollen des Berichterstatters (Womit sich ein anderes Problem ergibt: Wie gelingt es eigentlich, bei derart demotivierten Rahmenbedingungen auch noch eine interessante Berichterstattung hin zu kriegen?) Kaum lag das Fax bei einer anderen Redaktion, begannt das Ratrace der freien Meinungsmacher. Das Ministerium reagierte wie üblich. Die Vereinbarung wurde erst einmal auf Eis gelegt (Ministeriale verhalten sich oftmals wie der Teufel mit dem Weihwasser, sie scheuen Entscheidungen). Soweit ich mich erinnere, wurde die ganze Kampagne dann begraben. Aber: Wollen wir wetten: Die Praxis, die dürfte es immer noch geben.

Und mit dem Sponsoring von Unternehmen ist das genau so. Kein Mensch glaubt, Rüttgers wäre für 6000 € käuflich. Aber die Medien tun so, sie inszenieren einen Riesenskandal. Um von ihrem alltäglichen Versagen abzulenken, die Menschen für eine Zukunftsperpektive zu gewinnen, Öffentlichkeit zu bilden, Debatten zu entwickeln und ein bißchen tiefer zu graben. Nicht in den Vorgärten Prominenter, ob sie ihren öden Alltag mit einem kleinen Abenteuer aufhübschen (Danke, Katrin). Sondern um dem Ganzen Richtung zu geben. Nämlich, ob die Regierung auf dem richtigen Weg ist (aber bitte eigene Meinung und nicht nur die Spiegel Windvermessung übernehmen). Oder was denn eigentlich so die Opposition macht.

Vor diesem Hintergrund schaudert mich auch vor dem Leistungsschutzrecht, das die Verleger fordern. Welche Leistung ist bitte gemeint, wenn immer Menschen auf Meinungsbildung verzichten wollen. Tatsächlich ist die Idee des Leistungsschutzrechtes eigentlich die Idee einer „Geschäftsmodellsabsicherungsabgabe“, auch Subvention oder Sterbehilfe genannt.

Ich will mal so sagen: Wenn es den Verlegern nicht gelingt, Ihre Interessen her von ihren Lesern her zu definieren (informative Berichterstattung) und sie anstelle desssen den Anzeigenverlusten im Printbereich nachweinen, haben sie Schumpeter nicht richtig verstanden.

Die Konsequenz ist übrigens, eigene Erfahrungen zu machen, die Redakteure mit ins Boot zu holen, sich in den elektronischen Bereich hinein zu wagen, Piloten zu installieren und die Ökonomie nicht aus dem Auge zu lassen. Aus meiner bescheidenen Sicht ist deshalb das Modell von Dumont, einen Berichterstatterpool zu bilden, um mit weniger Journalisten mit mehr Qualität eine bessere Berichterstattung zu bieten, eines, das nach Zukunft riecht. Wenn man den nächsten Punkt auf der Agenda „Welchen Beitrag leistet mein Netzauftritt im Markenkern und für den finanziellen Erfolg“.

Also, die Aufregung über die CDU, nicht zu vergessen, die FDP, die hüpft, wenn das Hotelgewerbe, die Banken und die Unternehmer ganz im allgemeinen was zahlen, ist albern, wenn nichts nachfolgt. Das Kritikritual der anderen Parteien ist eben – ein Ritual. Ihr folgt die interne Weisung, sicher zu stellen, dass beim nächsten Mal nichts rauskommen kann. Ich persönlich glaube nicht, dass die Politik so kurzfristigen Mustern folgt wg, 6000 €. In ihrer politischen Rat- und Hilflosigkeit würde sie das doch auch kostenlos tun. Aber das haben die großen Unternehmen noch nicht erkannt. Oder vielmehr denken sie, es kann ja nicht schaden.

Meine Hypothese ist ja folgende: Das ganze Gemengelage des miteinander rangelns und sich gegenseitig die Schuld zu schiebens und auf den Fehlern des andern herumhacken, weil es einfach einfacher ist, zu bashen als voran zu gehen, wird so lange weiter gehen, bis sich einmal eine, wie auch immer konstituierte NEUE HALTUNG heraus kristallisiert hat. Motto: Wir wollen es einfach wissen. Die sich mit müden Phrasen nicht abspeisen lassen will. Die den Wert ihrer Arbeit nicht an der Einkommensmaximierung, sondern am Beitrag misst, die diese Arbeit hat. Die für sich etwas riskiert, auch den Mund aufmacht, dabei aber kritikfähig und diskursfähig bleibt. Weil die Zukunft neu erfunden werden muss.

Das Schöne ist: Ich kenne eine Menge Menschen und Projekte, die so ansetzen. Sie sind schon erkennbar, aber sie treiben sich noch auf verschiedenen Nebenbühnen herum. Und wenn diejenigen, die das Geschäftsmodell von das Ergebnis gestellt haben, dann die Hauptbühne verlassen müssen, weil keiner mehr zuhört, haben sie ihre große Zeit.

Das war das Wort zum Sonntag. Und morgen ist wieder Montag!

P.S. Eines will ich noch anfügen. Wir reden über 6000 €. Vor einem halben Jahr haben wir noch über Rettungspakete von 50 Mrd. € geredet. Und man muss kein Prophet sein, um zu wissen, dass wir für Griechenland und andere bald wieder über, ich schätze 400 Mio € oder 5 Mrd. € reden. Soweit zu den Grössenordnungen. Denkt eigentlich beim Schreiben keiner mehr nach? The medium creates the message. Da gibt es doch den Spruch von Karl Kraus, dass er sich immer wundere, dass die Welt jeden Tag soviel Neues biete, wie genau in eine Zeitung passt. Tut sie eben nicht! Soviel zu Karl Kraus.

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