Innovation, Energie, Autos, USA und Tesla

Tesla rennt. Die Geschichte des Autopioniers aus USA ist eine Geschichte über eine andere Forschungs- und Innovationskultur (Venture Capital), ein Hinweis darauf, dass alte Größe in quer zur Branchenlogik aufbrechenden Märkten (Verbrennungsmotorauto/Neue Energiesysteme) möglicherweise Ballast nicht Vorsprung ist. Weil man zu sehr in alten Kategorien denkt. Die Konsequenz wäre, darüber nachzudenken, wie Flexibilität, neue Organisationsstrukturen, disruptive Strukturen (Startup mit hohem Risiko zu scheitern, Pleite, Aufgekauft werden durch Unternehmen, die vertriebsorientiert und markenstark sind) zu mehr Geschwindigkeit führen. Und wie Zusammenhalt und Fairness im Rahmen des europäischen Zivilsationssystems dann dauerhaft finanzierbar sind.

Der Beitrag, der Auslöser war: HB, 10.5.2013

———————————–

Revolutionär mit Bubengesicht

Elon Musk startet mit dem Elektroautopionier Tesla durch. Ab August will er auch Deutschland mit leisen Motoren erobern.

— Umsatz und Gewinn brechen alle Rekorde.

— Markteintritt in Deutschland im August.

Es ist dieses jungenhafte Grinsen, bei dem sich die Grübchen zwischen den spärlichen Bartstoppeln zeigen. Diese kindliche Neugier in den Augen, die ein grauer Anzug und ein modisches Hemd nicht überdecken.

Elon Musk sieht aus wie ein Jugendlicher auf einer Erwachsenenparty. Dabei könnte er im Beverly Hills Hotel in Los Angeles auch in Jeans und T-Shirt auftauchen – alle würden sich auf der Milken Global Conference um ihn scharen. Denn Musk weiß, wie man mit einer Idee reich wird, an der zuvor schon viele gescheitert sind.

Dabei mangelte es nicht an Prominenz. Bill Gates sprach über die Zukunft Afrikas, Rupert Murdoch plädierte für eine Zuwanderungsreform in den USA, und Carlos Slim erzählte, wie er der reichste Mensch der Welt wurde.

Der wahre Star ist trotzdem Elon Musk, der Pionier der Elektroautos, der Mann, der etwas wagt. Nach neuen Schätzungen wird seine Firma Tesla 2013 mit 30 000 Elektroautos deutlich mehr als vorhergesehen verkaufen. Und Tesla schreibt erstmals schwarze Zahlen. Fest eingeplant ist die Expansion in andere Länder: „Ich setze große Hoffnungen auf Deutschland“, sagt Musk am Rande der Konferenz. Denn ab August will Tesla hierzulande den Markt erobern.

Erst vor wenigen Monaten wählten US-Fachjournalisten Teslas Modell Szum „Auto des Jahres“. „Consumer Reports“, die amerikanische Variante von Stiftung Warentest, hat dem Tesla S99 von 100 Punkten gegeben, das beste Ergebnis aller je getesteten Autos.

2014 geht der siebensitzige SUV Tesla Xin Serienproduktion. Den Durchbruch könnte der Mittelklassewagen mit dem Codenamen „Blue Star“ bringen. Musk selbst schätzt, er kommt frühestens 2017 auf den Markt. Das Modell soll das jährliche Verkaufsvolumen Teslas auf 150 000 Fahrzeuge steigern.

Mit seinem schelmischen Lächeln umgarnt Musk die Amerikaner. Sie lieben seinen Werdegang: ohne Reichtümer aus Südafrika eingewandert, die Doktorarbeit geschmissen, mit Unternehmen wie dem Online-Bezahldienst Paypal und dem Raketenhersteller Space Xzum Millionär geworden. Jetzt floriert Tesla. Überwunden ist die Krise nach einem kritischen Fahrbericht in der „New York Times“. „Das ist ein großartiges Unternehmen“, lobte ihn Bill Ford, Chef des Verwaltungsrates von Ford.

Kontrastreicher könnte das Leben des 41-Jährigen kaum sein. Er lebt in Bel Air, einem Nobelviertel in Los Angeles. In der Stadt verbringt er die Hälfte seiner Zeit, um sich um Space-X zu kümmern. Dort sinniert Musk über bemannte Missionen zum Mars. Die andere Hälfte seiner Zeit gilt der Arbeit im Hauptsitz von Tesla in Paolo Alto.

Dort schlägt sich der Unternehmer mit irdischen Dingen herum: Ein Lieferant bringt den Kofferraumteppich nicht rechtzeitig, die Preise für die Rücknahmegarantien der Gebrauchtwagen sind auszurechnen.

Vor zehn Jahren startete Tesla. Lange Zeit taxierte Musk die Überlebenschancen „auf weniger als 50 Prozent“. Eine realistische Rechnung: Mit Fisker und Coda scheiterten in den vergangenen Wochen gleich zwei Elektroautopioniere. Etablierte Anbieter haben große Probleme. So kann General Motors nur wenige Exemplare seines Chevrolet Volt absetzen.

Musk macht keine Kompromisse. Seine Autos verfügen nur über Elektroantrieb, ein benzingetriebener Aushilfsmotor fehlt. Das schafft Platz und spart Gewicht. Das Modell Skann trotzdem mit einer Batterieladung bis zu 480 Kilometer fahren – mit der in den USA geltenden Höchstgeschwindigkeit von 88 Stundenkilometern. Anders als Fisker entwickelte Tesla seine eigenen Batterien, Motoren und Kontrollsysteme. Von der Technik sind etablierte Hersteller wie Daimler überzeugt; die Stuttgarter halten einen Anteil am Unternehmen von knapp fünf Prozent und lassen sich von dort den Antriebsstrang zur neuen elektrischen B-Klasse liefern.

Das derzeit ärgste Problem: der Vertrieb im wichtigen Heimatmarkt. In fast allen US-Bundesstaaten dürfen Autohersteller nicht direkt, sondern nur über unabhängige Autohändler verkaufen.

Für ein exklusives Händlernetz ist Tesla aber noch zu klein – in diesem Jahr sollen in den USA 15 000 Autos verkauft werden. Sich den Verkaufsraum mit anderen Marken zu teilen kommt laut Musk nicht infrage. Die Händler würden sich nicht genügend um Tesla kümmern. „Es ist für einen Händler nicht möglich, elektrische Vehikel zu verkaufen, ohne sich zugleich bei seinen Benzinmodellen unglaubwürdig zu machen“, beklagte sich Musk vor kurzem beim Branchenblatt „Automotive News“.

Das Problem geht Musk nach seinem gewohnten Muster an: Er versucht das Unmögliche. In den Landesparlamenten in Texas, Massachusetts oder Minnesota puscht er Gesetzesentwürfe, die eine Ausnahme für Elektroautos vorsehen.

In Europa kann Tesla direkt an den Kunden verkaufen. Musk glaubt vor allem an Deutschland, das zum größten Absatzmarkt auf dem Kontinent werden soll. Hierzulande liegen die Benzinpreise deutlich höher, und das Umweltbewusstsein ist ausgeprägt.

Ob das den hohen Preis des Modells Sausgleicht? Das zeigt sich im August, wenn Tesla tatsächlich in Deutschland ausliefern sollte. Die kleinere Version soll 72 000 Euro kosten – 19 000 Euro mehr als in den USA.

ZITATE FAKTEN MEINUNGEN

Ich setze große Hoffnungen auf Deutschland. Elon Musk, Tesla-Chef.
ALLE REKORDE GEBROCHEN.

Überraschungsgewinn Mit solchen Zahlen hatten selbst die optimistischen Analysten nicht gerechnet. Laut dem neuen Quartalsergebnis erzielte Tesla zum ersten Mal in seiner zehnjährigen Unternehmensgeschichte einen Gewinn von zwölf Cent je Aktie – dreimal so viel, wie die Analysten im Schnitt erwartet hatten. Kursexplosion Der Umsatz stieg um 83 Prozent auf 562 Millionen Dollar. Die Aktie schnellte zur Börseneröffnung am Donnerstag um fast 25 Prozent nach oben. „Ich bin überrascht“, sagt Alec Gutierrez, Branchenexperte vom Autofachdienst Kelley Blue Book, „Tesla hat das Zeug zu einem gewichtigen Anbieter in der Autobranche.“ Streichergebnis Beim Umsatz ging das Unternehmen laut eigener Aussage sehr konservativ vor. Auch wenn der Wagen ausgeliefert und bezahlt worden sei, wurden aufgrund von „Fehlern in den Papieren“ insgesamt 13 Millionen Dollar an Umsatz nicht zum Erlös hinzugerechnet.

Kommentar verfassen

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.