Free Software, free Internet, free all for ever. Und was davon blieb.

Man kann das alles auch mit Open machen: Open Source, Open Publishing, Open Politics: Netzallerweltsträume. Und was ist geblieben?

Die anderen, die closed communinities-fans haben jedenfalls gewonnen. NSA und die Briten, also die politischen Vertreter der freien Welt haben geschafft, was kein totalitäres System vorher geschafft hat: Die technisch-juristischen Voraussetzungen vollständiger Transparenz. Die Internet/Mobiltechnologie-Konzerne haben das Netz abgezirkelt, ihre mono- oder oligopolen Geschäftsmodelle etabliert. Apple, aber schon verwundet, Google, noch immer ungeschlagen, Amazon, der janusköpfige Retter des freien Journalismus.

Die Amazon-Story finde ich eine, bei der es sich immer noch lohnt, zu überlegen, wie man zuruckschlagen kann. Im Handelsblatt habe ich heute gelesen, dass Amazon gegenüber dem bisherigen Logistikmeister Walmart einen enormen Kostenvorteil hat: Statt 5-7 Dollar pro Paket muss Amazon nur mit 3-4 Dollar kalkulieren. Die Differenz sind niedrigere Löhne und minimalste Sozialleistungen.

Warum eigentlich gibt es kein Bündnis des Einzelhandels mit schlagkräftigen online-Kampagnenplattformen, um Amazon mal richtig eines einzuschenken. Die Arbeitnehmer würden es einem danken.

So ist das mit Politik in einer globalen Zeit: Es ist weniger Systematik gefragt und mehr gezielte Treffer.

Das ändert die Welt.

Die Zeit schreibt:

Jeder nimmt ein Stück vom Internet

Konzerne und Staaten ziehen online ihre Mauern hoch

VON GÖTZ HAMANN

Die USA sollen vom freien Internet ausgeschlossen werden, dieser Unterton ist allgegenwärtig: zum Beispiel wenn die Deutsche Telekom den Internetverkehr zwischen Deutschen bald nur noch im Inland transportieren will. Oder wenn hiesige E-Mail-Anbieter den Datenaustausch untereinander verschlüsseln wollen. Und wenn lokale Betreiber von Rechenzentren damit werben, dass der amerikanische Geheimdienst NSA auf g ar keinen Fall mitlesen könne, wenn man seine Daten in Deutschland mit Sicherheitsstandards made in Germany aufbewahre. In anderen europäischen Ländern ist der Ton ähnlich.

Autoritäre Regime führen diese Debatte nicht. Müssen sie nicht führen. Sie schotten ihre Datennetze seit Jahren ab, aber die Motive unterscheiden sich natürlich voneinander. Dort wollen sie ihre Untertanen ungestört gängeln und überwachen. Die Leute sollen ja keine Flausen bekommen, etwa Revolutionen organisieren. Aber jetzt beginnen auch westliche Demokratien, ihr nationales Internet zu verschließen, weil sie sich vor den Agenten des US-Geheimdienstes (und den Briten) schützen wollen. Es ist ein Akt der Souveränität ganz anderer Natur, aber das Ergebnis ist: Das Internet, das Netz der Netze, zerfällt. Grenzenloses Medium ist es nicht mehr und auch kein Ort, an dem man der Welt entfliehen könnte. Die Utopie absoluter Freiheit – passé. Statt dessen schälen sich nationale, vielleicht regionale Netze heraus, in denen unterschiedliche Regeln gelten. Diese Netze sind verbunden, es findet Datenaustausch statt. Aber die Idee, das Internet sei etwas Ganzes? Ist nicht mehr sehr lebendig.

Beinahe unbemerkt erreicht diese Debatte auch das oberste technische Gremium des Internets. Ja, das gibt es. Eine Gruppe Informatiker verwaltet die technischen Grundlagen des Netzes und entwickelt sie fort, ihre Organisation heißt Icann (Internet Corporation for Assigned Names and Numbers). Vordringlich hütet sie das globale Adressbuch, in dem verzeichnet ist, welche IP-Adresse jeder Computer hat. Ohne dieses Adressbuch funktioniert das Internet nicht. Die USA haben die Aufsicht darüber. Doch vergangene Woche hat Icann verbreitet, dass künftig alle Staaten gleichberechtigt beteiligt sein sollen. Die USA hätten sich zu breitgemacht – dabei funktionierte diese Aufsicht vergleichsweise gut. Es ist aber offensichtlich so weit gekommen, dass alle nun allen misstrauen: Die Grundlagen, die das Internet zu einem so verheißungsvollen Medium gemacht haben, sind auf allen Ebenen bedroht.

Von meinem iPad gesendet

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