Fairer Systemwettbewerb zwischen PKV und GKV. Ein Konzept des hche der Uni Hamburg.

Wie kann das Gesundheitssystem besser werden? Anmerkungen zum Konzept von Prof. Mathias Kifmann und Prof. Nell, hche, Uni Hamburg.

Die Luft ist etwas raus im der Frage Systemwettbewerb PKV/GKV. Die Bundestagswahl hat gezeigt: Auch wenn die politische Öffentlichkeit gnz elektrisiert war von der Idee Bürgerversicherung, die Wählerinnen und Wähler waren es nicht, zu komplex ist die Materie, als dass Bürgerinnen und Bürger ihren Wahlstift dadurch umlenken würden.

Und: Ob nun durch die kritischen Ansagen Jens Spahns oder durch späte Selbsterkenntnis der PKV-Unternehmen, dass nicht nur Feinde, sondern auch schlampige Reparaturarbeiten am eigenen System das Schiff zum sinken bringen können, es hat sich was getan. Tarife können gewechselt werden, Mindeststandards wurden eingeführt.

Die beiden hche Professoren Kifmann/Nell haben bereits vor längerem ein Modell erarbeitet, das sie in ihrem Hause vorgestellt und von DKV-Vorstandsvorsitzendem Clemens Muth und dem TK-Chef Jens Baas haben diskutieren lassen.

Was das Modell sagt

Ziel ist es, das PKV Modell „gerechter zu machen“, indem jeder Versicherte, ob PKV oder GKV einen Solidarbeitrag in dem Gesundheitsfonds einzahlt, der, wenn er sich für eine PKV-Versicherung entscheidet, an die PKV ausgezahlt wird. Ein Teil dieser Prämien würde dann zur Kapitalbildung genutzt. Der PKV Versicherte würde sich, wie bisher, mit einer Prämie bei der PKV versichern können. Der Konzeptvorschlag ist als Research Paper 06/2013 veröffentlicht.

Und die Experten?

Uneinig waren sich Baas und Muth darin, ob PKV und GKV tatsächlich langfristig in einen gemeinsamen Versicherungsmarkt entwickeln werden. Einig waren sie sich, dass das Modell zwar ein interessanter Diskussionsvorschlag sei, aber in dieser Form nicht umsetzbar.

Dr. Muth wehrte sich gegen die Behauptung, PKV Versicherte seien Hochverdiener . tatsächlich würden 70 Prozent der Versicherten unterhalb der Bemessungsgrenze liegen. Das deutsche Duale System funktioniere gerade wegen des Systemwettbewerbs gut, weil gegen politische Willkür (diese Formulierung ist von mir) einen Kontrapunkt setzt. Zudem würde das Modell keine Generationengerechtigkeit herstellen. Ein weiterer Einwand: Wettbewerbsverzerrung aufgrund der Mitversicherungefrage.

Erhebliche Risiken berge das Modell, darin waren sich die beiden Praktiker einig, aufgrund der Gestaltbarkeit des Risikostrukturausgleichs. Dieser sei politischer Willkür ausgesetzt und würde das direkte Versicherer-Kunden-Verhältnis in der PKV erheblich stören. Tarife seien damit nicht verlässlich kalkulierbar.

Langfristig werde die Entwicklung, so Jens Baas, auf einen einheitlichen Versicherungsmarkt zulaufen. Dafür aber gehe das Modell aber nicht weit genug. Erst, wenn zusätzliche Themen wie Portabilität, Öffnung der GKV für unterschiedliche Tarifmodelle, Angleichung der Versicherungsbedingungen von PKV und GKV gelöst seien, könnte der Wettbewerb seine positive Wirkung entfalten. und auch der Umgang mit den Rückstellungen der Beamten sei ein ungelöstes, aus politischer Sicht erhebliches Problem.

Was fehlt: Relevanz!

Dem aufmerksamen Betrachter stellt sich eine weitere Frage: Warum eigentlich entwickelt ein wissenschaftliches Institut ein Modell, bei dem von Anfang an erkennbar ist, dass es lediglich ein Imageproblem löst, dafür aber erhebliche Komplikationen in Kauf nimmt, zusätzliche Akteure ins Spiel bringt, die letztlich zu einer Verunklarung der Verantwortung führen.

Auf einen Punkt gebracht: Die Relevanz des Vorschlags wurde auch an diesem Abend nicht klar. Aber das Institut ist ja noch jung. Weitermachen!

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