Europäisches Machtwort. Ausgerechnet im Pharmabereich

Soziologisch kann man sagen: Alles ist gut! Das europäische Parlament hat beschlossen, dass die Pharmaindustrie künftig alle Studien offenlegen muss. Das klingt erst mal toll. Und, ja, ist ein politischer Reflex auf die jahrelange Praxis von Pharmaunternehmen, an teuren Urlaubsorten Nähe zu den Ärzten herzustellen. Die Quittung kommt langsam, aber gewaltig.

Das Problem: Die Pharmaindustrie ist gar nicht mehr die, gegen die man kämpft. Was nicht heisst, dass sie als Unschuldsengel daherkommt. Aber dass sich manche Unternehmen bewegt haben.

Nächste Frage: Und wenn jetzt alle Daten offen gelegt werden, was dann?Pharmazeutischer Fortschritt ist oftmals mit Versuch und Irrtum verbunden, ja, Arzneimittel haben Nebenwirkungen, ja, Unternehmen, die nur aus Profitgründen Medikamente pushen, sollte das Handwerk gelegt werden. Aber versetzen wir uns mal in die Entscheidungssituation: Es gibt aus den Studien Anzeichen, dass das Medikament wirkt, aber auch Nebenwirkungen. Wer trifft die Abwägung? Man kann den Druck auf die Hersteller erhöhen, aber wer entwickelt dann noch neue Medikamente, wenn die Hürden so hoch sind, dass es nicht mehr finanzierbar scheint, das Risiko.

Nur wenn sich politische Entscheider darüber im Klaren sind, dass sie damit mit ins Risiko gehen, ist die jetzige Weichenstellung richtig.

Und drittens: irgendwie wird ja immer suggeriert, es gäbe eine richtige Entscheidung. Die kann entweder ein unabhängiger Experte treffen oder der Betroffene. Letzterer kann kann dann alle Studien einsehen, na Mahlzeit. Und bei den Experten? Es hat schon einen Grund, wenn man den Eindruck hat, viele Mediziner, die in pharmazeutischen Unternehmen arbeiten, sind zynisch. es ist nämlich gar nicht so einfach, solche Entscheidungen zu treffen. Das werden auch die unabhängigen Experten merken, wenn sie mal in die Verantwortung genommen werden.

Der Link zum taz Artikel vom 11.4.2014, Seite 18: „Wir müssen wachsam bleiben“ http://www.taz.de/pt/2014/04/11/a0184.nf/text

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