Enrich your iShadow! Ein Plädoyer für eine Strategie kreativen zivilen Ungehorsams im Netz!

Jeder Mensch hat inzwischen einen digitalen Schatten. Wie könnte es gelingen, den iShadow so anzureichern, so dass er, zur Freude des jeweiligen Verbrauchers, die beste Seite eines Jeden offenbart? Ein Plädoyer für einen Akt zivilen Ungehorsam.


Das Alte in neuen Gewande. Jetzt, wo ziviler Ungehorsam in der realen (deutschen) Wirklichkeit längst zu einer Art folkloristischer Veranstaltung, einer Art Fronleichnamszug für die Achtundsechziger Generation und ihre geistigen Erben verkommen ist (ritualisiert und risikolos), frage ich mich: Wie kann man das Mittel früherer Tage, ziviler Ungehorsam, auf die (digitalisierte) Wirklichkeit von Heute anwenden. 

Die Lösung: Enrich your iShadow. 
 
Ein konzeptioneller Ansatz. Mal angenommen, Google würde Daten sammeln, um, zum Zwecke zielgerichteterer Werbung, also zum Besten des Verbrauchers natürlich, diese Daten zu aggregieren und, wie sie betonen, anonymisiert, zu sammeln und kontinuierlich zu verbessern. 
 
Mal angenommen, wir, die mündigen Verbraucher, würden unsere Söhne und Töchter, die fit sind im digitalen Zeitalter, fragen, wie das wäre, wie man beispielsweise unsere digitalen Schatten systematisch mit Informationen anderer anreichern könnte. Und so diese Schatten verfälschen, verbessern, verändern, usw. usw, bis auch die letzten Werbetreibenden davon überzeugt werden könnten, dass jeder von uns der Beste alles Konsumenten wäre, bis er verstanden hat, dass die Auskünfte Googles über uns nichts wert sind. 
 
Mal angenommen, es begännen sich alternative Netzkommunities zu bilden, die, davon ausgehend, dass bürgerliche Gesellschaft das Recht auf Privatheit, das Recht auf Unsichtbarkeit, das Recht, so zu sein, wie ich bin, solange ich nicht den Rechten anderer entgegen stehen würde, dieses Recht also zu schützen hätte und unter Berufung auf diese Rechte dann begännen, Geschäftsmodelle zu entwickeln, die diese Rechte respektieren würden. 
 
Wenn wir alles das annehmen, könnte es dann sein, dass wir einen anderen, einen bürgerrechtlich konsequenten Spin in all die digitale Dynamik kriegen könnten? Einen Spin, der uns zu Herren und Herrinnen unseres eigenen iShadows macht. Und statt wie Sascha Lobo darüber zu jammern, dass die eigenen Tagträume von rechtsfreien Raum Netz jetzt im Orkus entschwunden sind, mithin die Texte von heute die Texte von Gestern jammernd konterkarrieren, wir eine handfeste zivilgesellschaftliche, zutiefst bürgerlich-selbstbewußte Strategie zur Wiedergewinnung unserer Bürgerrechte in die eigene Hand nehmen könnten?
 
Wir würden natürlich darüber reden müssen, wie das aussähe, diese Rechte zu respektieren. 
 
Ein Vorschlag: Ein jeder ist Kontrolleur seines eigenen iShadows. Unternehmen schaffen Schnittstellen, die es jedem ermöglichen, zu sehen, was über ihn gespeichert ist. Unternehmen verhandeln mit ihnen offen, was es ihnen wert ist, diese Daten nutzen zu dürfen: Immerhin ist es so, dass Unternehmen massiv Geld sparen, wenn sie wissen, was ihre Kunden suchen, wollen, wünschen. 
Dagegen ist der erste Schritt zu einem neuen Dafür. Für zivile bürgerliche Rechte im Netz. Für eine offene digitale Gesellschaft. 
 
Für eine offene, aber wehrhafte digitale Gesellschaft. 
 
Zu diskutieren wäre dann noch, ob die Idee EINES digitalen Schatten, „under cotrol of yourself“, sinnvoll ist (der Übersichtlichkeit halber wäre es das), oder ob der Nutzen der Zentralisierung die Risiken (Hacking your digital shadow) nicht aufwiegen würde. Und somit ein Konzept Hybrider digitaler Identitäten sinnvoller wäre. 
 
Es wäre einmal ein kreativer Umgang mit einem sich abzeichnenden digitalen Monpol.  

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