Empört Euch! Mal nicht mehr

Manchmal ist es ganz gut, alles erst mal aus der Sekundärperspektive zu beobachten. Zum Beispiel das scheinbare Skandalinterview mit Katja Riemann. Schon, wenn man den Zusammenschnitt betrachtet, wird einem klar, wie peinlich Katja Riemann das alles ist. Der Beitrag aus der Kinderzeit, die Nachfrage nach der jüngst gestorbenen Schauspielerin, das bringt sie alles aus der Fassung.

Die Medien und die Empörer, also die Meinungshaber auf Facebook, haben sich über das Interview ereifert. Die Folgen kennt man ja.

Man sollte sich aber einmal das ganze Interview ansehen. Da zeigt sich dann aber, dass es über weite Strecken ein ganz interessantes Interview ist, dass Katja Riemann gut erzählen kann, wenn man sie lässt. Und dass der Moderator einfach damit überfordert ist, zu merken, dass die klassische Medieninszenierung, ich gebe dir öffentlichen Raum, du erzählst etwas persönliches, dafür gibt es PR, hier so nicht funktioniert. Weil Katja Riemann die Grenzziehung anders vornimmt. Und das im Übrigen auch immer wieder sagt. Nur, und das kann man dem Moderator auch zum Vorwurf machen, dass er einfach nicht merkt, dass das Gespräch aus der Ruder läuft. Und sich über die Zeit die Auseinandersetzung anbahnt, wer hier eigentlich die Gesprächshoheit hat.

Unter dem Strich: Ein Interview, das etwas aus dem Ruder läuft, aber, wenn man es ganz ansieht, über weite Strecken wirklich interessant ist. Also, mal ganz ansehen. Sich ENTpören. Und Entskandalisieren.

Noch ne Nachbemerkung: Mich wundert ja immer, dass es in der Mediengesellschaft ja immer um die Frage von gut und böse geht. Wie absurd ist das eigentlich? Kann es nicht einfach eine, z.B. Gesprächsdynamik geben, die unglücklich verläuft. Man kann sich ja förmlich vorstellen, was jetzt alles an Aktivitäten hinter den Kulissen abläuft, was macht der Programmdirektor, was die auf Empörung reagieren zu müssende Rundfunkaufsicht ……. Und eigentlich wäre es mit einem simplen Anruf, einem Austausch zwischen zwei Menschen (und einer Lernerfahrung des Moderators) doch einfach getan.

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