Eine Subvention führt zu einer Subventionsforderung, führt zu einer Subventionsforderung …….

Diesmal die Schiffsindustrie. die Geister, die die Politik ruft, wird sie nicht mehr los.

Aus dem Handelsblatt vom 22.4.2014

Chilenen gehen an Bord

Die Branche leidet unter ihren Überkapazitäten; die Lücken auf den Schiffen werden immer größer. Mitschuld an der desolaten Lage trägt die Regierung. Hapag Lloyd hofft, durch eine Fusion mit den Chilenen CSAV zu den Marktführern aufzuschließen.

Christoph Schlautmann | Montag, 21. April 2014, 20:00 Uhr

In welch desolater Lage sich die Container-Seefahrt befindet, zeigte vor wenigen Tagen eine Verzweiflungsaktion. Da ließ die dänische Reederei Maersk auf einen Schlag 14 „Panamax-Schiffe“ aus dem Verkehr ziehen, um sie umgehend zu verschrotten.

Das Kuriose daran: Die mittelgroßen Frachter waren erst seit 2004 im Einsatz und hätten mindestens noch 20 Jahre durchgehalten. Doch die Containergesellschaft nutzte das Angebot, sich zwei Jahre früher als vereinbart von den überflüssigen Kapazitäten zu trennen – und zahlte lieber eine Entschädigung von 39 Millionen Euro an den Schiffseigentümer „MPC Flottenfonds III“.

Der Fall ist symptomatisch für einen Markt, der unter seinen Überkapazitäten leidet. Als die Lücken auf den Schiffen vor drei Jahren größer wurden und die Preise sanken, hatten die Reeder die Entwicklung noch für einen der branchenüblichen Schweinezyklen gehalten. Schließlich war es schon früher oft vorgekommen, dass Angebot und Nachfrage nicht so recht zusammenpassten, weil in konjunkturell guten Zeiten neue Schiffe bestellt worden waren, diese dann aber erst im nachfolgenden Abschwung ausgeliefert wurden.

Doch als die Preise weiterhin nicht steigen wollten, wurde den Reedern langsam klar, dass die derzeitige Durststrecke keine konjunkturelle, sondern eine strukturelle ist. Schuld daran ist auch die deutsche Regierung, die Schiffsbeteiligungen lange durch steuerliche Sonderabschreibungen gefördert hatte – so dass die sparfreudigen Deutschen besonders fleißig dabei halfen, Überkapazitäten aufzubauen.

Doch der Hauptgrund ist die Technik: Inzwischen können Schiffe gebaut werden, auf denen bis zu 18.000 Standardcontainer Platz finden. Mindestens 45 Güterzüge sind nötig, um eine solche Fracht später abzutransportieren.

Noch vor zehn Jahren war meist bei 4000 Containern Schluss. Diese alten Frachter aber sind heute vergleichsweise unwirtschaftlich, der Run auf die neuen Schiffe hat die Kapazitäten schnell vervielfacht. Ein Ende der Dumpingpreise ist daher kaum absehbar.

Wie aber könnte die Branche wieder auf die Beine kommen? In Deutschland ertönt bereits der Ruf nach staatlicher Hilfe. „Wir brauchen eine intensive Partnerschaft zwischen Wirtschaft und Politik, um die Qualitätsschifffahrt am Standort Deutschland auf ihrem Spitzenplatz zu halten“, sagte Ralf Nagel, Geschäftsführer des Verbands Deutscher Reeder (VDR), kürzlich in der Handelskammer Hamburg. Auch finanzielle Unterstützung forderte er.

Die drei größten Container-Reedereien der Welt – Maersk, MSC und CMA CGM – versuchen es derweil mit einer Allianz. Ab diesem Jahr wollen sie ein Teil ihres Geschäfts zusammenlegen. Doch die Konkurrenz wittert eine Kartellierung des Marktes: Er wundere sich, dass die Wettbewerbsbehörden ein solches Vorgehen billigten, sagte Hapag-Lloyds Großinvestor Klaus-Michael Kühne im Interview mit der „Welt am Sonntag“.

Doch die Behörden müssen auch noch der Fusion der Hamburger mit der chilenischen CSAV zustimmen. Und auch danach wird die vereinigte Reederei große Geldsummen brauchen: 500 Millionen Euro will CSAV-Chef Oscar Hasbun über den Aktienverkauf aufnehmen, weitere 370 Millionen Euro sollen durch eine Kapitalerhöhung hinzukommen. Kühne kündigte derweil an, nach weiteren Fusionspartnern suchen zu wollen, schließlich bleibe der Rückstand gegenüber den drei Marktführern noch immer sehr groß.

Nach dem Einstieg von CSAV wird Kühnes eigener Einfluss auf Hapag-Lloyd zurückgehen. Immerhin wird der 76-jährige Milliardär neben den Chilenen der einzige sein, der sich an der geplanten Kapitalerhöhung beteiligt.

Was Kühne damit aber nicht verhindern kann: Mächtigster Gesellschafter im Haus dürften ab September erst einmal die Chilenen sein.

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