Die Rundschau ist weg.

Zur Zukunft der Medien

Das hat sie nicht verdient. Aber Gerechtigkeit ist ein Ziel, das man anstreben kann, die Frage ist nur, wodurch man dieses Ziel wie weit erreicht.

Jetzt hat die Frankfurter Rundschau das Aus erreicht. Die Zeitung, mit der ich groß geworden bin als gelernter Pädagoge. Deren Dokumentationsseiten ich lange gesammelt habe, bis ich später auf andere Zeitung gewechselt bin. Als zahlender Leser von Süddeutscher, FAZ, Handelsblatt, Stuttgarter Zeitung und Berliner Zeitung leiste ich offensichtlich meinen Beitrag gegen das Mediensterben. Ach ja, ich würde gerne noch lesen: Die FTD und die taz, weil sie beide noch einen anderen Blickwinkel haben.

Aber das Mediensterben wird weiter gehen.

Ich lese alle meine Zeitungen auf dem iPad. Early Adapter. Ich lese sie, weil sie über mehr Background als ich selber verfügen, weil 10 Augen mehr als zwei sehen, weil unterschiedliche Meinungen helfen, sich selber ein Bild zu machen. Ich bin aber auch Informationssammler und -verwerter. Deshalb ärgern mich auch die unterschiedlichen Formate der Zeitungsapps. Obwohl alle etwas haben. Die FAZ, die auch inhaltlich mein Favorit ist, den internationalsten Blick, die kontroversesten Debatten, den besten Riecher zu Zukunftsthemen. Die App., total schlank, lässt sich überall herunter laden. Sehr schön, sehr stabil. Aber wenn ich einen Artikel sammeln oder weiter schicken will, geht das nur über das ePaper, Artikel downloaden. Das dauert zu lange. Die Süddeutsche ist im Moment die einzige Zeitung, die das Weiterschicken möglich macht (jedenfalls fast immer, manchmal gibt es nur einen Verweis, den man weiter schicken kann, den kann aber auch nur ein Abonnent lesen. Aber sonst, eine App., die inzwischen stabil ist, aber ewig zum runterladen braucht. Inhaltlich: Was für eine Beobachtungsgabe, was für ein Sprachwitz. Beispielsweise der Beitrag über den Parteitag der KP Chinas. Ein präzise konstruiertes Kunstwerk. Und das Handelsblatt, so etwas wie der Straßenköter unter den Wirtschaftzeitungen. Immer Meinung, immer gegen den Mainstream, es müsste die Zeitung Schumpeters sein, das Ja zur kreativen Zerstörung. Aber auch etwas unter einer ausgezehrten Mannschaft leidend.

Die App dazu ist ein doppeltes Mittelding. Schneller als die Süddeutsche, den Text kann man mit etwas Aufwand rauskopieren, aber auf meinem iPad 1 stürzt sie sehr regelmäßig ab (ja, es ist zu 85 Prozent voll, trotz 64 MB/GB, weiß ich gar nicht). Weil ich deswegen im dauernden Dialog mit der sehr freundlichen Technikmannschaft dort stehe, weiß ich, dass es bald eine neue App. gibt, die meine Wünsche hoffentlich zufrieden stellt.

Worauf ich rauswill: ja, das Mediensterben wird weiter gehen, weil es, was sich nicht auf meine Zeitungen bezieht, zu viel vom Gleichen gibt. Die, ich sage mal, Provinzblätter sind einfach alle schwach, die überregionalen Teile Möchtegern Meinungsmacher, die sich meinungsmäßig kaum aus der Deckung trauen und, ja, man muss es aussprechen, die Geschäftsmodelle gehen dabei baden.

Der Ansatz der FR, sich mit der Berliner Zeitung eine Mannschaft zu teilen, um den politischen Teil gemeinsam zu bestreiten, war gut, weil das intelligente Ressourcennutzung war. Hat leider nichts genutzt. Heißt aber auch für Journalisten, dass sie entweder was ganz anderes machen, sprich, ein neues Medienformat, das die Debattierfähigkeit der Leser mit journalistischer Tiefe zusammenbringt und komplett digital ist, oder dass sie sich mit ihren Verlagen zusammentun müssen, um den Leserwünschen auf der Spur bleiben zu können. Ja, wir sind erst am Anfang der Marktbereinigung. Wir, auch die Leser, sollten eine Debatte darüber führen, wie journalistische Qualität erhalten bleiben kann, auch wenn das Mediensterben weiter geht. Es gilt: Die betriebswirtschaftlich bessere Lösung wird überleben. Wir können nur hoffen, dass das auch die journalistisch bessere Lösung ist.

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