Die Reflexive Modernisierung. Und ich

Worin steckt das Faszinosum des Begriffs Reflexive Modernisierung. Eine Begriffsbestimmung. Und eine wissenschaftspraktische Perspektiventwicklung.

Reflexive Modernisierung, das bedeutet, das eine zu machen. Aber die Kritik am Erreichten immer schon zu wissen. Die Grenzen und das Scheitern des eigenen Unterfangens sozusagen von Anfang an mit zu denken.

Reflexive Modernisierung ist das Europäische Modell der Weltaneignung. Anders als die Amerikaner, die das Vorantreiben von Neuem nie von ihren Gesamtergebnissen her betrachtet, sondern nur von seiner subjektiven Nutzenoptimierung aus bestimmt (und maximal die Nebenfolgen zu reduzieren versuchen), ist das kontinentaleuropäische Modell eher an Gesamtsystemen interessiert. Wie muss etwas konzipiert sein, damit es -auch in unserer Vorstellungswelt – funktionieren kann?

Im Grunde bedeutet “Reflexive Modernsierung” auch, ein Abbild der Welt zu schaffen. Mit allen Vor- und Nachteilen. Innovationstechnisch zum Beispiel ist die Priorität der Vorstellung ein Hindernis. Deshalb wird in Deutscchland Innovationspolitik vor allem von den Unternehmen betrieben, denen man Innovation eigentlich ncht mehr zutraut, den Systemintegratoren, Telekom, Siemens, SAP (Na, da machen wir eine Ausnahme, weil das Unternehmen doch noch ziemlich im Wandel ist). Wem die Politik Innovation zutraut, den muss sie kennen. Sonst gibt es kein Geld. Und weil die Kenntnis der Politik von der Welt nur begrenzt ist, wird auch die Innovation in Deutschend nur begrenzt bleiben.

Reflexive Modernisierung hat aber auch eine andere Seite: Diejenige, den Gegenüber in seinem Anders sein wahrnehmen zu können. Also: Ja, ich bin Bürger Berlins mit seinem kiezig-weltoffenen Charakters, aber ich kann mich auch in “Die Fremde” und ihre traditionelle Ursprungsfamilie einfühlen. Empathie statt vorschneller Verurteilung ist die Folge.

Reflexive Modernisierung bedeutet damit auch, Ideologien als Konstruktionen wahr zu nehmen, deren Bedeutungsbereich eingeschränkt ist. Ich kann sagen, wie ein Mensch mit islamischem Weltbild denkt, warum er welche Schritte tut, auch wenn ich es für mich nicht akzeptieren kann.

Reflexive Modernisierung bedeutet deshalb auch, ständig auf der Suche nach Geltungsbedingungen für Modelle sozialem Verhaltens zu suchen. Und sie natürlich auch zu finden. Insofern ist Reflexive Modernisierung ein sperriges Konzept, ein heuristisches Konstrukt, mit dem wir, die Handelnden, uns auf den Weg machen können, um zu agieren, zu verstehen, Hypothesen zu bilden, warum was nicht funktioniert hat und danach dasselbe anders zu tun.

Das ist das wissenschaftliche Programm reflexiver Modernisierung. Es ist verbunden mit der These, dass das Scheitern der Politik, so wie wir sie kennen, kein unendliches Scheitern sein muss. Sondern dass aus den Erfahrungen des Scheiterns die Erkenntnis gewonnen werden können, dass man in einem veränderten Rahmen trotzdem die dicken Bretter Max Webers bohren kann.

Reflexive Modernisierung ist insofern ein optimistisches Konzept, weil es ihm darum geht, zu verstehen, um zu verbessern. Weil Realität Spielmaterial für eine Reproduktion von Welt in unseren Hinterköpfen ist. Und weil sie davon ausgeht, dass schon was geht. Auch wenn wir es noch nicht erkannt haben.

Reflexive Modernisierung ist insofern auch ein modernes Forschungsprogramm. Weil es bedeuten kann, die einfache Handlungspraxen und ihre Erklärungsmuster erst einmal wahrzunehmen, systemisch zu entwickeln und mit den klassischen Herrrschaftsbeschreibungsmodellen zu kontrastieren. So wird aus empathischen Verstehen und dem wissenschaftlichen Selbstverständnis der reflexiven Modernisierer ein modernes, auf Praxisverbesserung orientiertes Forschungs- und Entwicklungsprogramm.

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