Die Grünen liegen quer zur sonstigen Einkommensstruktur. aber sie heben dieses Pfund nicht.

Anders als SPD und Linkspartei sind die Grünen auch in Milieus mit hohem Einkommen verankert. Wenn sie sich aber im linken Milieu verankern und eine entsprechende Umverteilungspolitik machen, können sie dieses Potential nicht heben. Das Potential sind alle diejenigen in der Gesellschaft, die mitten in der Gesellschaft leben und wissen, dass wir die Probleme von morgen nicht mit den Konzepten und Versprechen von Gestern (mehr Staat) lösen können.

…die Anhänger der Grünen Masochisten sind?

Gutverdiener stehen dem bürgerlichen Lager und den Grünen nahe. Doch die Ökopartei will der eigenen Klientel ans Geld.

Axel Schrinner | Montag, 16. September 2013, 18:38 Uhr

Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung hat den Zusammenhang von Parteienpräferenz sowie Einkommen und Vermögen untersucht. Das Ergebnis: Je geringer Einkommen und Vermögen, umso mehr neigen die Bevölkerungsschichten zu SPD und Linkspartei und je höher Einkommen und Vermögen, umso eher wird das bürgerliche Lager aus CDU und FDP gewählt.

Würden lediglich die untern 20 Prozent in der Einkommenspyramide wählen, hätte Rot-Rot mit 47 Prozent in Deutschland eine Mehrheit, weil die FDP deutlich unter der Fünfprozentgrenze bliebe. Dürften nur die obersten zehn Prozent der Einkommensskala wählen, hätte Schwarz-Gelb eine satte absolute Mehrheit. Noch extremer ist es bei den Vermögenden: Die Reichsten würden Schwarz-Gelb gar eine Zweidrittelmehrheit bescheren. Weil die Parteien Klientelpolitik betreiben, ist es kein Wunder, dass das linke Lager die Steuern und Sozialleistungen erhöhen will, das rechte Lager nicht.

Eine Sonderrolle nehmen die Grünen ein: Die Ökopartei ist mit 17 Prozent Anhängerschaft besonders beliebt im oberen, wenn auch nicht im Top-Einkommenssegment. Somit würde zwar die von der Partei geplante Vermögensabgabe ihre Kernwählerschaft nicht treffen, wohl aber die geplanten Einkommensteuer- und Sozialabgabenerhöhungen.

Mögliche Erklärungen für dieses scheinbar masochistische Verhalten gibt es mehrere: Zum einen sind die Grünen-Anhänger oft in staatlichen oder staatsnahen Organisationen beschäftigt. Daher haben sie ein hohes eigenes Interesse an gut gefüllten Staatskassen. Zum anderen haben Staatsbedienstete oft wenig Interesse an gesamtwirtschaftlichen Fragen, weil ihre Jobs auch bei schlechter Konjunktur relativ sicher sind. Ein dritter Punkt ist, dass für viele Grünen-Anhänger das Thema Steuern nicht gerade oben auf der Interessenskala stehen dürfte. Somit war vielen Anhängern womöglich lange gar nicht bewusst, dass ihre Partei auch ihnen selbst ans Portemonnaie will. Erst die öffentliche Debatte hat manch Grünen-Anhänger aufhorchen lassen. Das würde den schleichenden Abstieg der Partei in den letzten Monaten erklären: Derzeit kommt die Ökopartei auf nicht mal mehr zehn Prozent – das Ende vom Traum einer „neuen deutschen Volkspartei“.

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