Die Grenzen der Ökonomisierung der Welt. Thesen im Nachgang zu den Untersuchungen Richard Münchs

Der Bamberger Professor Richard Münch hat eine Reihe sehr inspirativer und bemerkenswerter Bücher geschrieben. Sie helfen dem Leser, mit soziologischem Handwerkszeug Parallelwelten zu entdecken. Die Welt kann anders sein. Auch wenn sie uns derzeit alternativlos erscheint. Einige Thesen im Anschluss an die Lektüre von Münch 2006: Die akademische Elite. Zur sozialen Konstruktion wissenschaftlicher Exzellenz. Frankfurt a.M.: Suhrkamp

  • Die bestimmenden Faktoren der aktuellen Weltsicht. Die Analyse Gesellschaftlicher Institutionen und Leistungen durch Unternehmensberater und ihren Instrumentenkoffer verändern nicht nur die Leistungen der Institutionen, sondern auch die Definition ihrer Aufgaben.
  • Die Folge der Priesterherrschaft der Intellektuellen: Das unternehmensberaterisch angeleitete Vorgehen ist alternativlos. Andere Weltsichten sind längst entwertet und entmachtet. Das macht einen Großteil der Lustlosigkeit der politischen Auseinandersetzungen aus: Sie sind blutleer, weil sich alle auf dieselben Bilder und Modelle rekurrieren.
  • Eine weitere Folge der unternehmenberaterisch angeleiteten gesellschaftlichen Praxis: Die Subjekte des Handelns in den Institutionen vor Ort werden zu Objekten. Handeln ist die Drecksarbeit. Ziel ist nicht die Veränderung der Welt, sondern ihre (In Umkehrung von Marx‘ Kritik an Feuerbach: Die Philosophen haben die Welt nur verschieden interpretiert; es kommt aber darauf an, sie zu verändern. Jetzt lautet die Devise: Bisher haben wir immer versucht, die Welt zu verändern. Heute arbeiten wir daran, die Welt so zu interpretieren, dass die anderen sie verändern).
  • Die Analyse der Weltherrschaft der Intellektuellen ist bereits zur vollen Blüte gelangt. In einer Interpretation der Welt sind alle Sichten der Welt, die nicht ökonometrisch utilitaristische Weltsichten sind, längst aus der veröffentlichten politischen Meinung verdrängt. (Vielleicht liegt darin der Kern einer gewissen Widerständigkeit von Bürgerinnen und Bürger gegen eine „Reformrhetorik“, z.B. das Steuermodell eines gewissen Professors aus Heidelberg.)
  • Die ökonometrische Analyse gesellschaftlicher Institutionen blendet Leistungen der Institutionen in traditionaler (Überkommener) Handlungsroutine aus und vernachlässigt sie. Das führt zu Disfunktionalitäten, die allerdings systematisch nicht erkannt werden können. (Man sieht nur, was man weiss).
  • Die Frage ist aber, wie sich die Welt neu arrangieren lässt. Die Alternative zur ökonometrischen Weltsicht ist nicht die Rückkehr zur traditionalen Sicht der Dinge.
  • Eine entscheidende Frage ist, inwieweit Erkenntnisse den Handelnden als Werkzeuge der Verbesserung gesellschaftlicher Praxis und eben nicht als Werkzeug zur Legitimation oder Delegitimation gesellschaftlicher Praxis eingesetzt werden. Eine entsprechend zentralistische Evaluationsanordnung ist eine riesige Ressourcenverschwendung, weil sie dazu führt, dass engagierte Praxis verhindert wird und eine ex Ante Bewertung suggerierter Ergebnisse stattfindet.
  • Die Rolle des Wissens ist eine doppelte. Auf der einen Seite ist eine Lingua Franka notwendig, um eine internationale Verständigung über das Funktionieren der Welt herzustellen. Auf der anderen Seite führt eine Sprache, die nur ein begrenztes Bild der Welt zulässt, dazu, dass die Welt dem Bild ähnlicher wird – und sich damit mögliche Deformationen, die zuvor konstatiert worden sind, erst einstellen.
  • Die ganz operative Frage: Wie gelingt es, alternative Interpretationen der Welt in diese zu setzen. – und sich somit der Alternativlosigkeit steril unternehmensberateerischer Weltbilder zu entziehen. Die Welt ist bunt.
  • Die Welt ist lebendig. Auch wenn Powerpoints sie auf zeitlos allgemeinhafte Aussagen festschreiben.

Es kommt nicht darauf an, die Welt einheitlich zu interpretieren, sondern der Vielfalt der Welt die Spielräume zu eröffnen, die eine lebendige und vielfältige Entwicklung der Welt möglich machen. Wir fordern die Erhaltung der Artenvielfalt im gesellschaftlichen Raum.

Schlagt die Standardisierer, wo ihr sie trefft!

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