Die Gesundheitskonto der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung. Und warum ich befürchte, dass daraus nur Unfug gemacht wird.

Spreestadt Forum (hingehen!!!), 09.02.15, Prof. Dr. Klaus-Dirk Henke, Institut für Volkswirtschaftslehre und Wirtschaftsrecht, Technische Universität Berlin und Dr. Dennis A. Ostwald, Geschäftsführer von WifOR, Darmstadt
Was ist uns die Gesundheitswirtschaft wert?

Der Gegenstand der Betrachtung: Welche Bedeutung hat die Gesundheitswirtschaft volkswirtschaftlich (der TEil von Dr. Oswald) und was könnte der Gesundheitsnutzen sein.

Der empirische Verdienst dieser beim Wirtschaftsministerium angesiedelten Thematik: Mal zu beleuchten, dass Gesundheitswirtschaft nicht nur Kosten sind, sondern dem auch ein volkswirtschaftlicher und Gesundheitsnutzen gegenüber stehen.

Ist passiert, jetzt kann gefühlt jeder sagen, dass jeder 10. Arbeitsplatz von der Gesundheitswirtschaft abhängt. Damit ist es auch gut.

Ich fürchte mich vor den weitergehenden Aussagen.

Die Überbesetzung des Gesundheitsbereichs mit Lobbyisten (und die Unterausstattung mit Unternehmern) führt dazu, dass diese Zahlen mißbraucht werden. Ansätze dafür waren schon am heutigen Abend zu erkennen, etwa in der Aussage, dann könne man ja in der Krise argumentieren, dass die Gesundheitwirtschaft in konjunkturellen Einbruchszeiten antizylkisch wirken würde.

Stimmt und stimmt nicht. Genauso wie es stimmt, wenn die Griechen argumentieren würden, dass mehr Arbeitsplätze in der Verwaltung ja immerhin mehr Einkommen schaffen würden und deswegen der volkswirtschaftliche Nutzen sicher irgendwie über den Kosten liegen würde.

Die Sache ist doch so: Es könnte auch sein, dass weniger Anteil der Gesundheitswirtschaft an der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung mehr Nutzen hat. Dann nämlich, wenn die Ressourcen effizienter eingesetzt werden würden.

Klar, manche Ärzteeinkommen wären dann niedriger. Aber das ist was anderes. ….

Volkswirtschaftlich betrachtet: Weil sich die Wissenschaft nicht auf die Handlungs- und Realebene begibt, entzieht sie sich der Chance, die Komplexität der Realität zu erfassen und Maßnahmen zu identifizieren, die die Versorgungswirklichkeit verbessern könnten.

Die Ex-Post-Betrachtung der Volkswirtschaftler führt nämlich nicht dazu, dass man Ex-Ante-Voraussagen machen könnte, wie das Geld besser angelegt werden würde. Das Problem des Gesundheitsbereichs ist, dass er unterkomplex organisiert ist. Die Weichen werden weitgehend national, politisch und einheitlich gestellt, aus Furcht vor Verwerfungen wird qualitativer Wettbewerb oftmals nicht zugelassen. Die Instrumente sind zu grob. Statt Allgemeinaussagen über die Bedeutung der Gesundheitswirtschaft zu treffen, ginge es eher darum, Handlungsebenen zu identifizieren,
a) was wichtige Hebel für eine Steigerung der Effizienz des Gesundheitswesens sein könnten,
b) was man tun müsste, um diese Hebel wirksam zu machen
c) wer verhindert, das diese Hebel wirksam werden.

Da würde man viel weiter kommen. Das wäre aber auch damit verbunden, dass man Konflikte eingesteht. Und bereit ist, mit den Konflikten umzugehen.

Was not tut, ist eine ordnungspolitische Diskussion über das Gesundheitswesen.

Folgende Leitfragen wären dabei zu stellen:

Wie kann es gelingen, dass die Akteure im Gesundheitswesen Interesse an besseren Leistungen haben?
Wie könnte das System so konzipiert werden, dass es das Eigeninteresse der Institutionen wäre, von sich aus bessere Leistungen zu erbringen?
Welche institutionellen Voraussetzungen müssten dafür bestehen?
Welche Vorkehrungen müssten getroffen werden, um Mißbrauch einzuschränken?
Wie würde ein dafür geeignetes Honorar- und Ordnungs (Rechtssystem) dafür aussehen?

Was klar sein dürfte: Weniger ist dafür mehr!

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