Diagnose: Verdacht auf Blasenschwäche. Wie wir uns in den nächsten Crash hineinarbeiten.

Das geht so: die Regierungen des Westens brauchen billiges Geld, um die Konjunkturen am Laufen zu halten und ihre Haushalte weiter mit Kredit finanzieren zu können. Billiges Geld führt bei Konzernen zu riskanten Übernahmen und sonstigen Manövern. Sobald die Zinsen ansteigen, steigt der Druck auf diese Unternehmen. Wenn die Unternehmen das spüren, schlagen sie bei der Politik auf. Die hat ja kein Interesse an Unruhe und macht einfach so weiter. Die Blase wird größer. Bis sie halt platzt…..

Man muss den folgenden Artikel aufmerksam lesen.

Am höchsten verschuldet sind Deutschlands Autobauer Volkswagen, Daimler und BMW mit aktuell bilanzierten Nettofinanzverbindlichkeiten von zusammen 218 Milliarden Euro. Grund dafür ist vor allem das Kreditgeschäft der angeschlossenen Autobanken.

Wie ist das mit den erfolgreichen Autokonzernen? Künstliche Nachfrage. Die Konzerne sind also längst Großbanken mit angeschlossenen Blechfabriken.

Aus dem Handelsblatt:

Profiteure des Niedrigzinses

Dank der Politik der Notenbanken in Europa, Japan und den USA sparen hochverschuldete Dax-Konzerne pro Jahr mehr als eine halbe Milliarde Euro Zinsen. Die Banken knausern nicht mit neuen, günstigen Kreditlinien.

Ulf Sommer | Düsseldorf | Mittwoch, 16. Oktober 2013, 20:00 Uhr

Spare in der Zeit, so hast du in der Not. Wer in diesen Zeiten das alte Sprichwort befolgt und sein Geld beiseitelegt, dem wird nicht gegeben, sondern genommen. Denn die jährliche Teuerung frisst das Kapital langsam, aber stetig auf. Inflationsraten von knapp zwei Prozent steht eine nur halb so hohe Verzinsung auf Festgeld- und Tagesgeldkonten bei den Banken gegenüber. Ursache für das Missverhältnis sind die großen Notenbanken in Europa, Japan und vor allem in den USA. Sie finanzieren mit ihrer Niedrigzinspolitik die Schulden der öffentlichen Hand – und verhindern so einen Staatsbankrott. Nutznießer dieser Politik sind neben Immobilienkäufern und verschuldeten Privathaushalten vor allem hochverschuldete Unternehmen – sofern sie denn an Bankkredite kommen.

Am höchsten verschuldet sind Deutschlands Autobauer Volkswagen, Daimler und BMW mit aktuell bilanzierten Nettofinanzverbindlichkeiten von zusammen 218 Milliarden Euro. Grund dafür ist vor allem das Kreditgeschäft der angeschlossenen Autobanken. Daimler mit Nettoschulden von 69 Milliarden Euro nutzte die günstigen Zinsen und schnürte mit internationalen Banken eine neun Milliarden Euro schwere Kreditlinie. „Wir haben uns vor allem aufgrund der günstigen Marktbedingungen für die vorzeitige Erneuerung der bestehenden Kreditlinie entschieden und haben so längerfristig ein solides Liquiditätspolster“, erklärt Finanzchef Bodo Uebber.

Auch die Deutsche Post hat gerade eine mit 1,5 Prozent verzinste Anleihe herausgegeben: Für die alten Schuldscheine musste der Logistikkonzern noch bis zu 4,875 Prozent Zinsen zahlen.

Auch andere Unternehmen wie Continental, K+S und das Immobilienunternehmen Gagfah (siehe nebenstehende Artikel) nutzen die Gunst der Stunde – und der Effekt ist enorm. Die sieben Dax-Konzerne Volkswagen, Daimler, BMW, BASF, Linde, SAP und Heidelberg-Cement sparen nach einer Berechnung des Centrums für Bilanzierung und Prüfung der Universität des Saarlandes für die „Wirtschaftswoche“ jedes Jahr 580 Millionen Euro an Zinszahlungen.

Der Clou: Die Konzerne haben den Anlegern jedes Mal neue Anleihen angeboten, die deutlich niedriger verzinst sind als im Krisenjahr 2007. Während der alte Zinssatz im Schnitt bei 4,45 Prozent lag, kosten die neuen Anleihen die Unternehmen nur wenig mehr als die Hälfte: Die Jahreszinsen liegen bei durchschnittlich 2,37 Prozent – für Anleger, die nach Anlagemöglichkeiten über der Inflationsrate suchen, ist das weiterhin attraktiv.

Bis zur Endfälligkeit der Anleihen dürften die sieben Dax-Konzerne Zinsersparnisse zwischen zwei und fünf Milliarden Euro realisieren. Die tatsächliche Ersparnis wird indes noch weit höher sein, weil die Unternehmen nicht nur Anleihen, sondern auch neue Bankkredite mit in Anspruch nehmen: Und auch hier hat sich der Zinssatz gegenüber 2007 halbiert.

Möglich machen die wundersame Ersparnis die Zentralbanken. Durch ihre Niedrigzinspolitik erhalten die Geschäftsbanken und von ihnen die Wirtschaft billiges Geld. Nach Bundesbank-Angaben nehmen derzeit 4,9 Millionen deutsche Unternehmen Kredite von insgesamt 840 Milliarden Euro in Anspruch. Dazu kommen 300 bis 400 Milliarden Euro über Anleihen und Versicherungen.

Die Zentralbanken der Staaten haben zwar keinen direkten Einfluss auf die Höhe der Kredit- und Anleihezinsen. Allerdings sorgen sie dafür, dass sich bei ihnen die Geschäftsbanken fast zinslos Geld leihen und somit ihrerseits die Kredite preisgünstiger als früher weiterreichen können. Zudem greifen die Notenbanken mit dem Ankauf von Staatsanleihen in den Markt ein, verzerren ihn und drängen so die Kleinanleger und Großinvestoren an die Aktienmärkte und in Unternehmensanleihen. Dort steigen deshalb die Kurse rasant, und die Renditen fallen. Die Folge sind historisch niedrige Zinsen.

Die Konzerne frohlocken, denn sie können das eingesparte Geld gut gebrauchen. Im zweiten Quartal investierten allein die 30 größten deutschen börsennotierten Konzerne nach Berechnung der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young 9,1 Milliarden Euro in Forschung und Entwicklung – so viel wie noch nie und fünf Prozent mehr als im Vorjahr. Mit 2,6 Milliarden Euro gab VW am meisten aus, gefolgt von Daimler mit 1,3 Milliarden Euro. In ihre Zukunft investieren am stärksten also genau jene Konzerne, die auch ganz besonders intensiv von der Niedrigzinspolitik profitieren.

Allerdings, nicht alle Firmen kommen in den Genuss des Zinsgeschenks der Notenbanken. „Je höher die Unternehmen verschuldet sind und je mehr Kredite und Anleihen sie begeben, desto größer ist der Vorteil“, sagt Kreditexperte Barkow. Umgekehrt gelte aber auch: „Wer keine Kredite braucht, hat auch keinen Zinsvorteil.“

Der Markenkonzern Beiersdorf, die Brillenkette Fielmann und der in der Wirtschaftskrise 2009 kurz vor der Pleite stehende Halbleiterspezialist Infineon haben aktuell gar keine Nettofinanzschulden. Sie haben Reserven. Sie alle eint ein Luxusproblem: Sie brauchen das billige Geld nicht.

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