Der Wind, der Wind, das himmlische Kind. Und jetzt die Energiewendewende.

Offshore Wind steht im Onshoresturm. Es toben die Elemente der Erstmalsmacher gegen die Besserwisser. In diesem Fall, man muss es schon so sagen, die Klugscheißer des UBA gegen die Windparkbauer. Besser meinen heißt nicht immer, die richtigen Dinge zu tun und zu sagen.

Die Geschichte, gut nachzulesen in der Südddeutschen: Die Offshore-Branche bangt um ihre Existenz. Die Deutschen bauen ihre Windparks weiter draußen als alle anderen, um das optische Bild an der Küste und das Watt nicht zu zerstören. Alles ok.

Aber weil die Deutschen wieder mal mehr wollten als alle anderen, haben sie jetzt mehr Probleme als alle anderen.

Jetzt könnte man meinen, die Umweltschützer, die das auch mit durchgesetzt haben, bleiben am Thema, werben um Vertrauen für die Offshorebauer, weil schließlich nur die Windparks, die liefern, ein Erfolg sind. Aber weit gefehlt.

Man wechselt die Pferde. Plötzlich sind Offshore Windparks out, so der Tenor einer UBA Studie, man setzt auf was kleines Schnuckeliges, was der Phantasie des kleinen Smarten besser entspricht, aber ebenfalls noch nicht so weit ist. Man könnte auch dafür plädieren, bei den Offshore Windparks etwas die Luft rauszunehmen, die, die sich engagiert haben, mal für die Risikobereitschaft zu loben und dafür zu plädieren, die Technologie zur Reife, die Projekte zum Erfolg zu bringen und die Frage der Quoten und Ziele zu verschieben, bis man Kosten, Nutzen, Beherrschbarkeit etc. besser festlegen kann. Weil sich Partnerschaften erst bewähren, wenn sie in die Krise kommen.

Aber weit gefehlt. Die Umweltschützer, die der Branche diese Komplexität eingebrockt haben, geißeln sie jetzt dafür, dass sie diese Komplexität nicht nach Plan beherrscht.

Und weiter: Dann auch noch ein Umweltminister, der aus populistischen Gründen mal die Strompreisbremse in die Welt gesetzt hat. Und nicht begriffen hat, dass das für jeden Investor ein Alarmzeichen sein muss. Sturm von zwei Seiten also. Weil Politiker wie Fähnchen im Wind sind.

Die Arbeit tun die anderen. Klassenkampf und die Priesterherrschaft der Intellektuellen, das von Helmut Schelsky 1974 geschriebene Buch ist aktueller denn je. Und das mit dem Klassenkampf muss man in seiner ganzen Doppeldeutigkeit verstehen. Er meint den Kampf der kulturellen Herrschaftsklasse der Klasse der bürgerlichen Postmaterialisten um die kulturelle Deutungshoheit. Um die eigene Herrschaft, wenngleich sie beansprucht wird im Namen des Ganzen, des Welt als Ganzen, derer, an denen das ganze Parteizipationsgerede ziemlich vorbei geht, weil sie diese Symbolwelten gar nicht bedienen wollen und können. Weil Demokratie schon längst nicht mehr der Austausch von Meinungen aller Bevölkerungsgruppen miteinander ist, sondern: Kulturelle Klassenherrschaft. Der Politiker aller Parteien. Und der Papierintellektuellen. Gegen die Macher und die Neugierigen.

Süddeutsche Zeitung, Wirtschaft, 15.06.2013

Report

Gegen Windmühlen
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Von Kristina Läsker

Nordsee – Wäre dies ein ganz normaler Tag, dann würde Paul in der Schule
sitzen, in einem Dorf bei Dresden. Doch seine Lehrerin hat ihm frei gegeben.
Damit er sich mal die Zukunft anschauen könne, denn das sei wichtig. Jetzt
steht der Achtjährige auf einem Schiff in der Nordsee. Eine Kappe schützt sein
Gesicht vor der Sonne. „Ich find’s toll“, flüstert Paul und zeigt in die Ferne.
Was denn so toll ist? „Die Windmühlen“, sagt der Junge, „die sind so schön.“

In der Offshore-Branche wünscht sich so mancher, dass es mehr Menschen wie
Paul gäbe. Dass doch all die Bedenkenträger die Schönheit der Mühlen begreifen,
die hoch wie Kirchtürme aus den Wellen ragen. Und dass sie endlich aufhören,
die junge Industrie auszubremsen.

Doch stattdessen gibt es in Deutschland eher Menschen wie Pauls Mutter. Die
hockt mit leicht grünem Gesicht an der Reling und starrt zum Horizont. Seit
Stunden hüpft der Katamaran durch die Wellen, und ihr Magen hüpft mit. Selbst
an diesem heißen Sommertag pfeift der Wind so kalt über das Deck, das die
meisten Passagiere Mützen und Schals überziehen. Pauls Mutter würde wohl am
liebsten schnell ans Festland und das Ganze abkürzen, so wie mancher Politiker
das Experiment mit der Offshore-Energie gerne abkürzen würde. Drei Tage lang
hat an der Küste die FachkonferenzWindforce getagt. Am Morgen danach sind viele
Experten an Bord des Halunder Jets gekommen. Ein weißes Boot mit grün-roten
Streifen, das schnellste Passagierschiff der Nordsee. Auch Ingenieur Sven
Höpfner samt Sohn Paul ist an Bord. Mit mehr als 30 Knoten braust der Katamaran
von Cuxhaven gen Helgoland. Nach eineinhalb Stunden zieht das Schnellboot an
der Langen Anna vorbei, dem roten, emporragenden Felsen von Helgoland.

Weiter geht’s. Hinaus auf die See.

Sechs deutsche Windparks sind weit, weit draußen auf der Nordsee im Bau –
sie sind das Ziel der Bootstour. Diese Windfarmen sollen künftig Strom liefern,
wenn die Atomkraftwerke im Land abgeschaltet werden. 27 Parks wurden bereits
genehmigt, mehr als 80 sind geplant. Auf Seekarten ist die Nordsee voller
Vierecke: Feld an Feld, Mühle an Mühle. Dazwischen schlängeln sich die Trassen
für Handelsschiffe.

An der Küste lässt sich kaum erahnen, wie sehr sich die Nordsee verändert.
Und wie dort draußen gewaltige Ungetüme aus dem Wasser wachsen: riesige
Windräder, die auf gelben Stelzen stehen. Anders als Dänen und Briten wollen
die Deutschen ihre Mühlen nicht aus dem Watt ragen sehen. Die Deutschen wollten
keine „Horizontverschmutzung“, lästern sie in den zuständigen Behörden. Deshalb
befinden sich die Offshore-Baustellen auch viele Dutzend Kilometer von der
Küste entfernt, damit sie nicht die Urlauber verschrecken. Bis zu 60 Meter ist
das Meer hier tief. So weit hat sich noch keine Nation mit Stromfabriken auf
die See hinausgewagt.

Weil an der Küste keiner den Fortschritt sieht, müssen die Offshore-Pioniere
viel erklären. Auch deshalb sind die 400 Gäste auf das Schnellboot gekommen. Es
sind Mitarbeiter aus der Branche, Monteure, Projektleiter, Banker. Viele sind
um die 40, die meisten Männer. Zum ersten Mal durften sie jemanden mitbringen:
Ehefrauen, Kinder, Schwiegereltern. „Paul soll sehen, warum sein Vater so viel
weg ist“, sagt Sven Höpfner. Der Ingenieur mit dem grauen Pferdeschwanz hat die
Umspannplattform für einen der Parks gebaut.

Die Stimmung an Bord ist angespannt. Als mit Meerwind der erste Windpark
auftaucht, kommt ein Raunen auf. Viele zücken ihre Kameras und Handys. Dabei
ragen überall bloß gelbe Stummel aus dem Meer: die Fundamente. Hier wird erst
seit ein paar Monaten gebaut. Einige der Männer an Bord zeigen mit den Händen
auf eine Plattform in der Mitte des Windparks und erzählen von der Arbeit auf
See. Sie berichten, wie die Errichterschiffe auf Stützpfeiler im Grund
aufgebockt werden, bis sie fest stehen, gewappnet gegen die Wellen. Und wie
danach die Arbeiter mit Kränen die Fundamente ins Meer hieven und mit ihren
Rammen loslegen. Über Stunden schallt dann nur das Hämmern der Ramme über das
Wasser.

Wenn die Männer erzählen, ist noch jene Aufbruchstimmung zu spüren, die in
der Branche anfangs geherrscht hat. Jetzt ist von dieser Stimmung nicht mehr
viel übrig. Die Projektentwickler bangen um die Projekte, die Mitarbeiter um
ihre Jobs, weil Meeresparks immer mehr Gegenwind bekommen. Auch jetzt wieder.
Gerade hat das Umweltbundesamt eine Studie zum Ausbau der Windenergie
veröffentlicht. Das Ergebnis ist bitter: Das Amt favorisiert die Windräder an
Land, weil Deutschland angeblich über genug Fläche verfügt, um den Strombedarf
ausschließlich über Windkraftanlagen auf dem Festland zu decken. Das Aus für
Wind vom Meer? Amtspräsident Jochen Flasbarth widerspricht. Die Studie wolle
doch nicht belegen, dass auf andere erneuerbare Energiequellen verzichtet
werden soll. „Die Kombination mit Fotovoltaik und Windenergie auf See ist
sinnvoll.“ Kombination? Sinnvoll? Für die Offshore-Branche ist das Signal
eindeutig: Aus einem klaren Ja ist ein Vielleicht geworden.

So könnte man diesen Ausflug auf die Nordsee auch die Trotz-Tour nennen. Sie
soll zeigen, dass sich die Parks für das ganze Land lohnen. Trotz widriger
Umstände auf See. Trotz fehlender Investoren. Trotz fehlender Netzanbindung.
Trotz Widerstand aus der Bundesregierung, die zwar eine Energiewende will, aber
keine, die zu viel kostet. Denn Strom aus Offshore-Parks kommt verdammt teuer,
womöglich zu teuer, verglichen mit Windstrom vom Land oder Strom aus
Solaranlagen.

Etwa zehn Milliarden Euro werden allein in die sechs Baustellen fließen, die
der Katamaran auf seiner Tour abklappert. Doch es könnte noch teurer werden,
das hat der Pionier gezeigt, der WindparkBard Offshore 1. Am Nachmittag
erreicht das Schiff das Gebiet gut 90 Kilometer nordwestlich von Borkum. Hier
drehen sich bereits die Mühlen. Schiffe tuckern umher, etwa 400 Menschen
arbeiten in dem Windpark. Es ist die größte Offshore-Baustelle der Welt. Und
ein Knochenjob. Denn an sehr vielen Tagen hängt der Nebel nass zwischen den
Mühlen, dann wütet der Wind, die Wellen klatschen viele Meter hoch an die gelbe
Umspannplattform, die wie eine Krake in der Mitte des Windparks hockt.

Viele Arbeiter wollen nur noch eines: fertig werden. Sie haben harte Monate
hinter sich. Ein Taucher und ein Arbeiter sind seit dem Baubeginn im März 2010
verunglückt. Zeit und Kosten sind aus dem Ruder gelaufen. Wenn sie zwei Wörter
wählen sollten, die das Schlamassel beschreiben, es wären wohl „Lernkurve“ und
„Wetterfenster“: Denn selten verläuft der Bau wie geplant, immer kann das
Wetter umschlagen, beides kann das Tageswerk versauen. AufBard Offshore 1 haben
die stolzen Macher vor allem eines gelernt: Demut. Eigentlich sollten die 80
Räder etwa 1,5 Milliarden Euro kosten. Im Herbst soll der Park fertig sein.
Jetzt soll er drei Milliarden Euro kosten. Der Erbauer steckt in der Klemme,
Bard Offshore 1 gehört längst der Bank, der Unicredit. Das Kreditinstitut hat
das Projekt finanziert. Wie Blei liegt es in den Büchern, zwingt die Bank zu
teuren Abschreibungen – und man kriegt es nicht los. „Den Park will keiner
haben“, tuscheln sie auf dem Katamaran.

Zudem gibt es immer mehr Zweifel, dass sich Bard Offshore 1 irgendwann
rechnen wird, und daran ist auch Bundesumweltminister Peter Altmaier schuld. Im
Januar schockierte der CDU-Politiker die Windleute, als er eine
Strompreisbremse ankündigte. Weil die Energiepreise stark gestiegen sind, so
das Anliegen des Ministers, wollte er weitere Anstiege möglichst bremsen. Dazu
wollte er die Ökostrom-Umlage einfrieren. Doch was im Jahr der Bundestagswahl
bei Verbrauchern gut ankommen sollte, entsetzt bis heute die
Offshore-Industrie. Denn Altmaier wollte die steigenden Kosten den Firmen
aufhalsen.

„Die Branche verharrt seither in Schockstarre“, sagt Nils Schnorrenberger.
Der hagere Mann mit der Windjacke arbeitet als Wirtschaftsförderer in
Bremerhaven, einer Stadt mit vielen Arbeitslosen, die jeden Job dringend
gebrauchen kann. Was Schnorrenberger ärgert: Altmaier wollte die zugesagte
Vergütung für den Offshore-Strom wieder kürzen – und das sogar rückwirkend.
Zudem soll auch noch ein Privileg auslaufen, für das die Branche hart gekämpft
hat: Der Bund wird nur diejenigen Parks fördern, die bis 2017 fertig sind. Das
ist quasi schon übermorgen, denn häufig vergehen von Planung bis Bauende fünf
Jahre. Wer jetzt loslegt, kriegt künftig keine Förderung mehr.

Bisher sind das alles bloß Worte. Kanzlerin Angela Merkel hat ihren
Umweltminister zurückgepfiffen, als die Wut in der Öko-Branche tobte. Altmaiers
Worte haben die Planer dennoch mit der Wucht einer Windstärke neun getroffen.
Sturm. Seither ist kein einziger neuer Windpark finanziert worden. Das
Vertrauen ist weg. Welcher Investor hat Lust auf so viel Risiko? Fast kein
Projekt lässt sich mehr durchrechnen. Zu viele Fragezeichen sind im Spiel: Gibt
es genug Schiffe für den Bau? Können Netzbetreiber die Windparks rechtzeitig
ans Stromnetz anbinden? Wie sehr kann man sich auf politische Zusagen verlassen?

Dass ein Minister rückwirkend die Vergütung antasten will, gilt als
Dammbruch. „Insbesondere die ausländischen Investoren sind total verunsichert“,
erzählt Thorben Groth von Green Giraffe Energy Bankers. Der Manager trifft
viele Investoren, er berät sie bei grünen Investments. Der von Altmaier
ausgelöste Schaden werde ein bis zwei Jahre nachwirken, glaubt Groth. Genau das
denken viele auf dem Schiff. Bis zur Bundestagswahl passiert sowieso nichts
mehr, meinen sie. Und danach? Keiner weiß es. „Die Branche ist nachhaltig
verunsichert“, sagt Pauls Vater.

Bald schon könnte das Fehlen neuer Projekte weitere Arbeitsplätze an der
Küste kosten, etwa bei Weserwind in Bremerhaven. Die Firma produziert
Fundamente für Mühlen. Das sind die dreibeinigen knallgelben Ständer, die
markant aus dem Meer ragen, eine Reihe neben der anderen, hübsch ordentlich.
Gar nicht ordentlich läuft es bei Weserwind. „Wir haben nur noch Aufträge bis
Herbst“, klagt Geschäftsführer Dirk Kassen, der ebenfalls an Bord ist. Und
danach? Kassen zuckt mit den Achseln. „Bald müssen wir in den Abbau gehen“,
fürchtet er. Denn Weserwind hat keine Reserven: Die Firma macht Verluste. Knapp
900 Menschen arbeiten hier, Schlosser, Schweißer, Ingenieure, für die wird es
eng. Als erstes wird es wohl die Zeitarbeiter treffen.

Das schmerzt. Denn wer jetzt gehen muss, geht oft zum zweiten Mal in kurzer
Zeit. Viele Arbeiter haben zuvor auf Werften gearbeitet. Doch der klassische
Schiffbau liegt am Boden. Zu groß ist die Konkurrenz aus China, Korea und
Japan. Kein Reeder bestellt mehr Containerschiffe in Deutschland, die hiesigen
Werften straucheln. In dieser Not kam der Atomausstieg gerade recht. Die
Energiewende, haben viele gehofft, bringe wieder neue Jobs ins gebeutelte Land.
Von der Jahrhundert-Chance für die Küste schwärmten die Politiker.

Zwei Jahre nach dem Atomausstieg sieht der Alltag sehr viel schlichter aus:
Etwa 18 000 Menschen arbeiten noch direkt für die Offshore-Industrie. Schon
jetzt sind einige Zulieferer am Ende. Im April musste die Cuxhaven Steel
Construction ihren Betrieb für Windräder-Fundamente schließen. Auch in Emden
hat ein Werk für Windradflügel dicht gemacht. Gewerkschafter warnen, dass der
schleppende Ausbau bis zu 5000 Jobs kosten wird.

Bleibt die Frage, wie viel Ökostrom dieses Land verbrauchen will, was das
kosten darf und wo all der grüne Strom herkommen soll. Offiziell hält die
Regierung unter Kanzlerin Merkel noch immer an ihren ehrgeizigen Plänen für den
Meeresstrom fest, obwohl diese Ziele längst als überholt gelten. Bis zum Jahr
2020 soll es demnach 2000 Windräder mit einer Leistung von zehn Gigawatt in
Nord- und Ostsee geben. Diese Räder sollten jedes Jahr so viel Strom erzeugen
wie fünf Atomkraftwerke. Wenn der Wund weht. So steht es im Energiekonzept aus
Berlin.

Doch das ist eine Farce. Seit drei Jahren wird an den Parks gebaut,
allerorten überwiegt die Skepsis: Es sind erst knapp 60 der geplanten 2000
Mühlen ans Stromnetz angeschlossen. Zahlen, die wenig miteinander zu tun haben.
Auch am Tag der Bootstour stehen viele fertige Räder still. Obwohl der Wind
heute Schaumkronen auf die Wellen zaubert und Windsurfer ihre Freude hätten.
Typisch für diese Tage: Der Wind weht und wenig geht.

Drinnen im Katamaran hat Habib Shafik keine Zeit, um auf die Wellen zu
achten. Der Mann arbeitet für den niederländischen Netzbetreiber Tennet in der
Politik-Abteilung und musste sich schon öfter rechtfertigen heute. Einiger
Parkbauer sind sauer: Tennet ist eine von vier Firmen, die Windparks ans
deutsche Stromnetz anbinden sollen. Doch es ist unsicher, ob die Netzbetreiber
das rechtzeitig schaffen werden. „Wir setzen alles daran, unsere Zeitpläne
einzuhalten“, versichert Shafik. Das ist ein hartes Stück Arbeit und ein teures
dazu. Seekabel dicker als Oberschenkel müssen am Meeresgrund verlegt werden.
Meerespflüge nennen sie die dafür nötigen Schiffe in der Branche. Sie ziehen
die Rinnen für die Kabel. Von jeder Mühle im Park verlaufen die Kabel bis zur
Umspannplattform. Von hier aus windet sich das Hauptkabel gen Festland.

Doch das Unterfangen ist widrig. Mal fehlten die Kabel, mal gab es Ärger mit
Umspannwerken, dann fand sich kein Geldgeber. Ende 2012 hat die Regierung
deshalb die Regeln für die Haftung geändert. Vorher mussten sich Parkbetreiber
und Netzgesellschaft streiten, wer dafür aufkommt, wenn die Kabelverbindung
zwischen Festland und Park nicht fristgerecht fertig wird. Jetzt können beide
die Haftung auf die Stromverbraucher abwälzen.

Kaum war das Problem gelöst, kam mit der Strompreisbremse das nächste.
Irgendwas ist immer. Daher spielt auch Tennet-Lobbyist Shafik jetzt das Spiel,
das viele in der Branche spielen. Er redet darüber, wer am meisten Schuld hat –
heute mal die Politik. Weil sie so falsch plant. Dazu zückt er ein Notizbuch.
„Um ein Megawatt Leistung zu errichten, brauchen wir in der Nordsee momentan
sechs Tage“, sagt er und schaut in das Büchlein, wo er die Fakten dieser
komplizierten Industrie notiert hat. Viele Bildchen kleben da und Tabellen.
Shafik ist Lobbyist in Berlin, er muss seine Firma oft verteidigen. Er habe das
mal durchgerechnet, sagt er und blättert. Um die Regierungsziele zu erreichen,
müsste jeden Tag eine Leistung von fünf Megawatt – also eine Mühle – in der
Nordsee erbaut werden. Das sei 30 Mal so viel wie heute. Was der Mann sagen
will, wenn er nicht so diplomatisch wäre: Man muss gar nicht so gut rechnen
können, um zu kapieren, dass die Pläne aus Berlin nicht aufgehen werden. Das
erklärt auch, warum Jochen Flasbarth, Chef des Umweltbundesamts, neuerdings
anregt, die Pläne für den Meeresstrom etwas tiefer zu hängen. Aus Kostengründen
sei es ratsam, „die Mengenziele für die Offshore-Windkraft abzusenken“, fordert
er.

Als die Fahrt zu Ende ist, da ist Paul immer noch ganz erfüllt von den
vielen Eindrücken. Es hat ihm noch keiner gesagt, dass die Zeit der Träumer
vorbei ist.

Kristina Läsker
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Kristina Läsker ist Wirtschaftsredakteurin. Seit 2009 arbeitet sie als
Korrespondentin im Hamburger Büro derSüddeutschen Zeitung und schreibt über
norddeutsche Konzerne wie Volkswagen und Tchibo ebenso wie über maritime
Branchen wie Reeder und Werften. Als Quereinsteigerin hatte sie 2002 bei der
Süddeutschen Zeitung in München begonnen und dort ein Volontariat durchlaufen.
Kristina Läsker hat Wirtschaftswissenschaften in Hannover studiert und die
ersten zwei Berufsjahre als Marketingmanagerin beim Bezahlsender Premiere in
Hamburg gearbeitet. Danach war sie drei Jahre lang Projektleiterin bei der
Bertelsmann Stiftung in Gütersloh.

Ein Gedanke zu „Der Wind, der Wind, das himmlische Kind. Und jetzt die Energiewendewende.

  1. Naja mein Gutster,
    Da überhebst Du Dich aber mit Deiner Kritik, an denen die gegenüber Off-Shore kritisch sind. Ab in denselben Topf mit Altmaier der die Investoren verunsichert hat.
    Ja, pacta sund servanda. Aber deswegen muß man nicht alte Fehler immer neu machen.
    Wie kommst Du dazu Leute wie mich als Politiker (was Du als Profession mit grundsätzlich mangelnder Kompetenz meinst) oder als Papierintelektuelle, die den Machern im Weg stehen, zu denunzieren.
    Die extrem hohen Investitionen zusammen mit dem kostspieligen Aufbau einer, sehr wahrscheinlich schon bald größtenteils unnötigen, Infrastruktur, nutzen nur der Festigung zentraler Versorgungsstrukturen.
    Sie verhindern, daß die notwendige Garantie der Versorgungssicherheit so wirtschaftlich wie möglich erfolgt und daß ausreichend F und E Mittel für die dezentralen Lösungen zur Verfügung stehen.
    Off-Shore hat keine absehbaren Kostendegressionen durch massenhafte Ausbreitung und technischer Fortschritt ist nur bei den Rotoren und den Wirkungsgraden zu erwarten. Plattformen und Meeresstromtrassen sind lange ausgereifte Technologieen.
    Fortschritte bei Rotoren und Wirkungsgraden werden auch beim On-Shore Ausbau vorangetrieben, könnten also übernommen werden, machen aber gleichzeitig Off-Shore unnötiger.
    Das gilt auch für alle anderen Entwicklungen z.B. im Speicherbereich.
    Ich habe nichts gegen Lobbyismus. Er sei Dir und den Innititoren dieses Artkels unbenommen.
    Aber bitte ohne Verunglimpfung Andersdenkendeenkender!

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