Der Papst ohne Gemeinde. Gerhard Cromme, Corporate Gouvernance und die Frage der Leichen

Corporate Gouvernance in Deutschland, das ist Cromme. Wie sonst niemand. Der Saubermann im Augiasstall Siemens, das hat mich immer gewundert, muss doch von den Machenschaften bei Siemens gewußt haben. Mit umso mehr Interesse habe ich der Lektüre des neuen ManagerMagazins entgegen gesehen. Es hat sich gelohnt.

What’s the story behind the story? Meine Ausgangshypthese war: Cromme muss etwas gewußt haben, weil er eng mit von Pierer war und so was ganz sicher außerhalb des Protokolls im Vier-Augen-Gespräch besprochen wird. Und Siemens war ja nicht das erste Mal unter Beschuss.

Die Corporate Gouvernance Initiative habe ich schon immer für ein aufgeblähtes Ablenkungs-PR-Manöver gehalten, weil die Glaubwürdigkeit der Top-Manager halt begrenzt ist. Und letztlich das Reden darüber andere Maßnahmen unterbunten hat. Sozusagen das Thema über die Zeit gerettet hat und in Watte gepackt hat. Verbindlichkeit ist ja keine Stärke dieser Initiative.

Und dann: Was treibt Cromme? Immerhin würde ich jedem Chef eines Großunternehmens, sorry, unterstellen, dass er schon aus Weltnähe einen ganz praktischen Umgang mit dem Theme Korruption haben muss.

Die Lektüre zeigt:

Der Mann ist so unterkühlt, wie er erscheint. Das ManagerMagazin meint: Leichen pflastern seinen Weg. Ego ist sein Name, Vorsitzender der TyssenKruppStiftung ist das Ziel (und damit ist auch die Frage des Motivs beantwortet). Und die vierte Frage, wie ernsthaft das Ganze ist, hat sich auch beantwortet: Nein, nicht ernst, weil er selbst sich in Fragen Thyssen (Wechsel von Vorstand in den Aufsichtsrat, ) nicht an die eigenen Regeln gehalten hat.

Volltreffer!

Fragen bleiben.

Erstens: Ist der Artikel bestellt, um Cromme mitzuteilen, dass er seine Traumposition nicht mehr erreichen kann. (Ist insofern der investigative Journalismus ein Auftragsjournalismus)

Zweitens: Waran erkennt man den aufrechten Gang eines Managers (Ich persönlich schätze beispielsweise Ackermann sehr, weil man ihm eine sehr direkte, manchmal konfrontative, aber wohl im persönlichen Umgang immer offene Art zuschreibt).

Drittens: Und wie kann man die sogenannten Eliten zu einem reflektierten Umgang mit sich und dem eigenen Tun bringen (vielleicht gar nicht, weil das alles eine Frage des moralischen Verfallsprozesses, der gleichzeitig ein Prozess der Selbststilisierung ist. In der Politik und der Wirtschaft).

Es gibt noch das Argument, dass Frauen anders wären. Im Falle von Angela Merkel kann das gut sein. Aber statistisch müssen wir da wohl noch etwas warten, bis wir qualfiizierte Aussagen machen können.

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