Der niedergelassene Arzt ist tot! Aber reden darüber will keiner.

Warum scheut im deutschen Gesundheitssystem eigentlich jeder klare Töne. Antwort: Das ist die Folge des Kuschel-Kuschel, wir planen alles im Konsens. Auch der Sachverständigenrat des Gesundheitssystems will die Selbsteinschläferung des Gesundheitssystems nur modifizieren. Einige Live-Anmerkungen aus dem Symposium am 30.9.2014.

Die Lage ist dramatisch: 90 Prozent der jetzt ausgebildeten Ärzte sind spezialisiert, es fehlen aber Allgemeinärzte, gerade am Land. PwC prognostizierte bis 2030 106.000 fehlende Mediziner. Jedes Jahr werden es 2000 Allgemeinärzte weniger, so der SVR. Die Größenordnung macht deutlich, dass alle Wege, besser und effizienter zu arbeiten, genuttzt werden müssen.

Der Sachverständigenrats hat jetzt wieder mal ein schönes Bild gemalt, wie er sich vorstellen kann, dass es funktioniert. Nur, ich bin mir sicher, das funktioniert nicht, weil eine Lösung nicht für alle Situationen passen kann. Und es kann auch nicht die Aufgabe des Sachverständigenrates sein, dieses Problem auf dem Papier zu lösen. die Alternative: Man muss die Institutionen so stärken, dass sie dieses Problem vor Ort lösen können, man muss den Schutz von Berufsgruppen und Bereiche (Niederlassung, Abgrenzung von ambulant und stationär) sofort beenden, damit die, die eine Lösung brauchen, die notwendigen Freiheiten haben, diese zu finden. Denn eines ist klar: Die Kassenärztliche Vereinigung ist das berufsständige Kampfinstrument zum Erhalt des „Weiter so“. Das Neue kommt auf diesem Weg nicht, zu spät oder muss fälschlicherweise mit viel Geld alimentiert werden. Bis 2025 werden, wenn die Strukturen so bleiben, 20.000 neue Allgemeinärzte benötigt. Das zeigt, wie falsch die Idee ist, einen mit wenig Durchsetzungsdruck ausgestatteten Masterplan zu entwickeln, der dann nur umgesetzt werden muss. Besser wäre es, zu klären, welche Hürden dem entgegenstehen, dass jede Möglichkeit, die eine bessere Versorgungssituation auf dem Lande möglich macht, auch umzusetzen.

Erschreckend ist auch, wenn Hochschulprofessoren, sorry Herr Professor Gerlach, dann den Allgemeinarzt, den man aufs Land locken will, fast therapeutisch behandeln. Ihm muss geholfen werden, bei der Work-Life-Balance, mit Kitas in den Gesundheitszentren, mit Mut machen und Entängstigung, der Furcht vor Verantwortung (ja, das ist wörtlich gefallen). Die Therapeutisierung des Gesundheitswesens schreitet, folgt man dem Sachverständigenrates, in munteren Schritten weiter. Besser, so vermute ich, wird es aber nicht. Mich erinnert das alles an die DDR in der Endphase. Aber solche Reminiszenzen sind dann wieder außerhalb dessen, was gesagt werden darf. Deshalb schreiben wir es mal auf.

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