Demokratie 2.0. Heute in der Zeitung

Vieleicht muss man gar nichts machen, nur wahrnehmen. Heute in der Zeitung, die FDP plant eine Urabstimmung zum Rettungsfonds, 16 Ökonomen äußern sich in einem offenen Brief als Unterstützer für Röslers Position und, weit wichtiger, gegen Denkverbote. Und in der Bertliner Zeitung gibt Dieter Zetsche ein sehr ungewöhnliches Interview. Sehr direkt redet er über das Versagen der Bundesregierung, die Konflikte mit Winfried Kretschmann. Ein sehr klares Interview, das Position außerhalb der klassischen Schlachtordnung bezieht. Diskussionen leben von Kontroversen. Und die von echten Standpunkten. Dazu passt übrigens auch, dass Metro Chef Cordes gestern im Handelsblatt den Kampf aufnimmt, en Kampf um die Metro, um seinen Kopf, der rollen soll. Obwohl die Zahlen stimmen.

Es geht ums Ganze. Überall. Das ist schon mal ganz gut. Und ein ganz anderes Programm als die klassische Berliner Bühneninszenierung, bei der alle Kontroversen kleingebügelt werden bis kein Mensch mehr versteht, worum es eigentlich geht. Demokratie 2.0, uzngesteuerte Demokratie Debattendemokratie, die Menschen sind erregt, verängstigt, zornig, lassen sich nichts mehr gefallen. Sagen, was sie denken.

Gut so.

Demokratietheoretiker könnten jetzt anführen, das ist das Ende der repräsentativen Demokratie. Aber das Gegenteil ist richtig. Politik hat die Bühne verlassen, das immergleiche Rollenspiel, plötzlich kommen ganz andere Debatten auf, das Ganze ist eben nciht mehr kalkulierbar, dafür aber mit einem nüchternen Blick aufs Ganze.

Die Deutsche Gesellschaft ist auf dem Wege, erwachsen zu werden, die Stimme zu erheben und sich über die Warnungen von der Bühne hinweg zu setzen. Leidenschaft ist der Treibstoff der Demokratie. Und offensichtlich wird da jetzt, in wirklich weichenstellenden Diskussionen über Eurobonds, Zukunft, Transferunion, etc, etc. zugetankt. Ein Volskbildungsprogramm im Zeitraffer. Wer versteht schon alle die finanzpolitischen Feinheiten, die notwendigen Regulierung auf dem Finanzmarkt. Macht nichts, viele Politiker verstehen nämlich auch nicht mehr davon. Und die Wirtschaftswissenschaftler haben Recht, wenn sie sagen, man kann auch eine Transferunion wollen, aber dann muss man offen drüber streiten (Ich will sie nicht und man kann da schon die Falle für rotgrün sehen, Staatsgläubigkeit, verursacht durch das linke Erbe, aber was nutzt es, Griechenland zu allimentieren, man muss darüber reden, wie das Land wieder auf die Beine kommt, wirtschaftlich leistungsfähig wird, die überlüssigen Bürokraten rausschmeißt, sich selbst ermächtigt).

So ist Demokratie 2.0 einfach das Ergebnis einer sozialen, einer gesellschaftlichen Entwicklung. Außen wird nicht mehr länger zugesehen, wie das Personal innen blillige Debatten darüber führt, was notwendig ist. Gut so, weiter so. Demokratie 2.0.

Es zeigt sch dabei im übrigen auch, dass man manchmal gar keine neuen Medien braucht, kein Twitter, kein Facebook, nur klassische Öffentlichkeit. Wenn das Maß voll ist, ergreifen mehr Menschen das Wort. Und das ist gut so.

Und für die Freunde der repräsentativen Demokratie: Kein Mensch will sich dauernd einmischen. Wenn es eine Regierung gibt, die halbwegs regiert, wird man wieder auf den Zuschauerrängen Platz nehmen. Genölt wird warscheinlich wieder, aber das kollektive Wissen, dass man eingreifen kann, wird erhalten bleiben.

Gut so!

P.S. Ironie der Geschichte: Dass die sieche FDP möglicherweise über den Zufallstreffer „Nein zu Eurobonds“ und eine Mitgliederbefragung gegen die Parteispitze zu neuer Kraft finden könnte, – so ist das Leben. Parteien wirken, so steht es im Grundgesetz, an der politischen Meinungsbildung auch bloß mit.

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