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	<title>Nikolaus&#039; Fruehstuecksfernsehen &#187; Internet</title>
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	<description>Politische Betrachtungen zum Tage</description>
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		<title>Zeitenwende kommt. Nur wann, ist die Frage.</title>
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		<pubDate>Sun, 20 Jun 2010 14:46:10 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Nikolaus</dc:creator>
				<category><![CDATA[Integration]]></category>
		<category><![CDATA[Internet]]></category>
		<category><![CDATA[Medien]]></category>
		<category><![CDATA[Paradigma]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Wirtschaft]]></category>

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		<description><![CDATA[Seltsame Zeiten, in denen wir leben. Und wenn man, wie ich, drei Wochen außer Schreib- und Beobachtungsgefecht gesetzt worden ist, weil man sich auf eine Arbeit konzentrieren musste, zeigt sich, wie schnell der ganze politische Alltag an einem vorbeirauscht. Weil er Irrsinn ist. Nachdenken über die Zeit danach. Zuerst die Bestandaufnahme: Diese Regierung kriegt die [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Seltsame Zeiten, in denen wir leben. Und wenn man, wie ich, drei Wochen außer Schreib- und Beobachtungsgefecht gesetzt worden ist, weil man sich auf eine Arbeit konzentrieren musste, zeigt sich, wie schnell der ganze politische Alltag an einem vorbeirauscht. Weil er Irrsinn ist. Nachdenken über die Zeit danach.</p>
<p><span id="more-332"></span>
<p>Zuerst die Bestandaufnahme: Diese Regierung kriegt die Kurve nicht mehr. Wir sollten das einfach in Rechnung stellen. Eine Kanzlerin, die, wie wir jetzt erkennen, nicht aus Klugheit moderiert, sondern rumkompromisiert. Offensichtlich war das Personal im Ministerrange in der vergangenen Legislaturperiode klüger, erfahrener oder die Mitarbeiter im Kanzleramt. Oder beides. Jedenfalls, was dieses Kabinett abliefert, ist in dreifacher Hinsicht völliger Mist. Keine Vision, welche Schwerpunkte die Wunschkoalition den setzen könnte. Keine wirklich sachkundige Bereichspolitik. UND kein intelligentes Krisenmanagement. Nee, wirklich, so wenig Regierung hat Deutschland nicht verdient. Die schlechteste Regierung der Nachkriegszeit. Hau weg den Scheiß! hieß es früher.</p>
<p>Weil aber die Alter EGOs Westerwelle und Seehofer weiterhin mit voller Wucht gegen die Wand laufen wollen, können wir nur auf Schädelbasisbruch hoffen. Oder, die FDP ist da ja wendig, eine geräuschlose Kehrtwendung um 180 Grad. Weil Posten ja Posten sind. Wir warten ab, wie sich der Außenminister bald schon ganz auf sein neues Amt konzentrieren kann, bevor er da leider zurück treten muss. Hat er schon abgeklärt, wann die Pensionsregelungen greifen?</p>
<p>Von einem Freund habe ich zu Westerwelle eine schöne Geschichte gehört. Westerwelle bei der Vorfahrt zur Wahl des Bundespräsidenten (dem letzten, zum nächsten kommen wir noch), Vorfahrt, Bremsen, Westerwelle entsteigt dem Auto, steht stramm, fast salut und legt seinen eiskalten Lächelpanzer an. Den er nicht wieder ablegt, bis er abend ins Bett steigt. Wie ist der Mann eigentlich richtig privat?</p>
<p>Das wahrscheinlich größte Problem in dieser Koalition ist Seehofer. Es steht die Vermutung, dass er seit seiner letzten schweren Krankheit (das war, als er gelobt hat, mit der Politik langsamer zu treten, erinnern sie sich) politisch auf Autopilot geschaltet hat. Jeden Tag eine neue Sau durchs Dorf, Hauptsache die FDP kann wieder aufschäumen.</p>
<p>Politik ist manmade.</p>
<p>Nee, so wird das nix, da bin ich mir sicher.</p>
<p>Die Zeiten vor der Zeitenwende fühlen sich ja nie so an. Mit Stagnation und Stillstand ist es wie mit der Krise. Die wird auch immer schlimmer, wenn alle sagen, das gröbste ist vorbei.</p>
<p>Mit der Krise ist es wie bei einem Winter mit schwerem Schneefall, bei dem alle aus Furcht vor dem Schmelzwasser allen Schnee auf einen Haufen geschoben haben. Und jetzt, mit freien Straßen und Wegen, fürchten, dass die Schneeschmelze einsetzt. Und ausgerechnet haben, dass die verfügbaren Lastwagen 10 Jahre brauchen würden, die Schneemenge abzutransportieren. Und, um im Bild zu bleiben, gleichzeitig in die Gemeindeordnung reingeschrieben haben, dass man ab nächstes Jahre keine Schneehaufen mehr machen darf. &#8230;&#8230;..</p>
<p>Zeitenwendisch wirkt es schon, wenn erst der altverdiente Koch, der blitzgescheite Kampagnenzyniker aus Hessen, das Weite sucht und dann der Bundespräsident. Das gabs noch nie. Ein etwas schnell eingeschnappter Köhler, nur weil seine Äußerung (ja, wir führen Kriege aus wirtschaftlichen Interessen) zwar in der Bevölkerung niemanden gewundert haben, aber in der Politik. Weil da ja schon der Freiherr ein Held war, als er die Friedensmission eine kriegsähnliche Auseinandersetzung nannte oder so ähnlich. Im Schneckentempo näherte sich die deutsche politische Klasse der Realität.</p>
<p>Also, zwei Mann von Bord, eine Zeitlang wirkte das wie &#8220;der letzte macht das Licht aus&#8221;. In diesem Falle die Letzte. Frau Merkel, die gute Frau Merkel ist tatsächlich längst kein Ossi mehr. Ihre Denke ist knallhart westlich deutsch. Wie sie den eindeutigen Herrschaftsbereich der Parteien auf die Wahl des Ministerpräsidenten ausgeweitet hat. Wenn Präsidenten schon aus dem Ruder laufen, dann nimmt man kurzerhand halt einen aktiven Politiker. Am besten Typ Schwiegersohn mit gut aussehender Landesmutti, die schon drauf achten wird, dass der Christian bloß nix verkehrt macht auf dem Weg zur Präsidentenpension.</p>
<p>Jung kann schon ganz schön alt aussehen. Jetzt ist dem Christian ja das Herz in die Hose gerutscht, weil ihm mit dem Prediger und Ex-Behördenleiter Gauck doch ganz lustvoll selbstbewußte Konkurrenz erwachsen ist. Die Idee, im Schlafwagen zur einzig deutschen Hoheit zu werden, klappt jedenfalls nicht. Christian, jetzt heißt es, nicht nur über Risiko zu reden, sondern mal ein klitzekleines selber einzugehen. Na, krippelt es schon? So sieht Zeitenwende aus. Wenn auch nur ein bißchen.</p>
<p>Also, mit Gauck gegen Christian haben wir ein ganz schönes Stück, das zeigt, dass Jung bei Jung gegen Alt nicht immer besser ankommen muss. In Wahrheit ist es nämlich so, dass die Deutschen, und das quer durch, sich einen Präsidenten wünschen, von dem man hofft, dass er mal einfach sagt, was Sache ist. Weil er nicht an seinem Posten kleben muss. Weil er, wie eine ganze Reihe von Menschen, mit echten Brüchen in ihrem Leben zu tun hatte, als der Staat, die Gesellschaft, der Kokon, in der man sich auch als Oppositioneller vertraut bewegt hat, plötzlich abgefallen ist. Die Gleichung lautet also nicht alt gegen jung, sondern Echtzeitbiographie gegen Bilderbuchpappi und -mami. Medial gesprochen &#8220;Eulenspiegel&#8221; gegen Nido (Kennen sie nicht, das junge Familienmagazin, mit dem Yuppieväter, wenn sie die Woche über unterwegs ist, ihre Fiktion von Familie zurechtträumen). Nee, wirklich, Wahlmänner und -frauen, pfeift mal auf das Ermächtungsgwohnheitsrecht der Parteien, euch &#8220;im Vertrauen&#8221; ausgewählt zu haben und wählt, wen ihr für besser haltet. In Zeiten, in denen man sich schon mal in den Arm kneifen muss, um fest zu stellen, ob das, was auf der politischen Bühne inszeniert wird, wirklich noch wahr ist. Oder nicht doch ein Albtraum.</p>
<p>Die Phase vor der Zeitenwende, das wissen alle, die Umbrüche mitvollzogen haben -oder gar gestaltet- sind wie alle Zeiten vorher. Nichts deutet auf die Veränderung hin.</p>
<p>Und trotzdem, so wie es ist, kann es nicht bleiben. Auch wenn die FAS von heute meldet, dass die Daimlers und BMWs und AUDIs wieder Sonderschichten schieben müssen, weil sich die Chinesen, bevor die Konjunktur ganz zusammenbricht und der Yuán sich in Luft auflöst, noch schnell im Luxus schwelgen wollen. Und gleichzeitig bayerische, baden-württembergische und niedersächische Arbeitsplätze sichern.</p>
<p>Gut, wenn man sich nicht nur im Raumschiff Berlin herumtreibt, sondern manchmal auch den Blick über die Spree hinweg wagt, in den anderen Teil von Mitte oder nach Neukölln. Denn dort werden die wahren Zukunftsthemen verhandelt. Und das nach anderen Regeln, als die politische Klasse heute noch glaubt.</p>
<p>Ein paar Thesen zum Neuen Deutschland.</p>
<p><strong>Die Albernheit der geschlossenen Modelle.</strong> Das aus meiner Sicht größte Problem der herrschenden politischen Klasse ist der Glaube an geschlossene Systeme und Weltbilder und eine beherrschbare gesellschaftliche Dynamik. Dem ist nicht so. Tatsache ist, dass der ganze politisch-kulturelle Komplex eher davon geprägt ist, dass man sich gegenenseitig nicht wehtun, nicht widersprechen möchte und dass das eigentliche &#8220;Steuerungssystem&#8221; der Gesellschaft, also Politik, die meinungsbildenden Medien und die tonangebenen Wirtschaftsführer eher konsens- und statusorientiert als lösungsorientiert ist. Auch wenn man die Fragen und Probleme, vor denen man steht, längst erkennen kann, werden sie doch weitgehend geleugnet, kleingekocht, damit sich niemand so richtig dazu verhalten muss.</p>
<p><strong>Das Plazebo sozialpolitischer Programme.</strong> Hartz IV: Gut gemeint, schlecht gemacht. Aber es ist nicht nur die handwerkliche Qualität, die zu denken gibt. Meine Behauptung ist, auch Frau von der Leyen, aufgeräumt, abgeklärt, wird kein prinzipiell anderes Gesetz auf den Weg bringen könnnen. Die Ergebnisse von Hartz IV lassen sich auf einen Satz bringen: Gibt mehr aus und schafft mehr Unzufriedenheit. Ein Drittel aller Bescheide wird beklagt!! Was not tut, wäre ein Gesetz, das das eine Abkehr von der bisherigen Richtung bringt. Abkehr davon, dass ein Teil der Menschen schon frühzeitig alimentiert und damit ruhig gestellt wird. Dass die Gesellschaft weiterhin verlernt, selbst Teil der Lösung zu sein. Die Politik in ihrem ohnmächtigen Allmachtswaht ist dafür verantwortlich, wenn die Selbstorganisationskraft unserer Gesellschaft weiter verkümmert. Die Inszenierung als Retter ist das liebste Rollensetting der Politik. Und die tragische Rolle als gescheiterter Retter wird jeder anderen vorgezogen. Wahrscheinlich deshalb, weil die Retterinszenierung für das Wahlergebnis punktet und die Tragik erst nach dem Wahltag folgt. Das ist übrigens auch die Tragik der Figur Seehofer, es ist der letzte, der mental aus der Denke der Kohl Kabinette entstammt, die blühende Landschaften versprochen und schwierige Verhältnisse hinterlassen haben. Hauptsache, die Idee klang gut.</p>
<p>Was Not tut, ist mehr Ehrlichkeit,mehr Streit. Und: Augen auf im gesellschaftlichen Verkehr! Statt über Strategie zu reden, das bemerkte neulich schon Verheugen auf dem Strategieforum der Bertelsmann Stiftung, wäre es bessser, seine Hausaufgaben zu machen und das Mögliche zu ermöglichen. Dem kann ich nur zustimmen.</p>
<p>Statt also von großen Entwürfen zu träumen und sich immer mehr gegen die Realität abzuschirmen wäre es besser, diese Realität und das Bruchstückhafte und nicht geplante, die &#8220;schöpferische Zerstörung&#8221; zum Teil der politischen Debatten zu machen. Das ist der eigentlich großartige Gedanke, der beispielsweise in Steingarts Buch &#8220;Die Machtfrage&#8221; steckt, in der er ein großes Gemälde des parteidominierten Deutschlands zeichnet, in dem Wahrheit erst dann wahr ist, wenn sie durch die ideologischen Häckselmaschinen der Parteiapperate geschickt worden ist. Das kostet Zeit, Nerven, Itellektualität, kurz Ressourcen aller Art. Und Parteien, die sich nicht darauf kaprizieren, die Welt in ihrer Parteirhetorik ständig neu zu interpretieren, zu de- und rekonstruieren, sondern mit der Welt da draußen zu reden, und sich dann daran machen würden, das Nowendige zu tun, wären schneller als alles andere. So manche Studie, die bereits in ihrem Design erkennen lässt, dass man doch nur das übliche, quantitativ belegt, als Ergebnis produziert, liese sich sparen. Wir brauchen nicht zusätzliche Ressourcen für eine praxisferne Evaluation, die die noch tätigen Menschen als distanzierte Forschungsgegenstände aushorcht, sondern zusätzliche Ressourcen, um &#8220;Change&#8221; möglich zu machen. Wer sich mit der Idee des Design-Thinking beschäftigt hat, erkennt, dass in der Idee, Modellhaft neues zu erproben und Erkenntnisse auch umzusetzen, Veränderungspotential steckt. Wenn man es ernst meint.</p>
<p>Insofern ist Gauck dann doch ein Wetterleuchten am politischen Horizont, auch wenn da natürlich auch Parteitaktik eine Rolle spielt. Die Frage ist, ob sich die Delegierten den Machtkalkülen der Entsender gefügig zeigen oder ihren politischen Empfindungen nachgehen und ein Signal geben, dass sie die Schnauze von Soviel parteikonsensuellem Tanzen auf dem Vulkan voll haben.</p>
<p>Und es ist ja so: Eine ganze Reihe von Ereignissen und Beobachtungen zeigt, dass die Welt längst weiter ist als ihre Regulierer glauben.</p>
<p>Stuttgart 21 hat es vorgemacht, dass die Logik des Weiter so die Weiter so Exegeten ganz weit ins Abseits katapultieren kann.</p>
<p>Vor diesem Hintergrund ist auch die Erosion der Presselandschaft kein Wunder. Weil das viele des gleichen, also die Variationen des Themas Meinungslosigkeit, fehlender Risikobereitschaft und von Recherchequalität die Bloggerszene erst groß gemacht hat. Gesellschaft schafft sich so seine Informationsquellen selbst. Auch, wenn ich jetzt die Einwände höre, das wäre doch alles Meinungsmache und nicht faktenbasiert. Ja, aber spekulative Betrachtungen sind in Zeiten, in denen Veränderungen anstehen, richtig und wichtig. Weil sie zu neuen Ideen führen. Und nicht darauf abheben, dass das alles nicht gehen kann, weil es nicht zum alten Institutionskonsens, zum Konsens der Rollentheorie passt, nach dem man seine Rolle immer so spielen muss, dass sie zu keinen Risiken führt. Was ist aber, wenn Menschen auf einmal anfangen, sich ernsthaft und nicht rollenkonform zu verhalten? Weil die Erosion der Glaubwürdigkeit den Point of No Return überschritten hat?</p>
<p><strong>Was die herrschende politische Selbstinszenierung mit einer scheiternden Integrationspolitik zu tun hat. Auch wenn sie gut gemeint ist.</strong></p>
<p>Spitzen wir zu: Letztlich ist der herrschende politische Konsens der Konsens der weißen, über 40 jährigen Klasse der gut situierten, Staatsbeschäftigten und damit Bildungsbürger. Für die lautet das Credo letztlich folgendermaßen:</p>
<p>Aufstieg geht nur durch Bildung und Teilhabe am herrschenden symbolischen System, in Deutschland also Konsensorientierung, Konfliktvermeidung, Beharren auf eingeführten Institutionen und Inhalten (Schule: Dreigliedrigkeit, Bildungskanon; Hochschule: Freiheit der Lehre, Unstrukturierte Studien, Festhalten am gesamten Bildungskanon, Nein zur Berufsorientierung). Das führt zu Ausgrenzung von ganz Vielen: Jungen, Alleinerziehenden, Menschen mit Migrationshintergrund, Visibel anderen Inländern. Ich wage die These, dass Deutschlands mangelndes Selbstwertgefühl (Bin ich stolz, ein Deutscher zu sein?) kompensiert wird damit, dass man die gesellschaftliche Praxis etwas verklemmt, aber umso hartnäckiger gegen eine neue deutsche Wirklichkeit behauptet. Noch ist es eine Klassenherrschaft der gebildeten weißen Mehrheit in der zweiten Lebenshälfte, in absehbarer Zukunft kann das auch als Apartheit einer älter werdenden eingeborenen Mehrheit gegen die neu zugewanderte Mehrheit interpretiert werden.</p>
<p>Denn die Selbstbehauptung, das kurzfristige und vordergründige Motiv, überlagert weiterhin das mittelfristige nachhaltige Prinzip des Neuen Deutschlands, in dessen Interesse es wäre, eine größtmögliche Zahl von Inländern und Zugewanderten Teilhabe zu ermöglichen und rassische Interpretationen der Deutschen Gesellschaft ad acta zu legen.</p>
<p>Dabei verstellt sich die mehrheitsdeutsche politische Elite den Blick darauf, dass die Zukunft schon begonnen hat. Wer die ideologischen Scheuklappen ablegt, stellt fest, dass, die Sinus Studie hat das jetzt auch empirisch belegt, die Eingewanderten sich in etwa denselben kulturellen Mustern reproduzieren wie die eingeborene Bevölkerung und dass sie es auch in denselben Quantitäten tun. Nicht der befürchtete Taliban ist das Standardmuster des eingewanderten Türken, sondern entweder der des konservativen Bewahrers, des Innovatoren oder des angepassten Angekommenen. Und Kopftücher und Bärte sind halt nicht nur Zeichen ideologischer Gesinnung, sondern vielmehr Zeichen kultureller Selbstachtung vieler Menschen mit türkischem oder islamischem Hintergrund. Ein Akt der Selbstvergewisserung in einer Gesellschaft, die Einwanderung immer nur als Zumutung an die Einwanderer interpretiert, als Forderung der Mehrheit an die Minderheiten, sich einer sonst starr bleibenden Geellschaft anzupassen, oder sonst eben, um einen bekannten Buchtitel zu zitieren, &#8220;draußen vor der Tür&#8221; zu bleiben.</p>
<p><strong>Wer Integration will, muß über Antidiskriminierung reden. Und darüber nachdenken, wie Ressourcenarme teilhaben können.</strong></p>
<p>Die Zukunft hat schon begonnen, die interkulturelle Wirklichkeit ist schon im Gange, trotz und zum Teil gegen die Bemühungen der Deutschen Politischen Klasse. Und um beim Thema zu bleiben. Es besteht die Befürchtung, dass sich die herrschende politische Klasse, über alle Parteigrenzen hinweg, ein Denkmal deutscher Gutmenschlichkeit setzt. Wir reden von einem Integrationsgesetz, das jetzt in Berlin und auch in Nordrhein-Westfalen entwickelt wird und das dazu führen wird, die Landschaft der sozialpolitischen Fürsorger und migrantischen Kümmerer jetzt weiter auszubauen. Denn faktisch wird ein Integrationsgesetz vor allem dazu führen, die überwiegende Mehrheit der migrantischen und angekommenen Familien zu stigmatisieren, zu diskriminieren und sie sozialpädagogische sonderzubehandeln. Und eine zeitlich unbefristete Fülle an fragwürdigen Positionen für Integrationsbeauftragte und blutleere Gremien von Integrationsbeiräten zu schaffen.</p>
<p>Tatsächlich stünde aber die Frage an, und diese trifft alle Parteien, was die herrschende politische Klasse denn zu unternehmen gedenkt, um eine Teilhabe der ressourcenamen Bevölkerungsgruppen, der sozial, kultuell und ökonomisch ressourcenschwachen Bevölkerungsgruppen zu ermöglichen. Nicht im Sinne sozialpolitischer Fürsorge, sondern im Sinne besserer systemischer Leistungen. Die öffentlichen Institutionen sind auf den Prüfgestand gestellt, inwieweit sie die Serviceleistungen, für die sie etabliert worden sind, Erziehung, Bildung, Schutz vor Verlelendung, noch erbringen und inwieweit sie diese effektiv und effizient erbringen.</p>
<p>Aus dieser Perspektive sind Pestalozzi und Humboldt Schutzbehauptungen, mit der sich die veränderungsresistenten Etablierten dagagen wehren, ihre Institutionen und Leistungen den geforderten Erwartungen anzupassen. In den Niederlanden, diesem unideologisch-adaptiven Land, gelingt das doch auch, modular, mit Bachelor, effektiver zu werden, Institutionen zum Funktionieren zu bringen. Weil dort Entscheidungen halt getroffen werden, wenn sie anstehen und nicht mit allem und jedem moderiert werden, wenn es zu Konflikten kommen könnte. Gute und schlechte Entscheidungen unterscheiden sich nicht nur im Ausgang, sondern auch in dem zur Entscheidung notwendigen Aufwand.</p>
<p>Deutschland braucht einen Aufbruch der ganzen Gesellschaft. Die Mehrheit der Deutschen, egal welcher Wurzeln, befindet sich, wie die politische Klasse, im Dämmerstatus. Jetzt ist Führung gefragt, quer durch alle Parteien. Denn Deutschland in eine bessere Zukunft zu führen, wird nicht aufgrund einer besseren oder schlechteren Ideologie gelingen, sondern, weil alle Menschen an ihrem Platz ernst machen damit, bessere Leistungen zu erbringen, gemeinsam, ernsthaft und sich nicht weiterhin in den traditionellen Rollen erschöpfend gemütlich einzurichten. In diesen Zusammenhang könnten auch symbolische Aktionen eine Rolle spielen. In diesem Falle: Sarrazin als Bundesbanker einfach abschalten. Ahnungslose Rassisten müssen nur wirklich nicht weiter dafür teuer bezahlt werden, dass sie über Dinge, von denen sie wirklich keine Ahnung haben, reden anstatt still ihre Arbeit zu tun.</p>
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		<title>Think twice. Thesen für eine andere Innovationspolitik.</title>
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		<pubDate>Tue, 27 Apr 2010 08:52:34 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Nikolaus</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Deutsche Innovationspolitik produziert hohe Sitzungsgelder, Spesenrechungen und wenig Ergebnisse. Einige Thesen, wie es anders gehen könnte. 1) Der Verzicht auf Fördertöpfe. Das Schielen auf Fördertöpfe lenkt Gründer und Entwickler vom eigentlichen Marktgeschehen ab. Und die Summen sind oft lächerlich gering. 2) Die Verbesserung der Anreizstruktur. Es geht im Kern darum, die Rahmenbedingungen künftiger Märkte attraktiver [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Deutsche Innovationspolitik produziert hohe Sitzungsgelder, Spesenrechungen und wenig Ergebnisse. Einige Thesen, wie es anders gehen könnte.</em></p>
<p><span id="more-316"></span>
<p>1) Der Verzicht auf Fördertöpfe. Das Schielen auf Fördertöpfe lenkt Gründer und Entwickler vom eigentlichen Marktgeschehen ab. Und die Summen sind oft lächerlich gering.</p>
<p>2) Die Verbesserung der Anreizstruktur. Es geht im Kern darum, die Rahmenbedingungen künftiger Märkte attraktiver zu machen. Also z.B. Kaufanreize zu geben, indem man CO2-Emissionen verteuert etc und damit die relative Marktpositionierung verbessert. Die Märkte von Morgen von den Rahmenbedingungen her restrukturieren.</p>
<p>3) Eine Strategie zu entwickeln. Die Erarbeitung eines Strategiepapiers mit Maßnahmen, Zeitpunkten und Akteuren sowie die Diskussion derselben kann zu einer Priorisierung des entsprechenden Bereichs in den Köpfen der Innovatoren und Investoren führen. In dieselbe Richtung zu denken, entwickeln und investieren heißt, eine gemiensame Denkrichtung zu etablieren. Die Entkoppelung von Papier und Geldvergabe führt zu einer unabhängigen Beschreibung der Szenarien.</p>
<p>4) Venture Capital fördern. Der einzige Bereich, in dem Venture Capital Sinn macht, ist der Innovationsbereich. Verbrennen von Geld gehört hier zum Geschäft. Und neben dem &#8220;Output&#8221; erfolgreiche Unternehmengründung ist der Output Manpower nicht zu unterschätzen. Auch die sogenannte Internetblase 2001 hat zu einer enormen &#8220;Reifung&#8221; von Menschen mit Forschungs, Entwicklungs und Gründungsbiographien geführt, von der wir noch heute leben.</p>
<p>5) Das Meinungsoligopol zerschlagen. Oder konkurrierende Oligopole schaffen. Deutsche Politik heute ist konsenszermürbt. Wer am besten Strippen zieht, hat gewonnen. Weil das ja schwer zu kontrollieren ist, wäre ein Ansatz, Unterschiedliche Gravitationszentren zu schaffen, zwei Innovationsstrategien, die am Markt antreten. Und sich bewähren müssen. Und nicht vergessen: Es geht nicht darum, welches Papier das richtige ist. Sondern darum, welches Papier, welche Innovationen lostritt. Auch gescheiterte Strategien können wertvolle Impulse für Innovation auslösen.</p>
<p>6) Reviews unabhängig anlegen. Die Strategiepapiere werden regelmäßig reviewed. Ziel: Sichtbar zu machen, was klappt. Und was nicht klappt. Voraussetzung: Die Fähigkeit, unabhängig zu denken und zu schreiben. Die Hoffnung: Alle sind bewußt, dass Innovation immer ein Teil Erfolg und ein Teil Scheitern ist. Wahrnehmungssteuerung betreiben. Und, hallo Politik, darauf verzichten ,die Dinge schön zu färben. Eine politische Heldentat wäre nötig!</p>
<p>7) Strukturelle Weichenstellungen vornehmen. Publikations-Infrastrukturen, gut ausgestattete Forschungsreinrichtungen, unbürokratische Hochschulstrukturen. Vernetzungen.</p>
<p> <img src='http://www.fruehstuecksfernsehen.nikolaus-huss.de/wp-includes/images/smilies/icon_cool.gif' alt='8)' class='wp-smiley' /> Jetzt noch eine ketzerische Idee. Wie wäre es, wenn die beurteilenden oder steuernden Fachabteilungen in den Verwaltungen in ihrer beamteten Form augelöst und durch Projektgruppen ersetzt würden. Denn gerade in innovativen Märkten ändern sich Konstellationen und Zeiten schnell und ein langfristig &#8220;gesichertes&#8221; Wissen exisiert nicht. Alternative: Steering Comittee mit bürokratischem Support.</p>
<p>9) Forschen. Und Forschen lassen. Wer die deutsche Internetszene beobachtet, sieht, dass sich dort, abseits staatlicher Alimentierungen, eine stabile Innovationskultur gebildet hat, die Lust am besten Ergebnis hat. Die Know-How-Sharing betreibt. Die vernetzt. Daraus können wir lernen. Politik kann nicht nur befördern, es kann auch blockieren. Es kann ein Nadelöhr sein, durch das alle hindurch müssen. Politische Demut ist damit eine der Haupttugenden.</p>
<p>Just do it!</p>
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		<title>Die re:publica 2010. Soziologische Nachbetrachtungen eines Grenzgängers.</title>
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		<pubDate>Sun, 18 Apr 2010 09:43:13 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Nikolaus</dc:creator>
				<category><![CDATA[Internet]]></category>
		<category><![CDATA[Paradigma]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>

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		<description><![CDATA[Was bleibt von der re:publica2010? Als aktiver Beobachter der politischen Bühne und erstmaliger Besucher der re:publica ist mir eines aufgefalllen: Es gibt ein Neues Deutschland. Und dieses findet abseits der offiziellen Politik statt. Aufgeregter Pragmatismus. Der Kongress ist ein großes Gewusel, das aufgrund des etwas stockenden Boardings nur holpernd in Gang kam. Aber das sympathisch [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Was bleibt von der re:publica2010? Als aktiver Beobachter der politischen Bühne und erstmaliger Besucher der re:publica ist mir eines aufgefalllen: Es gibt ein Neues Deutschland. Und dieses findet abseits der offiziellen Politik statt.</em></p>
<p><span id="more-307"></span></p>
<p><em>Aufgeregter Pragmatismus.</em> Der Kongress ist ein großes Gewusel, das aufgrund des etwas stockenden Boardings nur holpernd in Gang kam. Aber das sympathisch improvisierte Ambiente gibt genügend Raum, um sich zu  treffen, zu reden und um sich zu bewegen.</p>
<p><em>Garantiert spitzenpolitikerfrei.</em> Was ich mir nicht vorstellen könnte, wären in diesem Umfeld deutsche Spitzenpolitiker. Wer die Themen und die zum Großteil  pragmatisch und kontroversen Diskussionen verfolgt hat, kann sich einfach nicht vorstellen, dass einer unserer Spitzenpolitiker mit seinem Begriffs- und Denkwerkzeug in diesem Zusammenhang überhaupt diskursfähig wäre. Es gibt ein echtes Neues Deutschland jenseits der altbackenen Berlin-Kulisse, in der sich die handenden Personen immer noch als Master of D. &#8230;. inszenieren. Und doch maximal kleine Impulse -oder große Schulden- produzieren können.</p>
<p><em>Die Haltung macht den Unterschied.</em> Was macht aus meiner Sicht den maximalen Unterschied zwischen re:publica Besuchern und den normalen Berlin-Akteuren aus? Die völlige Abstinenz von Klagen. Keine materiell interessensgetriebenen Klagen, die Politik  müsste, könnte, dürfte, kein &#8220;früher war alles besser&#8221;, stattdessen Neugier, Fragehaltung und Interesse an dem, was erst entsteht. Es wäre auch mal intessant gewesen, die Einkommenssituation der Anwesenden zu erfragen: Ich bin mir sicher, die Klaglosigkeit und Neugier stehen in diametralen Verhältnis zu den Einkommen der etablierten Eliten. Das Bewußtsein hat also doch wesentliche Auswirkungen auf das Sein.</p>
<p><em>Neue Öffentlichkeiten.</em> Der Reiz der re:publica und seines Publikums liegt auch darin, dass sie sich nicht auf den nationalen Diskursrahmen beschränkt, sondern im Bewußtsein des deutschen Provinzialismus auch die international führenden Menschen, Themen und Trends wahrnimmt. Vor diesem Zusammenhang reflektiert sich die Frage medialer Öffentlichkeiten nochmal neu. Die von Lorenz-Meyer aufgeworfene Frage eines politischen Perlentauchers muss dringend international gedacht werden.</p>
<p><em>Nicht alimentiert, nicht infiziert.</em> Wenn ich die Tage Revue passieren lasse, muss ich an Gabor Steingarts &#8220;Die Machtfrage&#8221; denken. Die These, dass die Parteien die Öffentlichkeiten kolonialisiert haben, findet hier ihre Antithese. Wenn sich Öffentlichkeiten und Szenen trauen, ihr eigenes Ding zu machen, dann geht das schon. Man muss sich nur auf den Weg machen.</p>
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		<title>It&#8217;s the economy, stupid! Was wir aus dem iPad lernen können</title>
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		<pubDate>Wed, 07 Apr 2010 04:46:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Nikolaus</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Manche unter uns glauben, über das Netz würde die Welt neu erfunden. Geld spielt keine Rolle, Beziehungen, &#8220;Friends&#8221; sind die Währung, die gespielt wird. Und soziale Netzwerke, das sind die großen, kostenlosen Wunderwerke der alles mit jedem Vernetzer, und &#8220;ich zeige der Welt mal, was ist heute gemacht habe&#8221;. Es ist alles so schön bunt [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Manche unter uns glauben, über das Netz würde die Welt neu erfunden. Geld spielt keine Rolle, Beziehungen, &#8220;Friends&#8221; sind die Währung, die gespielt wird. Und soziale Netzwerke, das sind die großen, kostenlosen Wunderwerke der alles mit jedem Vernetzer, und &#8220;ich zeige der Welt mal, was ist heute gemacht habe&#8221;. Es ist alles so schön bunt hier. Was auch ok ist. Aber Menschen mit marxistischer Grundbildung (Erst kommt das Fressen, dann die Moral), haben sich schon immer gewundert, warum die Apologeten der Postmoderne glauben, wirtschaftliche Macht, Geld und das alles würde keine Rolle spielen. Dabei wird die Netzökonomie seit der Jahrtausendwende nur von einer Spekulationsblase getrieben, durch die, beispielsweise im Falle Google, es besser ist, jede erdenkliche Geschäftsidee zu fördern anstatt den Aktienkurs verfallen zu lassen. Und Google ist ja nicht kostenlos, sondern die Refinanzierung erfolgt über ein für den Nutzer unsichtbares Geschäftsmodell.</em></p>
<p><em>Warum ich der festen Überzeugung bin, dass das Ende des offenen Netzes gekommen ist. Nach der Lektüre von <a title="Der iPad" href="http://www.sueddeutsche.de/computer/698/507850/text/" target="_blank">Bernd Graffs iPad-Unbehagen im süddeutschen Feuilleton vom 7.4.2010</a>.</em></p>
<p><span id="more-303"></span>
<p>Im aktuellen Rat Race der Netzökonomie sind die Guten die Schurken. Google, das globale Unschuldslamm kümmert sich nur um das Wohl Aller, mit kostenlosen und offenen Internetstandards (mal abgesehen vom eigenen Algorithmus, den man hütet wie die heiligen Gral). Don&#8217;t be evil, dieses Motto, muss gar nicht falsch sein. Und tatsächlich ist es so, dass das Unternehmen wirklich revolutionäre Dinge voran treibt. Und wir alle, die wir technologisch begeisterungsfähig sind, verfolgen gebannt und fasziniert, wie das mit Streetview ist. Weil die meisten von uns das total sexy finden, vor dem Rechner zu sitzen, irgend einen Ort der Welt an zu klicken und zu sehen, wie es dort aussieht. Das ist Innovation. Geld schießt nicht nur Tore, sondern macht auch Wunderdinge möglich.</p>
<p>Eine andere Frage, da bin ich ganz Soziologe, ist es, wie sich die Dinge weiterentwickeln, weil die Lego-Spieler und Google Gründer, in eine Rolle hineingewachsen, die ihre eigene Dynamik hat, vom Größenwahn gepackt werden und das &#8220;Don&#8217;t be evil&#8221; plötzlich nur mehr zynisch verstehen würden. Oder aufgrund von Angriffen Dritter sich zunehmend in ihrer eigenen Wahrheit verbarrikadieren. Und in diesem Falle könnten tatsächlich drei Menschen (neben den beiden noch der Herr Eric Schmidt) den Lauf der Welt entscheidend verändern. Oder: Der Aktienkurs bricht ein. Dann werden plötzlich die Kosten für die Serverfarmen, das Einscannen der Wissens der Welt etc. zu einer Belastung, die nach einem echten Geschäftsmodell rufen. Eines mit &#8220;Return on Investment&#8221;, nicht nur mit &#8220;Wechsel auf die Zukunft&#8221;.</p>
<p>Wohlgemerkt, das sind alles Gedankenspiele. Ich will hier niemandem was anhängen. Was ich aber zeigen will, ist, wie sehr die Debatte über die Entwicklung des Netzes im &#8220;Hier und Jetzt&#8221; geführt wird. Wer hätte vor 10 Jahren gedacht, dass Microsoft auf einmal nur die Nr. 3 im Rat Race ist? Oder daß AOL (wir erinnern uns), 2001 mit Spielgeld erst Time Warner übernommen hat, Kontent sozusagen und dann 2009, also nur acht Jahre später, von Time Warner wieder verkauft wurde. Times, they ar&#8217; achainging! Die Dinge verändern sich eben nicht immer langsam, sondern manchmal sehr radikal.</p>
<p>Google, Ausdruck paradiesischer, also geldloser Zustände im Internet, wird seine Vertreibung aus demselben schon noch erleben. Aber wir, die Netizen, wollten ja auch vorab schon mal darüber diskutieren, wie die Welt, sagen wir 2020 aussieht. Und mit welchen Begrifflichkeiten und Vorstellungen wir diese Welt verstehen und ordnen können.</p>
<p>Open Data, Open Source und Kultur Flatrate sind alles ideologische Modelle, die diese paradiesische Zustände sozusagen als Geburtszustand festhalten wollen. Die Menschen arbeiten, weil es ihnen Spaß macht. Sie haben Freude daran, die Dinge mit anderen zu teilen, Know-how zu sharen, weil daraus Neues entsteht. Und sie kümmern sich in diesem Falle nicht darum, womit sie Geld verdienen. Weil sie beispielsweise in ihrem Hauptberuf bei einem der schrecklichen Großunternehmen arbeiten. Oder an Universitäten. Oder sonst wo. Oder weil es, ganz amerikanisch, Spaß macht, erst lange von einer kostenlos-Kultur zu reden, um irgendwann, einmal im Leben, einen echten Deal zu landen, das Geschäft des Lebens zu machen. Und dann tatsächlich nie mehr im Leben arbeiten zu müssen. Das amerikanische Modell von Innovationsförderung, das wir Deutschen, sorry, halt einfach noch nicht begriffen haben, weil bei uns diese Aggregatsveränderungen (Paradiesmodell, Exitstrategie) niemals mitgedacht werden. Und weil es deshalb auch in Deutschland nur wenige Enterpreneure gibt.</p>
<p>Noch ein Wort zu dem vor allem von Grünen geliebten Modell der Kulturflatrate. Ich finde es lobenswert, dass man zu dem Thema ein Gutachten macht. Dass man diese Idee ins Gespräch bringt. Denn das Neue muss in die Welt. Bedenklicher finde ich, wie unreflektiert die Kulturflatrate immer wieder auf Rattenfang geht. Das klingt so schön. Man zahlt einmal. Und dann ist alles für Umme. Aber wir als refektierte Modernisierer wissen doch längst, dass alles was kostet. Und so ist es für uns kein Problem, auch bis zu dem Punkt zu denken, an dem es darum geht, wie die Kulturflatrategelder wieder ausgegeben werden. Und da kommen dann in der irdischen Welt so Dinge wie GEMA ins Gespräch. Hat sich schon einmal ein Mensch Gedanken darüber gemacht, wie das ist, wenn eine Bürokratie ein Bezahlmodell für alle entwickeln will? Oder gar die Politik? Wollen wir das wirklich. Oder soll man da noch das Wort Kopfpauschale und Gesundheitsfonds in die Runde werfen, um die paradiesischen Traumwelten mal etwas zu erden. Die Einführung einer Kultur- oder Musikflatetrate für alle auf Zwangscharakter würde, ganz wie der Gesundheitsfonds, ein Modell etablieren, in der über Funktionäre, kaum kontrollierte Dritte und ähnliche marktferne Teilnehmer, die ihre Entscheidungen nach ganz anderen kurzfristigen Interessen treffen, über die Bezahlung unserer gesamten Kulturwelt entscheiden würden.</p>
<p>Wollen wir das? Nein!</p>
<p>Das Internet ist dabei, die paradiesische Phase der Unschuld zu verlieren. Adam und Eva und auch die beiden Google Gründer Sergey Brin und Larry Page sind dabei, aus diesem Paradies vertrieben zu werden. Dabei dürfte ziemlich egal sein, wodurch diese Vertreibung stattfinden wird. Es hängen zu viele Äpfel am Baum, die dort verlockend winken.</p>
<p>Draußen warten schon ganz andere. Steve Jobs zum Beispiel, der den Zustand paradiesischer Gemeinwohlorientierung schon längst hinter sich gelassen hat. Was, das soll noch hinzu gefügt werden, nicht bedeutet, schon deshalb ein Schurke zu sein. Die Vertreibung aus dem Paradies, soviel scheint klar, führt allerdings dazu, dass wir beim Urteilen über Taten, Vorzüge und Nachteile abzuwägen haben. Was im Falle Apple bedeutet: Über Geräte zu reden, die offensichtlich für viele Menschen (ich gehöre derzeit nicht dazu), kurzfristige Zustände des Glücks auslösen. Zustände übrigens, die, anders als bei anderen Kaufakten in der Erlebnisgesellschaft (Gerhard Schulze), nicht von einem übermäßigen Enttäuschungsefühl nach dem Kauf begleitet sind, wenn ich das richtig beurteilen kann.</p>
<p>Steve Jobs und Apple sind in mancher Hinsicht das komplette Gegenteil von Google. Denn, wo bei Google draufsteht, nimm mich, kost&#8217; nix, müssen wir bei Apple immer erhebliche Summen berappen, die das Geschäftsmodell der 1995 fast pleite gegangenen Firma nur zu schmerzhaft spüren lassen. Jede neue Idee, die von Apple auf den Markt gebracht wird, wird von seinen Fans mit harter Währung bezahlt. Und den Innovationszuschlag müssen die First Mover auch gleich mit finanzieren.</p>
<p>Steve Jobs und Apple (beim Blick in die Zukunft, wie eigentlich ein Apple nach Jobs aussieht, wird mir schon ganz anders) wiederum können wir als Retter der Welt, wie wir sie kennen, betrachten. Denn neben der Sexyness, die den Produkten zugestanden wird, freuen sich auch schon ganz andere über seinen Erfolg. Und manche übrigens freuen sich nur mit einem Teil ihrer selbst.</p>
<p>Zum Beispiel die Content-Industrie. Allem Open-Data-Gerede und Gutmenschentum zum Trotz ist nämlich Steve Jobs derjenige, der die &#8220;Alles für umme&#8221;-Philosophie der Internet-Päpste mit größter Konsequenz zu Grabe getragen hat. Weil er begriffen hat, dass neben den Netzneards und den virutell-Bastlern auch noch ein erheblich größerer Teil von Menschen existiert, die das Internet einfach nutzen wollen. Denn schließlich küssen selbst ADAC-Funktionäre die Autobahnen, denen sie sich mit größtem Enthusiasmus verschrieben haben, auch nicht jedes Mal, wenn sie sie nutzen wollen. Sie tun es einfach. Und so wird über den iStore eingekauft, Apps installiert, die Apple mit imperialistischen Preisdiktaten durchgesetzt hat, usw. usw. Und das alles zu den Bedingungen des Netzimperialisten Steve Jobs.</p>
<p>Der Frage der Nutzerunschuld nähern wir uns trotzdem wieder. Ist es nicht so, dass sich die Apple User trotzdem als die besseren Menschen fühlen? Dass das Underdog-Feeling aus längst vergangenen Zeiten gemeinsam mit dem wirklich überzeugenden Design, was längst dazu geführt hat, dass Männer nicht mehr über ihre Autos reden (Mein Haus, mein Auto, mein Boot), sondern die neuesten Apps vorführen, was, schon unter ökologischen Gesichtspunkten ein echter Fortschritt ist. So erkennen wir, dass der Wunsch nach paradiesischer Unschuld, der in jedem Menschen weiter existiert, auch durchaus irdische Verbindungen eingehen kann. Schuldig in der Unschuld. Oder unschuldig in der Schuld.</p>
<p>Worauf ich hinweisen will: In der momentanen Debatte über die Zukunft des Netzes reden Unschuldslämmer wie Markus Beckedahl gerne von Netzneutralität, featuren Open-Source und Open-Data. Und das ist auch gut so, weil neue Ideen eine Debatte immer befruchten. Nur sollten wir die neuen Ideen immer wieder mal auf die realen Zustände beziehen. Und ein bißchen kommt es mir dabei so vor, als wenn gerade die deutschen Debattenteilnehmer, quasi vom Tribünenplatz aus darüber reden, wie schön das Spiel ist, das dort unten auf dem Platz getrieben wird. Welche guten Ideen sie hätten, um dieses Spiel noch viel besser zu machen. Und über diese Zuschauerideen reden sie. Ohne tatsächlich mit den Machern zu reden. Und darin liegt das Problem. Alle paradiesischen Zuschauerbertrachtungen aus der deutschen Netz-Community leiden im Sinne des Deutschen Idealismus daran, dass sie auf der Ebene der Ideen verhaftet bleiben. Und dass es erst einen Marx braucht, der dieses Ideen vom Kopf auf die Beine stellt. Und der, Grüß Gott, Globalisierung, auch darüber redet, wie, wenn die Welt auf die Beine gekommen ist, der Deutsche Teil der Welt seinen Wertschöpfungsanteil daran abbekommt.</p>
<p>Meine These: Es gibt keine Unschuld außerhalb des Paradieses. Und wenn, was meine zweite These ist, die Vertreibung aus dem Paradies nun einfach ansteht und die Frage steht, wer in einer künftigen Netzökonomie denn wo und wann sein Geld damit verdient. Und wie die treibenden Kräfte, Entwickler, Journalisten, damit ihren Lebensunterhalt bestreiten können. Und wer in Deutschland, Europa und der Welt dieser Entwicklung technisch oder faktisch eigentlich eine Regelung verpassen kann, dann ist jetzt der Zeitpunkt gekommen, die neuen Ideen von Open alles und Kostenlos mit der Alten Welt der Wertschöpfungsmodelle in Verbindung zu bringen und darüber zu debattieren, wie viel Abschottung und proprietäre Technik man zulässt, damit auch wieder Geld zurück kommt, wie viel Verlust von offenen Standard man akzeptiert, um nicht ein heimliches Google-Monopol zu etablieren, etc etc.</p>
<p>Web 3.0 wird auch eine Phase der Ernüchterung sein. Denn wenn Nutzer tatsächlich nicht wollen, dass ihre Daten von Facebook sozusagen pauschalisiert und hinter ihrem Rücken verhöckert werden, werden sie klären müssen, wie viel Geld sie bereit sind zu zahlen. Für die Politik in globalisierten Zeiten bedeutet das, Allianzen mit der Ökonomie ein zu gehen. Denn wenn es globale Regulierungen nicht gibt (und die Amerikaner werden einen Teufel tun, hier irgend etwas zu regeln, weil sie nach dem Grundsatz &#8220;Wem nutzt es&#8221;, die Frage bereits beantwortet haben), kann es politisch nur darum gehen, durch Koalitionen Geländegewinne zu erreichen. Das ist schnöde. Und in diesem Spiel kommt dann der Dritte ins Spiel, Microsoft. Wie unsexy. Microsoft, das klingt nach einem Geschäftsmodell (wenngleich Bill Gates als Person sozusagen den umgekehrten Weg geht und über seine Stiftungen, die ernsthaft arbeiten, fast ein bißchen auf dem Weg in das Paradies zurück geht). Diese Firma mit einem digitalen Gemischtwarenladen (Software, Spieleplattform, Handyplattform, alles Märkte in einer hochkompetitiven Phase und alles Märkte, die ihre Impulse von außen, durch neue Trends erhalten) ist, wenn man es unemotional betrachtet, das Unternehmen, dem man inzwischen am meisten &#8220;Trust&#8221; entgegenbringen könnte. Weil es jenseits aller Glorifizierung arbeitet. Weil es die exorbitanten Extragewinne durch früherer Monopolstellungen (Office) reduziert hat, weil es gelernt hat, als Unternehmen auch Verantwortung zu übernehmen und dialogbereit zu sein. Weil es in dem Kampf der Giganten, das Unternehmen ist, das eindeutig auf Partnerschaften mit anderen Unternehmen, aber auch mit der Zivilgesellschaft und der Politik angewiesen ist.</p>
<p>So ist Politik in der Web 3.0 Gesellschaft für Deutschland weiteres Stück Angelsachsifizierung des politischen Modells. Es geht nicht mehr darum, eine Netzökonomie in einen Rahmen politischen Handelns einzupassen, sondern es geht, ganz Wilder Westen, darum, die Dynamik der Netzökonomie überhaupt an einigen Punkten in eine Richtung zu bringen. Das sind die Debatten, die in den nächsten Jahren anstehen und es werden spannende Debatten sein. Weil so viel neues in der Welt ist. Weil wir, die Aufgeklärteren, die Faszination des Neuen spüren. Und das nicht nur beim iPhone, dem iPad, sondern ganz unsichtbar in unserem Alltag. Weil in den neuen Entwicklungen ein Riesen-Potential für unsere Gesellschaft stecken könnte (wenn wir Deutschen nicht immer nur über Datenschutz und Privacy reden. Und dann persönlich doch alles machen, was wir nicht sollten). Und weil das schön sein könnte, dieses Potential zu heben. Auch und gerade, wenn damit Geschäftsmodelle aus und in Deutschland damit verbunden sind.</p>
<p>In diesem Sinne kommt auch die Enquetekommission des Deutschen Bundestags zur rechten Zeit. Wir messen sie nicht an den Ergebnissen, sondern an den Debatten. Der Weg ist das Ziel. Und die entscheidende Frage wird sein, ob eine Enquetekommission die Richtung des Wegs in den nächsten Jahren nachhaltig beeinflussen kann.</p>
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		<title>Take your way, old germany</title>
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		<pubDate>Mon, 29 Mar 2010 02:46:39 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Nikolaus</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Eine eigentümliche Woche (Der Beitrag wurde in der 11.KW begonnen). Die Telekom macht Bilanzpressekonferenz und redet über die Frauenquote. Die Regierung dilettiert weiterhin rum und verschenkt kostbare Zeit. Das Managermagazin kommt mit dem Titel &#8220;Im Griff der Giganten&#8221; auf den Markt, zudem einer Story über Bertelsmann und die Frage, wie es mit der europäischen Währungsunion [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Eine eigentümliche Woche (Der Beitrag wurde in der 11.KW begonnen). Die Telekom macht Bilanzpressekonferenz und redet über die Frauenquote. Die Regierung dilettiert weiterhin rum und verschenkt kostbare Zeit. Das Managermagazin kommt mit dem Titel &#8220;Im Griff der Giganten&#8221; auf den Markt, zudem einer Story über Bertelsmann und die Frage, wie es mit der europäischen Währungsunion weiter geht. Ach ja, und dann noch die französische Wirtschaftsministerin, die Deutschland auffordert, die Verschuldung auch so exzessiv hoch zutreiben wie alle anderen Länder, Gleichstand im Untergang herzustellen.</em></p>
<p><em>Measuring the battlefield.</em></p>
<p><span id="more-296"></span>
<p>Es hängt dann doch alles zusammen. Was treibt die Welt? Der Digital Highway wird zum Digital Bildtafel. Das Managermagazin schreibt zwar nichts wirklich Neues, aber fasst das ganze Kampfgeschehen ganz übersichtlich zusammen. Google, Apple und Microsoft. Das war&#8217;s dann gewesen. Die Produkte, die auf dem Digital Highway befördert werden, Cattenon und Cattenon Provider, aber auch die Aufenthaltspreise, also die Telekom, können dabei ganz schön ins Schwitzen kommen. Die Rede ist davon, dass die drei Giganten dieser Welt um die Zukunft derselben zocken. Eine kleine Graphik zeigt, welche Einbrüche dabei zu erwarten sind: Umsatzverluste der deutschen Wirtschaft: 20% bei Telekommunikation und Musik, 15% bei Customer Electronics und Filmen, 10% bei Hardware und bei Telekommunikation-Equipment, 5% bei Software, Fernsehsendern und Videogames. Adieu, Exportstärke. Denn auch bei den Autos sieht es ja auch nicht so aus, als ob mehr davon produziert werden würde. What&#8217;s the way out?</p>
<p><strong>Der Kampf der Giganten ist ein Kampf um alles oder nichts.</strong></p>
<p><em>Top of the Pop. Google</em> , mit (2009) einem Umsatzes von 9% mit inzwischen 23,7 Mrd $ Umsatz, einer Umsatzrendite von 28% und Cash Reserven von 24,5 Mrd. $ ist ein getrieben er Treiber. Denn Fakt ist: Alles Geld, das der Konzern nicht verbrennt, verbrennt sowieso. Sobald sich an der Börse der Ruf breit machen würde, dass Google die Invokationskraft verliert, geht nach unten mit dem Börsenwert. Da kann man das Geld schon besser selber ausgeben, neue Märkte (mobile, lokal, up) aufs Korn nehmen und potentiellen Konkurrenten die finanziellen Ressourcen entziehen, bevor man sie frontal angeht. Und das sollten sich alle Internet User auf die Fahnen schreiben: Alle, die der Konstrukteurs das Wort reden, sind, ob sie wollen oder nicht, erst mal nützliche Idioten der Weltmacht Google, die sich mit den Werbeeinnahmen im Rücken und dem &#8220;don&#8217;t be evil&#8221; an der Brust durch fremde Märkte pflügt. Schöpferische Zerstörung muss sein, aber selten ist schöpferische Zerstörung so mit dem Aufstieg eines Unternehmens verbunden gewesen wie die Digitalisierung mit der Dominanz von Google. Soweit die nüchterne Bestandsaufnahme.</p>
<p>Es geht dabei nicht um die Frage eines Google-Bashings. Sondern es geht darum, wie sich eine ganze Weltwirtschaft durch den Erfolg eines Unternehmens, eines einzigartigen Geschäftsmodells, das die Bugwelle seines Ertrags dazu nutzt, sich mit einem hervorragenden Marktgespür in neue Märkte hineinzugraben und dort alle Geschäftsmodelle umzupflügen, existenziell in Frage gestellt fühlt. Und es auch ist.</p>
<p><em>Es gibt ein Leben nach dem Tod: Apple.</em>Aufgrund einer ganz außergewöhnlichen persönlichen Leistung von Steve Jobs hat sich Dauerlooser <em>Apple</em> (in Schönheit sterben) inzwischen zu dem Hauptherausforderer Google entwickelt. Ich erinnere mich noch gut, etwas rat- und fassungslos vor dem ersten iPod gestanden zu haben und diese kleine Musikabspiel-Etwas fassungslos angestarrt zu haben. Wer hätte damals gedacht, dass sich dieses kleine Consumer-Gadget schon bald zu einem Marken-Booster für Apple entwickeln würde, dass es dem zwischenzeitlich todkranken Jobs gelingen würde, mit höchstpreisigen, zuweilen auch qualitativ fragwürdiger Produkten mit Top-Design, eigener Benutzerlogik und einem Image, das mit seiner angeblichen Nutzerfreundlichkeit zum Door-Opener wurde, den gesamten Electronics-Markt (und was ist heute nicht electronics) aufmischen würde. Dem iPod folgten iPhone und iPad. Die technologische Plattform mit Software-Abriegelung wurde zur Content-Maschine. Inzwischen werden 20% aller Musikumsätze von Apple über iTunes getätigt. Und es zeichnet sich ab, dass die Apple Station zur universellen <em>personal media plattform</em> mutiert. Chapeau! Oder: Ich bin doch nicht blöd. Aber diesen Digital Marathon hätte ich jedenfalls dem Unternehmen nicht zugetraut.</p>
<p><em>Der Monopolist von gestern ist der getrieben von heute. Microsoft.</em>Steve Ballmer jedenfalls hat nichts zu lachen. Unversehens ist <em>Microsoft</em>, vor wenigen Jahren noch der unbestrittene Monopolist und Platzhirsch, zum Gejagten geworden. Plötzlich erwachsen dem Quasi-Monopolisten für Betriebssysteme und Office-Software und Computernutzung echte Konkurrenten. Chrome und Android werden Open Source auf den Markt gekippt, auch Microsoft muss eine Cash-Maschine Office kostenlos auf den Markt schieben. Und noch ist der Erfolg der Internet-Strategie (Bing plus Facebook) nicht abzuschätzen. Gelingt der Roll-Back, der Bing Nutzer bringt und Google indirekt Zahler (via Werbeclicks) entzieht? Kommt der Erfolg früh genug, um Google an seiner Achillesferse Ertragsmodell zu treffen. Und damit die &#8220;alles umsonst, alles geil, alles wahnsinnig spannend und visionär&#8221;-Story, die wahr ist, zu killen und Entschleunigung auf den Digital Highway zu bringen? We don&#8217;t know that.</p>
<p><strong>Warum es in der Digital Biosphere so babylonisch zu geht.</strong></p>
<p>Die drei Hauptkompatanten sind also bekannt. Aber sie agieren nicht alleine, sondern sind eingebettet in eine Digital Biosphere. Wir finden vor: Digitale Schwärmer, die nächtelang kostenlos programmieren und ihre Leistungen umsonst zur Verfügung stellen. Neidhammel und Größenwahnsinnige, die aufgrund spekulativer Marktstrategien und einer Sehnsucht nach dem totalen Cyberkrieg über Jahrzehnte eine free for all Office-Software finanziert haben. Und trotzdem nur zusehen. Contentprovider, insbesondere Verlagshäuser, Zeitungs- und Zeitschriftenverlage, die von einem Deseaster zum anderen stolpern und sich noch vor dem Marktcrash befinden, die die Musikindustrie schon längst hinter sich hat.</p>
<p>Ach ja, und dann tummeln sich darin auch noch Politiker im verzweifelten Versuch, in der Digital Biosphere Ordnung der herkömmlichen Art zu schaffen. Weil sie die alte Welt halt kennen. Dabei wollen sie die zentrale Frage trotzdem ausblenden: Was lässt sich überhaupt mit welchen Mechanismen regulieren. Die klassischen Instrumente nationaler Politik, Verbote und Gesetze, greifen jedenfalls nicht. Was fehlt, ist eine offene und unverstellte Diskussion über die Zukunft des Cyberspace. Und wer mit Unterstützung von wem Regeln aufstellen kann. Wie verbindlich sie sein müssen, wer dabei mit ziehen muss.</p>
<p><em>Alles zur größeren Freunde seiner Nutzer.</em> Der Digital Cyberspace, das &#8220;Second life&#8221; ist für viele junge Menschen längst zur ersten Welt geworden. Der Weg ist das Ziel, das muss auch die Deutsche Telekom, die noch immer in Transport-Dimensionen denkt, erkennen. Man ist nichts, wenn man nicht in den sekundären Welten seine Identität entwickelt hat. Und so sind die digitalen Kunstwelten in den entwickelten westlichen Industriekulturen längst zur primären Flaniermeile geworden. Reale Orte, das weiß man spätestens, wenn man in Berlin, New York oder Peking mit iPod/Phone lauschenden Musikzombis, Blackberrystarrenden White-Collar-Worker und ihren leeren Gesichtern die städtischen Untergründe durchquert, haben das secound life zum first choice in ihrer Selbstdarstellung und -wahrnehmung gemacht. Der Ort, an dem man seine Lebensmittel einkauft, ist nicht länger der Ort, an dem man wirklich lebt.</p>
<p>Wir sehen, bei der großen Transformation gibt es ein Dreier-Oligopol, aber Spielregeln und Entwicklungsdynamik sollten wir nicht unterbewerten. Auch wenn man sich zuweilen wie ein Pilotfisch im Maul eines Haifischs fühlt. Man hat zwar seine Nische gefunden. Aber man weiß doch nie so genau, wann das Maul zuklappt und der ganze Nahrungszauber ein bitteres Ende findet.</p>
<p><strong>Womit wir wieder beim Thema wären: Take your Route, good old germany!</strong></p>
<p>Wie kann sich Deutschland in diesem globalen Spiel, das von Playern in den USA voran getrieben wird, seine Rolle finden. Und welche Rolle können dabei Politik, Unternehmen, Verbände und jeder Einzelne spielen?</p>
<p>Einige Thesen zum Abschluss:</p>
<p>1) Nüchtern Bestand aufnehmen. Ein paar Schlagworte dazu: Wir leben in einer Zeit massiver Veränderungen. Die weder auf europäischer Ebene, noch gar auf nationaler Ebene in einen geordneten Rahmen gebracht werden können. Das Scheitern politischer Großprojekte, wie der Lissabon-Strategie, mit der EU innerhalb von zehn Jahren, also bis 2010, zum wettbewerbsfähigsten und dynamischsten wissensgestützten Wirtschaftsraum der Welt hätte werden sollen, zeigt eines: Politische Initiativen sind zum Scheitern verurteilt, wenn sie sich nicht auf klar definierte Projekte konzentrieren und statt dessen politischen Allmachtsphantasien huldigt.</p>
<p>2) Die Rolle der Politik neu bestimmen. Was kann Politiik wirklich? Wer die Idee der schöpferischen Zerstörung tatsächlich begriffen hat, weiß die Wünsche nach geordneter Innovation ins politische Märchenbuch zu verbannen. Also bleibt die Frage, wie die Richtung der Veränderungen wenigstens punktuell verändert werden kann.</p>
<p>3) Die Träume der Digital Natives von Anfang an integieren. Die GNU General Public License-Bewegung, Die Creative Commons- oder Public Domain-Ideen sind, behaupte ich, nicht die Lösung aller Probleme. Aber sie thematisieren die Chancen neuer Collaboration und bilden somit den Gegenpart zur Lobby der Interessenswahrer bestehender Geschäftsmodelle. Je früher die Diskussion über Privat- und Allgemeininteresse im Spannungsfeld der digitalen Epoche zukunftsorientiert beginnt, desto schneller können sich tragfähige Geschäftsmodelle für die Zukunft bilden.</p>
<p>4) Den Digital Lifestyle begreifen. Ob der Kaiser Kleider anhat oder ob er nackt ist, entscheidet sich im digitalen Leben. Mit den alten Mustern von Privacy, Schutzrechten und Wahrung der Privatsphäre lassen sich zwar hervorragend Abwehrkämpfe führen, aber kein Neuland entdecken. Der Paradigmenwechsel wird unser, dh. das Leben der Zwischengenerationen, massiv verändern. Die ins digitale Zeitalter hineinwachsenden Generationen sehen diese Veränderungen weniger spektakulär. Wir sollten die Debatte rund um alte Werte und neue Lebensweisen intelligent und mit Neugier führen. Sonst besteht die Gefahr, lediglich neuen Wein in alte Schläuche zu pressen.</p>
<p>5) Soziale Sicherheiten endlich auf die Epoche globaler Unsicherheiten einstellen. Die gesamte Sozialstaatsdebatte wird aus dem Blickwinkel von Kernbelegschaften, Pensiönären, Bestandssicherern und den Denkmustern des öffentlichen Sektors geführt. Dabei stellt sich längst die Frage, wie die vielfach Prekären, oftmals Pioniere, in das Denken der Politik und der etablierten Sozialstaatsdiskussion Eingang finden.</p>
<p>6) Deutschlands Schwächen verstehen. Aber auch seine Stärken erkennen. Deutschland, und auch Europa, wird nicht das Land der disruptiven Innovation werden. Die Pioniere digitaler Technologie sitzen in den USA. Aber die digitalen Technologien schaffen eine unendliche Zahl digitaler Werkzeuge, die mit deutscher Gründlichkeit entdeckt, erforscht und eingesetzt werden kann. Dir derzeit anschellende Debatte um den Niedriglohnstandort Deutschland ist berechtigt, weil sie eine innere Schieflage anspricht. Sie ist aber falsch, wenn damit assoziiert wird, dass Deutschland aufgrund seines Niedriglöhne (tatsächlich sind es nur nierige Wachstumraten) zur führenden Exportnation geworden ist. Qualität, Gründlichkeit und Zuverlässigkeit sind gerade im Investitionsbereich starke Pfunde, auf die auch das digitale Deutschland setzen kann. Meine These: Wenn es gelingt, die Masterplan-Ideologie durch eine &#8220;Urgent Action&#8221; Debatte zu ersetzen, die sich darauf konzentriert, die Entwicklungsperspektive zu identifizieren, eigenen Schwächen zu identifizieren, darüber zu reden, welche Grundregeln bei der Entdeckung und Aufteilung der neuen digitalen Welt durchsetzbar sind, jedem Einzelnen von uns die Freiheit zu lassen, die digitale Landnahme im eigenen Interesse voran zu treiben und aus dieser Perspektive Regeln der Fairness zu entwickeln, sind wir auf einem guten Kurs.</p>
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		<title>An die Deutschen Verleger. Fakten. Fakten. Fakten.</title>
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		<pubDate>Sat, 27 Mar 2010 07:41:24 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Nikolaus</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Die deutschen Verleger haben es nicht leicht. Zugegeben. Aber wenn sie jetzt mit der Forderung nach einem Leistungsschutzrecht durch die Lande ziehen, machen sie es sich -und uns, den Lesern- nicht einfacher. Weil sie ihre Hausaufgaben nicht gemacht haben. Ein kleiner Blick über den Teich. Mit freundlicher Unterstützung der Süddeutschen Zeitung vom 27.3.2010. Das &#8220;Projekt [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Die deutschen Verleger haben es nicht leicht. Zugegeben. Aber wenn sie jetzt mit der Forderung nach einem Leistungsschutzrecht durch die Lande ziehen, machen sie es sich -und uns, den Lesern- nicht einfacher. Weil sie ihre Hausaufgaben nicht gemacht haben. Ein kleiner Blick über den Teich. Mit freundlicher</em> <a title="SZ zu Medienreport" href="http://www.sueddeutsche.de/sz/2010-03-27//medien/artikel/HMG-2010-03-27-023-YUoKXdELdZuhd4NnMmdP_g/" target="_blank"><em>Unterstützung der Süddeutschen Zeitung vom 27.3.2010</em></a><em>.</em></p>
<p><span id="more-292"></span>
<p>Das &#8220;Projekt for Excellence in Journalism&#8221; (PEJ) beim Pew Center in Washington legt jährlich einen <a title="Bericht US-Medien" href="http://www.stateofthemedia.org/2010/" target="_blank">Bericht über die Entwicklung des Qualitätsjournalismus in den USA </a> vor, der für deutsche Verleger schon deshalb interessant sein dürfte, weil die amerikanischen Medien dem Untergang einfach näher sind. Die Fakten: Meinung geht vor Wissen. Und das Restwissen kommt aus den traditionellen Medien. Und elektronische Medien, also Fernsehen, legt dann zu, wenn widerlichster Meinungsjournalismus betrieben wird, soweit der Report, den ich mit Verweis auf Nikolaus Pipers Beitrag interpretiere.</p>
<p>Was das für deutsche Verleger heißt, weiss ich noch nicht. Aber ich vermisse eine öffentliche Debatte darüber. Eine Debatte, die die Zeitungsleser mit einbezieht. Eine Debatte, die dem Paradigma politischer Öffentlichkeit entspricht, wie sie Habermas beschrieben hat. Eine Debatte, die nicht beim Leistungsschutzrecht aufhört, weil man sich an der Leiche traditionelle Medien noch seinen Anteil sichern will. Aber die nicht berücksichtigt, dass Journalisten zwar Geld kosten, aber halt ohne Journalisten auch keine Zeitung zu machen ist. Außer, man klaut, wie im Internet, alle Beiträge zusammen und bringt das dann in Printform.</p>
<p>So ist -aus meiner Sicht- zu beobachten, dass die Journalisten, mit wenigen Ausnahmen, nur nach dem Zitronenprinzip betrachtet werden. Löhne absenken, outsourcen, Erfahrene raus und harmlose Jungschreiber zu Billiggehälter reinsetzen. Bringt Kostenvorteil, aber Qualitätsverlust, weshalb der Leser denkt, kann ich doch gleich auf &#8220;Umme&#8221; umsteigen.</p>
<p>Manchmal springt man halt zu kurz, wenn man nur an die eigenen Interessen denkt. Und deshalb ist es eine fatale Fehleinschätzung der Medien, wenn sie glauben, sie könnten den Kampf um die Erhaltung ihres Geschäftsmodells alleine, ohne Mobilisierung ihrer Leser und ohne Unterstützung ihrer Journalisten führen. Wie es derzeit der Fall ist.</p>
<p>Vielleicht wäre es einmal ganz originell und lebensrettend, mal andere Wege zu diskutieren und zu thematisieren. Zum Beispiel die Etablierung von Qualitätsjournalismus im Netz. Das geht so: Ein Zeitungsverlag, der an Qualität interessiert ist, forciert Modelle des Micropayments, indem er Modelle journalistischer Qualitätsplattformen im Internet etablieren hilft. Gemeinsam mit freien Journalisten zum Beispiel. Da wird dann mal gelernt, dass Recherchen auch Geld kosten, da wird dann auch gelernt, dass Fakten! Fakten! Fakten! Geld kostet. Und dass Menschen bereit sind, für journalistische &#8220;Marken&#8221; Geld zu bezahlen.</p>
<p>Gelingen kann das Ganze nur, wenn es belastbare Partnerschaften zwischen Verlegern und Journalisten gibt. Denn die Journalisten, das hat aus das Politcamp am 19./20.3. in Berlin gezeigt, jammern gerne, aber haben, wie viele Netizen, nicht vertstanden, dass Interessen durchsetzen mit Kompromißbildung, Stetigkeit und Hartnäckigkeit zu tun hat. Was nicht immer eine journalistische Tugend ist.</p>
<p>Lessons learned? Die Zukunft wird es zeigen. Und wenn wir in der jetzigen Debatte intelligent die amerikanischen Erfahrungen nutzen können, who knows? Zukunft ist gestaltbar.</p>
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		<title>Vielleicht doch ein Mißverständnis. Nachtgedanken nach dem Politcamp 2010.</title>
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		<pubDate>Sat, 20 Mar 2010 23:07:05 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Nikolaus</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Der Hype ist vorbei. Das steht nach dem ersten Tag des diesjährigen Politcamps jedenfalls fest. Die 900 Teilnehmer, die die Organisatoren feiern, twittern vielleicht Meldungen wie &#8220;weiß nicht, ob gut oder schlecht, dass ich nicht da bin&#8221;, da waren definitiv weniger. Und irgendwie muss sich die Szene neu sortieren. Wie nach dem Hype in Höhenluft [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Der Hype ist vorbei. Das steht nach dem ersten Tag des diesjährigen Politcamps jedenfalls fest. Die 900 Teilnehmer, die die Organisatoren feiern, twittern vielleicht Meldungen wie &#8220;weiß nicht, ob gut oder schlecht, dass ich nicht da bin&#8221;, da waren definitiv weniger. Und irgendwie muss sich die Szene neu sortieren. Wie nach dem Hype in Höhenluft das Tal der Tränen aussieht, davon konnte man sich am ersten Tag einen guten Eindruck machen.</em></p>
<p><span id="more-284"></span>
<p>Damit&#8217;s keiner missversteht. Internet ist super, web 2.0 ist super, wenn man neue Kommunikationswege herstellen kann, ist es super. Man muss halt nur wissen, warum und wozu.</p>
<p>Womit wir mitten im Thema wären. Die Internetszene ist, jedenfalls in dem Ausschnitt, in dem sich sich auf dem Politcamp 2010 präsentiert hat, echt out. Zum Beispiel die Eröffnungsdiskussion mit dem Top Politikern. Thema? Fehlanzeige. Moderation? Nur dem Namen nach. Ist es wirklich den Politikern vorzuwerfen, wenn sie ihre Bälle vereinzelt in die Luft werfen, nicht ungeschickt, aber doch mit dem verständlichen Wunsch, beim Publikum Gefallen zu finden. Das war doch durchwegs nicht schlecht gemacht, selbst von der Ministerin Schröder, bei der man sich nebenher fragt, ob sie eigentlich die Dreißig wirklich schon überschritten hat. Diskussion war das keine, aber das hing vor allem damit zusammen, dass es kein Thema gab und kein Engagement, wirklich mal was aus den anwesenden Personen herauskitzeln zu wollen. Dahinter twitterte es ununterbrochen. Und wärend man vergangenes Jahr noch interessiert lesen wollte, was wohl der Sinn von all dem Twittern ist, bin ich mir heute ganz sicher: Es ist vielleicht das Dampf ablassen, die massenmediale Umformung des Zwischenrufes, das ist ja ganz ok. Aber wer glaubt, dass daraus alleine schon eine neue Qualität von Politik erwächst, hat sich gewaltig vertan. Und so endete nicht nur die Eröffnungsdiskussion -für mich- mit einer gewissen Ernüchterung darüber.</p>
<p>Oder auch das Thema ePartizipation. Petitionen sind ok. Online-Petitionen sind ok, aber wenn einer der Vortragenden dann anführt, man müsste die Sachverhalte besser darstellen und erklären, und das trotz online-Angeboten von wirklich zahlreichen Medien, Online-Medien, dem öffenltlich-rechtlichen und anderen Akteuren, dann stellt sich schon die Frage, ob hier eine Szene, die von sich behauptet, politisch zu sein,wirklich etwas von Politik verstanden hat. Politik bleiibt nämlich doch das Bohren dicker Bretter, auch wenn man die Anleitungen inzwischen online herunter laden kann. Was bedeuten soll, dass Politik auch gemacht und durchgesetzt sein will. Und dass manche der Webaktivisten der feinen Meinung sind, sie müssten Politik nur irgendwie in den virtuellen Himmel hängen und schon würden sich Interessensgegensätze einfach in Luft auflösen. Nein, Jungs und Mädels, so einfach ist das nicht. Denn es sind nicht nur die bösen Lobbyisten und die dummen Politiker, denen die witzigen und flippigen Twitterer mal den Marsch blasen müssten. Es bleibt das Kernproblem nachlassender politischer Aktivierung, dass Politikmachen gelernt sein muss. Was heißt, um Argumente zu werben, die eigene Sicht der Dinge in eine gemeinsame Perspektive zu stellen, um einen Schritt weiter zu kommen, individuelle Sichtweisen zu kollektiven Ansichten zu machen. Und damit erst politikfähig zu werden.</p>
<p>Was heißt: Web 2.0 macht Dialoge einfacher. Ja. Und es ist auch gut, die Macht der Parteien zu reduzieren. Aber das wird nur dann zu einer besseren Politik führen, wenn es gelingt, aus berechtigten &#8220;So nicht&#8221;-Wortmeldungen &#8220;Ich zeige euch, dass es besser geht&#8221;-Aktive zu machen. Da kann online helfen, aber nur, wenn die Menschen lernen, sich einzumischen. Und, meine These ist ganz unsexy, da finde ich jeden Elternbeitrat in der Schule, der es schafft, eine ernsthafte Diskussion über Drogenmißbrauch von Jugendlichen zu führen und damit auch die anwesenden Kinder und Eltern zu sprechen und sie in ihrem eigenen Verhalten und ihrer Verantwortung anzusprechen, wesentlich politischer als 5000 Twitterwände, in denen die immergleichen, oberschlauen Politikerbashingsprüche virtuell an die Wand genagelt werden.</p>
<p>Politik trifft Web 2.O. Schön, dass wir geredet haben. Und schade, dass wir nichts verstanden haben. Aber das kann ja noch anders werden. Wenn die Selbstreferentialität der Web2.0 Gemeinde endlich mal ein Ende findet.</p>
<p>P.S. Die beste Diskussion war übrigens die Nachbereitung der Parteien zum Online-Wahlkampf. Super Moderation, mit Ausnahme der FDP, die ja sowieso auch hier alles schon immer früher und besser gemacht hat als alle anderen, große Offenheit, die eigenen Fehler zu reflektieren. Dank deshalb an alle Teilnehmer für eine gepflegte Diskussion.</p>
<p>P.S.S. Auch Markus Beckedahl hat mit seinem Tagesausklag zum Thema Netzneutralität einen guten Aufschlg gemacht. Auch wenn ich anderer Meinung bin, weil die Epoche der Internetneutralität von den großen Drei, Google. Apple und Microsoft, schon längst gekapert worden ist. Es gibt keine unschuldige Lösung im Tal der Tränen. Aber dazu wird noch an anderer Stelle zu reden sein.</p>
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		<title>Digital Highway 2.0. Wie suchen wir künftig. Und was. Eine erste Zwischenbilanz nach dem ersten SUMA Barcamp</title>
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		<pubDate>Sun, 14 Mar 2010 10:40:49 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Nikolaus</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Alle reden von Google. Wir auch. Aber statt die Schlachten von gestern und heute nach zu zeichnen, scheint es spannender, heute das Morgen ins Auge zu fassen. Das erste SUMA Barcamp am 13.3.2010 in Hannover hat in scharfen Splittings Ausblicke auf die Kampfplätze auf dem Digital Highway 2.0 gegeben. Und eine handfeste Diskussion darüber, ob [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Alle reden von Google. Wir auch. Aber statt die Schlachten von gestern und heute nach zu zeichnen, scheint es spannender, heute das Morgen ins Auge zu fassen. Das erste <a title="Suma e.V. Homepage" href="http://www.suma-ev.de/" target="_blank">SUMA</a> Barcamp am 13.3.2010 in Hannover hat in scharfen Splittings Ausblicke auf die Kampfplätze auf dem Digital Highway 2.0 gegeben. Und eine handfeste Diskussion darüber, ob die Suchmaschinenwüste Deutschland mit hilflosem Cetero censeo oder einer eigenständigen Marktstrategie aufweisen kann. Eine subjektive Zwischenbilanz.</em></p>
<p><span id="more-276"></span></p>
<p><strong>Die Kampf der Geschäftsmodelle am Digital Highway.</strong> Während alle von der übermächtigen <em>Suchmaschine</em> Google reden, geht der Trend längst anderswo hin. Die Rückeroberung des Digitalen Highways durch unterschiedliche Geschäftsmodelle ist im vollen Gange. Google startet in einer komfortablen Situation. Aufgrund üppiger Gewinne auf dem Online-Werbemarkt verfügt das Unternehmen über die notwendigen Ressourcen, um sich auch in Zukunftsfeldern gut zu positionieren. Hannes Karl Meyer hat in seinem Beitrag zur Zukunft von Suchdiensten die Trends aufgezeichnet. Geo, Realtime, Social Networks und User Interfaces sind die vier Bezugsgrößen, in denen sich die Märkte der Zukunft definieren. Stichworte dazu: Facebook hat es geschafft, als proprietäre Plattform seine Daten Google vor zu enthalten; wenn der Trend zu Facebook anhält, eine empfindliche Lücke für den Suchmaschinenplatzhirschen. Der Zukunftsmarkt Geodaten ist derzeit noch heiß umkämpft. Google Maps, Google Streetview und Google Android zeigen, dass der Suchmarktführer auf diesem Markt schon sehr gut aufgestellt ist. Auch, wenn beim Streetview Projekt zumindest in Deutschland noch heiße Kämpfe ausgefochten werden. Auf der anderen Seite ist Apple mit seinem softwaretechnisch geschlossenen System iPod, iPhone und iPad in einer starken Stellung. Das Unternehmen versucht den Markt vom User-Interface her auf zu rollen. Das starke Image im Rücken ist das Pfund, das es mit großer Sicherheit und einer radikalen, auf Return of Investment ausgerichteten Marketingstrategie in die Waagschale wirft. Microsoft hat mit seiner Facebook-Einbindung bei Bing hier in einem Zukunftsmarkt einen Wachstumsfaktor erkauft. Aber wir erkennen: Die Giganten des Digital Highways 2.0 stellen sich zum Kampf neu auf.</p>
<p><strong>Deutschland, traurig Vaterland.</strong> Dem Teilnehmer des Barcamps drängte sich ein Eindruck auf: Deutschland, das Land der digitalen Analphabeten. Keiner der technologischen Trends wird aus dem &#8220;Land der Ideen&#8221; heraus dominiert oder getrieben. Mit SAP ist der Exportweltmeister im digitalen Bereich mit lediglich einem Marktführer präsent. Und wenn man den Zeitungsmeldungen über die Turbolenzen auf dem Pilotensesseln des Unternehmens glauben schenken darf (Man muss, denn schließlich wurden die Piloten von Bord gegangen), tut es sich gerade in bei der Implementierung einer &#8220;downgradable&#8221; Solution, der den Zugang zum Bereich der Klein- und Mittelstandsunternehmen erschließen würde, etwas schwer. Deutschland, digital desert, möchte man meinen. Und wir werden sehen, wie das Land der Dichter und Denker auf die Ära der Stochastiker und Datenzähler reagieren wird.</p>
<p><strong>Orchideen im Blumenmeer.</strong>Christian Kohlschütter hat in einem beeindruckenden Beitrag zum Thema Boilerplate Detection gezeigt, dass es auch im Land der Dichter und Denker echte Lichtblicke im Umgang mit Datenmengen gibt. Und einen spezifisch deutschen Ansatz, Datenanalyse zu machen und trotzdem auf das analytische Modellbildung nicht zu verzichten. Der Beitrag, der zeigte, wie Modellbildung in den letzten 15 Jahren der stochastischen Ergebnisoptimierung statt gefunden hat und wie sie mit Hilfe des von ihm mitentwickelten &#8220;Einfachmodells&#8221; nochmals wesentlich in der Relevanz der Suchergebnisse gesteigert werden konnte, beeindruckte. Auch weil er die wissenschaftstheoretische Reflektion, ganz deutsch, gleich mitgeliefert hat. Dem Aufschrei Schirrmachers vor der Allmacht der Algorithmen entgegnete er mit einem intelligenten Modell algorithmisch basierter Theoriebildung, der das sozialwissenschaftliche Analysemodell der empirischen Sozialwissenschaft auf eine neue, pragmatische Basis stellt. Die neue Erkenntnismöglichkeit algorithmischer Realitätserschließung wird dabei nicht dämonisiert, sondern analysiert. Und danach nutzbar gemacht.</p>
<p>Nico Reiners hat in seiner Interpretation der Rechtsgutachten zu Google Streetview auf die Vielschichtigkeit der Rechtsproblematik beim Projekt Streetview und, so können wir von uns aus anfügen, auch auf die Rechtsproblematik in anderen durch die Informationswissenschaft tangierten Rechtsgebieten aufmerksam gemacht. Ohne die Teilnehmer von der Aufgabe zu entlasten, die Gutachten zu lesen. Und damit die sophistisch rechtspraktischen Interpretationsansätze nachvollziehen zu können.</p>
<p><strong>Eine anregende Diskussion im Nachgang.</strong> Welche Rolle hat der SUMA e.V. im Deutschland des digitalen 21. Jahrhunderts? Einem Deutschland, von dem man den Eindruck hat, dass es am Randstreifen des digitalen Highways zuguckt, wärend andere den digitalen Highway nutzen. Und um dem Zuschauen die Langeweile zu nehmen, schenkt Mutti Merkel ihren IT-Kindern in einer Art simuliertem digital Highway einen Nationalen IT-Gipfel, bei dem bekannte Namen (und diese Namen sind nicht aufgrund ihrer Dynamik, sondern eher aufgrund ihrer &#8220;old fashion-Langsamkeit&#8221; bekannt) sich gegenseitig auf die Schulter klopfen, um im Anschluss tröpfelnde Subventionen einzusammeln. So stellt sich Deutschland noch immer das Geschäftsmodell vor. Allseits bekannte Akteure aus Politik und Wirtschaft treffen sich und kungeln aus, was wohl als digitaler Fortschritt bewertet werden darf. Anderswo, also dort, wo der Fortschritt gemacht wird, werden politisch lediglich die Rahmenbedingungen auf Risiko umgestellt. Venture Capital hat die Chance, im Rennen um die besten Talente die Pole Position zu erkämpfen. Amerikanische Entwickler würden einen Teufel tun , um mit Angela Merkel oder Barack Obama herumzuhocken und herum zu schwadronieren, wo wohl die digitale Wertschöpfung stattfinden würde. Sie würden es auch deshalb nicht tun, weil sie zwar von der Technologie fasziniert sind, aber am Ende doch nicht wissen, was sich am Markt durchsetzt. So ist also ein patriarchalisches Politikmodell, in dem sich Reste des rheinischen Kapitalismus wiederfinden, das Modell, mit dem Deutschland den Kampf um die Zukunftsmärkte und Technologien aufnehmen will.</p>
<p><strong>Und der SUMA e.V.?</strong> Es mehren sich die Anzeichen, dass der sich für die anstehende Diskussion rund um Kultur, Wirtschafts-Standort Deutschland, die Rolle deutscher Unternehmen auf dem Digital Highway und insbesondere die Frage der digitalen Suche stärker einmischen will. Der Bundesgerichtshof und das Bundesverfassungsgericht produzieren in regelmäßigen Abständen Festlegungen in Sachen Rechtsinformatik. Und wenn ich eines gelernt habe: Die Deutschen sind zwar nicht Spitze, was das hemmungslose &#8220;Quick and Dirty&#8221;-Erfinden und auf dem Markt bringen ist, aber sie sind nicht die Schlechtesten, wenn es darum geht, dem ganzen einen Bezugsrahmen zu geben. Warum also keine ordnungspolitische Initiative, die die neu entstehenden Rechtsgebiete mit neuen Begriffen und Zusammenhängen beschreiben will? Warum keine intelligente Diskussion darum, wie es vor dem Hintergrund des erwartbaren Booms lokaler Märkte gelingen kann, die Wiedergewinnung politischer Ordnungs- und Gestaltungsmacht zu nutzen? Eine Diskussion, die spannend, weil zukunftsorientiert ist. Eine Diskussion, die auch am 13.3.2010 in Hannover sehr kontrovers geführt wurde. Hannover, so habe ich übrigens an diesem Tag gelernt, ist eine der wenigen international satisfaktionsfähigen universitären Veranstaltungen zum Thema Suchmaschinentechnologie und Rechtsinformatik. Der SUMA e.V. wird sich mit diesen Fragen weiter befassen. Ein zweites, auf strategische Fragen fokussiertes Barcamp wurde bereits vereinbart.</p>
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		<title>Das Wissen der Welt. Gut organisiert.</title>
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		<pubDate>Tue, 02 Mar 2010 07:05:55 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Nikolaus</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Ulrich Johannes Schneider, Leiter der Universitätsbibliothek Leipzig hat in einem bemerkenswerten Beitrag in der Süddeutschen Zeitung vom 2.3.2010 eine fast klassische Konstellation der globalisierten Moderne beschrieben: Die Übernahme öffentlicher Aufgaben durch private Institutionen. Viele der beschriebenen Entwicklungen finden sich auch bei anderen Projekten, Stichwort Suchmaschinen, wieder. Perspektiven in Zeiten einer Epochenwende. Auf einen Nenner gebracht: [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Ulrich Johannes Schneider, Leiter der Universitätsbibliothek Leipzig hat in einem bemerkenswerten Beitrag in der <a title="Ulrich Johannes Schneider zum Wissen der Welt" href="http://www.sueddeutsche.de/sz/2010-03-02/feuilleton/artikel/HMG-2010-03-02-011-H6hdL99kmGxDPeX7XmqQ_w/" target="_blank">Süddeutschen Zeitung vom 2.3.2010</a> eine fast klassische Konstellation der globalisierten Moderne beschrieben: Die Übernahme öffentlicher Aufgaben durch private Institutionen. Viele der beschriebenen Entwicklungen finden sich auch bei anderen Projekten, Stichwort Suchmaschinen, wieder. Perspektiven in Zeiten einer Epochenwende.</em></p>
<p><span id="more-271"></span>
<p>Auf einen Nenner gebracht: Den politischen Bemühungen von Bibliotheken, dem Google Books Projekt etwas entgegen zu setzen, folgt keinerlei adäquate Implementierung. Auf diesen Nenner könnte man die Situation bringen. Das gilt sowohl für das digitale Bibliotheksprojekt, das, folgen wir Wilhelm, so vor sich hin stottert, das gilt auch für die Frage, inwieweit öffentlich organisierte und finanzierte Suchmaschinen Google oder anderen ökonomisch definierten Projekten Paroli bieten könnten.</p>
<p>They can&#8217;t! Zumindest nicht in dieser Situation. Weil Strategie und Handeln immer bedeutet, handlungsfähig zu sein. Und das ganz schnell.</p>
<p>Schneiders Beitrag beschreibt ein weiteres Phänomen: Die Überorganisiertheit von Fachöffentlichkeiten oder -lobbys. Über die tatsächlichen Gründe will ich aufgrund Nichtwissens schweigen. Aber eines steht fest: Es fehlt dem Bibliothekswesen tatsächlich nicht an Institutionen, im Gegenteil, es fehlt ihm an Führungsfiguren, denen es gelingt, die Desorganisation von Kleinstkönigreichen im großen Reich des Wissens zu überwinden. Man ahnt, was auf so einen Artikel folgt: Nestbeschmutzungsvorwürfe, Ausgrenzung, Schmollen in Kleingruppen, passsenderweise (Herr Schneider hat den Zeitpunkt kurz vor dem Leipziger Bibliothekskongress schlau gewählt) an Tischchen am Rande des Leipziger Kongresses, wo man, fast eine Woche lang über die Probleme des Bibliothekswesens und -wahrscheinlich- auch über den Untergang des wissenden Abendlandes memorieren kann.</p>
<p>Rettet die Bibliotheken, ist der öffentliche Schrei. Dabei geht der zweite Halbsatz unter: vor sich selbst. Rettet den deutschen Hang zur Vereinsmeierei, neudeutsch getarnt als Vernetzung, vor massiver Selbstüberschätzung und komplettem Realitätsverlust (dies, könnte man den Bibliothekaren mitteilen, ist kein Bibliotheksproblem, sondern das Problem der Bibliotheken ist ein deutscher Virus, der durch die politisch infizierten Öffentlichkeiten wandert). Beispiele: Politiker reden nur mit Politikern. Und lassen sich von unterbezahlten Journalisten dabei applaudieren. Verleger reden nur mit Verlegern. Und fordern von der Politik Leistungsschutzrechte. Aber das Leistungschutzrecht kann, wie die Abwrackprämie, nur den Untergang der deutschen Verlagslandschaft versüssen, retten kann er sie nicht. Wenn junge Menschen keine Zeitungen mehr lesen, wird auch das Leistungsschutzrecht nichts retten. Da scheinen mir Verleger wie Dumont, der sich daran macht, Redaktionen zusammenzulegen, um einen Skaleneffekt bei Erhaltung der zentralen Leistungen, nämlich redaktioneller Qualität, geltend zu machen, der richtigere Weg. Auch wenn er schmerzhaft ist. Und er bedarf journalistischer Führungsfiguren, die diesen schmerzhaften Weg auch gehen können.</p>
<p>Will heißen: Die Verleger können ihr Geschäft nur retten, wenn sie ihr Gechäftsmodell neu definieren. Und die Bibliotheken sich, das heißt, einen Teil ihrer Arbeitsplätze nur retten, wenn sie ihre Rolle im global digital ratrace neu definieren. Und zwar unter Beachtung ihrer Langsamkeit, die einerseits naturgegeben ist, weil Abstimmung Zeit braucht, aber auch beschleunigbar ist, weil die Überzahl von Gremien sehr wohl reduzierbar ist.</p>
<p>Dazu erfordert es im ersten Schritt einen radikalen, öffentlichen Mahner. Das hat Herr Schneider getan. Dazu braucht es aber im zweiten Schritt eine ganze Menge mutiger Menschen, die jetzt nicht das alte Schmoll-Spiel weiter spielen, sondern daran gehen, sich und ihren Bereich kritisch und ehrlich anzusehen, gegenüber der Handlungsfähigkeit globaler Großkonzerne realistisch einzuschätzen und gemeinsam (oder eben nur als Teil per Mehrheitsbeschluss) voran zu gehen.</p>
<p>Meine politische Erfahrung sagt: Zwischen Recht haben und Recht bekommen liegt ein tiefer Abgrund. Wenn man der deutschen Kuschel-Mentalität folgt, ist dieser nicht zu überwinden. Wenn es aber darum geht, im Interesse der Wissensgesellschaft eine Perspektive zu entwickeln, wird sich eine Lösung finden, den Netzbeschmutzer als Mahner zu begreifen. Yes, we can! Let&#8217;s face the facts!</p>
<p>P.S. Für alle, die nicht wissen, wie die Bibliotheken organisiert sind, gibt es eine Website, die auch das erklärt. Weil es erklärungsbedürftig ist: <a href="http://www.bibliotheksportal.de/hauptmenue/bibliotheken/bibliotheken-in-deutschland/verbaende-und-einrichtungen/">http://www.bibliotheksportal.de/hauptmenue/bibliotheken/bibliotheken-in-deutschland/verbaende-und-einrichtungen/</a></p>
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		<title>Gottes Werk und Autors Beitrag. Helga Trüpels Kulturpolitischer Salon und die Digitale Agenda.</title>
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		<pubDate>Tue, 16 Feb 2010 14:13:11 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Nikolaus</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Ein bißchen symbolträchtige war sie schon, diese Veranstaltung. Der kulturpolitische Salon der grünen Europa-Abgeordneten Helga Trüpel diskutierte am 15.2.2010 in der Bell-Etage der Böll-Stiftung über Urheberrechte vor dem Hintergrund der digitalen Revolution. Symbolträchtig deshalb, weil die Diskussion, aus der Mauluwurfperspektive des Unrheberrechts geführt wurde, obwohl nur wenige Wochen vorher am gleichen Ort unter dem Titel [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Ein bißchen symbolträchtige war sie schon, diese Veranstaltung. Der kulturpolitische Salon der grünen Europa-Abgeordneten Helga Trüpel diskutierte am 15.2.2010 in der Bell-Etage der Böll-Stiftung über Urheberrechte vor dem Hintergrund der digitalen Revolution. Symbolträchtig deshalb, weil die Diskussion, aus der Mauluwurfperspektive des Unrheberrechts geführt wurde, obwohl nur wenige Wochen vorher am gleichen Ort unter dem Titel &#8220;Gottes Werk und Googles Beitrag&#8221; ein ähnlich gelagerte Diskussion statfand. Springer Lobbyist Keese mühte sich dort vergeblich, die Worthülse Leistungsschutzrecht für Verlage zu rechtfertigen, obwohl die Hülse leer war. Anyway! Um zum Kulturpolitischen Salon zurück zu kommen: Des Autors Beitrag stand im Mittelpunkt der Diskussion. Gelungen war die Veranstaltung, weil, wie oft bei Grüns, Argumente ganz unaufgeregt ausgestauscht wurden. Und Helga Trüpel macht Mut, weil sie vormacht, dass Lernen auch für Politiker ganz einfach sein kann: Indem man Experten zuhört, Argumente austauscht und das eigene Konzept, die Kultur-Flat-Rate als Globallösung verwirft, wenn man zu dem Schluss kommt, dass es nicht das hält, was scharfe Überschriften versprechen (soviel zur Differenz zu den Blaugelben).</em></p>
<p><span id="more-249"></span>
<p>Geladen waren neben der Gastgeberin die beiden Juristen <a title="iRhights" href="http://irights.info/index.php?id=730" target="_blank">Dr. Till Kreuzer</a> und <a title="Gerd Jansen Homepage" href="http://www.gerd-hansen.net/4481.html" target="_blank">Dr. Gerd Hansen</a>, daneben <a title="Tim Renners Blog" href="http://www.motor.de/motorblog/tim.renner" target="_blank">Tim Renner</a>, Ex-Universal Chef, Motor FM-Gründer, Professor an der Mannheimer Pop-Akademie und, wie ich finde, Deutschlands einziger reflektierender Praktiker der digitalen Musikwirtschaft. Moderiert wurde die Veranstaltung fachkundig von <a title="Oliver Passek" href="http://www.nnm-ev.de/_node/personen/olli.html" target="_blank">Oliver Passek</a>.</p>
<p>Ist die digitale Flatrate, zu der die bündnisgrüne Europafraktion ein <a title="Grünes Flatrate Konzept" href="http://www.boersenblatt.net/315103/" target="_blank">Gutachten</a> in Auftrag gegeben hat, eine Globalalternative zur Finanzierung einer freien Kulturarbeit? Schon aus Gründen der Höhe der Flaterate, die für eine angemessene Entgeltung der Kulturschaffenden notwendig wäre, kann das nicht sein. Alleine für die Musikflatrate, die für diese Lösung notwendig wäre, spukt eine Zahl von 9,90 € im Raum herum, falls weiter Kulturbereiche einbezogen werden würde, schätzt man, unabhängig von der Verteilungsfrage, die notwendige Gebühr weitaus höher ein.</p>
<p>Ich will und kann die nachfolgende Diskussion nicht im Einzelnen nachvollziehen. Kreuzer und Hansen sind in den klassischen Juristenfehler verfallen, nämlich, zu kleinteilig und juristisch in die Diskussion zu starten. So ist es nicht gelungen, aus den juristischen Impulsen ein Gesamtbild einer entsprechenden Marktdynamik zu entwickeln, die dem durchaus aufgeschlossenen, aber nicht tief im Thema stockenden Laien eine Vorstellung geben würde, wie entsprechenden Regelungen in der Praxis wirken. Und, darauf wird es in den nächsten Jahren ankommen, Szenarien zu skizzieren, wie unter den Bedingungen sich radikal verändernder Strukturen der Nutzen einer breiten Zugängigkeit mit den Interessen einer Refinanzierung von Kulturschaffenden in einen ausgewogenen und der Dynamik dieses Bereichs entsprechenden Anordnung zu bringen sind.</p>
<p>Tim Renner lockte die Diskutanten mit einer ganz speziellen Note: Es gebe kein Piraterieproblem, sondern nur ein falsches Geschäftsmodell. Bestehende Geschäftsmodelle wären einfach unattraktiv gegenüber dem Torrenttracker, dem Nachfolger des Napstermodells. Die von ihm skizzierte freiwillige Flatrate könnte ein Beitrag zur Finanzierung von Autoren und Künstlern sein, inwieweit und wo das Modell trägt, das macht seinen Charme aus, wollte er auch nicht abschließend festlegen. Überzeugend an der Renner&#8217;schen Argumentation finde ich zweierlei: Seine genaue Kenntnis der Verhältnisse, etwa, wenn er über Markteinbrüche in der Musikindustrie oder die Stärke des iTunes-Absatzes redet. Und sein Ansatz, &#8220;aus dem Feld&#8221; zu argumentieren,. Renner ist einer der wenigen, die das Praxisrisiko eingehen und ein neues Geschäftsmodell auf dem Markt wirft. Und nur dadurch die Chance hat, die richtige Mischung zwischen Kundennutzen und Refinanzierungsmodellen zu finden. Pragmatisch fordert auch er die Regulierung des Marktes ein. Und verweist dabei auf den Kontrahierungszwang der Musikindustrie mit dem neu entstehenden Rundfunk. Die Rolle des Staates sei es, und damit gab er der Diskussion die entscheidende Wendung, sei es, einen Markt überhaupt entstehen zu lassen. Einem Plädoyer, dem sich die übrigen Diskutanten nach erstem Zögern anschlossen.</p>
<p>Um zum Aufgangspunkt zurück zu kehren. Wer die FAZ von heute (16.2.) liest, sieht sich mit einem ganz anderen Geschäftsmodell konfrontiert: Demand Media, ein Unternehmen, das im Nachgang zu Google und YouTube Mediale Angebote entwickelt: Billig, mit großem Nutzen für das Unternehmen. Und wenig Nutzen für die Autoren. Die USA sind halt immer noch das Land, in dem der Stärkste überlebt und den Schwächeren nur die Lösung bleibt, sich einen entsprechenden &#8220;Paten&#8221; zu suchen. In der Spannweite zwischen der Abenddiskussion und dem Geschäftsmodell von Demand Media wird die digitalen Agenda definiert:Wie definiert man Regulierung in einem sich ständig ändernden Umfeld? Wie überhaupt kann der lawinenartige Gang der Dinge beeinflusst werden? Welche Rolle haben dabei Nutzer, Produzenten, Mittler und Gesetzgeber? Als Leitplanken für eine gesamtheitliche Diskussion würde ich einmal Folgendes festhalten:</p>
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<div>Wenn politische Entscheider Einfluss nehmen möchten, tun sie gut daran, sich eine umfassende politische Landkarte anzulegen. Sie enthält: Technologische Trends (proprietäre Plattformen, Open Source Ansätze) und Applikationen (Laptop, Netbook, Tabletts, Smartphones, Marktverhältnisse (entstehende Mono- oder Oligopole wie Apple und Google), Bündnisoptionen (Microsoft nicht vergessen; they ever come back!), Interventionsebenen (weltweite, europäische und nationale Lösungen und Blockaden; Was das EU-Parlament zum Thema Datenaustausch geschafft hat, kann es im Sinne einer Zuckerbrot und Peitsche-Strategie nochmal machen), tangierte Rechtsverhältnisse (Urheberrecht, Leistungsschutzrecht) und ihre nationalen Traditionen.</div>
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<div>Eine scheint mir sicher: Wer bei dieser Dyamik von Großlösungen träumt oder sich mit der Frage grundsätzlicher Rechtsfragen verzettelt, hat schon verloren. Was Not tut, ist ein Schlachtplan, der grundsätzliche und allgemeine Ziele definiert und sich sofort mit der taktischen Ebene beschäftigt. Strategien, die der politischen Ebene eine zu große Rolle zumisst, sind zum Scheitern verurteilt. Politik ist zu langsam, um in einem dyamischen, zudem aus den USA und den asiatischen Ländern dominierten Prozess mit eigenen Lösungen einzugreifen, sie sollte sich auf die Eindämmung und Richtungsgebung durch Rahmenbedingungen beschränken. Der Weg in die digitale Gesellschaft, er ist spannend. Aber der Hinweis auf Schumpeters schöpferische Zerstörung ist hier auf jeden Fall angebracht.</div>
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<div>Und ein Mißverständnis will ich auch aufklären: Eine neue gesellschaftliche Praxis entsteht auch, wenn die politische Welt ihr Bild noch nicht geordnet, eine Strategie noch nicht gefunden hat. Diese Lektion zu lernen und sich deshalb auf eine politische Strategie zu konzentrieren, die eine zeitnahe Zusammenführung der oben angeführten Trends vollziehen kann, scheint mir vordringlich. Praktiken sind die Treiber der Entwicklung, auch wenn sie aus der traditionalen Sicht der Dinge illegal scheinen. Und wer sie stoppen und steuern will, sollte sich bewußt sein, welche gesellschaftlichen Kosten dabei enstehen. Und dass Prozesse nur zu beeinflussen sind, wenn sie noch noch im Fluss sind.</div>
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<p>Um zum Ausgangspunkt zurück zu kommen: Die Diskussion hat gezeigt, dass die Einzelbaustellen fachkundig bearbeitet werden. Wenn jetzt der Bundestag eine Enquetekommission einsetzen wird und die Europäische Union ihre Duftmarken in den neu entstehenden digitalen Märkten setzen will, wird es darauf ankommen, bei der jetzt einsetzenden Diskussion mit den Machern im Gespräch zu bleiben. Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben. Und: Der Weg ist das Ziel. Weil, wenn man beim Aufbruch die richtigen Menschen mit auf die Reise genommen hat, kann man Marschbefehl und -richtung noch immer unterwegs korrigieren.</p>
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