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	<title>Nikolaus&#039; Fruehstuecksfernsehen &#187; Bildung</title>
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	<description>Politische Betrachtungen zum Tage</description>
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		<title>Der letzte Intellektuelle. Frank Schirrrmachers außerordentlicher Blick auf die Wirklichkeit</title>
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		<pubDate>Sun, 29 Aug 2010 07:47:24 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Nikolaus</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Integration]]></category>
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		<description><![CDATA[Der Spiegel hat es in seiner 34. Ausgabe (über die Beliebheit der Politiker) bemerkt. Schlechter noch als die Politiker kommen in der Öffentlichen Wahrnehmung die Intellektuellen weg. In der gesellschaftlichen Debatte der Deutschen fehlen sie nämlich. Einer der wenigen Ausnahmen ist FAZ Herausgeber Frank Schirrmacher. Nach &#8220;Payback&#8221;, einem Buch, das einen wirklich inspirierenden Blick auf [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Der Spiegel hat es in seiner 34. Ausgabe (über die Beliebheit der Politiker) bemerkt. Schlechter noch als die Politiker kommen in der Öffentlichen Wahrnehmung die Intellektuellen weg. In der gesellschaftlichen Debatte der Deutschen fehlen sie nämlich.</em></p>
<p><em>Einer der wenigen Ausnahmen ist FAZ Herausgeber Frank Schirrmacher. Nach &#8220;Payback&#8221;, einem Buch, das einen wirklich inspirierenden Blick auf die neue connected World wirft (mal ganz unabhängig davon, ob mal die Schlussfolgerungen teilt) hat er jetzt zu Sarrazin Stellung bezogen (Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 29.08.2010, Nr. 34 / Seite 21, Bei Bedarf beim Autor).</em></p>
<p><span id="more-351"></span>
<p>Schirrmacher bringt Sarrazins Thesen auf den Punkt:</p>
<p><em>&#8220;&#8230; mit jeder Seite, die man liest, wird klarer, dass es sich hier nicht um ein bildungsbürgerliches Traktat handelt, sondern um die Etablierung eines völlig anderen Kulturbegriffs. Es geht um die Verbindung von Erbbiologie und Kultur und damit letztlich um, ein Wort, das Sarrazin (Darwin zitierend) so unerschrocken benutzt, wie einst Gottfried Benn, &#8220;Zuchtwahl&#8221; und &#8220;Auslese&#8221;. Sarrazin redet nicht von Goethe und Schiller, obwohl auch Dichter in seinem Buch vorkommen. Kultur ist ihm der Reflex biologischer Prozesse. Die Schichtenabhängigkeit des generativen Verhaltens in Deutschland &#8211; die Tatsache, dass immer mehr Kinder in Unterschichtenmilieus geboren werden &#8211; führt zwangsläufig zu einer Verdummung der Gesellschaft, Aufsteigerkarrieren widersprechen dem Befund nicht.&#8221;</em></p>
<p>Der Essay ist aber auch deshalb lesenswert, weil er es vermeidet, sich einem &#8220;Pseudo-Lager&#8221; zuzuschlagen, nämlich dem der Gutmenschen, die sich gegen Sarrazin öffentlichkeitswirksam empören, -um danach weiter zu machen, als wäre nichts geschehen:</p>
<p><em>&#8220;Es wurde von einer Politik geschrieben, die seit Generationen nicht mehr in Generationen denkt, sondern in Monaten. Sarrazin ist lediglich der Ghostwriter der Gespenster, die uns jetzt heimsuchen. Umso erstaunlicher die Vorabrezension der Bundeskanzlerin, die das Buch wahrscheinlich nicht sehr konzentriert gelesen hat. Sarrazins Buch sei &#8220;nicht sehr hilfreich&#8221; bei der Integrationsdebatte, ließ sie über ihren Regierungssprecher mitteilen. Sie ist damit, wie auch der inexistente neue Bundespräsident, im Begriff, die Spaltung der Gesellschaft zu befördern. Jeder, der Sarrazins Buch gelesen hat, weiß, dass er gut begründet, warum die Politik bisher nicht hilfreich war.&#8221;</em></p>
<p>Die Botschaft: Auch die Apologeten einer falschen Schlussfolgerung sind hilfreich in einer Debatte, die in falscher Oberflächlichkeit selbstgenügsam weiter wursteln will.</p>
<p>Was bedeutet: Die Debatte wird ernst, sei verlässt den Dunstkreis PR-dominierter Selbstreflektion der Politik. Die Frage steht: Wo liegt die Zukunft Deutschland. Das Panorama ist abgesteckt. Jetzt kommt es darauf an, dass diejenigen, die rassistische und eugenische Weltbilder ablehnen, mal wirklich auf den Tisch legen, was zu tun ist, um die Potentiale aller Inländer und Inländerinnen zu entwickeln. Und mal mit der bildungsbürgerlichen Selbstbespiegelung der deutschen Öffentlichkeit aufzuhören. Deutschland ist vielfältiger als wir meinen. Und die Potentiale von Einwanderer kann nicht nur die deutsche Nationalmannschaft entdecken. Aber wo bleiben die Bildungspolitiker, die Feullietonisten, die Intellektuellen, die sich mit den Fragen von Diversität, dem Entstehen einer Neuen Deutschen Wirklichkeit, dem Entstehen eines neuen gesellschaftlichen Konsenses, (und das wird nicht die Adaption von Einwanderer in eine deutsch-bildungsbürgerliche Wirkilchkeit sein!) in seinen Licht- und Schattenseiten ihren mentalen Einsatz zollen?</p>
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		<title>Mal genauer hinsehen. Warum die FAZ sieht, was von der Leyen neben raus geht.</title>
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		<pubDate>Sat, 28 Aug 2010 17:10:15 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Nikolaus</dc:creator>
				<category><![CDATA[Arbeitsmarkt]]></category>
		<category><![CDATA[Bildung]]></category>
		<category><![CDATA[Paradigma]]></category>
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		<description><![CDATA[Dahinter steckt immer (wieder) ein kluger Kopf. Heike Schmoll hat in der FAZ (28.8.2010, S. 2) mal das gemacht, was in Berlin nicht schwierig ist. Sie hat sich u.a. in den Bezirk Mitte begeben und drei engagierte Schulleiterinnen gefragt, was sie vom Bildungschip der Bundesministerin halten. Die Ergebnisse sind bezeichnend (Artikel auf Wunsch beim Autor). [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Dahinter steckt immer (wieder) ein kluger Kopf. Heike Schmoll hat in der FAZ (28.8.2010, S. 2) mal das gemacht, was in Berlin nicht schwierig ist. Sie hat sich u.a. in den Bezirk Mitte begeben und drei engagierte Schulleiterinnen gefragt, was sie vom Bildungschip der Bundesministerin halten. Die Ergebnisse sind bezeichnend (Artikel auf Wunsch beim Autor). Und die Schlußfolgerungen liegen auf der Hand: &#8220;Wer aber nur einen Tag in den Brennpunktschulen Berlins oder Frankfurts zubringt, kann den Eindruck bekommen, dass der Musikunterricht auf der Chipkarte wohl mehr mit der großbürgerlichen Vorstellungswelt der Ministerin zu tun hat als mit der Lebenswelt der Kinder von Hartz-IV-Empfängern.&#8221;<br /></em></p>
<p><span id="more-350"></span>
<p>Was ist der Generalirrtum der von der Ley&#8217;schen Sozialpolitik? Der Politikansatz ist im Grunde ein Ur-Sozialdemokratischer: Wir müssen den Eltern die Möglichkeit entziehen, ihre Lebens-Situation zu gestalten. Referenzmodell dieser Politik ist der versoffene Hartz IV Empfänger (oder das Modell des islamisch geprägten Elternhauses, Mutter aus Ost-Anatolien zwangseingeheiratet, in der Parallelgesellschaft lebend).</p>
<p>Tatsächlich trifft diese Politik vor allem die Haushalte, die &#8211; und das sind die Mehrzahl &#8211; unverschuldet in Hartz IV landen, also die Alleinerziehenden, die sehen müssen, wie sie über die Runden kommen, oder die, die, beispielsweise, weil sie ungebildet oder kulturfern sind, sich nicht zurecht finden in der schönen neuen Institutionenwelt.</p>
<p>Im Klartext: Gegen Eltern, denen die Ministerin Erziehung nicht zutraut, setzt sie den strengen Vater Staat, der dirigistisch-dirigierend eingreift und eben versucht,  die Familien &#8220;von ganz oben, also aus der Bundesebene heraus&#8221; zu steuern.</p>
<p>Nicht nur Kommunen finden das völlig neben der Realität. Das Problem: Ein bundesweites Pauschalmodell, das Menschen die Möglichkeit nimmt, selbst zu handeln, muss übersteuern und damit ziemlich teuer versagen. Aus Hartz IV wird also von der Leyen I.</p>
<p>Sozialpolitik, die Eltern umgehen oder ausschalten will, funktioniert nicht. Das zeigt der Blick an die Front:</p>
<p><em>Die Eltern zu ermutigen, ihr Leben selbst zu regeln, ihnen Zugänge zu den vielfältigen Angeboten zu schaffen, ist für Frau von Auer das Wichtigste. Gerade in einer Stadt wie Frankfurt fehlt es nicht an Angeboten. Aber viele Eltern suchen sie nicht, finden sie nicht oder erfahren gar nichts davon. Es müssten die Voraussetzungen dafür geschaffen werden, dass Eltern die Verantwortung für ihre Kinder übernehmen könnten.</em></p>
<p>Geld ist, so die Erfahrung aus einem hessischen Projekt, für viele Betroffene, nicht das wichtigste:</p>
<p><em>Am Ende der Stipendienzeit (des Diesterweg-Stipendiums der Polytechnischen Gesellschaft, Anm. N.Huss) haben die Eltern auf die Frage, was ihnen am meisten geholfen habe, geantwortet: die persönlichen Gespräche mit der Projektleiterin. Der Bildungsfonds, den alle bitter nötig hatten, wird erst an vierter Stelle genannt. Außerhalb der Schule, so berichtet Frau von Auer, öffneten sich Eltern leichter als innerhalb der Institution. In den Beratungsgesprächen geht es im Wesentlichen um Lebens- und Erziehungsfragen. Da brauchte ein Elternteil eine kostenlose Rechtsberatung, andere wunderten sich über die Veränderungen ihres Kindes beim Einstieg in die fünfte Klasse und fragten sich, wie sie darauf reagieren sollten: „Mein Kind hat die erste Fünf geschrieben. Was passiert denn jetzt?“</em></p>
<p>Ja, wird jetzt Frau von der Leyen antworten, da haben wir eine Lösung gefunden: Die Agentur für Arbeit berät mit ihrem bewährten Personal die Familien bei der Entscheidung, was zu tun ist.</p>
<p>Die Bundesagentur, das ist bereits aus der Arbeit mit den Arbeitslosen bekannt, zeichnet sich dadurch aus, dass sie weitgehend unfähig ist, Arbeit mit Marktkenntnis zu betreiben. Alle Mitarbeiter sind Verwaltungsmitarbeiter, auch die Berater, die am grünen Tisch in den Arbeitsmarkt eingearbeitet werden und diesen zumeist nicht aus eigener Anschauung kennen.</p>
<p>Daneben werden die Außenstellen der größten Bundesbehörde (100.000 Mitarbeiter) ziemlich straff geführt, was dazu führt, dass zwar jede Verwaltungsvorschrift aus Nürnberg strikt umgesetzt wird, der regionale Arbeitsmarkt aber immer weiter aus den Augen gerät. Glaubwürdigkeit und ein überzeugendes Beratungskonzept sieht anders aus.</p>
<p>Und noch etwas drittes kann man übrigens an der Arbeitsmarktpolitik studieren: Dass eine künstliche zweite Ökonomie, in der die Zertifizierung der Bundesagentur einen Markt ersetzt, zu schlechteren Leistungen und höheren Preisen führt. Der deutsche Weiterbildungsmarkt gilt jedenfalls aufgrund seiner künstlichen Hochsubventionierung und seiner oligopolen Anbieterstruktur als nicht überzeugend. Wenn jetzt, was zu befürchten ist, der gesamte Kinderfortbildungsmarkt durchzertifiziert werden sollte, ist das entweder eine untaugliche Zertifizierung. Oder/Und das Ganze wird so aufwändig, dass Bürokratie Leistung frißt.</p>
<p>Es geht hier nicht darum, Frau von der Leyen anzugreifen. Sondern einmal inne zu halten und zu fragen, ob die Vorstellungen der deutschen Sozialpolitik nicht mehr der Selbstinszenierung der politischen Klasse dient als dem Nutzen dessen, was sie zu erreichen vorgibt.</p>
<p>Zu pauschal? Dann folgende Leitthesen:</p>
<ol>
<li>
<div>Der deutsche Sozialstaat in der Folge Bismarcks ist die Idee eines fürsorgenden bürokratischen und obrigkeitsstaatlichen Sozialstaats. Er erschafft erst die Instrumente, die Gerechtigkeit schaffen sollen. Er stülpt der Gesellschaft ein einheitliches und durchgängiges Bild von gesellschaftlicher Realität über, das es nie gegeben hat &#8211; und auch nicht geben wird.</div>
</li>
<li>
<div>In Folge der obrigkeitsstaatlichen Tradition lässt sich dieses System immer nur bundesweit und einheitlich denken und definieren.</div>
</li>
<li>
<div>Diese Tradition des bürokratischen Sozialstaats ist inzwischen in ein System scheinpartizipativer Beliebigkeit migriert. Die Bundesagentur beispielsweise wird von den Sozialpartnern dominiert, die sich über ihre Bildungswerke Aufträge zuschanzen. Die Sozialsysteme werden durch völlig unbekannte Sozialräte dominiert, die in Hinterzimmern definieren, wo es lang geht. Gegen gute Sitzungsgelder. Auch die ständige Pseudopolitisierung institutioneller  Leistungen (Inflation der Schulreformen) schadet mehr als es nutzt.</div>
</li>
<li>
<div>In Folge dieser obrigkeitsstaatlichen Tradition definieren die politischen Systeme nicht nur Leistungen, sondern auch Verfahren, Finanzierung &#8211; und Legitimationen. In der Folge passen sich die Anbieter dieser oligopolen Kriteriendefinition an. Mit negativen Folgen für die tatsächlichen Leistungen.</div>
</li>
<li>
<div>Im Zeitalter der Evaluationen werden Evaluationsinstrumente systematisch nicht zur Evaluation und Verbesserung von Leistungen, sondern zur Legitimation der eigenen Existenz genutzt. Die Evaluation von Hartz IV und der Arbeitsmarktreformen sind hier nur ein beredtes Beispiel für die Fehlsteuerung wissenschaftlicher Leistungen.</div>
</li>
<li>
<div>In einer Gesellschaft, in der die Lebensverhältnisse von Menschen immer weniger administrierbar und standardisierbar sind, führt diese oligo- bis monopolitische Politik immer stärker zu Dysfunktionalität. Mit immer mehr Aufwand wird eine immer kläglichere Inszenierung vom helfenden Sozialstaat produziert; &#8211; die die Menschen immer länger davon abhält, sich um ihre eigenen Bedürfnisse und Anliegen selbst zu kümmern. Und politisch zu einem sich beschleunigenden Karusell der Reform der Reform führt.</div>
</li>
<li>
<div>Was notwendig ist,  ist eine Besinnung darauf, wie und wo Leistungen entstehen und damit, wie und wo sie verändert werden kann. Und wie Steuerung dann aussehen muss, um effizient abbilden und steuern zu können.</div>
</li>
<li>
<div>Noch ist die Debatte darüber noch nicht eröffnet, welche Konsequenzen ein Modell wirksamer Politik in einer geöffneten Welt und Nationalökonomie hat. Das deutsche Modell einer geschlossenen Gesellschaft mit einem abgeschlossenen Sozialsystem und einem dominierenden Welt-Interpretationsschema scheint, allem Bedauern der handelnden Politiker zum Trotz, immer mehr obsolet.</div>
</li>
<li>
<div>Was Deutschland braucht, ist eine Diskussion über eine verbesserte soziale und gesellschaftliche Praxis. Das bedeutet, dass Politik einen sehr viel tieferen Blick in die Realität sozialer Institutionen tun muss, bevor sie vorschnelle,  PR-dominierte und schnell drehende politische Renner produziert, die dann nicht halten können, was sie versprechen.</div>
</li>
<li>
<div>Was Deutschland ebenfalls braucht, ist, dass Institutionen, beipielsweise öffentliche Schulen, zu handlungsfähigen sozialen Systeme werden, die gestalten können. Denn ohne diejenigen, die die Arbeit tun, werden wir die soziale Realität nicht verbessern können. Auch wenn die herrschende bildungsbürgerlich-bürokratische Klasse, in den öffentlichen Institutionen und den Parlamenten ohnehin weitgehend unter sich, sich noch hartnäckig dagegen wehrt.</div>
</li>
</ol>
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		<title>Warum Hamburg verloren ging. Eine Bestandsaufnahme</title>
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		<pubDate>Sat, 31 Jul 2010 10:02:18 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Nikolaus</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Der Volksentscheid in Hamburg hat eines gezeigt: Eine strukturelle Veränderung der Schulwesens ist wieder einmal gescheitert. Wenn wir auf dem Boulevardniveau bleiben wollen, könnten wir sagen: Die Guggi-Fraktion hat gewonnen. Bloß blöde, wenn die Gucci-Trägerinnen, zumindest teilweise, durchaus dem grünen Wählerklientel entstammen. Einige Tiefenbohrungen, um das Scheitern zu verstehen. Und um daraus zu lernen. Einige [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Der Volksentscheid in Hamburg hat eines gezeigt: Eine strukturelle Veränderung der Schulwesens ist wieder einmal gescheitert. Wenn wir auf dem Boulevardniveau bleiben wollen, könnten wir sagen: Die Guggi-Fraktion hat gewonnen. Bloß blöde, wenn die Gucci-Trägerinnen, zumindest teilweise, durchaus dem grünen Wählerklientel entstammen. Einige Tiefenbohrungen, um das Scheitern zu verstehen. Und um daraus zu lernen.</em></p>
<p><span id="more-343"></span>
<p>Einige Vorbemerkungen: Bildungspolitik in Deutschland, dem sollte man sich bewußt sein, ist vermintes Gebiet! Und zwar unabhängig davon, in welche Richtung sie geht. Die Einführung von G-8-Gymnasien führt zu entsprechenden Stimmenverlusten in Bayern und Baden-Württemberg wie die Auflösung von Hauptschulen und die Ausweitung des gemeinsamen Schulbesuchs. Und das ist bereits seit Jahrzehnten so.</p>
<p>Meine Hauptthese in der gesamten bildungspolitischen Diskussion ist: Eine abstrakte Erkenntnis, dass ein &#8220;offeneres Schulsystem&#8221;, also eines, das den gemeinsamen Schulbesuch auf 6 oder 8 Schuljahre ausweitet, besser für alle und für das ganze Land ist, bricht sich mit der eigenen Interessenslage, derer, die Kinder haben. Denn plötzlich müssen die eigenen Kinder die Risiken, die durch Veränderungen ausgelöst werden, übernehmen. In einer Partei, die die Zukunft ihrer Kinder ganz groß auf die Fahnen geschrieben hat, und deren WählerInnnen die Bedeutung guter Bildung für die Zukunftsperspektive ihrer Kinder erkannt haben, ist das ein wesentlicher Faktor. Im Klartext: Die eigene Betroffenheit bricht die allgemeine Erkenntnis, dass ein anderes Schulsystem besser wäre.</p>
<p>In Deutschland hat eine Entwicklung statt gefunden, die in ihrer Brisanz und Bedeutung noch nicht in die Köpfe der bildungspolitischen Entscheider Eingang gefunden hat. Viele Eltern, und zwar gerade unter den Meinungsbildnern und Entscheidern, haben entschieden, dem öffentlichen Schulsystem ihr Vertrauen zu entziehen und eine Alternative zu suchen. 10% aller Schülerinnen und Schüler gehen, unabhängig von der angeblichen föderalen Bildungsverfassung der bundesländer, inzwischen auf Privatschulen. Aber Privatschulen spielen in bildungspolitischen Diskussionen noch immer keine Rolle. Sie sind auf der Berliner (und den kleineren Landesbühnen) kein Thema. Man macht für sich selber. Und schweigt. Und die bildungspolitischen Debattten, die sind nur für die Dummen. Oder die, die sich Bildung als Habitus (Bourdieu) nicht leisten können.</p>
<p>Zehn Prozent aller Eltern haben sich entschieden, dem öffentlichen Schulsystem das Vertrauen zu entziehen. Und man muss kein Prophet sein, um zu ahnen, dass unter diesen überdurchschnittlich viele Grünen-Wählerinnen und Anhängerinnen sind. Ich behaupte, doppelt so viele, abhängig davon, an welchen Orten sie leben (in Kreuzberg ist das kritischer als in Gütersloh, aber dazu kommen wir noch).</p>
<p>Das grüne Plazebo in solchen Debatten ist dann immer, dass in unseren Programmen das mit den Privatschulen doch drin stehen. Wer diese Programme mal liest, stellt fest: Schwer zu finden, diese Formulierungen, sie sind immer da. Und nirgendwo. Weil diese Tatsache, die Realität, nicht zum Ausgangspunkt der Diskussion gemacht wird. Sondern, wie immer, die Blaupause eines besseren Bildungswesens.</p>
<p>Ich lese in der <a title="Wir sind Helden-Interview" href="http://www.zitty.de/magazin-berlin/62034/" target="_blank">aktuellen Zitty </a>ein Interview mit Judith Holofernes, &#8220;Wir sind Helden&#8221;. Ein sehr interessantes, weil paradigmatisches Interview. Sie beschäftigt sich mit der Frage, ob sie eine Protestband sei, weil sie auf Demos aufgewachsen sei, zwischen Freiburg und Berlin übrigens. Und jetzt, als Kreuzberger Mutter, sich so ihrer Gedanken über Gentrifizierung und Bildungspolitik macht. Ich zitiere:</p>
<p><em>Roy (das ist der Mann, Anm.): Neulich sprach mich ein türkischer Jugendlicher im Görlitzer Park an. Er fragte, ob ich nicht genug Geld mit der Band verdiene, um nach Zehlendorf zu ziehen. Der konnte nicht verstehen, dass wir freiwillig hier leben.</em></p>
<p><em><br />
<strong>Wie ist das bürgerliche Leben mit zwei Kleinkindern in Kreuzberg?</strong><br />
Roy: Es gibt eine Sehnsucht nach geregelten Abläufen. Gerade weil die Kinder das brauchen.<br />
Holofernes: Praktisch sind wir natürlich in der gleichen blöden Situation wie alle anderen Kreuzberger Eltern.<br /></em></p>
<p><strong>Und das heißt?</strong><br />
Holofernes: Wir müssen uns überlegen, wie wir das Schulproblem lösen. Es gibt Schulen in Kreuzberg mit einem Ausländeranteil von 60 Prozent, das ist der Traum aller Eltern, aber bei uns liegt er um 92 Prozent. Eltern suchen sich im Freundeskreis eine Klasse zusammen und drücken die beim Direktor durch. Der Trend ist: Ich opfere unsere Kinder nicht an unsere Einzugsgebietsschule. Man schafft sich kleine Eliteinseln in Schulen. Ich finde das total schwierig, weil die Schüler dann immer herausstechen – und kein Kind will das.</p>
<p><strong>Das stellt die eigene linke Gesinnung ganz schön auf die Probe, oder?<br /></strong>Roy: Es ist krass, dass wir uns in einem linksalternativen Multikulti-Milieu bewegen – und Eltern die nicht-deutschen Anteile an Schulen diskutieren. Vor fünf Jahren hätten dieselben Leute das Gespräch abgebrochen und gesagt: Was soll das heißen, nicht-deutscher Kinderanteil? In solchen Momenten merkt man, dass sich Linke und Türken nicht mischen. Man fühlt sich vielleicht multikulti, weil man den Namen des Bäckers kennt – aber wenn es um die Kinder geht, fallen die Hüllen. Dann sagt natürlich jeder: Mein Kind soll das Beste kriegen.&#8221;</p>
<p><strong>Eine Initiative zur Klassenbildung ist auch ein Protest der Eltern gegen das Schulsystem.<br /></strong>Holofernes: Stimmt, das läuft granatenmäßig falsch. Es kann nicht sein, dass Menschen fluchtartig den Stadtteil verlassen, wenn die Kinder ins schulpflichtige Alter kommen. Es ist ein hehrer Ansatz, zu bleiben und die Schulen am System vorbei zu gestalten. Pervers finde ich, dass evangelische Schulen aufmachen und die Kinder abschöpfen. Keinen der Beteiligten hat vorher die Religion interessiert. Der Hauptgrund ist, dass Türken und Araber ihre Kinder nicht auf solche Schulen schicken. Das finde ich heuchlerisch.</p>
<p>
<strong>Und was können Sie dagegen tun?</strong><br />
Holofernes: Eine Lösung habe ich leider auch nicht. Im Moment ist das wirklich ein Dilemma für uns. Ich weiß nur eines: In Zehlendorf werde ich nicht glücklich.</p>
<p>So definiert sich Zukunft auf einmal ganz anders, wenn man eigene Kinder hat. Und ich füge hinzu: Auch unser Sohn ging auf die Waldorfschule, es ist also nicht das Schielen oder Schimpfen auf andere, sondern das, die eigenen Verhaltensweisen ernst zu nehmen.</p>
<p>Das Interview mit den &#8220;Helden&#8221; zeigt auf ganz einfache Weise, warum Initiativen für &#8220;länger gemeinsam zur Schule&#8221; scheitern müssen: Weil Eltern, die Wert auf die Bildung ihrer Kinder legen, kein Vertrauen darauf haben, dass öffentliche Schulen das Problem, Kinder aus ganz unterschiedlichen Sozialmilieus zusammen zu unterrichten, wirklich produktiv managen können.</p>
<p>Das Interview zeigt aber noch ein Weiteres, das sei an dieser Stelle angemerkt, aber nicht vetieft: Es zeigt, dass auch in linken weissen deutschen Haushalten ein unbewußter Rassismus grassiert, dem sich diese Gesellschaft nicht bewußt ist. Es wid nämlich, und das ist der übliche Ductus, von dem auch Sarrazins offener Rassismus zehrt, von DEN TÜRKEN und DEN ARABERN als Problem gesprochen. Tatsächlich ist es aber so, dass man auch keine Lust hat, seine Kinder mit den Kindern versoffener Hartz IV Empfängern in eine Klasse zu geben. Aiuch hier: Die Rassismus Feststellung ist kein Vorwurf, sondern eine Feststellung. Und jedeR weisse Deutsche, der sich etwas selbstkritisch umsieht, wird feststellen, dass dieser unbewußte Rassismus auch in linksalternativen Kreisen grassiert.  Und deshalb hinterlich ist, weil sie eine ganze Generation von Einwandererkindern, die anders aussehen, ausgrenzt.</p>
<p>Wir übersetzen das Thema also in das eigentliche Problem und das lautet: Bildungsbürger möchten ihre Kinder in einer Umgebung aufwachsen sehen, die ihrem Sozialmilieu entsprechen. Vielleicht mit Einsprengseln anderer Kulturen und engagierten Kindern anderer Sozialmilieus, aber auf keinen Fall wollen sie, dass die Dominanz des bildungsbürgerlichen Sozialmilieus in der Schule gebrochen wird.</p>
<p>Und was machen wir mit einer solchen Situationsbeschreibung? Fortsetzung folgt!</p>
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		</item>
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		<title>Beyond the lines: Eine sommerliche Zwischenbilanz</title>
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		<pubDate>Sat, 31 Jul 2010 07:51:25 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Nikolaus</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Eigentlich sieht doch alles ganz gut aus. In Baden-Württemberg, entnehme ich der Zeitung, haben die Grünen die 20% Marke überschritten und eine rot-grüne Mehrheit ist möglich. In Berlin, so Berliner Zeitung vom 30.7., überholen die Grünen die amtsmüden Sozialdemokraten und biegen nun, die Kandidatur Renate Künasts erwartend, auf die Startgerade ein. Alles in Butter, oder [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Eigentlich sieht doch alles ganz gut aus. In Baden-Württemberg, entnehme ich der Zeitung, haben die Grünen die 20% Marke überschritten und eine rot-grüne Mehrheit ist möglich. In Berlin, so Berliner Zeitung vom 30.7., überholen die Grünen die amtsmüden Sozialdemokraten  und biegen nun, die Kandidatur Renate Künasts erwartend, auf die Startgerade ein. Alles in Butter, oder was?</p>
<p><span id="more-342"></span>
<p>Ist so viel Grün-Zustimmung ein wirklicher Fortschritt für die politische Perspektive Deutschlands. Einereseits denke ich, ja. Weil die Grünen, in Relation zu den anderen Parteien, doch etwas durchlässiger für die Außenwelt sind, die parteiliche Abschottung (noch?) nicht so stark ist wie in anderen Lagern. Was, das zeigt auch die <a title="Forsa Umfrage Berlin" href="http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/archiv/.bin/dump.fcgi/2010/0731/berlin/0047/index.html" target="_blank">Forsa-Umfrage</a>, auch von außen so betrachtet wird.</p>
<p>Die Stärke der Grünen ist die Schwäche der anderen Parteien, ja. Und darüber hinaus?</p>
<p>Ein struktureller Erfogsfaktor ist, dass die Grünen, anders als andere Parteien, doch relativ konsequent an ihrer eigenen politischen Perspektive gebaut haben, vom Naturschutz zur Ökologie, von der Ökologie zur Strukturpolitik (z.B. Verkehrspolitik). Und weiter zu einer nachhaltigen Finanzpolitik, die weniger programmatisch, sondern durch Personen sichtbar wurde, Oswald Metzger, Christine Scheel und jetzt Alexander Bonde, mit unterschiedlichen Prioritäten, aber immer auch in schwierigen Situation geradlinig. Und weiter zum &#8220;Green new Deal&#8221;. Allen gemeinsam ist, dass die Leitidee der gesamten Grünen Politik &#8220;Wir haben die Erde nur von unseren Kindern geborgt&#8221; noch immer als zukunftsorientierte Leitidee für die aktuelle und künftige Politik taugt. Das ist der wahre Kern der momentanen Stärke der Grünen: Kontinuität und Verlässlichkeit aus der Perspektive der Außenwelt. (Beim nochmaligen Darüberlesen fällt mir auf, dass die zweite Traverse grüner Politik, die zivilrechtliche, völlig unter den Tisch gefallen ist. Das ist interessant, weil sie tatsächlich auch in Umfragen keine Rolle spielt. Und doch, so beim nochmaligen Nachdenken, ein latenter Erfolgsfaktor ist. Es ist die -bürgerliche- Zuversicht, dass Bürgerrechte, als Forderung und als Aktionsform ziviler Ungehorsam, als Ziel und als Weg, ein wesentlicher Bestandteil von Politik sind.)</p>
<p>Der zweite Erfolgsfaktor ist, dass die Grünen, anders als die politische Konkurrenz, einen weniger selbstreferentiellen Charakter aufweisen als andere. Das haben sie manchmal selbst noch nicht verstanden. Tatsache ist, dass die immer wieder unruhige Basis ein nützliches Korrektiv zum Raumschiff Bundespolitik ist, das ja jetzt sein Basiscamp von Bonn nach Berlin verlegt hat.</p>
<p>Kleine Nebenbemerkung dazu (Man kann sie auch überlesen) &#8211; Das Raumschiff Bundespolitik ist gelandet. Und interagiert noch weniger mit der Stadt als in Bonn. Ein bißchen hat man auch als Lobbyist den Eindruck, als habe das Regierungsviertel &#8220;Unter den Linden&#8221; mit seinen Showrooms (Von Peugeot über Volkswagen, Audi, Bugatti bis Ferrari!) als so eine Art Burgwall um sich herum aufgezogen. Das Schloss fehlt noch, um die Suggestion von Macht und Wirksamkeit zu inszenieren. Das ist das wahre Paradigma des bundespolitischen Scheiterns: Die Selbstinszenierung von Mächtigkeit, die sich darin erschöpft, sich immer wieder in anderen Zirkeln zu treffen; &#8211; und nichts zu bewegen.</p>
<p>Also: Anders als anderen Parteien verfügen die Grünen noch über eine Außenwahrnehmung. Sie sollten bewußt mit der Gefahr der Selbstbezüglichkeit umgehen.</p>
<p>Aber: Wer so abhebt, sollte sich der anstehenden Gefahren bewußt sein. Die da wären: In zwei Ländern stehen die Grünen in Koalitionen, die über Instabilitätspotential verfügen: Hamburg und Nordrheinwestfalen.  Hamburg, weil es darauf ankommt, aus der Niederlage die richtigen Konsequenzen zu ziehen. Und Nordrheinwestfalen, weil zwar die inneren Voraussetzungen, hoher Konsens im Spitzenteam, gut sind, aber die Abhängigkeit von unberechenbaren Dritten erpressbar macht; &#8211; was nicht zu vermeiden ist.</p>
<p><em>Die Hamburger Niederlage richtig begreifen, heißt die Fundamente für eine weitere Erfolgsgeschichte zu legen. Hamburg ist eine Art Lackmustest dafür, wie veränderungsbereite Politik aufgestellt sein muss, um erfolgreich zu sein. Deshalb steht es jetzt an, über solche Fragen zu reden. Was ist in Hamburg schief gelaufen? Welche Konsequenzen müssen Grüne ziehen, um künftig nicht mehr in ähnliche Fallen zu laufen? Von welchen Falle rede ich eigentlich? (Der Falle von prinzipieller Richtigkeit und politischer Machbarkeit).</em></p>
<p>Genügend Stoff für die Sommerpause!</p>
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		<title>Was unten los ist. Und was darüber oben gedacht wird.</title>
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		<pubDate>Sat, 13 Feb 2010 14:43:38 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Nikolaus</dc:creator>
				<category><![CDATA[Bildung]]></category>
		<category><![CDATA[Paradigma]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>

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		<description><![CDATA[In der Wochenendbeilage der Berliner Zeitung vom 13.2. hat Tanja Leston einen bemerkenswerten Artikel geschrieben. Wie Anno 2010 eine nicht ausgebildete Hilfslehrer(in) an einer Schule in Berlin Wedding als Lehrkraft eingesetzt worden ist. Und was ihr dabei auffiel. Vorab: Dieser Beitrag (und der Artikel) will niemand in eine der bereit stehenden Pfannen hauen. Dazu ist [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>In der Wochenendbeilage der Berliner Zeitung vom 13.2. hat Tanja Leston einen</em> <a title="Schulen in Wedding" href="http://fruehstuecksfernsehen.nikolaus-huss.de/?p=247" target="_blank"><em>bemerkenswerten Artikel</em></a> <em>geschrieben. Wie Anno 2010 eine nicht ausgebildete Hilfslehrer(in) an einer Schule in Berlin Wedding als Lehrkraft eingesetzt worden ist. Und was ihr dabei auffiel.</em></p>
<p><span id="more-243"></span>
<p>Vorab: Dieser Beitrag (und der Artikel) will niemand in eine der bereit stehenden Pfannen hauen. Dazu ist das Thema zu ernst. Er will lediglich den Bodenbezug zu einer Diskussion herstellen, die in Hamburg und allerorten tobt. Der bisher von jeder Regierung mehr oder weniger vermurkst worden ist. Der die Regierenden bisher fast immer zweistellige Prozentpunkte oder gar die Regierungsmehrheit gekostet hat. Aus dem Verrschiedene Verschiedenes, aber nicht das Richtige gelernt haben.</p>
<p>Der Artikel erzählt aber auch, wie eine bewundernswert aufgeweckte Person in rund einem Jahr mehr über die bildungspolitische Diskussion begreift als alle Bildungspolitiker der vergangenen 20 Jahre zusammen. Nämlich: Wie Schule arbeiten müsste, wenn sie erfolgreich sein wollte. Wie Pädagogen handeln müssten, wenn sie etwa bewirken wollten. Und warum beide derzeit nicht in der Lage dazu sind.</p>
<p>Mein Wunsch: Diesen Beitrag an alle Bildungspolitiker in allen Bundesländern zu verschicken. Wer den Beitrag gelesen hat, sollte dann auf einem Zettel notieren, woran eine bessere Erziehung scheitert. Dann sollte in einer zweiten Spalte stehen, was man tun müsste, um das Problem zu lösen. Und in einer dritten Spalte möchte ich dann lesen, wer alles dabei mitziehen müsste, um das Problem zu lösen (Chance, we can believe in!). Und drunter sollte man einen Strich ziehen und nur eine Zahl hinschreiben. Die Zahl, die ausdrücken soll, mit welcher Wahrscheinlichkeit sich das in der derzeitigen Verfasstheit des politischen Systems ändern wird. Ich bin sicher, die Realisten werden dann schreiben, 0%, die Optimisten werden bei etwa 10% landen.</p>
<p>Ob das Schwarzmalerei ist? Ich glaube nicht. Und wer das immer noch glaubt, mit dem möchte ich besagten Artikel noch einmal Zeile für Zeile durchgehen. Und dann das Ganze wiederholen.</p>
<p>Diese Prozedur würde uns viele scheinbare Auseinandersetzungen über die künftige Struktur des Bildungswesens sparen. Weil vor den Erfahrungen von Tanja Leston längst klar geworden ist, dass keine Strukturreform der Welt diese Probleme lösen wird. Weil sie in dieser Form unlösbar sind. Es spielen zuusammen: Unterschiedliche Kulturen von Menschen, gerade in prekären oder Stadtteilen mit gemischten Sozialstrukturen. Es kommen dazu: Inhalte, die schon einem Großteil der biodeutschen Bevölkerung völlig gleichgültig sind, aber schon gar Inländern mit Migrationshintergrund, die tatsächlich keinerlei stabilen Hintergrund mehr haben: Weder sind sie in der Türkei (wir nehmen das Beispiel) verhaftet, noch in Deutschland. Man könnte sagen, sie sind transkulturell, wenn sie nicht auf der Verliererseite stehen würden und völlig sinnentleert irgendwelche staatlichen Zwangsmaßnahmen über sich ergehen lassen müssen. xy hat aufmerksam registriert, wie die Lage besser wird, wenn man die Hälfte der Jugendlichen außen vor lässt: Erst dann lässt sich ein Dialog aufnehmen zwischen einer neugierigen und unerfahrenen Lehrkraft und hilflos alleinegelassenen aggressiven oder regressiven Jugendlichen.</p>
<p>Chance, we can believe in? Wir wissen, Bildung ist der Schlüssel für die Wohlfahrt unserer Nation im internationalen Rat Race. Wir wissen auch, dass viele der bildungsbürgerlichen Familien das längst verstanden haben; &#8211; rund 10% schicken ihre Kinder bereits auf Privatschulen, in Verunsicherung darüber, was an öffentlichen Schulen so vor sich geht. Die Anzahl derer, die über ein Floating in der intenen Hierarchie der öffentlichen Schulen eine Systemoptimierung betreiben, liegt sicher weit über diesen Raten.</p>
<p>Vor diesem Hintergrund ist es übrigens nicht verwunderlich, wenn die verbindliche Entscheidung über die Schulwahl nicht durch die Lehrkräfte und über Leistung erfolgen soll. Die bildungsbürgerlichen Eltern, das zeigt sich immer wieder, lässt sich über das offizielle Leistungsgerede und das inoffizielle Wissen, dass sie, Bourdieux lässt grüssen, ohnehin privilegiert sind, nicht beeindrucken. Sie wollen, und zwar zurecht, die besten Möglichkeiten für Ihr Kind. Auch wenn es mit Nachhilfe und und und verbunden ist (eine andere Frage ist, ob das immer klappt. Übrigens auch nicht in der Privatschule, was geplagte Privatschuleneltern berichten können. Denn gegen uninteressierte Eltern, die ihre Kinder als interessante bis zu in ihrer Attraktivität immer weiter an Attraktivität einbüßende Ausstattungsstücke des Ortes Familie betrachten, ist auch dort nur das Gras Drogenkosum gewachsen. Pubertierende brauchen Reibung und Auseinandersetzung. Und zwar daheim).</p>
<p>Wir kommen zur Situation in der Schule und der bildungspolitischen Diskussion zurück. Meine These: Bildungspolitik hat sich längst von der schulischen Realität verabschiedet. Die abstrakt richtigen Diskussionen, dass &#8220;gemeinsam lernen besser ist&#8221;, die theoretisch stimmt, weil die Selektion in der vierten keine Förderung, sondern die Aussonderung derer sind, die in das bildungsbürgerliche Modell der humboldschen Gymnasium nicht passen, sind in den realen Auseinandersetzungen längst anderen Überlegungen gewichen. Für viele Eltern geht es, und zwar mit Recht, darum, dass sie die Bildungschancen ihrer Kinder erhalten möchten. Und was für bildungsbürgerliche Eltern verständlich ist, funktioniert für andere so nicht. Deshalb setzen die Bildungsbürger auf Erhalt der jetzigen Struktur. Zwar können sie privatissimum die Beschränktheit unseres Bildungswesens ohne Probleme erkennen. Sie sind aber nicht bereit, ihre Kinder auf dem Alter allgemeinen Wohlergehens zu opfern. Und da kann ihnen niemand wirklich Vorwürfe machen, weil das rein menschlich ist. Das Wohlergehen seines nächsten sollte einem immer mehr wert sein als abstrakte Ideen. Das ist human. Und keine Klientelpolitik.</p>
<p>Was ist die Lösung des Problems? Die Lösung des Problems ist keine, die Politiker alleine stemmen können. Denn die Bundespolitik kann nichts ausrichten (außer Geld, das sie nicht hat, für Ganztagsbetreuung auszugeben). Landespolitik kann es auch nicht lösen, weil ihnen das Geld fehlt. Und Lehrkräfte können es auch nicht alleine lösen, weil sie, wenn sie älter sind, bereits (ZU RECHT! Lehrer haben die höchsten Frühverrentungsraten, weil sie die Sinnlosigkeit ihrer Tätigkeit jeden Tag als Einzelperson, nicht als Team in der Schule bewältigen; &#8211; jedenfalls oftmals) erschöpft, ausgeblutet und, hier liegt das Versagen der Politik und der Geselllschaft, noch immer völlig fremd den eingewanderten Kulturen bzw. der aus den vernachlässigt eingewanderten Kulturen entstandenen Realkulturen rappender und gewalttätig sich durchs Leben schlagender Jugendlicher sind.</p>
<p>Eine Gesellschaft, die vierzig Jahre lang ignoriert hat, dass sich die kulturellen Wurzeln des Landes längst verästelt haben und jetzt feststellen muss, dass längst die Mehrzahl der neu entstehenden Wurzeln (die Jugendlichen mit Migrationshintergrund) längst anderswo wurzelt, kriegt auch irgendwie die Quittung dafür. Das kann sie auch nicht mit aggressiver anti-islamischer Kampfkultur richten, sondern sie muss sich in täglicher Kleinarbeit damit beschäftigen, wie sie aus diesem Dilemma herauskommt.</p>
<p>Chance, we can believe in! Is there any Opportunity? Eigentlich bin ich zuversichtlich. Denn letztlich geht es nur darum, dass wir alle das Thema ernst nehmen, uns nicht hinter Formalias verschanzen und &#8211; von unten nach oben &#8211; das Thema Schule so beackern, dass wir in der notwendigen Nachhaltigkeit, dh. mit der Geduld, die Dinge auch mal sich entwickeln zu lasssen, dem Mut, auch Fehlschläge hinzunehmen und zu korrigieren und dem Wunsch, das Problem zu lösen und nicht immer dem politischen Gegner vorzuwerfen, dass er noch weniger begriffen hat als man selber, an die Fragen heran gehen.</p>
<p>Stopp. Eines habe ich vergessen. Die wichtigste Voraussetzung ist die, dass die Politiker die Wolke ihrer bildungspolitischen Glaubensbekenntnisse verlassen und die Wirklichkeit zur Kenntnis nehmen, bevor sie darüber reden. Ich meine, das hat weitere Konsequenzen, damit das Problem handelbar ist. Zum Beispiel, dass es für unterschiedliche Regionen und Stadtteil unterschiedliche Lösungen geben muss. Dass es keine Lösung geben kann, die die Politik für die Menschen und Kulturen macht, sondern nur mit ihnen machen kann. Dass sie Lösungen zulässt, die eigene Bildungswege für Menschen mit Migrationshintergrund einhaltet, weil nicht jedes Problem mit einer Standardlösung zu bewältigen ist. Was bedeutet es, kulturelle Identität zu entwickeln, wenn nur diffuse Vorstellungen über die eigenen, also persönlichen Wurzeln verhanden sind? Wie gelingt es, die neu enstehenden Minderheitskulturen als selbstbewußte Akteure einer weltoffenen Gesellschaft ernst zu nehmen und sie auf gleicher Augenhöhe in die Diskusssion einzubeziehen.</p>
<p>Chance, we can believe in! Oder: von der Sowietunion lernen, heißt siegen lernen. In diesem Falle bedeutet das, aus dem Scheitern einer Nomenklatur zu lernen. Auch in unserer liberalen Gesellschaft ist ein potemkinsches Dorf errichtet worden. Ein sprichwörtliches Dorf, denn da zählt Leistung, da kennen und schätzen sich alle, da geht es fair zu, das gibt es keine wesentlichen Probleme. Dafür sind die Dorfschulzen da, die regeln das alles im Sinne des ganzen Dorfes. Stattdessen ist Deutschland in der globalisierten Welt eher ein Heerlager, das sich aus unterschiedlichen, sich manchmal verbündenden und manchmal mißtrauenden Stämmen zusammen setzt und sich auf Strategien verständigen muss. Wenn sich abzeichnet, dass einige Stämme mehr Kämpfer bereit stellen können tut die Heerleitung gut daran, deren Wünsche und Ideen stärker zu berücksichtigen. Auch wenn es einem selbst etwas fremder scheint. Chance, we can believe in. Das bedeutet, dass wir selbstverständlich davon ausgehen, dass Menschen, mit welchem Hintegrund auch immer, die hier leben, eine Chance auf Wohlstand und Aufstieg haben wollen. Dass sie kulturell als DIE VON HIER wahrgenommen werden wollen. Dass sie nicht immer die sein wollen, die herumgeschubst und getreten werden (und deshalb instinktiv wissen, dass sie stark sein müssen, wenn sie sich wehren wollen).</p>
<p>Um mit Westerwelle zu enden. Ja, auch vom römischen Reich können wir lernen. Nämlich, dass, wenn der Zustrom von Sklaven und Rechtlosen, die die Idee von römischen Bürger und der res publica erst ermöglicht haben, versiegt ist, das lockere Leben für die römischen Bürger ein Ende hatte. Und zwar, hier täuscht sich Westerwelle, nicht nur für die tatsächlichen Verlierer der Mehrheitsgesellschaft, die zuvor mit Brot und Spielen, die heute Hartz IV heißen, bei Laune oder ruhig gehalten worden sind. Sondern auch für die Aristokraten und Möchtegern-Aristokraten, die sich in andere Sphären gebeamt haben. Chance, we can believ in, das ist eine Option. Die andere Option ist: Chance, that will be happen. Spätestens nach diesem Artikel, für den wir der Berliner Zeitung und Frau Tanja Leston danken sollten, können wir erahnen, was auf der Agenda steht. Und wir können daraus lernen, dass es gar nicht so schwierig ist, zu erkennen, was notwendig ist. Wenn wir nicht an Systeme glauben, sondern überlegen, welche Rahmenbedingungen die Menschen brauchen, um arbeiten zu können.</p>
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		<title>Besser ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende</title>
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		<pubDate>Thu, 11 Feb 2010 11:05:03 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Nikolaus</dc:creator>
				<category><![CDATA[Bildung]]></category>
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		<description><![CDATA[Und noch eine gescheitert. Die schwarz-grüne Regierung in Hamburg ist nicht die erste und wird nicht die letzte Regierung sein, die an der Bildungsfrage scheitert. Aber wenn sie daraus schnell Konsequenzen zieht, könnte sie die erste Regierung sein, die angemessene Learnings aus der Unregierbarkeit zieht. Ein Schlachtenpanorama mit Schlussfolgerungen. Gescheitert! Die schwarzgrüne Landesregierung in Hamburg [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Und noch eine gescheitert. Die schwarz-grüne Regierung in Hamburg ist nicht die erste und wird nicht die letzte Regierung sein, die an der Bildungsfrage scheitert. Aber wenn sie daraus schnell Konsequenzen zieht, könnte sie die erste Regierung sein, die angemessene Learnings aus der Unregierbarkeit zieht. Ein Schlachtenpanorama mit Schlussfolgerungen.</p>
<p><span id="more-239"></span>
<p>Gescheitert! Die schwarzgrüne Landesregierung in Hamburg ist anspruchsvoll gestartet und offensichtlich gescheitert. Nein, große Fehler hat sie nicht gemacht, wir brauchen ein Schulwesen, das auch bildungsfernen Kindern und Jugendlichen Aufstieg durch Bildung ermöglicht.</p>
<p>Aber, auf diesem Weg ist es wohl nicht zu machen, auch nicht, wenn sich Ole von Beust vorbildlich ins Zeug legt und sich der hochverehrte Herr Otto engagiert. Was alle Parteien ausblenden: Die Parteien und die Politik hat die Definitionsmacht über Bildungspolitik verloren. Denn die Eltern glauben ihnen nicht, egal, welcher Partei sie anhängen. Das führt dazu, dass sich die Kräfte der Erhaltung zusammen schließen können, um den Weg in die Zukunft zu verhindern. Nicht die Gucci Träger, sondern die Bildungsbürger haben jetzt einen Pyrrussieg errungen: Bestand statt Bewegung. Frei nach dem Motto: Zwar sind wir von diesem Schulsystem nicht überzeugt, aber ich weiß, wie ich mein Kind über die jetzt bestehenden Hürden bringe. Und um cer Zukunftschancen MEINER Kinder willen bin ich bereit, alle unwägbaren Risiken beiseite zu räumen. Koste es was es wolle.</p>
<p>Im Klartext: Während die Bildungspolitik von besseren Durchschnittschancen für alle reden, denkt der betroffene Bildungsbürger an die größeren Risiken für seine Kinder. Das ist zwar egoistisch, aber gerade vor dem Hintergrund, dass gute Bildung die besten Karrierechancen erschließt, legitim. Und es wird Zeit, dass sich die Bildungspolitik auf den Weg macht, neue Ansätze zu finden.</p>
<p>Denn klar ist: Eine Schule für alle führt zu einem System, das viele Gegner hat: Lehrer, die standespolitische Interessen verfolgen, Lehrkräften, die sich von den weiteren Herausforderungen überfordert fühlen, Eltern, die, gerade, wenn sie in sozial gemischten Vierteln leben, Angst vor fremden Kulturen und sozialen Schichten haben und eine Veränderung des Binnenklima befürchten. Und das in einem Schulsytem, das verkrustet und erstarrt ist. Und in einer Situation, in der Mittelschichten Abstiegsängste haben.</p>
<p>Die Lehre aus diesem erneuten Scheitern einer Schulreform ist: Wenn der Rahmen gleich bleibt, wird die Schule auch gleich bleiben. Denn längst haben die Eltern begriffen, dass Versprechen, die Politiker machen, nicht eingehalten werden können. Weil die Schulstruktur dagegen spricht, weil der Schulleiter dagegen ist, weil die Lehrer und alle Angst haben. Wir müssen das Schulwesen von Grund auf neu denken. Und wir müssen alle einbeziehen, die daran mit zu wirken haben: Schulverwaltung, Lehrer, Eltern und Schuler. Nur dann können wir berechtigte Ängste abbauen und aus Gegnern Unterstützer machen.</p>
<p>Eines ist dabei klar: Es wird und muss unterschiedliche Wege zum Abitur geben. Weil es unterschiedliche Ausgangspunkte gibt. Ein Junge mit Migrationshintergrund aus einer klassischen bildungsfernen Familie wird auf einem humanistischen Gymasium sein Glück nicht finden. Weil es nicht seine Kultur ist. Also, warum öffnet man nicht die Wege, um über unterschiedliche Entwicklungspfade, zum Beispiel auch transkulturelle Schulangebote oder Werkschulangebote, die handwerkliche mit Bildungsabschlüssen verbinden, den Weg zum Abitur und damit zum Hochschulzugang frei machen. Denn nur darum geht es. Und der Kulturkamof, dass wir eine Einheitsschule brauchen um vergleichbare Schulabschlüsse zu erreichen, den hat die Politik jetzt verloren. Und deshalb sollte sie die Quittung einstecken und jetzt nachdenken, wie sie das Votum einer aktiven Minderheit zum Ausgangspunkt für eine Schulpolitik macht, bei der sich alle eingebunden fühen. Das wäre Courage. Das würde Hamburg, Berlin und ganz Deutschland helfen. Denn es würde erstmals zeigen, dass die Politik das Volk, das sich rührt, ernst nimmt und zum Ausgangspunkt ihrer Überlegungen macht. Das bedeutet nicht, das Ziel &#8220;Mehr Bildung für mehr Kinder&#8221; aus den Augen zu verlieren. Aber es bedeutet, die Mitwirkung aller an der Wegfindung aktiv einzufordern. Think global, act local. Und jetzt aber wirklich!</p>
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		</item>
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		<title>Bildung ist kein Bürgerrecht. Mehr, aber es sollte wieder eines werden</title>
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		<pubDate>Sun, 07 Feb 2010 05:00:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Nikolaus</dc:creator>
				<category><![CDATA[Bildung]]></category>
		<category><![CDATA[Paradigma]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Wirtschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Zeitungsarchiv]]></category>

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		<description><![CDATA[Ulrich Beck hat in Becks Welt am 6.2.2010 (Berliner Zeitung) gezeigt: In Zeiten des Umbruchs gibt es nicht nur die Alternativen zwischen Beharrung und totaler Neoliberalisierung, sondern auch neue Wege. Sozusagen einfach die Fehler des alten Wegs korrigieren, aber nicht das Kind mit dem Bade ausschütten. Berliner Zeitung 20100206 Beck Welche Universität wollen wir? Weltinnenpolitik: [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Ulrich Beck hat in <a title="Becks Welt und die Globalisierung" href="http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/archiv/.bin/dump.fcgi/2010/0206/feuilleton/0004/index.html" target="_blank">Becks Welt am 6.2.2010 (Berliner Zeitung)</a> gezeigt: In Zeiten des Umbruchs gibt es nicht nur die Alternativen zwischen Beharrung und totaler Neoliberalisierung, sondern auch neue Wege. Sozusagen einfach die Fehler des alten Wegs korrigieren, aber nicht das Kind mit dem Bade ausschütten.</p>
<p><span id="more-220"></span>
<p>Berliner Zeitung 20100206 Beck</p>
<p>Welche Universität wollen wir?<br />
Weltinnenpolitik: Der Weg zu einer Humanität der gegenseitigen Abhängigkeiten<br />
Ulrich Beck</p>
<p>In den 1960er-Jahren riefen Georg Picht und Ralf Dahrendorf die &#8220;Bildungskatastrophe&#8221; aus. Die Antwort war: Bildung für alle. Aber der Bologna-Prozess ist gescheitert. Als sein Ergebnis zeichnet sich eine neue Bildungskatastrophe ab: Keine Bildung für alle! Was zwei Weltkriege nicht geschafft haben, könnte Bologna erreichen: die deutsche Universität zu zerstören.</p>
<p>Hemmungslos schleudert eine Anti-Bildungs-Bildungsreform ihre Plastikwörter &#8211; Exzellenz, Kompetenz, Effizienz, Modularisierung &#8211; hervor, und eine teils eingeschüchterte, teils sympathisierende Rektoren- und Professorenschaft setzt sie in die Wirklichkeit um und nimmt die Plastiksprache für die Wirklichkeit. Man sagt &#8220;Bachelor&#8221; und setzt die McDonaldisierung der deutschen Universität in Gang: Fast Food entspricht Fast Education. Modularisierung löst die in Jahrzehnten gewachsenen Fachstandards und Diskursfelder auf. Die chronisch unterbesetzten Sozial- und Geisteswissenschaften können am Ende ihre eigenen fachwissenschaftlichen Abschlüsse nicht mehr anbieten. Der letzte Vertreter seines Faches knipst das Licht aus.</p>
<p>Damit alles dennoch seine Ordnung hat, bildet der Staat eine Art McKinsey-Stalinismus heran: Netzwerke aus Akkrediteuren, Evaluierern und Bildungsspitzeln. Das erinnert verdammt an die DDRisierung der BRD. Ich schlage vor, dass die Studierenden jährlich den &#8220;Margot-Honecker-Preis&#8221; für die herausragendste Absurdität der Bildungspolitik vergeben. Denn es sind sie, und nur sie, die die Initiative ergriffen und die Idee der Universität gegen die staatlich sanktionierte Übermacht der Reformattacken verteidigen. Das spricht dafür, dass der demokratische Geist, der allseits beschworen wird, noch lebt.</p>
<p>Seit den 1960er-Jahren, so wurde im Rückblick ironisch angemerkt, wächst täglich die Zahl der Widerstandskämpfer gegen das NS-Regime. Nach den Überraschungserfolgen der Studentenproteste gegen eine Reform, die ihnen eine Wochenarbeitszeit von 60 Stunden abverlangt, wächst täglich die Zahl derjenigen, die &#8220;immer schon&#8221; dagegen waren. Allerdings droht sich die neu entflammte Debatte in den technischen Details zu verlieren, während die Frage nach der Alternative &#8211; welche Universität wollen wir? &#8211; ausgeblendet bleibt. Diese Frage möchte ich hier aufgreifen und in zwei Schritten erörtern: Welcher historische Wandel erschüttert das Hochschulwesen? Und welche Rolle soll die reformierte Universität in der veränderten Welt spielen?</p>
<p>In Harvard kann man lernen: Der Humboldt&#8217;sche Bildungsbegriff ist moderner denn je. Fast alle scheinbar ewigen Formen, Unsicherheit zu bewältigen, verlieren an Bedeutung &#8211; in Familie, Ehe, Geschlechterrollen, Klassen, Parteien, Kirchen, zuletzt der Wohlfahrtsstaat. Auf diese Vervollkommnung der Unsicherheit gibt es bislang nur drei Antworten: Bildung, Bildung, Bildung! Und nicht Ausbildung, Ausbildung, Ausbildung! Denn mit der Ausrichtung an Arbeitsplätzen wird &#8220;der wirtschaftliche Bedarf&#8221; zum Bezugspunkt gemacht, den es in der rasant sich wandelnden Arbeitswelt dann so gar nicht mehr gibt.</p>
<p>Es ist nicht die Universität, die in Ruinen liegt, sondern das nationale Modell der Universität, jenes Bündnis von modernem Staat, akademischer Wissenschaft und nationaler Kultur. Die historischen Rahmenbedingungen, unter denen der Nationalstaat und der moderne Begriff der Nationalkultur sich wechselseitig hervorriefen, werden von einer sich zunehmend transnationalisierenden Wirtschaft, Kultur und Politik weggespült. Damit zerfallen: die Allmacht des Staates im Bildungswesen; der Elitecharakter der Universität; die Legende des akademischen Elfenbeinturms; nicht zuletzt der &#8220;methodologische Nationalismus&#8221; der Universität.</p>
<p>Unter dem Eindruck der nationalen Einheit von Staat und Universität haben sich auch die Geistes- und Sozialwissenschaften darin eingerichtet, den Staat als Nationalstaat, die Gesellschaft als Nationalgesellschaft, die Identität als nationale Identität, die Geschichte als Nationalgeschichte, die Demokratie als nationale Demokratie zu begreifen und zu erforschen. Das konserviert in Zeiten des transnationalen Verwischens von Grenzen falsche Erkenntniswege. Nirgendwo wird dies so deutlich wie in Europa, dessen Nationalgesellschaften und Nationalstaaten verflechtende Realität im Banne des methodologischen Nationalismus schlechterdings unbegreiflich bleibt. Die Universitäten erleiden also das Schicksal anderer öffentlicher Dienstleistungen. Und die Antwort ist eine Quadratur des Kreises. Sie muss einander widersprechende Ziele verbinden: das finanzpolitische Diktat des Weniger mit dem demokratiepolitischen Diktat des Mehr (Massenbildung und Elitenbildung).</p>
<p>Im Umgang mit diesen Schwierigkeiten lassen sich drei Optionen unterscheiden. Die Vertreter der nostalgischen Agenda setzen auf das Motto: Warum soll sich etwas daran ändern, dass sich nichts ändert? Die zweite Option der Bildungspolitik, die neoliberale Agenda, schickt sich an, die Universität als Markt-Universität nach dem Vorbild von Fabriken umzumodeln. Gegen beide Positionen grenzt sich die weltinnenpolitische Agenda ab. Ich unterscheide zwischen Humboldt 1 (19. Jahrhundert) und Humboldt 2 (21. Jahrhundert). Die Pointe ist: Die weltinnenpolitische Agenda will die Idee der Universität als Schule der Weltbürgerlichkeit neu begründen.</p>
<p>Die neoliberalen Eiferer finden für die Politik der leeren Kassen immer neue Begründungen: Nach dem Motto: Wir geben euch die Hälfte Mehl, aber daraus müsst ihr doppelt so viele Brötchen backen! Und diese neuen, mit Wasser gebackenen Bildungsbrötchen sind Etikettenschwindel: Bachelor gleich Studienverkürzung gleich Entlastung der öffentlichen Haushalte.</p>
<p>In der industriegeprägten Arbeitnehmer-Gesellschaft wurden Menschen zu Kopisten vorgegebener Blaupausen ausgebildet. In Zeiten dramatischer Veränderungen werden hingegen schöpferisch handelnde Grenzgänger wichtiger, die befähigt sind zur Selbstbestimmung, Mitbestimmung und zur Solidarität über Grenzen hinweg. Der Zweck der Universität gerade auch im 21. Jahrhundert ist das Schärfen der eigenen Gedanken an den fremden. Das jedoch folgt nicht aus dem Idealismus der Aufklärung heraus, sondern aus dem ökonomischen Realismus der Weltwirtschaft. Das ist Humboldt 2 &#8211; nicht McKinsey!</p>
<p>Wer die Universität nach Marktprinzipien reformiert, beruft sich darauf, das Prinzip &#8220;Mehr Chancen für alle&#8221; durchzusetzen. Es droht jedoch das Gegenteil: die Wiederkehr des Sozialdarwinismus unter dem Druck der Globalisierung. Das macht perverserweise ausgerechnet Bildung zur Legitimation des Ausschlusses von Menschen aus der Gesellschaft. Eine sozial gerechte Bildungspolitik müsste daher der Devise folgen: Wer soziale Sicherheit abbaut, muss Bildung ausbauen. Denn in Bildung zu investieren ist sozusagen die Sozialversicherung, die nach der Sozialversicherung kommt. Der Staat, der in seiner Finanznot Sozialausgaben kappt, muss das Geld stattdessen in Schulen und Hochschulen stecken. Auch gilt: Studiengebühren und Chancengleichheit schließen sich keineswegs aus &#8211; allerdings nur dann, wenn die Studiengebühren dazu genutzt werden, ein bundesweites Darlehens- und Stipendienmodell zu finanzieren.</p>
<p>Ein weiterer Irrtum der neoliberalen Agenda liegt darin, die Forderung nach Autonomie der Hochschulen mit Marktautonomie zu verwechseln. Dadurch wird die Möglichkeit verspielt, die Humboldt bereits am Beginn des 19. Jahrhunderts vor Augen stand, nämlich Bildung und Forschung sowohl staatsfern als auch marktfern zu organisieren. Der unverzichtbare Schlüssel dafür liegt in der Selbstfinanzierung der Hochschulen, und diese wiederum könnte sich auf diverse Geldquellen stützen: Studiengebühren, Stiftungskapital, regionale und globale Netzwerke. Insbesondere könnten Universitäten ihr Wissen patentieren und auf diesem Weg Gewinnquellen erschließen &#8211; nicht zuletzt mit dem Ziel, die Autonomie der Hochschulen auch gegenüber dem Kontrollzugriff der Wirtschaft abzuschirmen.</p>
<p>Humboldt 1 verfolgte einen nationalpädagogischen Zweck. Die Universität wurde zur Geburtsstätte der nationalen Souveränität. Humboldt 2 dagegen gründet auf einer &#8220;Declaration of Interdependence&#8221;. Keine Nation kann ihre Probleme alleine lösen. Weltprobleme schaffen transnationale Gemeinsamkeiten. Interdependenz ist keine Geißel der Menschheit, sondern die Voraussetzung ihres Überlebens. Die Humboldt-2-Universität weist uns den Weg zu einer Humanität der gegenseitigen Abhängigkeiten &#8211; einer Humanität, für die das Ringen um die Würde des national konstruierten und ausgeschlossenen Anderen vielleicht den Stellenwert gewinnt, den der Klassenkampf im 19. Jahrhundert innehatte.</p>
<p>Die globalen Eliten verteidigen eifersüchtig ihre neuen, transnationalen Optionen. Aber wofür streiten sie? Für einen reinen Ökonomismus? Oder für eine neue Verfassung der Freiheit? Das unterscheidet Humboldt 2 von Humboldt 1: An die Stelle der Schule der Nation tritt die Schule der Weltbürgerlichkeit. Damit geht es wieder um die Bildungsinhalte, um Neugier und Lernbegierde, nicht aber um das bloße utilitaristische Schielen auf Kompetenzlisten. Denn die weltinnenpolitische Agenda wagt es, die Universität zum Experimentalort einer zweiten, postnationalen Aufklärung zu machen. Da es diese erst in Ansätzen gibt, bleibt die Einheit von Forschung und Lehre unverzichtbar.</p>
<p>Humboldt 1 diente der Einübung des nationalen Blicks, also der nationalen Elitebildung, setzte ein entsprechendes bildungsbürgerliches Milieu der Staatsbeamten und Besoldungsordnungen voraus. Humboldt 2 dient der Einübung des kosmopolitischen Blicks, bildet die Eliten heran, die national und international die sich im Kämpfen und Kriegen formierende Weltgesellschaft mitgestalten. Es entsteht eine Hochschule des Sowohl-als-auch, nämlich für national-kosmopolitische Eliten und Massenerziehung.</p>
<p>Diese Gleichzeitigkeit hätte eine wichtige Funktion. Sie könnte der sich schon heute einschärfenden, neuen globalen Klassenspaltung entgegenwirken &#8211; jener Spaltung zwischen weltweit vernetzten kosmopolitischen Eliten und territorial gebundenen arbeitenden und denkenden Mittelschichten, die sich als &#8220;Globalisierungsverlierer&#8221; sehen und hinter ihrem nationalen Weltbild verbarrikadieren.</p>
<p>Die Globalität von Humboldt 2 drückt sich in Finanzquellen, Forschungsthemen, Kooperationsformen, Curricula und global anerkannten Bildungspatenten aus; aber auch in den transnationalen Erfahrungshintergründen der Professorenschaft und der Forschungsteams sowie in der gezielten Einwerbung ausländischer Studierender mit unterschiedlichen Welterfahrungen und Weltperspektiven.</p>
<p>Nicht zuletzt auch als Antwort auf die Welt globaler Gefahren &#8211; Klimawandel, Weltwirtschaftskrisen, Terrorismus, Aids &#8211; müsste Humboldt 2 auch wieder ein Ort werden, an dem das Abenteuer des &#8220;versuchenden Gedankens&#8221; ermöglicht wird. Wie sonst sollte Nützlichkeit in einer sich selbst gefährdenden Zivilisation definiert werden?</p>
<p>Der Soziologe Ulrich Beck, geboren 1944, ist einer der bekanntesten Theoretiker der Globalisierung.</p>
<p>Er schreibt bis August 2010 an einem der ersten Sonnabende im Monat darüber, was ihm im Vormonat auffiel in den Medien und in der Wirklichkeit, an Zahlen und Ideen, global und lokal.</p>
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		<title>Es ist so schön im Lummerland. Warum es schwer sein wird, das &#8220;Einwanderungsland zur Aufsteigerrepublik&#8221; (Laschet) zu machen.</title>
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		<pubDate>Thu, 28 Jan 2010 08:27:24 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Nikolaus</dc:creator>
				<category><![CDATA[Bildung]]></category>
		<category><![CDATA[Integration]]></category>
		<category><![CDATA[Paradigma]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>

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		<description><![CDATA[Eines vorneweg. Es ist schon was, wenn in unserem alten Deutschland auf einem Podium zwei Menschen mit türkischen Hintergrund (Cem Özdemir und Shermin Langhoff) mit einem biodeutschen Cdu Minister (Armin Laschet) über die Frage der Integration und Teilhabe reden. Aber manchmal hilft es, zu spät zu kommen. Denn von den hinteren Plätzen aus ist die [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Eines vorneweg. Es ist schon was, wenn in unserem alten Deutschland auf einem Podium zwei Menschen mit türkischen Hintergrund (Cem Özdemir und Shermin Langhoff) mit einem biodeutschen Cdu Minister (Armin Laschet) über die Frage der Integration und Teilhabe reden. Aber manchmal hilft es, zu spät zu kommen. Denn von den hinteren Plätzen aus ist die Sicht auf die Dinge dann doch manchmal klarer. &#8220;Vom Einwanderungsland zurAufsteigerrepublik? Integration, Chancengerechtigkeit und Teilhabe in Deutschland&#8221;, Diskussion in der Heinrich-Böll-Stiftung, 27.1.2010, 19.00 Uhr.</p>
<p><span id="more-212"></span>
<p>Das Gute zuerst: An der Sicht Armin Laschets über Teilhabe und Nichtteilhabe gibt es nichts zu mäkeln. Keine Beschönigung der christdemokratischen Leugnungsgeschichte, eine hohe Sensibilität für die Frage, dass Integration nicht politisch alleine hergestellt werden kann. Klar auch, dass, wenn die Personen stimmen, grün und schwarz durchaus etwas bewegen können. Weil es ohnehin, Cem Özdemir hat das mehrmals beschworen, darum geht, eine Bildungspolitik so aufzustellen, dass sie von den Menschen getragen wird. Insofern Erleichterung, dass ein Stück Realität auf dem Podium angekommen ist. Die Berliner Theatermacherin Shermin Langhoff steuerte ihrerseits biographische und schlaglichtartige Eindrücke bei. Welche Wurzeln sie selbst hat (viele). Und, welche Rolle dabei die Kultur hat. Und natürlich, dass die derzeite Restmittelfinanzierung keine Lösung ist. Und trotzdem brach, als die freundlich dahinschaukelnde Diskussion, von Harald Aselt nur mäßig auf Kurs gehalten, so dahin trieb, im Publikum Unruhe aus. Spätestestens als Cem Özdemir dann doch den Landtagswahlkampf eröffnet hat und das nett anzuschauende &#8220;Wir haben uns alle lieb&#8221;-Sittengemälde der neudeutschen Gesellschaft mit bildungspolitischen Themen überzog. Integration, gemeinsam lernen, bessere Schulausstattung und viele andere Wünsch-dir-Was wurden aufgetischt, von Laschet in seiner Wirkung bezweifelt. Die Strukturfrage werde überschätzt, hielt er, etwas ausweichend entgegen.</p>
<p>Spätestens jetzt wurde es in besagten hinteren Reihen unruhig. Estaunlich viele junge Menschen, als visible Minderheiten deutlich erkennbar, lauschten zunehmend weniger der Diskussion. Nach einer Stunde begannen die Ersten abzuwandern. Weder einen professionellen Moderator, noch die Podiumsgäste schien es zwei Stunden lang zu stören, dass ein großes Bedürfnis nach Artikulation vorhanden war.</p>
<p>Warum, begann ich mich zu fragen, erreicht diese, für deutsche Politikverhältnisse doch ganz nachdenkliche Diskussion, nicht die Köpfe der Zuhörer?</p>
<p>Ein Grund könnte sein, dass die auf dem Podium vorherrschende Freundlichkeit dann doch nicht die Stimmungs- und Gefühlslage der Zuhörer getroffen hat. Zum Beispiel, wenn Laschet deutschen Behörden bescheinigt, in Sachen Integration doch auf dem richtigen Weg zu sein. Zum Beispiel, wenn er als zivilgesellschaftliches Engagement der Stiftungen anführt und eben die Zuhörer das Gefühl haben, ok, die 100 Stipendiaten der Bosch-Stiftung werden den stattfindenden Braintrain nicht umkehren. Und das ist kein einseitig parteipolitisches Argument, es gilt gleichermaßen für grün. Wer als Lösung in das Rezeptbuch der Parteiprogrammatik greift und das, im Prinzip richtige individualisierte Lernen heraus zaubert, hinterlässt trotzdem das Gefühl, nicht ganz ehrlich mit der Wirklichkeit um zu gehen. Weil, auch wenn das viele Menschen gar nicht artikulieren können, der Eindruck vorherrscht, mit politischen Programmen und dem kurzfristigen Punktgewinn ist das Problem nicht zu lösen.</p>
<p>Und tatsächlich stellt sich die Wirklichkeit der Zuhörer eben anders dar. Da ist eine Arbeitsverwaltung, die mit immer neuen Progrämmchen den Politkern Futter gibt, damit sie hier mal und dort mal ihre Geschichten erzählen können von vielversprechenden Projekten und tollen Menschen, die sie getroffen und gefördert haben. Aber die eben nicht darüber reden, dass Projektitis längst ermüdend für alle Beteiligten ist und den Menschen, statt echten Aufstiegschancen nur Kurzfristbeschäftigung in irgendwelchen EU-Drittmittelprojekten geben. Die von Halbjahresbeschäftigung zu Halbjahresbeschäftigung springen. Und irgendwann einmal ausgelaugt sind. Weil eben nicht über die wirklichen Rahmenbedingungen gesprochen wird. Die da sind: Eine völlig zerklüftete und verkleckerte Förderlandschaft, bei denen Dutzende von Institutionen sich durchhangeln, bei den, um beim Beispiel Berlin zu bleiben, nicht einmal die verschiedenen Senatsverwaltungen und die Bezirke zusammen an einem Strang ziehen.</p>
<p>Und bei dem, um mal den Blick auf das Schulwesen zu lenken, ein Teil des Problems die Frage ist, ob eigentlich das in den Schulen arbeitende Personal die richtige Einstellung zu dem Thema hat. Orientieren nicht viele Schulleiter noch immer ihr Handeln danach, als ob es doch darum ginge, die gute alte Trutzburg des biodeutschen Bildungsbürger, wenngleich beschädigt, so doch in wesentlichen Grundzügen zu erhalten? Fragen wir also, wie viele der Lehrkräfte denn türkisch sprechen oder sich in der türkischen oder arabischen Kultur so gut zurecht finden, dass sie ohne weiteres einen Hausbesuch machen können? Wenige. Welche Schule hat diese Frage, die kulturelle Inkompatibilität von Lehrkörper und SchülerInnen und Elternhäuser, denn mal systematisch zum Ausgangspunkt der Betrachtung gemacht? Welche Politiker verbreitet nicht nur Schönwettergesäusel (ja, 50 Jahre, nachdem der erste &#8220;Gastarbeiter&#8221; in Deutschland eingetroffen ist, haben die Deutschen auch schon mitbekommen, dass die Türken, Spanier, Portugiesen, Araber und andere dann doch nicht mehr heimkehren. Und inzwischen bereits in der zweiten Generation Kinder gezeugt haben. Die die Heimat ihrer Eltern gar nicht mehr kennen, aber für sie haftbar gemacht werden.)</p>
<p>Nein, es geht hier nicht darum, die deutsch-deutschstämmigen Lehrkräfte madig zu machen. Wenn man mit Menschen spricht, die als Flüchtlinge nach Deutschland gekommen sind, waren es immer einzelne Menschen gewesen, die. obwohl sie immer erst in der Hauptschule gelandet sind, bei der Hand genommen und die Versetzung in andere Schulen durchgesetzt haben. Die den jungen Menschen wichtige Ansprechpartner waren, Wegbegleiter, nicht weil die Eltern versagt, sondern weil sie überfordert waren. Warum wird die Verantwortung jedes Einzelnen nicht thematisiert? Muss man wirklich den Ethos des deutschen Bildungswesens hochhalten, den es doch nur noch rudimentär gibt, anstatt einfach über die Leistungen zu reden, die sie erbringen (sollen). Wenn, um an einen der neuen grünen Begriffe anzusetzen, es eine Kultur der öffentlichen Güter geben soll, dann kann die doch nicht nur bedeuten, dass Geld für öffentliche Güter da sein soll, sondern dass diese Institutionen doch auch so was wie eine Corporate Mission haben müssen, etwas erreichen wollen, und sich deshalb zusammen raufen. Sich, ich komme auf den dort eingeführten Begriff zurück, als Dienstleister verstehen sollten, die öffentliche Leistungen erbringen und deren Kunden die Bürgerinnen und Bürger sind. Das ist nichts ehrenrühriges, sondern lediglich ein Ausdruck dessen, dass man zu Arbeitsbeginn nicht erst Dienstvorschriften, sondern den und die Menschen, die jedem einzelnen gegenüber sitzen, wahrnimmt, erkennt und mit ihm eine Lösung findet. Vorschriften sind dabei Orientierungen, aber nicht mehr. Nur wenn Politiker den Mut finden, die Institutionen und handelnden Personen direkt, und zwar auch in aller Offenheit anzusprechen, ist jeder einzelne bemüßigt, sich selbst zu entscheiden, ob er Teil des Problems, oder Teil der Lösung sein will. Dim Aufsteigerrepublik, um im Bild zu blieben, wird nur dann eine Aufsteigerrepublic sein, wenn sie auf Progrämmchen verzichtet und mutig die Rahmenbedingungen für Aufstieg herstellt. Durch Konfliktfähigkeit, durch einen Antidiskrminierungsansatz, durch Fordern und Fördern als Prinzip im Umgang mit öffentlichen Gütern und Institutionen.</p>
<p>Wobei wir bei einer der weiteren Lebenslügen deutscher Politik sind. Denn egal, ob konservativ, sozialdemokratisch oder grün, die Politik ist bereits wieder dabei, sich in der Bildungspolitischen Debatte ihr eigenes Grab zu schaufeln. Auf jedem dieser Gräber steht: Weil ein Konzept für die politischen Biertische mehr gezählt hat als eine Idee, mit der die Menschen vor Ort arbeiten können. Ich will das, man sehe mir das nach, an der &#8220;länger in dieselbe Schule&#8221;-Debatte nachzeichnen;</p>
<p>Politisch kann man ja der Meinung sein, dass es gut ist, wenn die Klassenstrukturen nicht bereits in der vierten Klasse zerschlagen werden, und Menschen danach nach &#8220;Bildungseingnug&#8221; selektiert werden. Wovor sich aber die Mittelschichtseltern, und zwar egal, ob Biodeutsch oder mit Einwanderungshintergrund, fürchten, ist, dass aufgrund der sozial-ethischen Zusammensetzung der Klassen, und das gerade in gemischten Vierteln wie Kreuzberg, Schöneberg oder auch in gemischten Lagen in Mitte, die kulturellen Leitbilder in der Schulgemeinschaft kippen. Und da ist jedem von uns sein eigenes Kind wichtiger als eine allgemeine bildungspolitische Debatte. Sagen wir es offen: Vielen Menschen ist in diesem Zusammenhang das Vertrauen in die Leistungsdaten des öffentlichen Schulwesens längst abhanden gekommen. Und sie wissen, wenn sie überhaupt darüber sprechen und nicht längst die Abstimmung mit den Füssen eingeleitet haben, dass auch alle Bekenntnisse für mehr Lehrkräfte nicht Wirklichkeit werden (allenfalls können weitere Verschlechterungen gestoppt werden). Und so findet eine innerörtliche Wnderung statt, die dazu führt, dass beispielsweise türkischstämmige Deutsche, deren Kinder ins Schulalter kommen, verstärkt nach Charlottenburg umziehen, um dem befürchteten Problemen zu entweichen. Andere Eltern geben ihre Kinder dann auf eine der immer weiter wachsenden Privatschulen, ein Non-Thema, auch auf der gestrigen Podiumsdiskussion. Wäre es da nicht eigentlich klüger, auf eine bildungspolitische Debatte zu verzichten, die einen Königsweg favorisiert (je nach politischer Coleur ist das immer ein anderer) und stattdessen vor Ort beginnt, Wege zu suchen, auf denen die verschiedenen Fragen (Aufstiegswünsche der Eltern, Überfremdungsängste, die, meine ich, längst als sozialkulturelle Überfremdungsängste thematisierbar wären) auf vielfältigen Wegen gelöst werden könnten. Warum nicht Klassen von Kindern mit türkischem Hintergrund, die dann aber die Bikulturalität zum Ausgangspunkt ihres Unterrichts machen müssten. Das klingt nach Appartheit, aber wenn es dadurch gelingt, höhere Kulturhomogenität herzustellen und dadurch spezifische Förderungsansätze zu entwickeln, könnte es nicht EIN Weg sein? Integrationspolitik wird Versuche machen, Fehler machen und diese Fehler korrigieren müssen. Niemand weiß, welcher Weg am besten zum Ziel führt. Aber könnte es nicht sein, dass es gar nicht DEN Weg gibt, sondern dass die beste Lösung nur vor Ort gefunden werden kann. Mit Eltern, Schülern, Lehrern, Verwaltungen, der Zivilgesellschaft, will heißen, von Verbänden und Vereinen, die vielleicht die richtigeren Lösungen entwickeln können?</p>
<p>Politik, so meine Schlussfolgerung aus dem gestrigen Abend, sollte ihr Spielfeld neu vermessen. Und noch immer gilt dabei, dass es nichts nutzt, die Dinge schön zu reden, sondern, dass wir alle lernen müssen, Menschen, also Lehrer, Eltern und Schüler zu Mitwirkenden zu machen. Das wird aber nur gelingen, wenn Politik die vermeindliche Definitionshoheit über Königswege aufgibt, sondern ermutigt, provoziert, initiiert und so aus der reinen und sauberen Luft politischer Podiumsdebatten in die Alltagswirklichkeit dieser Gesellschaft herabsteigt. Just do it!</p>
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		<title>Benchmarking mal anders. Zum Beispiel in der Bildungspolitik</title>
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		<pubDate>Tue, 12 Jan 2010 07:13:24 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Nikolaus</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Statt künstlicher Benchmarks wäre es vielleicht auch ganz hilfreich, die Realität als Maßstab zu nehmen. Der Beitrag in der Süddeutschen vom 12.1.2010 hat das Zeug dazu. Weil er die richtigen Fragen stellt. Die Antworten können Politik, Kommunen, Länder und Bund nur gemeinsam geben. Davon gehen wir aus: Niemand wird Eltern dabei hindern, das zu tun, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Statt künstlicher Benchmarks wäre es vielleicht auch ganz hilfreich, die Realität als Maßstab zu nehmen. Der Beitrag in der <a title="Schule waagen!" href="http://fruehstuecksfernsehen.nikolaus-huss.de/?p=190" target="_blank">Süddeutschen vom 12.1.2010</a> hat das Zeug dazu. Weil er die richtigen Fragen stellt. Die Antworten können Politik, Kommunen, Länder und Bund nur gemeinsam geben.</p>
<p><span id="more-192"></span>
<p>Davon gehen wir aus:</p>
<p>Niemand wird Eltern dabei hindern, das zu tun, was aus ihrer Scht das beste für IHRE Kinde ist. Auch nicht, wenn sie grün oder rot oder ganz rot wählen. Also: Verhinderung von Umzug, Stopp von Privatschulen ist keine Lösung. Sondern nur die Verhinderung einer offenen Debatte in einer offenen Gesellschaft.</p>
<p>Es gibt und es wird immer mehr Stadtviertel mit immer mehr immer unterschiedlichen Kulturen geben. Egal ob in München oder Berlin. .,.. Und für diese Stadtviertel fehlen immer noch die Antwoten: Wie sieht ein öffentliches Schulangebot aus, das sich an eine kuturell heterogene Bevölkerung richtet. Stillsitzen und die Forderung nach &#8220;Deutsch lernen&#8221; ist es nicht. Zumindest nicht alleine. Müssten nicht auch Lehrer Türkisch oder Arabisch sprechen? Oder/Und die Kultur verstehen? Wie sieht es mit dem Verständnis für die hier entstehenden Mischkulturen aus (ein Türke, der in Deutschland aufwächst, ist für Türken in der Türkei kein Türke und für die Deutschen in Deutschland kein Deutscher. Er ist ein Deutschtürke. Aber was heißt das? Und wie geht Schule mit um?</p>
<p>Müsste Schule nicht einfach ganz anders sein?</p>
<p>Müsste die Heterogenität der Menschen und Qualifikationen nciht ganz unterschiedlich sein? Denn die Mischung machts!</p>
<p>Müsste man nicht einfach Schulen machen lassen? Und diese Erfahrungen sammeln?</p>
<p>Fragen über Fragen. Aber wer will sie hören?</p>
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		<title>Geschützt: Zeit der Zuvögel. Aus der Süddeutschen vom 12.1.2010 zum Thema Schule</title>
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		<pubDate>Tue, 12 Jan 2010 07:02:04 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Nikolaus</dc:creator>
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