Brave new Energy-World. Was gut ist und böse.

Da sind also jetzt die Schneemänner auf den Berliner Schlossplatz aufmarschiert. Und wer, wie ich noch nicht verstanden hat, warum (schon wieder so eine Klima-Aktion, da gab es doch gerade erst den Deseaster-Gipfel), konnte am Freitag, den 22. Januar auch ins vorläufige Kunstzelt am Schlossplatz und dort über Greenwashing reden. Mit Entega Chef Holger Mayer und Matthias Kopp, wwf, Toralf Staud, Autor und Angaangaq Angakkorsuaq, Grönland-Inuit, der von schmelzenden Gletschern berichtet. Wenn die Schneemänner schmelzen, dann sicher von der ganzen Hitze, die im weiß lackierten Kunstzelt herrscht; -offensichtlich ein Vorgriff auf die künftig tropischen Temperaturen. Die Diskussion: So hin und her gerissen vom sanften Plätschern auf dem Podium. Das Publikum, ein paar junge, gestrandete Berlin-Besucher. Wer sonst sollte zu einer Firmenpräsentation gehen, die im Deckmantel einer Podiumsdiskussion daher kommt. Zweispältig, mein Eindruck. Aber: Entega Chef Holger Mayer hat meinen Respekt. Wo gibt es schon Manager, die sich hinstellen und sagen: Ja, wir sind eine E.On Tochter, ja, 40% des Profits gehen in den E.On Säckel, da können wir nichts machen, sonst aber sauber argumentiert. Wenn es einen Preis für Risk-Management gibt, dann für Ihn. Wir alle wissen, die echten Risiken kommen immer von hinten. Glückwunsch, Herr Mayer für ihren Performance-Ritt. Gut gemachte, beruhigt schwäbische Argumentation. Da gibt es nichts zu meckern. Trotzdem, etwas ratlos saß ich schon im Publikum. Was mich iritiert hat: Die fast therapeutische Entspanntheit, mit der man auf dem Podium saß und gemeinsam der Meinung war, nee, grundsätzlich müsste man nichts ändern am Lebensstil. Die Sanftheit, das hohe Verständnis, das Herr Meyer und Kombatanten fast allem und jedem entgegenbrachte. Super Kerls seinen die Jungs von Daimler. Sie hätten halt Angst um ihren Arbeitsplatz. Sie lieben ihr Produkt. Auch Herr Meyer liebt sie. Da hat aber das Staatsratsgebäude gleich nebenan einen würdigen Gegenpart gefunden: Ich liebe Euch alle, der vielzitierte Honneckerspruch kurz vor dem Ende ist uns allen gut in Erinnnerung. Ja, wir lieben unsere Daimler-Arbeiter, die E.On-Chefetage auch. Aber wie, stellt sich die Frage, soll man dann vor lauter Liebe und Respekt dann eine Energiewende hinkriegen? Brave new World. Alle verstehen sich. Der Intuit beschreibt, synchron übersetzt, dass wir schon seit vierzig Jahren da sitzen und reden. Und die Gletscher schmelzen weiter. Und E.On hat ein Geschäftsmodell entwickelt, das heißt, wenn wir die Politik und die Gletscher schon nicht stoppen können, dann investieren wir mal in eine Zweitmarke, die für ihren Teil wohl ganz ordentlich arbeitet. Wie lange die E.On Konzernleitung dabei zusehen wird, hängt auch davon ab, ob einerseits die Gewinne nicht so stark einbrechen (wie viel Profit-Verzicht muss E.On eigentlich akzeptieren). Und natürlich wird es auch davon abhängen, wie Bürgerinitiativen die Worte der sanften Kombatanten auf dem Podium ernst nehmen und die Investitionen in neue Kohlekraftwerke blockieren. Denn dann sind niedrigeren Profits doch noch besser als gar keine Profits aus nicht gebauten Kraftwerken, oder? P.S. Beibehaltung des Lebensstils kann ja alles Mögliche bedeuten. Zum Beispiel, wie, ich glaube, es war Toralf Staud, erläuterte, Beibehaltung des Lebensstils könne auch bedeuten, nicht mehr einmal im Jahr nach Mallorca jetten, sondern nur noch alle sieben Jahre, dafür aber 3-4 Wochen. Und ansonsten die Zeit genießen. Darüber können wir ja reden. Aber ob das klappt, das so beiläufig einsickern zu lassen und den Menschen vor zu machen, dass wir uns ja nicht ändern müssen? Oder höchstens ein bißchen. Bleibe skeptisch. Da wird der Intuit aber noch weiter viel Wasser auch im Januar bis März aus dem Eis fließen sehen. Und wo die deutschen Nordseeküsten dann verlaufen, können wir heute noch nicht sagen. Ich denke, das Problem ist die Mutlosigkeit. Die Mutlosigkeit der Politik. Die Mutlosigkeit der Eliten. Und die Mutlosigkeit von uns allen. Biomilch wird nicht reichen. Wenn sich sonst nix ändert, ist Entega eine super Sache. Wenn es ihnen gelingt, den netten Atomstrom E.Ons ihre Kunden abzuluchsen.

Ein Gedanke zu „Brave new Energy-World. Was gut ist und böse.

  1. und mal ganz ehrlich: wer bei -10°C Aktionen mit schmelzenden Schneemännern macht, hat keine Ahnung von Timing. ich kenne zurzeit nur Leute, die hoffen, dass der gottverdammte Schnee endlich wegschmilzt und die sibirischen Temperaturen aufhören.

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