Besser ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende

Und noch eine gescheitert. Die schwarz-grüne Regierung in Hamburg ist nicht die erste und wird nicht die letzte Regierung sein, die an der Bildungsfrage scheitert. Aber wenn sie daraus schnell Konsequenzen zieht, könnte sie die erste Regierung sein, die angemessene Learnings aus der Unregierbarkeit zieht. Ein Schlachtenpanorama mit Schlussfolgerungen.

Gescheitert! Die schwarzgrüne Landesregierung in Hamburg ist anspruchsvoll gestartet und offensichtlich gescheitert. Nein, große Fehler hat sie nicht gemacht, wir brauchen ein Schulwesen, das auch bildungsfernen Kindern und Jugendlichen Aufstieg durch Bildung ermöglicht.

Aber, auf diesem Weg ist es wohl nicht zu machen, auch nicht, wenn sich Ole von Beust vorbildlich ins Zeug legt und sich der hochverehrte Herr Otto engagiert. Was alle Parteien ausblenden: Die Parteien und die Politik hat die Definitionsmacht über Bildungspolitik verloren. Denn die Eltern glauben ihnen nicht, egal, welcher Partei sie anhängen. Das führt dazu, dass sich die Kräfte der Erhaltung zusammen schließen können, um den Weg in die Zukunft zu verhindern. Nicht die Gucci Träger, sondern die Bildungsbürger haben jetzt einen Pyrrussieg errungen: Bestand statt Bewegung. Frei nach dem Motto: Zwar sind wir von diesem Schulsystem nicht überzeugt, aber ich weiß, wie ich mein Kind über die jetzt bestehenden Hürden bringe. Und um cer Zukunftschancen MEINER Kinder willen bin ich bereit, alle unwägbaren Risiken beiseite zu räumen. Koste es was es wolle.

Im Klartext: Während die Bildungspolitik von besseren Durchschnittschancen für alle reden, denkt der betroffene Bildungsbürger an die größeren Risiken für seine Kinder. Das ist zwar egoistisch, aber gerade vor dem Hintergrund, dass gute Bildung die besten Karrierechancen erschließt, legitim. Und es wird Zeit, dass sich die Bildungspolitik auf den Weg macht, neue Ansätze zu finden.

Denn klar ist: Eine Schule für alle führt zu einem System, das viele Gegner hat: Lehrer, die standespolitische Interessen verfolgen, Lehrkräften, die sich von den weiteren Herausforderungen überfordert fühlen, Eltern, die, gerade, wenn sie in sozial gemischten Vierteln leben, Angst vor fremden Kulturen und sozialen Schichten haben und eine Veränderung des Binnenklima befürchten. Und das in einem Schulsytem, das verkrustet und erstarrt ist. Und in einer Situation, in der Mittelschichten Abstiegsängste haben.

Die Lehre aus diesem erneuten Scheitern einer Schulreform ist: Wenn der Rahmen gleich bleibt, wird die Schule auch gleich bleiben. Denn längst haben die Eltern begriffen, dass Versprechen, die Politiker machen, nicht eingehalten werden können. Weil die Schulstruktur dagegen spricht, weil der Schulleiter dagegen ist, weil die Lehrer und alle Angst haben. Wir müssen das Schulwesen von Grund auf neu denken. Und wir müssen alle einbeziehen, die daran mit zu wirken haben: Schulverwaltung, Lehrer, Eltern und Schuler. Nur dann können wir berechtigte Ängste abbauen und aus Gegnern Unterstützer machen.

Eines ist dabei klar: Es wird und muss unterschiedliche Wege zum Abitur geben. Weil es unterschiedliche Ausgangspunkte gibt. Ein Junge mit Migrationshintergrund aus einer klassischen bildungsfernen Familie wird auf einem humanistischen Gymasium sein Glück nicht finden. Weil es nicht seine Kultur ist. Also, warum öffnet man nicht die Wege, um über unterschiedliche Entwicklungspfade, zum Beispiel auch transkulturelle Schulangebote oder Werkschulangebote, die handwerkliche mit Bildungsabschlüssen verbinden, den Weg zum Abitur und damit zum Hochschulzugang frei machen. Denn nur darum geht es. Und der Kulturkamof, dass wir eine Einheitsschule brauchen um vergleichbare Schulabschlüsse zu erreichen, den hat die Politik jetzt verloren. Und deshalb sollte sie die Quittung einstecken und jetzt nachdenken, wie sie das Votum einer aktiven Minderheit zum Ausgangspunkt für eine Schulpolitik macht, bei der sich alle eingebunden fühen. Das wäre Courage. Das würde Hamburg, Berlin und ganz Deutschland helfen. Denn es würde erstmals zeigen, dass die Politik das Volk, das sich rührt, ernst nimmt und zum Ausgangspunkt ihrer Überlegungen macht. Das bedeutet nicht, das Ziel „Mehr Bildung für mehr Kinder“ aus den Augen zu verlieren. Aber es bedeutet, die Mitwirkung aller an der Wegfindung aktiv einzufordern. Think global, act local. Und jetzt aber wirklich!

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