Be yourself! Die Lehren aus Düsseldorf

NRW hat gewählt. Es ist der erwartete Denkzettel für die FDP und Ministerpräsident Rüttgers geworden. Was viele noch nicht erkennen wollen: Die Partei, die sich den Berliner Politzirkus verweigert hat, die Grünen, stehen schon seit Jahren am Besten da. Wie man durch Ruhe bewahren Stärke gewinnen kann.

Den Denkfehler, dass wir eine Mitmachdemokratie haben, sollten wir gleich beiseite räumen. Tatsache ist, dass unsere Demokratie eher einer Mitmotz-Demokratie ähnelt. Und so sind all die Talkshows, die angeblich von Politik handeln und doch nur die Eitelkeit der Akteure widerspiegeln, selbstreferentielle Systeme. Politik interessiert doch wirklich keinen, schon, weil die Sachen, denken wir an Kopfpauschale und Bürgerversicherung oder andere Dinge, keiner tatsächlich versteht.

Was die Wählerinnen und Wähler aber verstehen, ist, wenn sich Parteien „gefühlt“ in eine Richtung bewegen. Und wenn sie den Eindruck gewinnen, diese Ernsthaftigkeit sei von Dauer. Das macht die Stärke der GRÜNEN aus. Denn tatsächlich ist es doch so, dass diese Partei sich beide Optionen offen halten kann, ob mit SPD oder der CDU, ohne dasss es der Partei schadet. Gefühlte Leadership könnten wir das bezeichnen, weil man der Partei glaubt, dass es ihr darum geht, an die Fragen von Übermorgen zu denken. Und Wählerinnen und Wähler sind nicht mündige BürgerInnen, die sich durch zentnerschwere Parteiprogramme fressen, sondern empathische Politikversteher, die mehr Instinkt zeigen, als man denkt. Politische Bauernschläue ist das, wenn man weniger darüber nachdenkt, was einer macht, sondern wahrnimmt, wie er es macht.

Um auf die Grünen zurück zu kommen. Man sollte jetzt nicht auf den Gedanken verfallen, dass die Stärke der Grünen eine programmatische Stärke ist. Programme sind für die innerparteiliche Diskussion notwendig, werden aber nach außen hin überschätzt. Wie ich etwas thematisiere wird belohnt, nicht, welches Politische Rezept ich als Antwort habe. Thematisierungskompetenz nennen die Politikforscher das. Es wirkt, auch auf mich, etwas komisch, wenn grüne SpitzenpolitikerInnen dann von dem Zukunftspaket reden, das die Wähler gewählt haben. Haben sie nicht! Denn das interessiert sie nicht. Wohl aber interessiert die Wählerinnen und Wähler, wenn sich eine Partei nicht im Hier und Jetzt taktischer Interessen verliert und in inszenierten Schaukämpfen mit anderen.

Wer jetzt überzeitliche Modelle für Erfolg ableitet, auch der sei gewarnt. Die Grünen sind Nutznießer einer Situation, in der es der SPD gelungen ist, Rüttgers die Quittung für seine Schlammschlacht zurück zu geben. Kommt da etwa Schadenfreude auf? Ja. Denn Rüttgers, der wieder einmal gezeigt hat, dass er, wenn es um Macht geht, hemmungslos alle Register der Feindbeobachtung und -denunziation zieht, ist jetzt Opfer seiner eigenen Strategie geworden. Schön, wenn es in der Politik auch mal die Richtigen trifft.

Wir ziehen Bilanz: Die Grünen haben gewonnen. Sie haben gewonnen durch Konzentration auf sich selbst, den Verzicht auf die sinnlosen Debatten in der Eitelkeitsarena politischer Bühnen. Dass es wieder nicht gereicht hat für eine klare Entscheidung, rot-grün oder schwarz-grün, ist ärgerlich, aber offensichtlich nicht zu vermeiden. Kommt Zeit, kommt Regierung.

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