Anne Will. Oder Politik

Die Einschaltquote hätte man gerne gewußt. Und den Verlauf derselben. Denn wenn Anne Will am Sonntag abend scheinbar investigativ fragt, zeigt das nur eines: Dass Journalismus Teil des Problems, nicht Teil der Lösung ist.

NRW-Wahl, die Grünen haben gewonnen, bei Anne Will diskutieren die Verlierer und Nichts-Sager: Der Sozialdemokrat Klaus Wowereit, die CDU-Kandidatin für Rheinland Pfalz Julia Klöckner und der FDP Generalsekretär Christian Lindner. Die ganze Runde, ich habe dann nach 10 Minuten abgeschalten, war ein Beitrag zur Politikverdrossenheit. Und es wäre nett, wenn jemand Anne Will mal sagen würde, dass investigativer Journalismus nicht dasselbe ist wie die penetrante Widerholung immer derselben Frage (nämlich, ob Angela Merkel jetzt abgestraft wurde). Wenn Anne Will mit Angela Merkel (wir erinnern uns an die gleichnamige Sendung mit derselben, in der sie allerdings kalt lächelnd überrrollt wurde), sollte sie das mal persönlich mit ihr klären. Und nicht wertvolle Sendezeit verrramschen. Eine Schnellkritik zum Sonntag abend.

Die Entscheidung, alle Wahlverlierer antreten zu lassen, war schon mal super. Da bleibt man wenigstens unter sich. Vielleicht haben die Grünen ja auch beschlossen, grundsätzlich nicht mehr zu inhaltslosen Selbstbespiegelungsrunden zu gehen. Dann kann man ihnen nur gratulieren. Denn wenn die Politik so weiter macht (und der Journalismus auch), werden die Wahlergebnisse der ehemals großen Parteien weiter schrumpfen, die FDP, da schau mer mal. Und wer an Kraft gewinnt, gewinnt sie längst außerhalb der medialen Arena. Weil da Arena-Rhetorik und Schaukampf-Inszenierungen längst jede Diskussion, was zu tun wäre, überlagert.

Und so verabschieden sich Zuschauer von angeblich „journalistischen“ Runden, in denen nur Schuldverschreibungen und Parlamentstaktiken ugehandelt werden, die niemanden außerhalb dieser Gesprächsrunde interessieren. Oder Schweigefrauen wie Julia Klöckner (ja, im Ernst, soll sie sagen, dass Angela Merkel „schuld ist“) eingeladen werden, die dann in die Kamera lächeln dürfen. Schön ist, wie sie und Lindner als zwei Sterilformulierer nichts sagen. Politkamarketingtechnisch ist das richtig, aber politisch ist das falsch. Da hilft auch eine Anne Will nichts, deren penetrante Frage nach der Verantwortung nur so erklärt werden kann, dass sie den teuren Einspieler zu Angela Merkel nicht ungesendet verschwinden lassen wollte.

Was gefehlt hat, wäre eine journalistische Runde, die nach einer politischen Perspektive gefragt hätte. Die die Sorgen und Ängste der Menschen ernst nimmt. Die Stimmungen von draußen nach drinnen trägt und nicht nur von links nach rechts. Darüber sollte Anne Will mal nachdenken.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.