An die Deutschen Verleger. Fakten. Fakten. Fakten.

Die deutschen Verleger haben es nicht leicht. Zugegeben. Aber wenn sie jetzt mit der Forderung nach einem Leistungsschutzrecht durch die Lande ziehen, machen sie es sich -und uns, den Lesern- nicht einfacher. Weil sie ihre Hausaufgaben nicht gemacht haben. Ein kleiner Blick über den Teich. Mit freundlicher Unterstützung der Süddeutschen Zeitung vom 27.3.2010.

Das „Projekt for Excellence in Journalism“ (PEJ) beim Pew Center in Washington legt jährlich einen Bericht über die Entwicklung des Qualitätsjournalismus in den USA vor, der für deutsche Verleger schon deshalb interessant sein dürfte, weil die amerikanischen Medien dem Untergang einfach näher sind. Die Fakten: Meinung geht vor Wissen. Und das Restwissen kommt aus den traditionellen Medien. Und elektronische Medien, also Fernsehen, legt dann zu, wenn widerlichster Meinungsjournalismus betrieben wird, soweit der Report, den ich mit Verweis auf Nikolaus Pipers Beitrag interpretiere.

Was das für deutsche Verleger heißt, weiss ich noch nicht. Aber ich vermisse eine öffentliche Debatte darüber. Eine Debatte, die die Zeitungsleser mit einbezieht. Eine Debatte, die dem Paradigma politischer Öffentlichkeit entspricht, wie sie Habermas beschrieben hat. Eine Debatte, die nicht beim Leistungsschutzrecht aufhört, weil man sich an der Leiche traditionelle Medien noch seinen Anteil sichern will. Aber die nicht berücksichtigt, dass Journalisten zwar Geld kosten, aber halt ohne Journalisten auch keine Zeitung zu machen ist. Außer, man klaut, wie im Internet, alle Beiträge zusammen und bringt das dann in Printform.

So ist -aus meiner Sicht- zu beobachten, dass die Journalisten, mit wenigen Ausnahmen, nur nach dem Zitronenprinzip betrachtet werden. Löhne absenken, outsourcen, Erfahrene raus und harmlose Jungschreiber zu Billiggehälter reinsetzen. Bringt Kostenvorteil, aber Qualitätsverlust, weshalb der Leser denkt, kann ich doch gleich auf „Umme“ umsteigen.

Manchmal springt man halt zu kurz, wenn man nur an die eigenen Interessen denkt. Und deshalb ist es eine fatale Fehleinschätzung der Medien, wenn sie glauben, sie könnten den Kampf um die Erhaltung ihres Geschäftsmodells alleine, ohne Mobilisierung ihrer Leser und ohne Unterstützung ihrer Journalisten führen. Wie es derzeit der Fall ist.

Vielleicht wäre es einmal ganz originell und lebensrettend, mal andere Wege zu diskutieren und zu thematisieren. Zum Beispiel die Etablierung von Qualitätsjournalismus im Netz. Das geht so: Ein Zeitungsverlag, der an Qualität interessiert ist, forciert Modelle des Micropayments, indem er Modelle journalistischer Qualitätsplattformen im Internet etablieren hilft. Gemeinsam mit freien Journalisten zum Beispiel. Da wird dann mal gelernt, dass Recherchen auch Geld kosten, da wird dann auch gelernt, dass Fakten! Fakten! Fakten! Geld kostet. Und dass Menschen bereit sind, für journalistische „Marken“ Geld zu bezahlen.

Gelingen kann das Ganze nur, wenn es belastbare Partnerschaften zwischen Verlegern und Journalisten gibt. Denn die Journalisten, das hat aus das Politcamp am 19./20.3. in Berlin gezeigt, jammern gerne, aber haben, wie viele Netizen, nicht vertstanden, dass Interessen durchsetzen mit Kompromißbildung, Stetigkeit und Hartnäckigkeit zu tun hat. Was nicht immer eine journalistische Tugend ist.

Lessons learned? Die Zukunft wird es zeigen. Und wenn wir in der jetzigen Debatte intelligent die amerikanischen Erfahrungen nutzen können, who knows? Zukunft ist gestaltbar.

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