Afghanistan. Und wir.

Die Schlacht ist im vollen Gange! Aber nicht am Kundus, sondern der Krieg findet mitten in Deutschland statt. Die Salonlöwen laufen sich warm, um von den Leichen am Fluß auch noch ein Stück ab zu bekommen. Ein Trauerspiel, bei dem sich wieder einmal zeigt: Die Blöden sind die, die vor Ort sind.

Mein Sohn, 19, analysiert klar, was das Problem ist: Es ist halt Krieg. Und da gibt es Tote. Was wir jetzt erkennen können, ist, dass in dieser inneren Verfassung ein Krieg im Ausland zur Durchsetzung der eigenen Interessen (das müsste man jetzt nochmal definieren und diskutieren) nicht möglich ist. Manchmal hilft es ja, sich in die Rolle des einfachen Soldaten vor Ort (in diesem Falle am Hindukusch) zu versetzen. Wie findet man es, wenn man Scheiß-Angst hat, von der Ausbildung her gar nicht in der Lage ist, einen Krieg zu führen. Von Albträumen geplagt ist. Und bei jedem Schuss, den man tut, das Gefühl hat, man könnte auch mit einem Bein schon vor einem Deutschen Richter. Und mit einem halben Bein schon im Gefängnis stehen.

Das ist, warum ich vor längerer Zeit schon mal prognostiziert habe, dass ich nicht glaube, dass der Herr Baron das Verteidigungsministerium nicht übernehmen würde. Weil ich dachte, der wisse schon, wie man Karriere macht. Und dass man mit Toten eben keine macht.

Jetzt steht der Publikumsliebling Nr. 1 an den Gräbern deutscher Soldaten. Und kann, bildlich gesprochen, nicht mal richtig trauern, weil die führenden Soldaten hinter ihm dauernd so rumgrummeln, wie er sie im Regen stehen lässt.

Die aktuelle Situation ist höchst unbefriedigend. Weil die Deutschen Soldaten zu Recht das Gefühl haben, die von ihnen geforderte Systemleistung würde in der Öffentlichkeit nicht richtig gerwürdigt.

Das stimmt.

Denn wer mit seinem eigenen Leben den Einsatz für das Vaterland risikiert, sollte wenigstens erwarten können, dass seine obersten Chefs sich als erstes darum kümmern, ihm den Rücken frei zu halten. Aber statt dessen geht es denen nur darum, bei den Salondebatten die schönste Figur abzugeben. Ich tue es nicht gerne, aber da halte ich es doch mit Dirk Niebel. Ich weiß zwar nicht, warum sich der Entwicklungshilfeminister im Kriegsgebiet rumtreibt, aber „mehr Verständnis“ ist schon mal ein erster Schritt. Aber noch immer fehlt einer, die wie ein Löwe auf der deutschen Salonfront dafür kämpft, dass die Soldaten, wenn im Krieg stehen, auf solche Debatten verzichten können.

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